Montag, 31. Dezember 2012

Lasst es knallen!


Klar, Silvesterknallerei ist, wie vieles andere, eine komplett unvernünftige und verrückte Sache. Laut, gefährlich und natürlich teuer. Kinder und viele Haustiere haben Angst. Die Argumente der Vernünftigen sind mal wieder sehr stichhaltig. Abgesehen von einem einzigen Aspekt: Wenn es  Menschen noch nicht einmal mehr in Maßen erlaubt ist, dann und wann etwas Verrücktes zu tun, dann kann man das, was man als Zivilisation oder Kultur bezeichnet – was immer das im Einzelnen sein mag – getrost vergessen.

Freitag, 28. Dezember 2012

In eigener Sache - Entschuldigung!


Einigen wird es vielleicht aufgefallen sein: Die Kommentardichte scheint in den letzten vier Wochen erheblich abgenommen zu haben. Das ist nicht so, im Gegenteil: Es wurde sogar recht fleißig kommentiert. Seit einiger Zeit werde ich aber in höherem Maße mit englischsprachigen Spam-Kommentaren belästigt. Das ist insofern kein Problem, weil der Spamfilter diesen nichtssagenden Kram in der Regel zuverlässig in die entsprechende Schublade befördert.

Donnerstag, 27. Dezember 2012

Gewollt, nicht gekonnt


Wie sich an Tobi Baumanns 'Zwei Weihnachtsmänner' (2008) das Elend deutschen Komödienschaffens studieren lässt.

So was kann vorkommen in diesen Tagen: Nach einem guten Essen in froher Runde schlägt jemand vor, noch eine DVD zu schauen. Aus drei Gründen habe ich nicht protestiert, als der 2008 zuerst auf SAT 1 ausgestrahlte Zweiteiler 'Zwei Weihnachtsmänner' eingeschoben wurde: Erstens mochte ich nicht immer nein sagen, zweitens war es länger her, dass ich mir aktuelleres Komisches aus deutschen Landen in Spielfilmlänge angetan habe und drittens hasse ich Vorurteile. Wozu auch das gehört, dass das Buch über deutschen Humor zu den dünnsten der Welt gehöre. Zudem auch sonst einiges für den Film spricht: Die Hauptrollen spielen Christoph Maria Herbst und Bastian Pastewka, die beide was können und sich in der Regel für allzu plumpen Schenkelklopf-Humor zu schade sind. Das Drehbuch ist von Tommy Jaud, dessen Roman 'Millionär' ich zwischendurch zur Seite legen musste, weil ich vor Lachen nicht weiterlesen konnte. Alles in allem keine schlechten Voraussetzungen. Der Film dauert zwei Mal neunzig Minuten. Nach einer halben Stunde musste ich gegen den Schlaf ankämpfen.

Montag, 24. Dezember 2012

Schöne Feiertage!


(Eigentlich wollte ich hier aus gegebenem Anlass Erich Kästners Gedicht 'Weihnachtslied, chemisch gereinigt' in voller Länge einstellen. Weil Kästner 1974 gestorben ist, liegen die Rechte noch bis 2044 bei den Erben. Die sollen angeblich nicht zimperlich sein, bei Urheberrechtsverletzungen ihre Anwälte in Marsch zu setzen. Weil ich keinen Wert lege auf verspätete Weihnachtsgeschenke in Form von Abmahnungen und auch keine Lust habe, einen wissenschaftlichen Essay zu verfassen, in dessen Zusammenhang ich es dann zitiere, sei allen, die das Gedicht nicht kennen sollten, empfohlen, den Titel zu googeln - es lässt sich leicht finden.)

Ansonsten, egal, ob religiös oder nicht, ob nun gefeiert wird oder nur ein wenig Pause gemacht, wünsche ich allen Lesern, Kritikern, Mitbloggern und Kommentatoren ein paar entspannte Tage. Man liest sich nach den Feiertagen. Cheers!


