Montag, 28. November 2011

Lasst mich mit meinen Finanzen in Ruhe!


Was Geld angeht, bin ich ein ziemlich hoffnungsloser Fall. Es interessiert mich nicht und alle Versuche von entsprechend qualifizierten Leuten, mich dafür zu interessieren, sind bislang gescheitert. Mein Verhältnis zu meinem Bankkonto ist wie das eines Jugendlichen zum elterlichen Taschengeld: Noch was da? Cool! Nix mehr da? Mist! Ich zahle Rechnungen meist auf den letzten Drücker und ziehe auch viel zu selten Kontoauszüge. Überhaupt ist mir mein Kontostand nur so lange nicht gleichgültig, solange er sich, egal ob Soll oder Haben, in einem halbwegs erträglichen Bereich bewegt.

Schon als Kind bekam ich beim Weltspartag, bei dem wir alle gehalten waren, brav unser Geld in die geschenkte Spardose zu stecken und das Gesparte dann feierlich auf unser erstes Sparbuch einzuzahlen, unter dem Gelächter der anderen noch nicht einmal einen Trostpreis fürs Mühe geben. Ich fand Lego, Playmobil und Comics viel verlockender als die vage Aussicht, mir irgendwann einmal, in ferner Zukunft irgend etwas Großes leisten zu können. Außerdem fand ich schon in der Grundschule die Kinder, die immer ordentlich sparten, anstatt es auch mal krachen zu lassen, eher von der langweiligen Sorte.

Man kann sich unschwer vorstellen, dass ich auch für geschäftliche Verhandlungen komplett ungeeignet bin. Ich habe keine Ahnung davon, bin leichtgläubig, bekomme schnell Mitleid, ich bin leicht unter Druck zu setzen und weder ein guter Pokerspieler noch ein guter Lügner. Völlig talentfrei also. Den Kauf eines Gebrauchtwagens zum Beispiel bekomme ich nur hin mit der Hilfe von Freunden, die sich sowohl mit der technischen als auch der finanziellen Seite solcher Geschäfte auskennen. Sonst bestünde die Gefahr, dass ich mir einen Schrotthaufen, der aus mehr Spachtelmasse als Blech besteht, für das Doppelte des angemessenen Preises andrehen lassen und dafür auch noch danke sagen würde.

Ich bleibe dabei: Geld ist die Geißel der Menschheit. Es hat mehr Streit, Elend, Stress und Kriege verursacht als alle Religionen zusammen. Es sollte uns zu denken geben, dass der allergrößte Teil der Biomasse auf der Erde, vom Einzeller bis zum Menschenaffen, seit Jahrmillionen hervorragend ohne jede Form von Geld klar gekommen ist. Der Mensch ist die einzige Spezies auf der Welt, bei der eine Wahrscheinlichkeit besteht, dass er beim Anblick einer goldenen Kreditkarte glänzende Augen bekommt und zu sabbern anfängt, während beispielsweise ein Hund nur verständnislos glotzen würde.

Aber du brauchst doch Geld, werden die Finanzmenschen jetzt nölen. Stell dir einmal dein, nein, unser aller Leben ohne Geld vor. Wir würden keine Woche überleben! Schon richtig, aber Geld als Zahlungsmittel zu akzeptieren, bedeutet noch lange nicht, Geld für einen Wert an sich zu halten. Wenn ich an irgendwas interessiert bin, dann nicht an Geld, sondern an den Annehmlichkeiten, die ich mir damit kaufen kann, nichts weiter. Ich wundere mich schon, dass ich mich überhaupt bücke, wenn mir eine kleinere Münze herunterfällt.

