Freitag, 30. Dezember 2011

Litanei zum Jahreswechsel


Normalerweise schreibe ich lieber selbst als ellenlange Zitate anzuführen. Momentan bin ich aber noch ein wenig im postweihnachtlichen Standby-Modus. Da kam es sehr passend, dass Florian Felix Weyh am Tag vor Silvester im politischen Feuilleton auf Deutschlandradio Kultur eine nachdenklich stimmende Litanei zum Jahresabschluss angestimmt hat, die sich lohnt, im Ganzen zitiert zu werden.

Samstag, 24. Dezember 2011

Wünsche schöne Feiertage

So gefeiert wird, halte man sich jedoch fern von allem, was einem das Fest versauen kann. Hierzu sei der Rat des einschlägigen Experten J. Malmsheimer empfohlen:








Mittwoch, 21. Dezember 2011

Praktisches Weihnachtslexikon, A-Z


Einigen wird das seltsame Treiben aufgefallen sein, das die Umwelt in diesen Breiten seit einigen Wochen deutlich sichtbar praktiziert. Auch die seltsamen Wörter, die zu jedem Jahresende kursieren, mögen viele vor das eine oder andere Rätsel stellen. Als stets um Aufklärung bemühter Zeitgenosse habe ich mich, zum Teil im Selbstversuch, daran gemacht, eine praktische, alphabetisch geordnete Liste zusammenzustellen, die die in diesem Zusammenhang wichtigsten Fragen für alle in verständlicher Form beantworten sollte:

Montag, 19. Dezember 2011

Der sparsame Präsident


„Dieser Herr“, ätzte Herbert Wehner legendärerweise über Willy Brandt, „badet gern lau!“ Im Hinblick auf Christian Wulff formulierte Jakob Augstein es ein wenig anders: Er meinte, das Wildeste an dem Mann dürfte wohl die Tätowierung seiner Frau sein.

Es war Angela Merkel, die Wulff ins Präsidentenamt hievte. Joachim Gauck, der liberale Ideologe und glühende Linkenfresser, hätte ihr, obwohl ihr politisch eigentlich näher stehend, sehr unbequem werden können. Und so etwas schätzt die Kanzlerin nicht bei ihren Präsidenten. Die Bestellung Wulffs war aus der Not geboren: Horst Köhler war überraschend zurück getreten, ein einmaliger Vorgang in der Geschichte der Bundesrepublik, und die Opposition hatte sie mit ihrer Nominierung Gaucks in die Enge getrieben. Da schien keine Zeit gewesen zu sein für gründliche Prüfungen des Vorlebens des Kandidaten. Drei Kreuze gemacht und ins Amt mit ihm, wenn auch blamablerweise erst im dritten Wahlgang.

Samstag, 17. Dezember 2011

Bekenntnisse eines Gekaperten


Es war Hans-Olaf Henkels kanalrattiges Grinsen, das eine Warnung hätte sein müssen. Am späteren Abend des 27. September 1998 fragte ein Reporter in Berlin den damaligen BDI-Präsidenten mit sichtlicher Vorfreude darauf, dass er und seine Bagage jetzt wohl etwas kleinere Brötchen würden backen müssen, ob er denn auch mit Sozialdemokraten reden würde. Henkel antwortete, siegesgewiss feixend, er rede grundsätzlich mit Siegern. Sprach’s und verschwand im Hinterzimmer. Der Mann schien bereits zu wissen, dass seine Party jetzt erst richtig losgehen würde. Viele andere wussten es nicht.

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Mein Wort des Jahres 2011


Eine schwere Prüfung der eigenen Langmut ist es zweifellos, laute, saufende Horden in öffentlichen Raum, in öffentlichen Verkehrsmitteln gar, ertragen zu müssen. Darüber ist hier vor nicht allzu langer Zeit bereits reflektiert worden. Die Frage ist in der Tat: Wie umgehen mit so was? Es gibt einige Möglichkeiten: Eine Idee wäre es, die Präsenz von Sicherheitspersonal zu erhöhen. Das kann schon Wunder bewirken. Obwohl ich, wie gesagt, von solch unzivilisiertem Benehmen selbst mächtig genervt bin, wäre die letzte Idee, auf die ich käme, ein totales Alkoholverbot in öffentlichen Verkehrsmitteln zu fordern. Viele Landsleute sehen das allerdings anders.

Dienstag, 13. Dezember 2011

Brain Farts, 14.12.2011


Ein Arbeitsloser weniger

Juhu, KaTe hat nen neuen Job! Welch Erleichterung, so kurz vor Weihnachten. Man musste sich wirklich schon Sorgen machen um den armen Kerl. Er macht's ja nicht für Geld, aber endlich ist die ehrwürdige Familie erlöst. Nie wieder peinliche Szenen ("Der Karl-Theodor ist ja arbeitslos und..."). Er ist jetzt Berater irgend einer EU-Tante für irgendwas mit Internet. Wie? Höre ich da: Ist der überhaupt qualifiziert? Was ist das denn für eine blöde, ja unbotmäßige Frage? Qualifikation ist voll bürgerlich. Einem Angehörigen des alten Adels stellt sich diese Frage überhaupt nicht, der wird für seine Ämter geboren. Außerdem kennt sich Karl Theodor zu Guttenberg mit diesem Internet ja wohl aus wie kein Zweiter. Das Internet ist schließlich das Gerät, das ihn seines Doktortitels beraubt hat.


Montag, 12. Dezember 2011

Die zunehmende Verlärmung der Welt


Was für ein Herdentier der moderne Mensch ist, lässt sich sehr schön an Dingen sehen von denen niemand je geglaubt hätte, dass sie einmal in Mode kommen würden. Zum Beispiel Biathlon. Früher war das eine Veranstaltung, die fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, abgesehen von ein paar angeglühten Einheimischen, die ihren Kater vom Vorabend auslüfteten. Aktiv wurde das betrieben von knorzigen Naturburschen mit seltsamen Namen wie Peter Angerer und Eirik Kvalfoss, die, wenn sie denn redeten, unverständliches Idiom sprachen und auf Langlaufskiern einsam durch verschneite Wälder ächzten. Alle paar Kilometer wurde angehalten, der auf dem Rücken mitgeführte Schießprügel zur Hand genommen und auf schwarze Scheiben geschossen, die bei dichtem Schneetreiben in der Ferne kaum auszumachen waren. Es wirkte alles so skurril und auf so rührende Weise altmodisch, dass es mich nicht überrascht hätte, wenn da mit Vorderladermusketen rumgeballert worden wäre.

Samstag, 10. Dezember 2011

The Brighter Side: Videos zum Wochenende


Immer, wenn man momentan nicht so recht weiß, worüber man bloggen soll und jede Menge halb fertiger Kram auf der Festplatte vor sich hinschmort, lässt sich immer noch das eine oder andere Video online stellen.

Freitag, 9. Dezember 2011

Der Jugend nicht aufs Maul geschaut


Volkes Mund ist schwer zu fassen. Wer da mithalten will, muss ziemlich auf dem Quivive sein. Und so etliches, das nach Volksmund aussieht, ist dem Volke eben nicht vom Munde abgeschaut, sondern wurde ihm vielmehr dort hineingelegt. So hielt sich über Jahrzehnte hartnäckig das Gerücht, der Berliner Fernsehturm werde von den Berlinern 'Telespargel' genannt. Das war und ist Blödsinn. 'Telespargel' ist so sperrig, klingt so ausgedacht und gewollt um Originalität bemüht, dass es unmöglich aus dem Volksmund kommen kann. Und tatsächlich handelte es sich um eine von DDR-Offiziellen gewünschte Bezeichnung, die sich bei den Berlinern nie durchgesetzt hat und nur von treuherzigen Reiseführern verwendet wurde.

Mittwoch, 7. Dezember 2011

SPON enthüllt: Hartz-IV-Muttis sind faul und überversorgt


Denjenigen, die wirklich geglaubt haben sollten, beim SPIEGEL begönne man langsam damit, sich ein wenig vom Kurs des neoliberalen Propagandaorgans wegzubewegen, sei dringend dieses kurze Hetzfilmchen aus dem Hause SPIEGEL online ans Herz gelegt.

Dienstag, 6. Dezember 2011

Flitzpiepen, feiernd


Dezember ist nicht nur der Monat von Heiligabend, Familienterror und Silvesterknallerei, sondern auch der Monat der berüchtigten Betriebsweihnachtsfeiern. Auf denen geht es bekanntlich, schenkt man der alljährlichen Berichterstattung Glauben, grundsätzlich dergestalt zu, dass die Einwohner von Sodom und Gomorrha sich dagegen wie ein Kongress buddistischer Mönche ausnehmen. Durch die jedes Jahr aufs Neue wiedergekäuten Vollrausch- und Fickificki-Geschichten ist der Begriff ‚Weihnachtsfeier’ mittlerweile hormonell so aufgeladen, dass der Duden ihn mit einiger Sicherheit in seiner nächsten Ausgabe als anderes Wort für ‚Orgie’ oder ‚Besäufnis’ aufführen wird. Offenbar habe ich bislang immer bei den falschen Firmen gearbeitet.

Montag, 5. Dezember 2011

Sócrates (1954-2011)


Sport, vor allem Fußball, ist immer in Gefahr, politisch vereinnahmt zu werden. Regierende aller Art wissen, wie gut sich mit gelegentlichen Stadionbesuchen und dem gezielten Tragen von Fanschals bei Teilen der Öffentlichkeit punkten lässt. Die WM 2006 in Deutschland sollte eigentlich die ganz große Schröder-Show werden. Das hat ihm Angela Merkel weggeschnappt. Berüchtigt auch der holländische Nationaltrainer Rinus Michels, für den Begegnungen gegen Deutschland gelebte Rache für den zweiten Weltkrieg waren und der seine Spieler dementsprechend einschwor. Auch Diktaturen schmücken sich von jeher gern mit fußballerischen Erfolgen und Großereignissen: Traurige Berühmtheit erlangten zum Beispiel Erich Mielkes Stasi-Club BFC Dynamo, der ab 1979 wundersamerweise den DDR-Meistertitel abonniert zu haben schien oder die Fußball-WM 1978 in Argentinien, mit der sich die damals regierende Militärjunta ein besseres Image im Ausland verpassen wollte.

Und dann gab es noch die brasilianische Nationalmannschaft der Achtziger.

Sonntag, 4. Dezember 2011

Zur Verteidigung Jeremy Clarksons


"Speed has never killed anyone. Suddenly becoming stationary… that's what get's you." (Jeremy Clarkson)

Der britische Journalist und passionierte Unsympath Jeremy Clarkson ist hierzulande nur einer Minderheit bekannt. Er ist Moderator der bei uns auf dem Spartensender dmax ausgestrahlten BBC-Autosendung Top Gear. In Großbritannien dagegen ist er das, was man eine Ikone nennt: Neben Top Gear schreibt er regelmäßig Kolumnen für die Sunday Times, die regelmäßig in Buchform veröffentlicht werden. In zwanzig Jahren hat er es vom Provinzreporter zum Multimillonär gebracht. Allein die öffentlich-rechtliche, durch Gebühren finanzierte BBC überweist ihm über eine Million Pfund im Jahr. 

Freitag, 2. Dezember 2011

Und täglich grüßt das Witzetier


Es gibt gute Witze, es gibt schlechte Witze, es gibt geniale Witze, es gibt Witze, die sind so schlecht, dass sie schon wieder gut sind. Und es gibt jene äußerst unangenehme Sorte, die Wiglaf Droste 'Witze mit eingebauter Wiederholungstaste' nannte. Die werden von Menschen gerissen, die irgendwann einmal in ihrem Leben etwas aufgeschnappt haben, das sie wahnsinnig lustig gefunden und daraufhin beschlossen haben, dieses Scherzchen fest in ihren aktiven Wortschatz zu integrieren, um es von Stund' an bei jeder Gelegenheit rauszulassen.

Mittwoch, 30. November 2011

Keinen Cent für Amazon


Natürlich kann es kein moralisch völlig einwandfreies Konsumieren geben. Wer von sich behaupten kann, während des ganzen Jahres 2011 ausschließlich Waren konsumiert zu haben, deren Herstellung nicht zumindest teilweise zu menschenunwürdigen Billigstbedingungen passierte, möge sich bitte melden. Wer schon den Finger heben will, weil er nur Fairtrade-Kaffee und Bioprodukte kauft, sollte bedenken: Zum Konsum gehört auch der Verzehr von Speisen, die mit nicht ethisch einwandfreien Rohstoffen zubereitet wurden, zum Beispiel in der Gastronomie oder bei Einladungen. Es dürfte kaum möglich sein, zu konsumieren, ohne irgend jemandem auf der Welt irgendwie weh zu tun. Trotzdem gibt es Grenzen dafür, was ich bereit bin, mit meinen lumpigen Kröten aktiv zu unterstützen:

Montag, 28. November 2011

Lasst mich mit meinen Finanzen in Ruhe!


Was Geld angeht, bin ich ein ziemlich hoffnungsloser Fall. Es interessiert mich nicht und alle Versuche von entsprechend qualifizierten Leuten, mich dafür zu interessieren, sind bislang gescheitert. Mein Verhältnis zu meinem Bankkonto ist wie das eines Jugendlichen zum elterlichen Taschengeld: Noch was da? Cool! Nix mehr da? Mist! Ich zahle Rechnungen meist auf den letzten Drücker und ziehe auch viel zu selten Kontoauszüge. Überhaupt ist mir mein Kontostand nur so lange nicht gleichgültig, solange er sich, egal ob Soll oder Haben, in einem halbwegs erträglichen Bereich bewegt.

Samstag, 26. November 2011

Fatale Bildungslücke


Hatte meine Oma also doch recht: Alles im Leben rächt sich einmal. Als Jugendlicher ist die Horrorfilm-Welle komplett an mir vorbeigegangen. Fragen wie: „Haste schon Ein Zombie hing am Glockenseil gesehen?“ habe ich stets, meine Ignoranz partout nicht erkennen wollend, souverän lächelnd verneint. Auch in Serie produzierte Machwerke wie Geisterjäger John Sinclair, die meine Altersgenossen stapelweise verschlangen, habe ich nach ein paar Seiten gelangweilt zur Seite gelegt.

Mittwoch, 23. November 2011

Sozialstaat der Superreichen


Trotz Krise heißt es immer noch: Sozialismus für das reichste Prozent, Kapitalismus für alle anderen.

George Monbiot

In einer am Freitagabend zu Ende gegangenen Doku-Soap wollte die hauptberufliche Tochter und Alleinerbin Tamara Ecclestone unbedingt beweisen, dass sie mitnichten ein „überflüssiger, verwöhnter, strunzdummer, hohlköpfiger und geistloser Mensch“ sei. Dies hehre Vorhaben erwies sich leider nicht als voller Erfolg. Auf Channel 5 durften wir bewundern, wie sie ihr 45-Mio.-£-Häuschen in London renovierte: Unter anderem ließ sie eine Badewanne aus mexikanischem Bergkristall für 1 Mio., ein unterirdisches Hallenbad, einen eigenen Club, einen Aufzug für ihren Ferrari, eine Bowlingbahn mit kristallverzierten Kugeln sowie einen Spa- und Wellnessbereich für ihre fünf Hunde einbauen. Letzteres aber nur, um ihr und den Tierchen den Stress eines Ausflugs zu Harrod’s zu ersparen, wenn mal wieder das Fell gesprayt und die Krallen lackiert werden müssen. Eines aber kam nicht zur Sprache: Wie viel genau Sie und ich für all diese Pracht gezahlt haben.