Freitag, 21. Dezember 2012

Endlich wird durchgegriffen


Endlich, endlich greift mal jemand durch. Endlich macht jemand mal ernst damit, den Sumpf der Korruption in diesem Land trocken zu legen. Einer muss ja schließlich damit anfangen. Dieser Lorbeerkranz gebührt der Hamburger Stadtreinigung. Die hat nämlich jetzt in einer internen Broschüre klar gestellt, dass Müllfahrer nur Geschenke von Kunden annehmen dürften, wenn diese eindeutig als Werbeartikel erkennbar seien bzw. sie einen Wert von zwei Euro nicht überstiegen. Das gilt ausnahmslos. Nur zu Weihnachten – man ist ja kein Unmensch, nicht wahr? – wurde das Limit auf einen Wert von zehn Euro angehoben. Aber nur dann, "wenn das Zurückweisen der Zuwendung als Unhöflichkeit anzusehen ist.", heißt es weiter.

Mittwoch, 19. Dezember 2012

Mein Unwort 2012


Machen wir einmal eine kleine Rechnung auf: Angenommen, ein heute Sechundzwanzigjähriger hat etwas geschafft, das immer weniger Menschen hierzulande gelingt: Er befindet sich in einem unbefristeten Vollzeit-Beschäftigungsverhältnis. Nehmen wir weiter großzügigerweise an, er verdient dort zehn Euro die Stunde, also deutlich mehr als die vorgeschlagenen gesetzlichen Mindestlöhne. Bei einer tariflichen monatlichen Arbeitszeit von, sagen wir, 160-165 Stunden macht das am Monatsende 1.600-1.650 € brutto. Bei Steuerklasse 1 bleiben davon nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben etwa 1.100-1.160 € netto übrig.

Sonntag, 16. Dezember 2012

Praktisches Geschenkelexikon, A-Z


Es lässt sich nicht mehr übersehen: Der Geburtstag des Religionsstifters naht wieder einmal mit Riesenschritten. Willkommen also zum alljährlichen Weihnachts-Service der Fliegenden Bretter. Nachdem hier letztes Jahr der Versuch unternommen wurde, die vielen rätselhaften Phänomene zu erklären, die allüberall gegen Ende des Jahres gehäuft auftreten, geht es diesmal einen Schritt weiter. Wir wenden uns nämlich einem der wichtigsten Aspekte des ganzen Trubels zu: Dem Schenken.

Bei Kindern ab einem gewissen Alter tut man gut daran, sich an ihre Wuschzettel zu halten, wenn einem der häusliche Frieden lieb ist. Schwieriger wird es schon, wenn man sich für Erwachsene etwas Passendes ausdenken muss. Nun transportieren Geschenke bekanntlich immer auch Botschaften über den Schenkenden selbst und was er so vom Beschenkten hält. Dadurch kann so eine Veranstaltung leicht heikel werden. Hunderttausende von Polizeieinsätzen während der Feiertage wegen häuslicher Gewalt sprechen da eine deutliche Sprache.


Weil zudem inzwischen nicht mehr nur innerhalb der Familie und der Verwandtschaft geschenkt wird, sondern immer öfter auch unter Freunden und Bekannten, steigt damit auch die Dichte an potenziellen Fettnäpfchen geradezu exponentiell an. Um schlimmerem vorzubeugen, sollen daher hier, wie immer in praktischer A-Z-Reihenfolge, die mehr oder minder versteckten kleinen Botschaften aufgeschlüsselt werden, die die häufigsten Geschenke so mit sich bringen.

Samstag, 15. Dezember 2012

Politik per Panikmache


Eine alte Weisheit der Machtpolitik geht in etwa so: Will man ein Volk wirklich beherrschen, dann muss man ihm Angst machen, ihm das Gefühl geben, bedroht zu sein. Dann lassen sich auch die absurdesten Präventions- und Überwachungsmaßnahmen als leider, leider notwendiges Übel verkaufen. Und viele machen inzwischen brav mit. Wir sind geradezu besessen von Prävention. Um unserer biologischen Uhr um jeden Preis ein paar zusätzliche Jahre abzuringen, sind wir bereit, auch noch die absurdesten Dinge widerspruchslos zu schlucken. Das muss nicht auf Politik beschränkt sein.

