Donnerstag, 17. November 2011

Brain Farts, 17.11.2011


Überraschende Erkenntnisse

Das Jahr neigt sich dem Ende. Fassen wir daher die Erkenntnisse einmal zusammen, zu denen eine große Regierungspartei im bisherigen Verlauf des Jahres 2011 gekommen ist:
  • Atomenergie ist doch nicht so voll sauber und harmlos wie angenommen. Und erneuerbare Energien sind nicht nur das Produkt der kranken Hirne langhaariger linksgrüner Spinner.
  • Mindestlöhne sind eventuell, zumindest im Prinzip und hypothetisch, doch nicht der erste Schritt auf dem direkten Weg in den Kommunismus.
  •  Rechter Terror wird nicht etwa planlos von ein paar strammen Lausbuben verübt, die ein Bier zu viel hatten und denen infolgedessen ein wenig die Hand ausgerutscht ist, sondern es gibt tatsächlich rechtsterroristische Strukturen.
Wow, was kommt als nächstes? Dass die FDP vielleicht doch kein so besonders guter Koalitionspartner ist und schwarz-gelb bislang ein ziemlicher Griff ins Klo? Warten wir’s ab, sechs Wochen hat das Jahr schließlich noch.

Damit die Bäume aber nicht vollends in den Himmel wachsen, stellte der bayerische Innenminister Herrmann vorsorglich schon einmal klar, die Vorwürfe, man habe in Bayern zu wenig gegen rechts getan, seien absurd und die Morde und Anschläge in Thüringen dürften keine Verharmlosung des Linksextremismus zu Folge haben.

Immer wieder schön zu sehen, dass es noch Menschen gibt, die echte Probleme haben.

Das Gehabe der Relativierer und Verharmloser erinnert an einen alten Witz aus der Zeit des Kalten Krieges:
Eine Delegation amerikanischer Geschäftsleute ist in Moskau und wird von einem ausgewählt linientreuen KP-Genossen in der Stadt herumgeführt. Besonders stolz ist der auf die U-Bahn. In einem besonders prächtigen Bahnhof hält er lange Monologe über die edlen Materialien, die verbaut worden sind, die luxuriöse Ausgestaltung und weiß über jedes noch so kleine Detail eine Anekdote zu erzählen. Irgendwann wird es einem der inzwischen reichlich gelangweilten Amerikaner zu bunt und er sagt: „Das ist ja alles ganz nett hier, guter Mann. Wirklich sehr eindrucksvoll. Aber wir sind jetzt seit fast einer Stunde hier und ich frage mich, warum während der ganzen Zeit nicht ein einziger Zug gefahren ist.“ Darauf der Parteifunktionär: „So? Und warum werden bei Ihnen die Neger diskriminiert?“


Nette Hotline

Da hatte ich mir am Freitag im Verbrauchermarkt meines Vertrauens für einen Spottpreis FIFA 10 für PC besorgt und mich als einstmals passionierter Zocker mal wieder auf ein Wochenende fröhlichen Daddelns wie in alten Zeiten gefreut. Ja, ich weiß, das ist nicht die aktuelle Version, aber erstens bin ich nicht Krösus, zweitens habe ich noch ein Leben, weshalb ich nur ein wenig meinen Spaß zwischendurch haben möchte und nicht gleich in virtuellen Ligen spielen muss.

Leider entpuppte sich das Vorhaben als problematisch, denn das Game wollte nicht so wie ich. Nach unzähligen Versuchen, beim Customer Support von Electronic Arts jemanden an die Strippe zu bekommen (glücklicherweise keine Abzock-Nummer, sondern eine stinknormale Telefonnummer in Köln), bekam ich tatsächlich einen freundlichen Menschen an den Apparat, der sich meiner annahm. Nach zehn Minuten hatten wir alle technischen Kniffe – die ich schon ausprobiert hatte – durch und es blieb nur noch übrig, dass das Teil schlicht mit Windows 7 nicht vernünftig läuft. Weil aber Windows 7 nicht bei den Systemvoraussetzungen auf der Packung steht, konnte man mir da leider nicht helfen. Dem armen Mann schien das ehrlich unangenehm zu sein. Zum Schluss gab er mir noch einen kleinen Tipp:
ICH: „Hm, könnte es sein, dass die PC-Versionen von FIFA einfach schlampig programmiert sind, weil die Konsolenversionen das Hauptgeschäft sind?“
HOTLINE: „Da will ich nicht widersprechen. Jetzt mal ganz unter uns: Sehen Sie zu, dass Sie irgend eine günstige Kopie von Pro Evolution Soccer 2011 bekommen und FIFA 10 vertickt kriegen. Müsste es auch für einen Zehner geben. Ich spiele selber Fußball am Rechner und FIFA ist einfach Müll.“
ICH: „Aha, ich bin da nicht so informiert, aber PES hat meines Wissens nach kaum Vereinslizenzen.“
HOTLINE: „Das ist kein Problem. Im Netz gibt’s jede Menge von Nutzern gemachte Patches und Updates, da ist ne riesige Moddingszene unterwegs. Ich sag’ ihnen mal ein paar Adressen...“
Eines der herrlichsten Gespräche mit einer technischen Hotline, das ich jemals geführt habe. Endlich mal echte Beratung anstatt des üblichen Service-Sprech, wundervoll! Und das bei einem der größten Software-Publisher der Welt, einem Dampfer des Bösen, wo man eigentlich erwartet, nur an vorprogrammierte Plappermaschinen zu geraten.



Eine Bitte

Zum Schluss noch eine kleine Bitte: Würde sich bitte ein freundlicher Bombenleger, islamistischer Selbstmordattentäter oder Serienmörder Maxens und Maries annehmen, dem über alle Maßen nervigen Yuppiepärchen mit dem mittelalterlichen Weltbild aus dem allgegenwärtigen Werbespot von check24.de? Klar, das wäre sicher nicht schön, aber wieder einmal das Beste für alle, denn die Welt wäre um eine audiovisuelle Umweltverschmutzung leichter und es gäbe einen zufriedenen Kriminellen mehr.

Ich bin in meinem bisherigen Leben wahrlich noch nie als Anhänger des Feminismus auffällig geworden. Aber diese beiden Glücksbärchis, von denen das eine nicht in der Lage ist, ohne Internet Kreditangebote zu vergleichen und das andere sich ein Bein abfreut darüber, wie geil es in den zu kleinen Hotpants aussieht, die das eine Glücksbärchi ihr geschenkt hat, machen mich auf meine alten Tage noch zum EMMA-Abonnenten.

Natürlich wird es sich auch hier um einen verzweifelten Versuch von Werbern handeln, locker, ironisch und witzig rüberzukommen. In den allermeisten Fällen geht das daneben. So auch hier. Oder ich verstehe mal wieder einfach keinen Spaß.


Kommentare :

  1. Also ob es sich bei den drei Erkenntnissen einer großen Regierungspartei wohl um echte Einsichten handelt? Womöglich sind es nur drei Manifestationen einer einzigen Erkenntnis: Wenn wir nicht dasselbe Schicksal erleiden wollen wie eine kleine Regierungspartei (2%, Tendenz fallend), dann müssen wir uns, so schmerzlich es sein mag, wieder ein wenig an der Realität des Stimmviehs ausrichten.
    Aber immerhin, manch einer kommt halt nur durch Druck zu Einsichten...

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  2. Die Frage ist natürlich berechtigt. Aber es ist mir, ehrlich gesagt, auch ziemlich Wurst, warum diese Schwenks vollzogen werden. Entscheidend ist, was hinten rauskommt, um mit einem ehemaligen Kanzler zu sprechen.
    Die Union wird sowieso in immer größere Schwierigkeiten haben, ihren angestammten Justemilieus zu erklären, was für sie im 21. Jh. noch konservativ ist.

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