Donnerstag, 6. Oktober 2011

Steve Jobs (1955-2011)


Steve Jobs gehörte zu den Menschen, die unser Alltagsleben entscheidend geprägt haben, gleich ob man Apple-Nutzer ist oder nicht. Der asketische Hippie Jobs und der barocke Bastler Wozniak waren nicht die ersten, die auf die Idee gekommen sind, heim- bzw. bürotaugliche Computer zu bauen. Historiker würden sagen, diese Erfindung habe damals einfach in der Luft gelegen: Etwa zur gleichen Zeit wie der Apple II kamen der TRS-80 von Tandy und der Commodore PET 2001 auf den Markt. Jobs und Wozniak waren aber die ersten, die verrückt genug waren zu glauben, dass man kein irrer Sonderling sein müsste, um einen Rechner zu bedienen, sondern dass das auch ganz normale Menschen ohne Spezialausbildung können müssen, und dass da ein Massengeschäft für jedermann draus zu machen sei. Bill Gates dagegen war kein Pionier, er war ein smarter Epigone, der solche Impulse früher als andere aufgegriffen hat.

Es waren zwei Kerngedanken, die Apples Erfolg und den Siegeszug der Personal Computer begründeten: Computer müssen offene Systeme sein, die sich mithilfe von Steckkarten jederzeit erweitern lassen und die Software hat sich dem Bedürfnis der Nutzer anzupassen und nicht umgekehrt. Vor allem letzteres hakte in den Anfangstagen noch gewaltig, aber 1984, mit dem ersten Apple Macintosh und seiner graphischen Benutzeroberfläche war ein erster großer Schritt in diese Richtung getan. Auch die graphische Oberfläche war nicht Jobs' Erfindung, er hat sie aber am konsequentesten in ein stimmiges Gesamtkonzept integriert.

Mit dem Mactintosh veränderte Jobs das Arbeiten am Computer, mit iPod und iTunes das Hören und Kaufen von Musik, mit iPhone und iPad schließlich unser mobiles Leben. Alle diese Geräte waren von den technischen Daten her vielleicht nicht die bestmöglichen ihrer Zeit, aber sie waren fast alle genial durchdacht, kamen meistens ohne Gebrauchsanleitung aus und waren in bester Bauhaus-Manier hervorragend designt. Die meisten Apple-Geräte sind von einer solch schlichten Schönheit, dass man sie sich auch als Attrappen ins Wohnzimmer stellen würde. Das ließ mit schöner Regelmäßigkeit immer größere Massen die schicken Apple-Stores stürmen, wann immer ein neues Produkt des Meisters auf den Markt kam. Vielleicht war das seine größte Gabe: Zu ahnen, was die Leute wollten, ohne dass sie davon ahnten und ihnen dann zu erklären, dass sie es wollten.

Seit etwa 2004 muss Jobs gewusst haben, dass er früh sterben könnte. Es ist nur Spekulation, aber vielleicht sind die Big-Brother-Allüren von Apple der letzten Jahre, das Bestreben, die Kunden quasi diktatorisch zu binden und zu kontrollieren, Jobs Versuche gewesen, sein Erbe zu sichern. Nach 1985 hatte er gesehen, was nach seinem Rauswurf aus Apple wurde und wie unverzichtbar er für die Firma war. Kurz nach seinem Wiedereinstieg 1997 etablierte er Apple endgültig als Hersteller von Geräten, die zu Objekten der Begierde für die Hippen, Urbanen und Kreativen wurden und ihnen ein Gefühl von Unkonventionalität gaben. Eine langweilige, mausgraue, instabile Windowskiste hatte inzwischen fast jeder Teenie im Jugendzimmer und Linux war noch eine einzige große Bastelstunde für Geeks, aber so ein knallbunter iMac, der nicht nur aussah wie ein Surfbrett, sondern auch 'eingebautes Internet' hatte und so gut wie nie abstürzte, das war etwas anderes. Vielleicht war das sein größtes Verdienst: Den Menschen nahezubringen, dass Computer keine bloßen Werkzeuge sind, sondern cool sein können, ein Lebensgefühl.

Die Anekdoten über ihn sind Legion: Wie er Anfang der Siebziger bei Atari zum Vorstellungsgespräch in Lumpen erschien, wie er eine Zeit lang vom Flaschensammeln lebte, wie er und sein Kumpel Wozniak AT&T austricksten und ein Gerät bauten, mit dem man kostenlose Ferngespräche führen konnte und so weiter. Jobs war der Erfolg nicht in die Wiege gelegt worden und er hatte den denkbar schlechtesten Start im Leben. Sein Erfolg zeigte vielen, dass es möglich ist, als Kapitalist reich zu werden und dabei unkonventionell zu bleiben. Das machte ihn zur Verkörperung des American Dream in Zeiten der Babyboomer. Vieles deutet darauf hin, dass man ihn nicht als Chef und erst recht nicht zum Gegner haben mochte, doch sein Einfluss auf unser aller Leben ist unbestreitbar, ob es einem passt oder nicht.

Etwas anderes gilt es mitzunehmen: Jobs war einer der Menschen, die wohl am gesündesten gelebt haben. Er war zeitlebens schlank, trank keinen Alkohol, rauchte nicht und war Vegetarier (man sagt, er soll zeitweise sogar Frutarier gewesen sein). Auch er ist nicht lebend davon gekommen. Genießen wir unser Leben, so wie es ist.

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