Dienstag, 11. Dezember 2012

Opel ist, wenn man fliegt


Man könnte nostalgisch werden. Im Ruhrgebiet war es früher unter Lehrlingen in der Montanindustrie Pflicht, am 18. Geburtstag gefälligst mit dem eigenen Auto zur Arbeit zu kommen. Bekam man das, aus welchen Gründen auch immer, nicht auf die Reihe, hatte man ein Imageproblem bei den Kollegen. Die Fertigung in Bochum hat mit dazu beigetragen, dass Opel ab den 1960ern zu den Lieblingsmarke junger und alter Malocher gehörte. Einfache Technik für einfache Leute, so lautete das Motto und man fuhr gut damit. Wer es im vom Zechensterben gebeutelten Revier geschafft hatte, bei Opel in Bochum unterzukommen und sich nicht völlig dumm anstellte, musste sich um sein Auskommen keine Sorgen mehr machen. Das ist schon länger vorbei. 2016 ist endgültig Schluss.

Samstag, 8. Dezember 2012

Sofa-Ralle und Voodoo-Wolfi


Einst waren es die langhaarigen Gammler, über die Volkes Stimme sich empörte. Erstmalzumfriseur! Sollnerstmalwasarbeiten!, Sollendochnachdrübengehen!, oder auch: Abinslager! - So schnarrte es früher im Befehlston unter dicken Hornbrillen und grünen Fasanenfederhütchen hervor. Heute haben bekanntlich Sozialschmarotzer die Rolle des Sündenbocks eingenommen. Jetzt hat Deutschlands meistgelesene Tagespostille endlich wieder einen dreistesten Hartz-IV-Abzocker gefunden, der untätig in der sozialen Hängematte liegt und gegen den sich die Fraktionen "Ich bin was Besseres als der, weil ich mich wenigstens für sechs Euro die Stunde ausbeuten lasse" und "Warum ich so einen mit durchfüttern" so trefflich aufhetzen lassen. Nach Florida-Rolf und Arno Dübel hat man Sofa-Ralle aufgetrieben und prompt als propagandistisch nutzbaren Aufreger in Frau Maischbergers Talkbude verfrachtet.

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Bye, bye, Doc!


House: „Wenn ich es genieße, das Leben zu hassen, dann hasse ich es nicht, sondern genieße es.“
Was immer man über Arztserien sagen kann, 'Dr. House' war anders. Zwar hat es in Literatur, Film und Fernsehen immer wieder Ärzte gegeben, die heimlich zur Flasche griffen, familiäre Probleme hatten oder sich am Medikamentenschrank bedienten, doch so ein körperliches wie seelisches Wrack wie Gregory House (Hugh Laurie) war noch nie da. Selbst ein hinkender Schmerzensmann, von starken Medikamenten abhängig und am Rande des Alkoholismus entlang balancierend, scherte er sich meist nicht um die menschliche Seite seiner Fälle. Zu seinem Credo gehörte: Neben weißen Kitteln werden Patientengespräche allgemein überschätzt, weil jeder Mensch lügt. Ärzte sind da, um Krankheiten zu heilen und nicht Menschen. Und Händchenhalten hat noch niemanden je wieder gesund gemacht.

Montag, 3. Dezember 2012

Sex nervs!


Mit Ausnahme des mit Kunstanspruch aufgeplusterten Pirelli-Kalenders, waren Erotik-Kalender mit mehr oder minder leicht bekleideten jungen Frauen traditionell eher etwas für die Innenseiten von Spindtüren und die Wände von Autowerkstätten. Seit Nigel Coles Filmkomödie Kalender Girls von 2003 ist hingegen nichts mehr so wie es einmal war. In dem Film sagt sich bekanntlich eine Runde gereifter Damen aus einer englischen Kleinstadt: Was Pirelli kann, das können wir auch. Die Ladys beschließen daraufhin, sich für einen Kalender in erotischen Posen fotografieren zu lassen und den Verkaufserlös einem guten Zweck zukommen zu lassen. Das war zweifellos eine witzige Idee. Hartnäckig hält sich das Gerücht, die Werbeindustrie sei eine kreative Branche. Dass das offensichtlich ein Gerücht, ist, lässt sich leicht daran erkennen, dass  der größte Teil der Branche ist den lieben langen Tag mit nichts anderem beschäftigt scheint, als erfolgreiche Ideen irgendwo abzukupfern.