Montag, 21. November 2011

Martenstein, das Schmunzelmonster


Eine der großartigsten Figuren, die der große Loriot geschaffen hat, spielt eine vergleichsweise kleine Nebenrolle in seinem Werk: Es ist Onkel Hellmuth aus dem Film Pappa ante portas, kongenial gespielt von Hans-Peter Korff. Wir sehen ihn im Speisewagen sitzen und an einem mitgebrachten Butterbrot herummümmeln. Schon da möchte man ihm die Stulle aus der Hand nehmen und in die schütteren Haare schmieren. Oberflächlich betrachtet, ist Onkel Hellmuth zum Kotzen lieb. Er und seine Frau, die sich im übrigen in ihrer fünfundzwanzig Jahre währenden Verlobungszeit füreinander aufgehoben hätten*, seien heitere Menschen, pflegt er zu salbadern, und, wenn es denn einen Anlass gäbe, dann schmunzelten auch sie einmal von Herzen gern. Was diese Figur und Korffs subtiles Spiel so komisch macht, ihr echte Tiefe verleiht und über die bloße Karikatur erhebt, ist die hier und da ganz kurz aufblitzende Ahnung, dass hinter der Fassade aus überzeichneter Nettigkeit ein autoritärer, verbiesterter Zwangscharakter steckt, der seinen Mitmenschen nicht die Butter auf dem Brot gönnt: Als der Zug scharf bremst und der Kellner, vornüber kippend, in die Torte fasst, kann sein pubertierender Neffe Dieter sich das Lachen nicht verbeißen. Sofort wird er von Onkel Hellmuth mit schneidendem Unterton zurecht gewiesen, dass man meint, die Eiszapfen von der Decke ragen zu sehen: „Über das Missgeschick eines Menschen spottet man nicht!“

Sonntag, 20. November 2011

Aus gegebenem Anlass: Lettre a'la TITANIC


Sehr geehrter Innenminister Friedrich (CSU),


am Rande einer Veranstaltung der bayerischen Jungen Union am 19. November sagten Sie, einige Mitarbeiter des Verfassungsschutzes hätten „kläglich versagt“ und der eine oder andere würde sich einer „peinlichen Befragung“ unterziehen müssen.

Samstag, 19. November 2011

Wenn die Journaille sich mal locker macht


Mit "Faschismus des Herzens" meine ich die Summe kleiner Grausamkeiten, Alltagsgehabe, verdeckte Engstirnigkeit, leiser Sadismus. Das ist für mich das Saatgut des Bösen. Wenn das rechte Klima gegeben ist, dann werden diese Samen aufgehen. Immer und überall finden wir ausgesäte Felder. - William H. Gass

Es bleibt dabei: Sprache ist verräterisch. Zu sehen ist das zum Beispiel daran, dass die Mordserie an türkischen Kleinunternehmern in zahlreichen Medien als 'Döner-Morde' bezeichnet wird. Das ist nichts weniger als eine Unverschämtheit. Dieser Begriff ist in seiner so harmlos daher kommenden Schlichtheit eine Verhöhnung der Opfer und der trauernden Hinterbliebenen. Er stempelt alle türkischen Kleinunternehmer in diesem Land pauschal zu Dönerverkäufern, als ob die türkische Community nichts anderes auf die Kette bekommen würde. Man hätte auch gleich 'Kameltreiber-Morde' sagen können, das wäre die gleiche Liga. Was? In der Türkei gibt es keine Kamele? Egal, die sind doch alle gleich da unten. Die ganze verpiefte Kleingeistigkeit dieses Landes und der ganze beiläufige, alltägliche Rassismus, dem Migranten hierzulande nach wie vor ausgesetzt sind, offenbart sich da.

Donnerstag, 17. November 2011

Brain Farts, 17.11.2011


Überraschende Erkenntnisse

Das Jahr neigt sich dem Ende. Fassen wir daher die Erkenntnisse einmal zusammen, zu denen eine große Regierungspartei im bisherigen Verlauf des Jahres 2011 gekommen ist:

Montag, 14. November 2011

Gelbe Zombies


Freuen Sie sich auch so? Darüber, dass endlich, nach all den Jahren der Knechtschaft, die uns alle ausplündernden und die Luft abschnürenden, die vermaledeiten, uns alle arm machenden Steuern gesenkt werden? Haben Sie auch so aufgeatmet? Zum Dank eine Kerze gestiftet in der nächsten Kirche (aus der Sie, der Steuern wegen, ausgetreten sind)? Konnten Sie Ihr Glück auch nicht fassen beim Gedanken an die Reichtümer, die sich in naher Zukunft in Ihrer Brieftasche drängeln werden? Man sollte sich diese Nachricht gut merken. Das ist nämlich alles, was die FDP im November 2011 noch auf die Reihe bekommt: Der großen Mutter CDU ein paar ebenso sinnlose wie lächerlich Steuersenkungen für wenige aus den Rippen leiern, damit die Vorsitzendensimulation Rösler quäken kann: „Die FDP liefert!“ Dumm, wenn man sich selbst zur Ein-Themen-Partei geschrumpft hat.

Hätte man vor der Bundestagswahl 2009 zum Beispiel Guido Westerwelle eine Frage zu politischen Inhalten gestellt, etwa: „Herr Westerwelle, Sie sind als Bundesaußenminister im Gespräch. Die Kämpfe in Afghanistan nehmen an Härte zu und fordern immer öfter Todesopfer, auch bei der Bundeswehr. Was sind Ihre Vorstellungen in Bezug auf die weitere deutsche Beteiligung an solchen internationalen Einsätzen?“, dann hätte seine Antwort mit hoher Wahrscheinlichkeit gelautet: „Steuern senken!“ Zur Erinnerung: Die Bundesrepublik Deutschland hat einen Außenminister und er heißt Westerwelle – nur für den Fall, dass das in Vergessenheit geraten sein sollte.

Das ist das, was in Deutschland 2009 aus dem Liberalismus geworden ist. Maßgeblichen Anteil daran hat die rot-grüne Regierung von 1998 bis 2005: Wenn der größte neoliberale Turnover in der jüngeren Geschichte in Form der Agenda 2010, die größte Welle an Privatisierungen von Staatseigentum und Gesetzen zu Deregulierung von Arbeits- und Kapitalmärkten von Sozialdemokraten durchgeprügelt wird, wer braucht da noch eine Partei, deren einziger Daseinszweck während der letzten Jahrzehnte der Kampf für eine neoliberale Wende zu sein schien?

Seit den 1990ern ist das betrieben worden: Die FDP gab sich als aufrechtes, undogmatisches Häufchen Underdogs, das gegen einen angeblich heillos aufgeblähten Staat und dessen Regulierungswut tapfer für Privatisierung, Deregulierung, mehr Selbstverantwortung (lies: Sozialabbau), Steuererleichterungen und den schlanken Nachtwächterstaat eintrat. Ein kurzer, antisemitisch angehauchter Flirt mit dem rechten Rand wurde noch abrupt beendet, indem die Reißleine nicht gezogen wurde. Man nannte sich keck 'Partei der Besserverdienenden', Spaßbacke Guido machte sich mit Guidomobil, Big-Brother-Auftritt und ganz viel guter Laune an die jungen Karrieristen heran und erzählte ihnen, wie voll ungerecht es doch sei, dass sie mit ihrem sauer verdienten Geld die ganzen Tagediebe, Minderleister und Hungerleider durchfüttern müssten.

Diese Neuausrichtung ist der FDP nun auf die Füße gefallen. Die neoliberale Agenda steckt, dreißig Jahre nach dem Lambsdorff-Papier, immer noch tief in der gesellschaftliche Mitte. Sie wird im Kern von vier der fünf im Bundestag vertretenen Parteien und von zahlreichen, finanziell hervorragend ausgestatteten Organisationen propagiert. Ihre Verfechter beherrschen nach wie vor die Talkshows, die Institutionen und die Wirtschaftsseiten großer Zeitungen. Ein parlamentarischen Arm ist längst überflüssig. Die FDP der letzten zwanzig Jahre hat sich zu Tode gesiegt und hat keinerlei Reserven mehr. Und jetzt, wo immer mehr Menschen immer weniger bereit sind, sich weiter veräppeln zu lassen, steht sie endgültig nackig da. Im Fußball würde man sagen: Die Niederlagen der letzten Zeit waren hochverdient.

So sehen die kümmerlichen Reste einer vor langer Zeit in Teilen durchaus honorigen Partei aus, die ihre einzige verbliebene Aufgabe im „liefern“ sieht, und zwar Begünstigungen und Geschenke für ihre Unterstützer und Spender aus diversen Lobbys, in der Hoffnung, irgendwie überwintern zu können, bis wieder bessere Zeiten anbrechen. Die größte Schwierigkeit dabei: Solches Geschacher ernsthaft als Politik und als im Interesse des Gemeinwohls liegend zu verkaufen. Von der oft behaupteten Wirtschaftskompetenz ist in diesen wirtschaftspolitisch herausfordernden Zeiten ebenfalls nichts mehr zu sehen.

Bei aller Genugtuung und berechtigten Schadenfreude über die Prügel, die die gelbe Ichlingstruppe seit 2009 bezogen hat: Die Ironie ist doch, dass eine politische Kraft, die den um sich greifenden Kontroll-, Verbots- und Sicherheitsphantasien, der Aushöhlung von Datenschutz und Privatsphäre durch konsequentes Eintreten für Bürgerrechte entgegen tritt, gerade in diesen Zeiten dringend gebraucht wird. Der Erfolg der Piraten in Berlin zeigt das.

Trotzdem ist es alles andere als ausgemacht, dass die FDP bei der nächsten Bundestagswahl an der 5-Prozent-Hürde scheitert. Diese Partei will um jeden Preis mitreden am Tisch der Regierung, und wenn nur als Zünglein an der Waage. Das wollte sie immer schon, das steckt ihr in den Genen. Schon 1994 war sie totgesagt worden, schaffte aber, trotz großer Verluste, knapp den Wiedereinzug in den Bundestag. Auf dem Sonderparteitag am Wochenende wurden schon die ersten Portionen Kreide gefressen: Wolfgang Kubicki, derjenige Grande mit dem ausgeprägtesten Sinn fürs Populäre, flirtete bereits in Richtung Peer Steinbrück und Philipp Rösler forderte eine „kluge“ Regulierung der Finanzmärkte. Zu befürchten steht, dass sich auch 2013 wieder genug finden, die auf solche Sirenengesänge hereinfallen. Abschreiben sollte man diesen aalglatten Verein jedenfalls nicht.


Samstag, 12. November 2011

Sahra und Oskar in love


Bombe geplatzt (wenn man zu den Menschen gehört, für die das eine Bombe ist): Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine sind ein Paar. Das ist eigentlich nicht weiter der Erwähnung wert, denn es handelt sich um zwei erwachsene Menschen, die das dürfen und die wissen müssen, was sie tun. Die beiden tun nichts Verbotenes und haben sich meines Wissens nach noch nie zu Fragen von Moral und Familienwerten geäußert. Weiterhin deutet nichts darauf hin, dass hier ein Abhängigkeitsverhältnis ausgenutzt würde. Spekulationen, was eine so attraktive und intelligente Frau an so einem alten Knacker findet oder umgekehrt, mögen einige vielleicht interessant finden, sind politisch aber völlig irrelevant. 

Donnerstag, 10. November 2011

Der Immer-noch-Ministerpräsident


Silvio Berlusconi ist mir egal. Politisch gesehen, hat er mit meinem Leben ungefähr so viel zu tun wie der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. Weiterhin ist mir das Privatleben von Prominenten und Politikern so egal, wie es einem in dieser aufgeheizten Mediengesellschaft nur egal sein kann: Man kann nicht immer umhin, es zur Kenntnis zu nehmen, aber das für die Würze des Lebens zu halten und darum einen Riesenwirbel zu machen, wäre bloße Zeitverschwendung, ein sicheres Zeichen, dass man wirklich nichts Interessantes mehr hat im Leben. Nein, so lange sie sich nicht den Moralapostel spielen, müssen Politiker im Privaten keinen vorbildhaften Lebenswandel pflegen. Wer zum Leben unbedingt Politiker als Vorbilder braucht, dem ist nicht mehr zu helfen und für Heiliges sind Religionen zuständig. 

Dienstag, 8. November 2011

Fröhliches Begriffe besetzen. Heute: Minijob


Wenn Personen des öffentlichen Lebens bestimmte Ausdrücke verdächtig häufig benutzen, dann kann das natürlich einfach bedeuten, dass sie gerade ein tolles, neues Wort gelernt haben. Man denke nur an Peter Altmaier und 'Twitter'. Wahrscheinlicher ist, dass eine von Beratern und Referenten ausbaldowerte Strategie dahinter steckt, diesen speziellen Begriff in einem bestimmten Konnotationszusammenhang zu bringen. Um ihn überhaupt erst zu etablieren, ihn umzudeuten oder ihn in einem positiven Licht erscheinen zu lassen.

Ein Beispiel ist der Begriff 'Minijob'. Klar, er kommt zunächst leichter von den Lippen als 'geringfügiges Beschäftigungsverhältnis' oder 'Arbeit auf 400-Euro-Basis'. Diese Wort- ungetüme zu ersetzen gegen das weit harmloser klingende 'Minijob' ist aber auch aus anderen Gründen von Vorteil:

Sonntag, 6. November 2011

Ein bescheidener Vorschlag


Tja, wie können wir der griechischen Wirtschaft unter die Arme greifen? Mir ist da letztens etwas Großartiges eingefallen (ich gebe zu, die Idee ist nicht wirklich von mir, Wilfried Schmickler hat vor ein paar Jahren bereits etwas ähnliches vorgeschlagen): Wenn man bedenkt, dass Griechenland außer Olivenöl noch sonniges Wetter und Inseln im Überfluss hat, wäre es da nicht ein Gedanke, ein paar dieser Inseln zu einen angemessenen Preis zu pachten und als Deppeninseln zu benutzen? So als eine Art nettes Guantanamo? Wenn ich was zu sagen hätte in diesem Land, dann würden dort alle zwangsweise hingebracht, die den Alltag unnötig stressig machen.

Donnerstag, 3. November 2011

Geschichte für Dummies


Hape Kerkeling hat das Kunststück hinbekommen, nicht nur vor zwanzig Jahren mal sehr witzig gewesen zu sein, sondern auch, es bis heute fast ohne Unterbrechung geblieben zu sein. Ob man ihn mag oder nicht, der Mann kann zweifellos was. Das deutsche Fernsehen war wohl nie innovativer und anarchischer als von 1989 bis 1991 in der von Kerkeling und seinem alten Mitstreiter Achim Hagemann entwickelten Show Total Normal. Vielleicht ist er der letzte echte Showmaster und Conferencier alter Schule, den es in Deutschland gibt. Einer, dem man ein Mikro in die Hand drücken und den Auftrag geben kann, eine voll besetzte Halle ohne Skript zwei Stunden lang bei Laune zu halten. Kerkeling würde aus dem Stegreif vermutlich um Längen Besseres abliefern als Heerscharen bestens vorbe- reiteter Moderatoren mit Stapeln von Ablesekärtchen. Welcher Teufel diesen an sich fähigen und instinktsicheren Menschen geritten haben mag, in der sechsteiligen Reihe Unterwegs in der Weltgeschichte als Erzähler und Hauptdarsteller zu fungieren, bleibt daher ein Rätsel.

Dienstag, 1. November 2011

Klassenkampf in Houndsville


Weil's grad so passend ist:

Ruben Bolling via GoComics

Linke Spinner und konkrete Forderungen


Von einigen Seiten ist zu hören, die Occupy-Bewegung sei nicht so recht ernst zu nehmen, weil sie keine konkreten Forderungen stellen würde und in schönster Tradition nichtsnutziger linker Spinner immer nur meckern könnte. Auch Dieter Nuhr, das neue neoliberale Maskottchen (mit der Bezeichnung Kabarettist sollte man vorsichtig sein) war sich nicht zu schade, in dieses Hörnchen zu tuten und die Demonstranten als naive Romantiker hinzustellen. Natürlich lassen sich solche Reaktionen leicht erklären. Es lohnt sich, in diesem Zusammenhang zum Beispiel noch einmal bei Sylvain Timsits 10 Strategien der Manipulation oder Chomskys Propagandamodell nachzulesen.

Montag, 31. Oktober 2011

Darf der Türke das?


Sprache ist eine Waffe - haltet sie scharf!" (Kurt Tucholsky)

via taz.de
Glückwunsch an Deniz Yücel zum diesjährigen Kurt-Tucholsky-Preis. In seinen taz-Kolumnenserien Vuvuzela zur Fußball-WM 2010 und Trikottausch zur diesjährigen Fußball-WM der Frauen hat er mittels Imitation des BILD-Zeitungs-Stils und im Wechselspiel mit den Kommentatoren ein wohl einzigartiges, entlarvendes Gesamtkunstwerk geschaffen. Anstatt einer langatmigen Begründung der Tipp, sich die verlinkten Kommentarspalten anzusehen. Das Ausmaß an Ignoranz, kleingeistigstem Bepisstsein, Hetze, an brauner Soße und schlichter Dummheit überstieg sogar noch den legendären Krieg um Helgoland: Es wurden unzählige Abos gekündigt und sich nicht entblödet, Perlen der Peinlichkeit zu produzieren, wie man werde ja wohl noch sagen dürfen, dass diese Satire einem nicht passe, ohne als humorlos abgestempelt zu werden. Köstlich auch der Vorschlag, den in Flörsheim am Main geborenen Yücel in seine Heimat abzuschieben.

Darf der Türke das? Jawohl, und wie er darf! Und das ist auch gut so. Noch mal: Herzlichen Glückwunsch. Ein Grund zur Vorfreude auf das nächste Fußball-Großereignis.


Sonntag, 30. Oktober 2011

Tu felix Austria, furze!


Hartnäckigen Gerüchten zufolge sprechen Deutsche und Österreicher die gleiche Sprache, nämlich deutsch. Das mag in grenznahen Gebieten noch stimmen, ansonsten ist es komplett falsch. Wie falsch diese Annahme ist, wird einem klar, wenn man sich, Augen und Ohren offen, in Österreich aufhält.

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Brain Farts, 27.10.2011


Land ohne Opposition?

Die Analyse von Franz Walter, ja, bei SPIEGEL online, enthält in der Tat einige inter-essante Gedanken über den Zustand der Demokratie und das Selbstverständnis der politischen Klasse in diesem Land. Ehre, wem Ehre gebührt! Aber: Wenn Walter konstatiert, Deutschland sei ein Land ohne Opposition, warum erwähnt er mit keinem einzigen Wort die Linke, die als einzige Fraktion gegen die Ausweitung des Euro- Rettungsschirms gestimmt hat? Ich habe heute morgen extra noch mal nachgesehen: Tatsächlich, nicht ein Wort.

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Glückliche Menschen und marktfrische Salate


„Glückliche Menschen“, sagte Jean-Marc Reiser, „gehen mir auf den Sack.“ Sorry, liebe attraktive Mittdreißigerin im Roadster an der Ampel, das geht jetzt nicht gegen Sie. Sie haben vermutlich eine piccobello Wohnung, den Schrank voll teurer Klamotten, einen solventen, Sie liebenden Lebenspartner, machen tolle Reisen und haben immer noch Geld übrig. Weil Sie alles richtig gemacht haben im Leben und ich eben nicht. Nein, das geht auch nicht gegen euch zwei persönlich, strahlendes junges Paar in der Fußgängerzone, das, Hand in Hand und teure Boutiquentäschchen schwingend, an mir vorbeischwebt. Erst recht nicht gegen Sie, sichtlich erfolgreicher Glatzkopf mit Anzug (ohne Schlips!) und fettem Macherchronometer an der Flosse, der im Café bei Latte Macchiato auf seinem iBook mit seinen fünftausend facebook- und XING-Kontakten schwer am networken ist. Es gibt Tage, da kann ich diese ganzen Hackfressen nicht mehr sehen und ein Gang in die Stadt wird zur Geisterbahn. Aber so was darf man ja nicht sagen heutzutage, sonst kommt die neoliberale Gesinnungspolizei und brandmarkt einen als faul und neidisch. Glück und Erfolg wird man ja wohl noch zeigen dürfen, schluchzbuhu!

Sonntag, 23. Oktober 2011

Verziehungs- und Fressfernsehen


Scripted Super Nanny

Es soll Menschen geben, die sich in bildungsbürgerlicher Nonchalance Illusionen machen über den aufklärerischen Gehalt von Formaten wie Die Super Nanny, so nach dem Motto: Ja sicher, es ist nicht unproblematisch, es ist reißerisch, es ist möglicherweise inszeniert, es geht vor allem um Voyeurismus, aber wenn damit dem einen oder anderen armen Kind geholfen werden kann, dann lässt es sich doch irgendwie rechtfertigen. Außerdem gucke ich das ja schließlich nicht. Wer immer noch so denkt, sollte sich unbedingt Folge 78 von Holger Kreymeiers hervorragendem Online-Magazin fernsehkritik.tv ansehen (leider lässt sich das Video hier nicht direkt einbetten, sonst hätte ich es getan).

Freitag, 21. Oktober 2011

Gehsse inne Stadt...


… wat macht dich da satt? Ne Currywurst. Ah, Currywurst! DAS deutsche Nationalgericht. Höhepunkt hiesigen kulinarischen Schaffens, Kult-Fastfood von der Maas bis an die Memel, um das die Welt uns beneidet. Alle lieben Currywurst, nicht wahr?
  

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Was Minister Ramsauer unter Freiwilligkeit versteht



„Wenn es nach Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer geht, haben die Radfahrer die Wahl: Entweder sie tragen jetzt freiwillig einen Fahrradhelm. Oder der Gesetzgeber zwingt sie bald dazu.“

Hm, völlig abgesehen von der Frage, ob und inwieweit eine generelle Helmpflicht für Radfahrer nun vernünftig ist oder nicht: Wenn ich nur angesichts der Drohung, ohne Fahrradhelm demnächst berappen zu müssen, notgedrungen anfange, so einen Deckel aufzusetzen, kann man dann noch guten Gewissens von „freiwillig“ reden? Oder sollte es nicht ehrlicherweise heißen: "Zum Glück gezwungen"?

Ich bin mal wieder ernsthaft verwirrt.

Dienstag, 18. Oktober 2011

Kampfname: Pattex


Adolf Sauerland hat es doch nur gut gemeint: Er wollte die Love Parade im Kulturhauptstadtjahr 2010 nach Duisburg holen und ein Sommerwochenende lang Partymetropole spielen in der leicht unglamorösen Hafenstadt, für die sich seit Horst Schimanskis endgültigem Verschwinden kaum mehr jemand so recht zu interessieren schien. Auch sein eigenes Image als etwas dröger Bürokrat wollte er wohl ein wenig aufpolieren. So etwas ist nicht verboten und kommt meist recht gut an beim Volke. Sauerland wollte die Love Parade unbedingt und er bekam sie. Ein PR-Debakel wie seiner Bochumer Amtskollegin Ottilie Scholz sollte ihm nicht passieren: Sie hatte 2009 die Ausrichtung der Love Parade aufgrund massiver Sicherheitsbedenken abgelehnt und galt daraufhin als graumausige Bedenkenträgerin, die, typisch deutsch, vor dem großen Wurf zurückschreckt. Ein Jahr später waren 21 Menschen tot und solche Stimmen verstummt. Ein Oberbürgermeister als Leiter der Stadtverwaltung ist in so einem Fall reif für den Rücktritt.

Montag, 17. Oktober 2011

Brain Farts, 17.10.2011


Henkelmänner

Wenn die Occupy Wall Street-Bewegung schon jetzt eines erreicht hat, dann, dass sie den Hans-Olaf Henkels dieser Welt eines ihrer beliebtesten Argumente aus der Hand geschlagen hat: Dass die Amerikaner generell ein entspannteres, positiveres Verhältnis zu obszönem Reichtum hätten, ganz im Gegensatz zu den neidzerfressenen, kryptosozialistischen Deutschen, die dem braven Leistungsträger nicht die Butter auf dem Brot gönnten. Danke dafür!


Samstag, 15. Oktober 2011

Berufliche Neuorientierung


Als ich gestern nachmittag im Auto auf dem normalerweise durchaus hörbaren Sender Deutschlandradio Kultur Berichterstattung und Analysen über die Brandsätze im Berliner Nahverkehr hörte, dachte ich erst: „Ah, Terrorismusexperte – der letzte echte Männerberuf!“. Dann kam mir in den Sinn, dass große Karrieren meist mit einer gesunden Portion Selbstbewusstsein beginnen. Damit, dass man sich sagt: „Was der kann, das kann ich schon lange!“ Also beschloss ich, mich zu bewerben:

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Konservative Zeitenwende? (3)

Man kommt ja gar nicht mehr nach mit den ganzen Dominosteinen! Der bislang nur zitierte Beitrag von Lorenz Jäger, des zum Gutmenschen mutierten "einschlägig bekannten Rechtsaußen des Feuilletons" (Jürgen Habermas) in der FAZ ist jetzt vollständig online zu lesen - please count him out!

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Ausgekultet


Wann der Kult in mein Leben trat, weiß ich nicht mehr genau. Es muss irgendwann in den Achtzigern gewesen sein. Der ältere Bruder eines Schulfreundes erzählte etwas von Rocky Horror Picture Show und Blues Brothers. Der Mann studierte in Münster, und das provinzielle Münster war damals für das heranwachsende Kind einer randständigen, mittelgroßen Ruhrgebietsstadt die große weite Welt. Dort organisierte der AStA immer zum Semesterabschluss so genannte Kultfilm-Happenings: In einem extra gemieteten Programmkino wurde einer dieser Filme als Sondervorstellung gezeigt und alle erschienen in entsprechender Kostü-mierung. Bei Blues Brothers waren das natürlich Sonnenbrillen und schwarze Anzüge. Bei Rocky Horror Picture Show ging es bunter zu: Ein, zwei ganz mutige Herren sollen gar in Korsage und Strapsen aufgelaufen sein. Viel mehr können es aber auf keinen Fall gewesen sein. Wer Münster kennt, weiß warum. Jedenfalls war der Kern des Spaßes, bei diesen Vorstellungen wichtige Dialogzeilen im Chor mitzusprechen beziehungsweise gemeinsam bestimmte Dinge zu tun, zum Beispiel bei der Hochzeitsszene in Rocky Horror Picture Show mit Reis zu werfen. Der Studiosus erzählte all das mit beinahe verschwörerischer Stimme und meinte, das sei absolut Kult.

Montag, 10. Oktober 2011

Berlin, Prenzlauer Berg 2011...


… Raider heißt seit Ewigkeiten Twix und Deniz Yücel schreibt jetzt offenbar unter dem Namen Anja Maier. Oder war's umgekehrt? Indiz: Die Kommentarspalte, die noch köstlicher ist als der Artikel selbst.

(via Feisar.de)

Freitag, 7. Oktober 2011

Konservative Zeitenwende? (2)

Der nächste bitte!

Besteuerte Fette


Es war zu erwarten: Nach den Rauchern kommen nun die Dicken verstärkt ins Visier des Gesetzgebers: Dänemark hat eine Steuer auf gesättigte Fette in Nahrungsmitteln eingeführt. Pro Kilogramm gesättigter Fette werden 16 Dänische Kronen (ca. 2 €) fällig. Dadurch werden Molkereiprodukte wie Butter oder Sahne etwa 20 Prozent teurer, Fleisch und Käse je nach Fettgehalt zwischen drei und fünf Prozent. Importierte Ware, deren Gehalt an gesättigten Fetten nicht deklariert ist, wird gleich mit einer erhöhten Pauschale belegt. Man räumt offen ein, die Bürgerinnen und Bürger zum Kauf von Nahrungsmitteln mit einem geringeren Anteil an gesättigten Fetten erziehen zu wollen und erhofft sich dadurch eine Entlastung der Sozialkassen, weil auf lange Sicht weniger Behandlungskosten für Menschen mit ernährungsbedingten Krankheiten anfallen würden

Donnerstag, 6. Oktober 2011

Steve Jobs (1955-2011)


Steve Jobs gehörte zu den Menschen, die unser Alltagsleben entscheidend geprägt haben, gleich ob man Apple-Nutzer ist oder nicht. Der asketische Hippie Jobs und der barocke Bastler Wozniak waren nicht die ersten, die auf die Idee gekommen sind, heim- bzw. bürotaugliche Computer zu bauen. Historiker würden sagen, diese Erfindung habe damals einfach in der Luft gelegen: Etwa zur gleichen Zeit wie der Apple II kamen der TRS-80 von Tandy und der Commodore PET 2001 auf den Markt. Jobs und Wozniak waren aber die ersten, die verrückt genug waren zu glauben, dass man kein irrer Sonderling sein müsste, um einen Rechner zu bedienen, sondern dass das auch ganz normale Menschen ohne Spezialausbildung können müssen, und dass da ein Massengeschäft für jedermann draus zu machen sei. Bill Gates dagegen war kein Pionier, er war ein smarter Epigone, der solche Impulse früher als andere aufgegriffen hat.

Dienstag, 4. Oktober 2011

Dream Theater: A Dramatic Turn Of Events (2011)


Schon wieder zwei Jahre rum? Zeit für ein neues Album der Progressive-Metal-Götter Dream Theater. Nachdem Drummer und Band-Mitbegründer Mike Portnoy letztes Jahr überraschend ausgestiegen ist und die restlichen vier in Mike Mangini einen Nachfolger gefunden hatten, fragten sich natürlich viele Fans: Was kann der Neue? Mangini macht seinem Ruf, alles andere als ein musikalisches Leichtgewicht zu sein, alle Ehre. Der Mann ist ein Vollprofi, der sich nahtlos einfügt in die Firma. Man hat sich im Hause Dream Theater für die sicheren Variante entschieden, wie schon in der Dokumentation The Spirit Carries On zu sehen war. In kommerzieller und vielleicht auch persönlicher Hinsicht ist das verständlich, künstlerisch führt es meist nicht weiter. Andererseits können gerade eingeschworene Fans manchmal ziemlich konservativ sein, haben Bewährtes gern und goutieren allzu heftiges Experimentieren nicht unbedingt. Egal, für wen man sich letztlich entschieden hätte, ein Weitermachen unter dem alten Namen wäre vermutlich in keiner Konstellation ganz ohne Enttäuschungen möglich gewesen.

Montag, 3. Oktober 2011

Jammert gefälligst nicht rum, das Ausland beneidet uns!


Man reibt sich die Augen und braucht ein Glas Wasser: Die ZEIT fühlte sich, vermutlich anlässlich des heutigen Feiertages, bemüßigt, eine nicht weniger als sieben Seiten lange Jubelarie über unser gelobtes Land zu drucken. Sechseinhalb Seiten Stimmungsmache voller Friede, Freude, Eierkuchen über das schönste, angesehenste und überhaupt großartigste Land der Welt. Bislang kannte man so was nur von Amerikanern, wenn ihnen im Hinblick auf ihr Vaterland die Pferde durchgingen.

Zum Tag der deutschen Einheit


Montag frei, juhuu!

Samstag, 1. Oktober 2011

In Praise Of Charlie Brooker


Die britische Medienlandschaft funktioniert ein wenig anders als die deutsche: Die zu recht berüchtigten Tabloids wie The Sun, Daily Star, Daily Express u.a. lassen sogar die BILD-Zeitung zuweilen geradezu seriös erscheinen. Ähnliches gilt für Klatschmagazine wie Hello! oder Look: Man hat den Eindruck, dass in Großbritannien kein Z-Promi einen Schluckauf haben oder einen fahren lassen kann, ohne gleich eine Horde Reporter am Hals zu haben, die Tags darauf jedes noch so kleine Detail seitenlang auseinander dröselt. Auch das Fernsehen ist da nicht anders: Um eine Ahnung von dem zu bekommen, was Privatsender wie Sky, ITV und Channel 4 tagtäglich so ausstrahlen, muss man nur das Schlimmste aus mehreren deutschen Privatsendern zusammen rühren und mit fünf multiplizieren.

Freitag, 30. September 2011

Nein...

 … es gehört sich wirklich nicht, auf alten Menschen herumzuhacken. Das ist respektlos und zeugt nur von Ignoranz (außer natürlich, man gerät an Exemplare, die Blockwart-Ambitionen ausleben oder mit Früherwarallesbesser-Vorträgen nerven). Schließlich können wir Nachgeborenen unmöglich wissen, wie uns die Begleiterscheinungen des Alters einmal den Alltag vermiesen werden. Und zur Zielscheibe jugendlichen Spottes wird man allzu leicht. Also lieber stickum und die Contenance gewahrt.

Es ist auch schön und sinnvoll, wenn Senioren sich körperlich und geistig in Form halten. Eine gute Möglichkeit, die keinerlei kostspieligen Klimbim wie Funktionskleidung und Nordic-Walking-Ausrüstung benötigt, ist zum Beispiel Supermarkt-Triathlon:

  •  Blocking - Möglichst effektiv alle Durchgänge zustellen. Wie Malefiz, nur in echt. Hier sind gewiefte Taktiker mit Kenntnis der Örtlichkeiten und einem sicheren Gespür für Timing gefragt.
  •  Cueing - Durch demonstrativ ennervierendes Suchen von Kleingeld in möglichst kurzer Zeit eine möglichst lange Warteschlange an der Kasse erzeugen. Ein Ruhepuls nicht über 40 und buddhistische Gelassenheit angesichts eines immer lauter grummelnden Mobs sind der Schlüssel zum Erfolg.
  •  Heeling - Möglichst vielen den Einkaufswagen in die Hacken rammen. Die Königsdisziplin für Mutige. Entschlossenheit, Zielstrebigkeit, Schnellkraft und ein ausgeprägter Sinn für taktische Fouls machen hier den Meister.

Von seltenen, schmerzhaften Ausnahmen einmal abgesehen, stört so was auch nicht weiter. Ich habe meistens genug Zeit übrig, die Einkauferei halbwegs entspannt anzugehen und beizeiten gelernt, die Augen offen zu halten.

Aber:

Wenn man nach Feierabend noch fix was zu besorgen hat, weil sich liebe Menschen zum Essen angesagt haben, dabei aber ziemlich unter Zeitdruck ist, weil zwischendurch noch ein Termin drängt und man feststellen muss, offenbar in genau jenen Supermarkt geraten zu sein, in dem gerade die deutsche Meisterschaft in dem oben beschriebenen Dreikampf ausgetragen wird, dann fällt es zuweilen äußerst schwer, seine hehren Ideale immer hochzuhalten.

Puh, das musste aus aktuellem Anlass dringend mal raus. Ich hoffe, Sie, liebe namenlose Rentnerin, die ich vor etwa einer Stunde ziemlich angeranzt habe (was mir inzwischen sehr unangenehm ist), können mich jetzt ein wenig besser verstehen. Sonst hab' ich nämlich wirklich Ehrfurcht vor schlohweißen Haaren (meine sind auch schon reichlich grau)...

Dienstag, 27. September 2011

Liberales Demokratieverständnis

"Das Volk hat das Vertrauen der Regierung verscherzt. Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?" (Bertolt Brecht: Die Lösung, 1953)
Frohe Kunde! Die FDP hat den Stein der Weisen gefunden. Nach wochenlangen Klausurtagungen, Krisensitzungen und einem Sonderparteitag scheint man in den Reihen der Liberalen endlich eine Antwort auf die Frage gefunden zu haben, warum es seit 2009 immer nur abwärts gegangen ist mit ihrer Splitterpartei. Sehen wir uns hierzu die Analyse an, die der Frankfurter FDP-Chef Dirk Pfeil in einem Interview mit der Frankfurter Neuen Presse sich aus den Hirnwindungen zu dröseln beliebte:
[...] Umfragen zufolge steht eine große Mehrheit der Deutschen den Euro-Rettungsschirmen skeptisch gegenüber.
PFEIL: Ich auch.
Die FDP hat das im Wahlkampf in Berlin thematisiert, aber gebracht hat das nichts. Warum?
PFEIL: Es ist schlimm, dass die Mehrheit der Bevölkerung keine politische Bildung genossen hat. Die Masse ist meinungslos, sprachlos.
Also sind die Wähler zu ungebildet, um die Botschaft der FDP zu verstehen?
PFEIL: Die Masse ja. Deswegen werden wir nie eine Volkspartei. Liberal zu sein, ist keine Massenmeinung.
[...]
Ärgert Sie es, dass die Piraten in Berlin viermal so viele Stimmen bekommen haben wie die FDP?
PFEIL: Mich ärgert das nicht, ich habe es aufgegeben. Ich verzweifle am mangelnden Willen der Wähler, sich ein bisschen schlauer zu machen. [...]“
Na also! Das dämliche, unterprivilegierte Stimmvieh, das keine Ahnung von Politik hat, ist schuld! Die begriffsstutzige Mehrheit der Bevölkerung weigert sich nicht nur, die Genialität liberaler Politik und deren segensreiche Wirkung zu honorieren - nein, sie erfrecht sich gar, ihr kostbares Wahlrecht zugunsten dieser langhaarigen Piraten zu missbrauchen. Das sind ehemalige Arbeitslose, die noch nicht mal Krawatten haben und gefährliche, egalitäre Hirngespinste wie 'Bürgerrechte', 'Gesellschaftliche Teilhabe' und 'freier Zugang zu Bildung für alle' verbreiten. Unglaublich, so was! 

Eines frage ich mich aber schon: War das nur der Ausrutscher eines frustrierten Provinzfürsten oder zeigt die gelbe Schnöseltruppe langsam ernsthafte Auflösungserscheinungen?

Sonntag, 25. September 2011

Troll-Typologie. Ein Versuch


 "Opinions are like assholes. Everybody has one and they all stink."
(Harry Callaghan)

In der Süddeutschen Zeitung schrieb sich Leo Lagercrantz, der ehemalige Chefredakteur einer verbreiteten schwedischen Online-Zeitung, den Frust über die Trolle in den Kommentarsektionen von der Seele, deren Beiträge er über Jahre moderiert hatte. Das nervenaufreibende Debattieren hat letztlich dazu geführt, dass er seinen Job aufgegeben hat. Seine Diagnose: Trolle sind in der Regel einsam und traurig. Das mag sein, doch arbeitet Lagercrantz sich vor allem an einer bestimmten Sorte Troll ab. Das wird aber der Vielgestaltigkeit dieser Szene nicht im Ansatz gerecht. Eine kleine Typologie tut daher dringend Not:

Mittwoch, 21. September 2011

Sucht Deutschland jetzt den Superpeinsack?

Normalerweise sind mir diverse Castingshow-Formate komplett egal. Wer sich das antun will, bitte schön. Ich gucke das nicht und es interessiert mich nicht. Ich will auch niemandem Vorschriften machen, ob und inwieweit man sich dem aussetzen sollte bzw. ob man so was unbedingt senden muss usw. Nur kann man dem nicht immer und überall voll und ganz aus dem Wege gehen. Und weil das so ist, bin ich am Wochenende auf etwas gestoßen, das mich ernsthaft beschäftigt hat:

Sonntag, 18. September 2011

Druckbetankung a'la Viennoise


Wo wir gerade beim Thema Kneipe sind: Über eine schöne Idee eines Wiener Gastwirtes zur Steigerung des Umsatzes und zur Optimierung der Besucherströme berichtete jüngst die Tageszeitung Der Standard:
"Ein lauer Abend im Sommer. "Wo wollen Sie sitzen?", fragt die Kellnerin im Garten des Bierhof im Haarhof in der Wiener Innenstadt. Wir entscheiden uns für einen Tisch, sie steht mit der Speisekarte hinter uns. "Wollen Sie etwas essen?" Wir lehnen dankend ab, wollen nur etwas trinken. "Dann können Sie hier nicht sitzen", komplimentiert uns die Kellnerin an einen Tisch ganz am Ende des Gartens.
Als wir uns setzen, offenbart sie: "Sie haben aber nur eine halbe Stunde Zeit." Auf unsere Frage nach dem Warum erklärt sie: "Gäste, die nur trinken, müssen nach einer halben Stunde gehen." [...]"
Klasse! Das erhöht nicht nur den Umsatz pro Tisch gewaltig, sondern leistet auch einen wertvollen Beitrag zur Bierkultur: Anstatt stundenlang an einem Glas herumzunuckeln, ist man gehalten, zügig zu bechern, sodass das edle Gebräu keine Chance hat, warm oder gar schal zu werden. Außerdem ist diese Praxis gut für die Gesundheit, denn man soll bekanntlich auf nüchternen Magen nicht so viel trinken.

Fragt sich nur, was das noch mit Gastronomie zu tun hat.

Verabschiedet euch, Junggesellen!


Es ist eine Pest, und sie geht nicht weg: Man sitzt gemütlich in einer netten Kneipe, verleibt sich das eine oder andere alkoholische Getränk ein und verdiskutiert angeregt im Kreise netter Menschen das Weltgeschehen. Dann: Arschgeigenalarm, Stufe dunkelrot. Eine lermende Horde junger Männer oder Frauen, alle mit dem gleichen, voll witzigen T-Shirt gekleidet, entert das Etablissement und fällt über die Gäste her: Entweder bekommt man für teuer Geld Krimskrams aufgeschwatzt (meistens eklige Likörchen mit angeblich lustigen Namen oder - huiii! - Kondome mit Geschmack) oder man muss demütigende Spielchen mit ansehen, bei denen das künftige Ehegespons dazu gezwungen wird, sich in aller Öffentlichkeit zum Horst zu machen. Und wenn man freundlich sagt, dass man am allgemeinen Lustigsein bitteschön nicht teilnehmen möchte und noch einen schönen Abend wünscht, dann muss man darauf gefasst sein, mit Schmähungen eingedeckt zu werden, von denen „Spaßbremse“ noch die bei weitem harmloseste ist. Es gibt Momente, in denen auch der langmütigste Menschenfreund schlagartig Phantasien entwickelt, in denen grausame Folter- und Hinrichtungsrituale eine zentrale Rolle spielen. Schlimmer ist eigentlich nur noch, während einer längeren Bahnfahrt den Waggon mit Kegelclubs beiderlei Geschlechts teilen zu müssen.

Sonntag, 11. September 2011

Sonnenschein als Handelsware


Wer gelegentlich die als Fernsehsender getarnte Einschlafhilfe namens N24 schaut, kennt das: Die stündliche Wettervorhersage wird seit einiger Zeit gesponsort von einer Billigfluglinie. Nicht, dass das noch ein Problem wäre; diese Welt ist sowieso schon bis in den letzten Winkel mit Werbung zugemöllert, dass es darauf auch nicht mehr ankommt. Dass die freundliche Stewardess bzw. die als Stewardess verkleidete Fernsehmoderatorin, die das Wetter der kommenden Tage verkündet, bei jeder Gelegenheit darauf hinweist, dass einen ihr Arbeitgeber da irre günstig hinfliegen könne, ist auch verzeihlich. Mir ist plattes, dafür offenes und eindeutiges Sponsoring immer noch lieber als verdeckte PR-Kampagnen, zum Beispiel, wenn so genannte Experten, die in Wahrheit Lobbyisten sind, in Talkshows herumramentern. 
 

Mittwoch, 7. September 2011

Konservative Zeitenwende?

Mit Charles Moore fing es an. Der eingefleischte Konservative und Thatcher-Biograf schrieb in einem viel zitierten Kommentar im britischen Daily Telegraph, dass er sich zu fragen beginne, ob die Linke nicht vielleicht doch Recht habe.

Nach Frank Schirrmacher in der FAZ und Jens Jessen in der ZEIT hat nun auch Robert von Heusinger  in der Frankfurter Rundschau einen Kommentar abgegeben, in dem er fordert, das Primat der Politik über die Märkte wieder herzustellen. Seltsam, wenn Oskar Lafontaine so was noch vor wenigen Jahren gefordert hat, dann quakten die neoliberalen Lobbyisten und Funktionäre sofort unisono los: Sozialismus, nein: Stalinismus sei das; ob er Mauer und Planwirtschaft wieder einführen wollte. Zeiten ändern sich manchmal schnell.

Freibadsaison 2011. Ein Rückblick


Abgesehen von einigen unangenehm sonnigen Tagen im Frühjahr bzw. Frühsommer kann die diesjährige Freibadsaison nur als großer Erfolg bezeichnet werden. Die angenehmen Lufttemperaturen (15-22°C) der letzten Monate zauberten dem ambitionierten Schwimmer manches Mal ein Lächeln aufs Gesicht, blieb er doch von lästigen Begleiterscheinungen wie tobenden, planschenden Kindern und Heranwachsenden, Querschwimmern, knutschenden Pärchen im Wasser sowie Zumutungen wie Frittenfett- und Sonnencremegestank weitgehend verschont. Zudem sorgte die optimale Auslastung der Sportbecken (pro Bahn höchstens eine Person) dafür, dass es nicht nur problemlos möglich war, ungestört seine Bahnen zu ziehen, sondern auch Gedanken an den eventuell drohenden Verlust persönlicher Gegenstände durch Diebstahl ignorieren zu können. Nächstes Jahr gerne wieder!
SO sieht ein anständiges Freibad im Sommer aus!


Dienstag, 6. September 2011

Über die 'Fliegenden Bretter'

Liebe Leserinnen und Leser,

hier sollen in Zukunft Beiträge zu verschiedenen Themen erscheinen. Vor allem zu den oben genannten. Weil ich berufstätig bin und ich nicht zu viel versprechen will, bemühe ich mich zunächst, jede Woche etwas Neues zu veröffentlichen. Vielleicht auch öfter. Schauen Sie einfach vorbei.

Ich freue mich selbstverständlich über Kommentare, behalte mir aber vor, sie vor der Veröffentlichung zu sichten.

Und jetzt viel Vergnügen beim Lesen.

Stefan Rose