Vor ein paar Jahren ging es einem entfernten Bekannten von mir ziemlich mies: Er hatte seinen Job verloren, eine Familie über die Runden zu bringen und in seinem Beruf waren die Aussichten, etwas Neues zu finden, reichlich düster. Aus Verzweiflung hatte er sich von einem dieser Finanzdienstleister als Berater ankobern lassen und klapperte seinen gesamten Bekanntenkreis ab nach potenziellen Opfern, denen er eine Beratung angedeihen lassen konnte. Weil er mir leid tat, habe ich ihm nicht die Tür gewiesen. Eine Stunde später war der Mann noch verzweifelter als vorher: Erstens verfalle ich bei solchen Gesprächen automatisch – ich kann nichts tun dagegen – in eine Art Wachkoma und zweitens habe ich jeden seiner Versuche, meine Finanzen zu optimieren, mit dem Hinweis abgeblockt, all meine Versicherungen über die Agentur eines alten Schulkollegen laufen zu haben. Ich war partout nicht davon zu überzeugen, die Hälfte davon zu kündigen und gegen ein wenig günstigere Policen zu ersetzen. So ein Wachkoma hat auch seine Vorteile. Natürlich zahle ich mehr für meine Versicherungen als unbedingt nötig. Dafür habe ich aber das beruhigende Gefühl, keinen Mist angedreht zu bekommen und im Fall des Falles eine Durchwahl zu haben, die zufällig die des Chefs der Agentur ist. Dafür zahle ich gern ein paar Euros mehr im Jahr. Es geht, wie gesagt, um Bequemlichkeit.

Daher gehören für mich Menschen, die ohne Not einen Lebensinhalt daraus machen, immer und überall dem günstigsten Schnäppchen hinterher zu hecheln, so ziemlich zum Armseligsten, was der Planet hervorgebracht hat. Dicht gefolgt von Menschen, die in ihrer Freizeit freiwillig Wörter im Munde führen wie Finanzplan, Rendite, Portfolio, Cashflow etcetera und dabei auch noch den Eindruck erwecken, ihren Spaß daran zu haben.

Und von überall her quakeln sie auf einen ein, die Sirenen des Kapitals und ihre willfährigen Lakaien: Du kannst doch nicht ewig leben wie ein Student. Du musst mal erwachsen werden, an deine Zukunft denken. Du musst auch mal planen. Du hast ungenutztes Kapital auf einem schnöden Sparbuch liegen. Das bringt doch keine Rendite. Du verschenkst viel Geld, wenn du es nicht für dich arbeiten lässt. Los, lass' dich beraten. Zier dich doch nicht so. Komm, spiel' es mit, das Spiel! Du wirst es nicht bereuen.

Als ob es uns nicht alle miteinander in diesen Schlamassel geritten hätte, dass zu viele Leute zu viel Geld zu viel für sich arbeiten lassen wollten. Außerdem mag ich dieses Spiel nicht. Auf den Tod nicht. Es ist langweilig und nur Seelenlose finden das spannend. Gezwungen zu sein, sich mit seinen Finanzen zu beschäftigen, vielleicht auch noch darüber zu verhandeln, ist das Gegenteil von Musik, von Sonnenschein, Genuss, Lachen, Ideen, Schönheit, Liebe, kurz: Das völlige Gegenteil von absolut allem, was das Leben irgendwie lebenswert macht. 


Kommentare :

  1. Hmmm. Mitten aus dem Herzen ;-)

    Es ist langweilig und nur Seelenlose finden das spannend.

    Tja. Die Seelenlosen regieren die Welt. Und betrachten dies als Vernunft. Mögen sie damit untergehen.

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  2. Schöner Artikel!

    Ich bleibe dabei: Geld ist die Geißel der Menschheit. Es hat mehr Streit, Elend, Stress und Kriege verursacht als alle Religionen zusammen.

    Volle Zustimmung! Mir ergeht es ähnlich wie Dir, was das Thema Geld angeht! Wenn sich Bekannte von mir stundenlang über die Verwendung und Anschaffung von Geld unterhalten, ja sich alles nur darum dreht, bin ich angewidert und gelangweilt.

    Einmal hat mich ein Finanzberater vollgelabert und meinte am Ende, ich wäre der Erste seit 10 Jahren, dem er nichts verkaufen konnte. Ich fühlte mich geschmeichelt! Der vollständige Text dazu hier:

    "Sie Haben doch auch Wünsche, oder?"

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  3. Danke, Danke! Ich könnte mich jetzt dicke tun, muss aber zugeben, dass ich zu einem gewissen Teil woanders Honig gesogen habe... ;-)

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  4. Ich hab seit 10 Jahren kein Konto mehr, mache nur noch in bares und bin dir deswegen um Längen vorraus!

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