Freitag, 30. November 2012

Sauber, NRW!


Nicht einmal die hartnäckigsten Raucher werden noch ernsthaft bestreiten, dass Rauchen gesundheitsschädlich ist. Was Passivrauchen angeht, sieht die Sache wohl etwas anders aus, aber dieses Fass muss man hier nicht aufmachen. Zu respektieren ist, dass eine Mehrheit es offensichtlich lästig bis widerlich findet, zugequalmt zu werden, egal ob wegen gesundheitlicher Aspekte oder einfach nur, weil die Kleidung hinterher mieft. Ich hasse es, Menschen unnötig zur Last zu fallen und schätze zivilisiertes Verhalten sehr. Daher war auch mir als Raucher die Idee nie wirklich unsympathisch, dass in Räumen, in denen man nicht die Wahl hat, ob man sich darin aufhalten will oder nicht, gefälligst nicht gequarzt wird, auch wenn das vielleicht eine Einschränkung meiner persönlichen Freiheit bedeutet. So habe ich nicht den leisesten Protest erhoben, als das Rauchen in öffentlichen Gebäuden und in Restaurants verboten wurde.

Mittwoch, 28. November 2012

Gewolltes Staatsversagen


Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen, so lautet eine alte Weisheit. Sascha Adameks und Kim Ottos Buch 'Schön reich – Steuern zahlen die anderen' fiel mir in der Stadtbibliothek meines Vertrauens in die Hände. Es ist eines dieser Bücher, die keine großen intellektuellen Mühen bereiten, die aber deswegen alles andere als entspannend sind. Man liest es in einem durch, mit von Seite zu Seite weiter steigender Wut, weil man eigentlich nicht glauben möchte, was man da liest. Klar, man hatte immer geahnt, dass irgendwas schief läuft mit den Steuern. Hin und wieder fliegt ja auch mal was auf, aber damit hatte man dann doch nicht gerechnet. Adamek und Otto zeigen anhand von Fallbeispielen, wie es um die Steuermoral im Lande tatsächlich bestellt ist. Wann immer man geneigt ist, schwach zu werden und der Deutschland-geht-es-gut-Propaganda doch auf den Leim zu gehen, empfiehlt es sich, dieses Buch zur Hand zu nehmen. Als lohnbesteuerter Arbeitnehmer hat man vor Kopfschütteln bald einen steifen Nacken.

Montag, 26. November 2012

Ein Nicht-Vorbild tritt ab


Deutschland, Anfang der Neunziger. Der Kater wegen der Wiedervereinigung hatte noch nicht richtig eingesetzt und im Fußball dünkte man sich auf Jahrzehnte unbesiegbar. Eines jedoch trübte für nicht wenige das Glück: Seit Jahrzehnten hatte das Autoland Deutschland keinen siegreichen Formel-1-Fahrer mehr hervorgebracht. 1992 trat ein junger Mann aus Kerpen namens Michael Schumacher an, das gründlich zu ändern. Am Ende war Schumacher von 1994 bis 2004 insgesamt sieben Mal Weltmeister geworden.: So drückend war zwischenzeitlich seine Dominanz, so häufig seine Start-Ziel-Siege, dass auch die wahrlich nicht auf den Mund gefallenen Plaudertaschen von RTL ihre liebe Mühe hatten, dem durch ihn sterbenslangweilig gewordenen sonntäglichen Gekarre wenigstens ein Minimum an Spannung anzuquatschen.

Samstag, 24. November 2012

Grundsätzliches über das 'Freigeben' von Artikeln


Heute Vormittag erreichte mich zum wiederholten Male per Mail die Anfrage eines kommerziell arbeitenden Verlages, mit der Bitte, einen hier erschienenen Artikel für die Veröffentlichung auf ihrer Webseite und in ihrem Magazin "freizugeben". Mit anderen Worten: Man hätte gern einen Artikel von mir geschenkt, um dann in gewerblichem Rahmen damit Gewinne zu erwirtschaften. Wobei "freigeben" genau so ein anderes Wort für "schenken" ist wie: "Zehn Überstunden pro Monat sind bei uns inklusive."

Freitag, 23. November 2012

If we could turn back time


Ruben Bolling alias Tom The Dancing Bug befasst sich mit der interessanten Frage, was passieren würde, wenn Barack Obama einer Zeitmaschine entstiege und im Jahr 1960 einer amerikanischen Durchschnittsfamilie seine Sozialpolitik erklären würde. Das ist umso anregender, wenn man bedenkt, dass es genau das Amerika ist, das konservative Hardliner wie der genannte Bill O'Reilly immer wieder beschwören. (Klicken zum vergrößern)

Mittwoch, 21. November 2012

Ich hab' ne Zwiebel aufm Kopf...


Cem Gülay und Helmut Kuhn haben ihrem Buch, das Interviews mit in Deutschland lebenden Migranten enthält, den hammermäßigen Titel 'Kein Döner Land' verpasst. Na, haben das alle gecheckt? 'Kein Döner Land'! Harr harr, Spitzenwortwitz! Um weiteren sprachlichen Belästigungen solcher Art vorzubeugen, melde ich hiermit Titelschutz an für:

Montag, 19. November 2012

Grenzerfahrungen in der Konsumgesellschaft (2)


Kürzlich wurde hier schon einmal berichtet über Situationen, die auch den erfahrenen Konsumbürger an seinem Verstand zweifeln lassen. Natürlich hält auch die schillernde Welt der Mode diesbezüglich so einiges parat. Denn es ist doch ein Ärger mit den Alten, Armen, Hässlichen und Dicken. Man will einfach nur ganz entspannt jung, reich, schön und in sein, und überall treiben sie sich herum, das Auge beleidigend. Die Welt ist voll von unansehnlichen, faltigen Fattys, die einem durch ihre bloße Anwesenheit ein schlechtes Gewissen machen. Bestimmt sind sie nur neidisch, denn in einer Tour jammern sie herum, weniger vom Leben zu haben als die jungen, schönen Richtigmacher. Werden solche Neidhammel auch noch politisch, dann sind es meistens Sozialisten, die einem den schönen, hart erarbeiteten Wohlstand mit Gewalt abzunehmen trachten.

Freitag, 16. November 2012

Der Scheinheilige


Es mag wohlfeil klingen, aber Xavier Naidoo ist mir schon immer auf den Sack gegangen. Nicht, weil die Musik, die er macht, überhaupt nicht meine Welt ist. So was ist Geschmackssache und nur piefige Kleingeister würden daraus eine Riesennummer machen. Seine Herkunft oder gar seine Hautfarbe sind mir erst recht egal. Nein, mein Problem war immer sein missionarischer Eifer und diese leicht weinerliche, gesalbte Laienprediger-Attitüde, in der er erst alles krank betet, um es anschließend wieder gesund zu beten. Dass sich hinter dieser frommen Fassade ein Mensch mit schlichtem, aber teils reaktionärem Weltbild verbirgt, hat er jetzt im Duett mit seinem Kollegen Kool Savas unter dem Namen Xavas bewiesen.

Dienstag, 13. November 2012

Heimliche Machtübernahme, nächster Schritt


Na, heute schon besorgter Bürger gewesen und rechtschaffen Angst gehabt vor dem Islam, der unseren Kirchen die Kreuze abschlagen und durch Halbmonde ersetzen will? Anfänger! Oder vorm Chinesen, der hier alles aufkaufen will? Laaangweilig! Vor Scientology? Gääähn! Vor dem Ende der Welt am 21.12.? Lächerlich und außerdem total 2011! Nein, wahre Paranoia-Profis sollten sich viel eher Sorgen machen über eine andere Gruppierung, die seit einigen Jahren heimlich, still und leise dabei ist, diese Republik nach und nach zu übernehmen, und zwar auf die freundliche Tour. Alle Atheisten und Agnostiker, die naiverweise - haha - geglaubt haben, dieses Land bewege sich auf direktem Wege in die fröhliche Gottlosigkeit, sollten angesichts einiger beunruhigender Entwicklungen in letzter Zeit lieber noch einmal genauer hinsehen.

Donnerstag, 8. November 2012

Mehr Michelin-Männchen


Wem ein wenig an gutem Essen gelegen ist, wem es also nicht egal ist, was man selbst und Gevatter Mitmensch sich so tagtäglich durch die Futterluke schleust, müsste eigentlich hocherfreut sein über diese Nachricht: Wir sind endgültig im Gourmet-Himmel angekommen. 37, in Worten siebenunddreißig, neue Michelin-Sterne haben Deutschlands Weißmützen sich im letzten Jahr zusammengebrutzelt. Hurra! Deutschland ist nicht nur Exportweltmeister und im Fußball wieder wer, sondern endlich auch auf Augenhöhe mit den Mekkas des Genusses. Die Welt beneidet uns mal wieder. Hach, sind wir jetzt endlich alle ganz sinnliche Genussmenschen? Nö. Zumindest nicht mehr als vorher. Denn die Meldung ist nichts weiter als ein Beleg für nichtssagenden Stimmungsjournalismus.

Montag, 5. November 2012

Mit Blindheit geschlagen


Eltern, die aus ihren Kindern anständige Menschen machen wollen, versuchen den Kleinen in der Regel auch beizubringen, dass sie Fehler eingestehen sollen. Wer Mist gebaut hat, möge gefälligst das Rückgrat haben, dazu zu stehen und sich zu entschuldigen. Weil alle Menschen früher oder später einmal daneben greifen im Leben, ist das nur menschlich und man kommt meist glimpflicher davon, als wenn man versucht, das mit einem stetig wachsenden Lügengebäude zu vertuschen. Das erweist sich auch im späteren Leben nicht nur als anständiges, sondern meist auch als kluges Vorgehen, auch wenn es oft Mut erfordert.

Samstag, 3. November 2012

Perfect Storm


Rein betriebswirtschaftlich gesehen, gehört ein zuverlässig funktionierender Katastrophenschutz sicher zu den ineffizientesten Dingen, die ein Gemeinwesen sich leisten kann. Technik, Fahrzeuge, Infrastruktur müssen flächendeckend vorgehalten und permanent instand gehalten werden. Zahlreiche hauptamtliche Mitarbeiter müssen ausgebildet und bezahlt, ein Heer von Ehrenamtlichen muss in Bereitschaft gehalten und immer wieder geschult werden. Das alles in der Hoffnung, dass der ganze teure Apparat am besten nie zum Einsatz kommt. So ein Gedanke und der, dass in einem staatlich organisierten Katastrophenschutzsystem nicht wenige von der Allgemeinheit Bezahlte lange Zeit einfach nur Wache schieben, also nicht wirklich arbeiten in dem Sinne, dass sie etwas Zähl- und Verkaufbares produzieren, muss eingefleischten neoliberalen Effizienzfetischisten unerträglich sein. Funktionierte ein Staat wie ein privatwirtschaftliches Unternehmen, wie es aus einigen Köpfen nicht herauszubekommen ist, dann müsste der gesamte Katastrophenschutz eigentlich gestrichen werden. Totes Kapital nennen knallharte Sanierer so was und setzen im Geiste den Rotstift an.

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Rückkehr des Großen Kürbis


Es ist wieder so weit: Das Fest des großen Kürbis ist da. Von bizarr bis gruselig herausgeputzte Kinder erpressen von den Nachbarn Süßigkeiten und nicht minder zurecht gemachte Erwachsene strömen in Scharen zu Halloween-Partys, auf denen sie die Nacht zum Tage werden lassen, um den folgenden Morgen des stillen Allerheiligen-Tages in gebührender Wortkargheit zu begehen. Schließlich sind auch die Supermärkte seit einiger Zeit nicht nur voller Weihnachtsgebäck, sondern auch voller Horror-Zubehör. Das gefällt nicht allen. So bezieht zum Beispiel in Polen die katholische Kirche mutig Stellung gegen das satanische Fest, an dem Okkultismus und Zauberei gehuldigt werde. Auch hierzulande ist man auf der Hut: Weil gewisse, sehr deutsche Dödel sich nicht nur in jeder freien Minute auf Traditionen besinnen, sondern auch sonst voll kritisch durchblicken, ist man in diesen Kreisen schwer um die einheimische Kultur besorgt. Von amerikanischem Kulturimperialismus wird da gern gemoppert. Müssen wir denn wirklich immer alles mitmachen, was von dort kommt? Und überhaupt sei das doch alles eh nur Kommerz und jappjappjapp.

Samstag, 27. Oktober 2012

Unser langer Lauf von uns weg


Vieles wäre wohl einfacher, wenn die wackeren Athener, die einst den persischen Invasoren eins auf die Mütze verpasst haben, eine Brieftaube zur Hand gehabt hätten. Oder ein Pferd. Aber nein, der Überlieferung zufolge mussten sie ja unbedingt einen antiken Urahnen von Dieter Baumann, Haile Gebrselassie und Achim Achilles per pedes losjagen, die freudige Nachricht in der Hauptstadt zu verkünden. Ein stinknormaler Soldat wäre das vermutlich in aller Ruhe angegangen, hätte nichts überstürzt und sich unterwegs, sobald er außer Sichtweite gewesen wäre, vielleicht ein paar Mezedes und einen Schoppen Retsina gegönnt. Irgendwann am Abend wäre er ganz entspannt beim Bürgermeister aufgeschlagen, hätte ausführlich Bericht erstattet, einen Orden dafür bekommen und sich auf der Siegesfeier noch schön einen hinter die Binde gekippt. Weil sich der athenische Oberstratege aber zielsicher einen hyperaktiven Sportfanatiker für den Job ausgeguckt hat, wäre die Sache beinahe schief gegangen: Der Typ hatte nichts besseres zu tun, als unvernünftigerweise die ganze Strecke ohne Pause in der prallen Sonne im Dauerlauf herunterzuprügeln. Das ist ihm bekanntlich nicht gut bekommen: Am Ziel brach er entkräftet zusammen. "Gewonnen!", das war sein letztes Wort und aus war's mit ihm. Die Schlacht überlebt und sich hinterher ohne Not zu Tode gerannt - geht es noch dümmer? Seine vorletzten Worte werden wohl gelautet haben: "Muss... mich... noch... besser... motivieren... motivieren!" Oder so ähnlich.

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Bezahlstudium durchgefallen


Mit Studiengebühren ist es ein wenig wie mit dem Falschparken: Die mit den dicken Autos schmerzt ein Knöllchen kaum, während es beim geringverdienenden Parksünder sehr wohl ein Loch ins Monatsbudget zu reißen vermag. Berücksichtigt man die soziale Herkunft der Studierenden in Deutschland, dann dürften 500 Euro Studiengebühren pro Semester, was gut 83 Euro pro Monat entspricht, für die Mehrheit nichts Unzumutbares gewesen sein. Sie denen zu erlassen, die sich das wirklich nicht hätten leisten können, wäre kein Problem gewesen. Die hätten ein sehr genaues Instrument in der Hand gehabt, ihre Bedürftigkeit zu unter Beweis zu stellen: Ihren BAFöG-Bescheid. Denn mit dem weisen angehende Akademiker eine Prüfung darüber nach, dass die Familie finanziell nicht in der Lage ist, das Studium des Sohnes oder der Tochter adäquat zu stemmen.

Sonntag, 21. