Freitag, 30. September 2011

Nein...

 … es gehört sich wirklich nicht, auf alten Menschen herumzuhacken. Das ist respektlos und zeugt nur von Ignoranz (außer natürlich, man gerät an Exemplare, die Blockwart-Ambitionen ausleben oder mit Früherwarallesbesser-Vorträgen nerven). Schließlich können wir Nachgeborenen unmöglich wissen, wie uns die Begleiterscheinungen des Alters einmal den Alltag vermiesen werden. Und zur Zielscheibe jugendlichen Spottes wird man allzu leicht. Also lieber stickum und die Contenance gewahrt.

Es ist auch schön und sinnvoll, wenn Senioren sich körperlich und geistig in Form halten. Eine gute Möglichkeit, die keinerlei kostspieligen Klimbim wie Funktionskleidung und Nordic-Walking-Ausrüstung benötigt, ist zum Beispiel Supermarkt-Triathlon:

  •  Blocking - Möglichst effektiv alle Durchgänge zustellen. Wie Malefiz, nur in echt. Hier sind gewiefte Taktiker mit Kenntnis der Örtlichkeiten und einem sicheren Gespür für Timing gefragt.
  •  Cueing - Durch demonstrativ ennervierendes Suchen von Kleingeld in möglichst kurzer Zeit eine möglichst lange Warteschlange an der Kasse erzeugen. Ein Ruhepuls nicht über 40 und buddhistische Gelassenheit angesichts eines immer lauter grummelnden Mobs sind der Schlüssel zum Erfolg.
  •  Heeling - Möglichst vielen den Einkaufswagen in die Hacken rammen. Die Königsdisziplin für Mutige. Entschlossenheit, Zielstrebigkeit, Schnellkraft und ein ausgeprägter Sinn für taktische Fouls machen hier den Meister.

Von seltenen, schmerzhaften Ausnahmen einmal abgesehen, stört so was auch nicht weiter. Ich habe meistens genug Zeit übrig, die Einkauferei halbwegs entspannt anzugehen und beizeiten gelernt, die Augen offen zu halten.

Aber:

Wenn man nach Feierabend noch fix was zu besorgen hat, weil sich liebe Menschen zum Essen angesagt haben, dabei aber ziemlich unter Zeitdruck ist, weil zwischendurch noch ein Termin drängt und man feststellen muss, offenbar in genau jenen Supermarkt geraten zu sein, in dem gerade die deutsche Meisterschaft in dem oben beschriebenen Dreikampf ausgetragen wird, dann fällt es zuweilen äußerst schwer, seine hehren Ideale immer hochzuhalten.

Puh, das musste aus aktuellem Anlass dringend mal raus. Ich hoffe, Sie, liebe namenlose Rentnerin, die ich vor etwa einer Stunde ziemlich angeranzt habe (was mir inzwischen sehr unangenehm ist), können mich jetzt ein wenig besser verstehen. Sonst hab' ich nämlich wirklich Ehrfurcht vor schlohweißen Haaren (meine sind auch schon reichlich grau)...

1 Kommentar :

  1. die supermärkte hierzulande haben täglich ca 12-15 h geöffnet und wer da meint er hätte keine zeit zum einkauf bzw er müsste jobs wegen wir ein irrer durch die gänge hetzen und sich über alte damen mokieren, die da herumdrömmeln (was natürlich stimmt, nur mütter oder mehr noch väter mit kindern sind weitaus schlimmer), der hat meiner meinung nach auch irgendwas nicht richtig verstanden. der 15 std-tag ist bisher noch keine pflicht und niemand ist soo wichtig, daß er ständig unabkömmlich wäre, ausgenommen ein vom krankhaften arbeitswahn befallener wichtigtuer. zur information: die schreibt ein kräftig arbeitender selbstständiger, der durchaus auch einmal 16 h durchmacht. zeit schwierigkeiten beim einkaufen auf grund trödelnder omas hatte ich noch nie!!

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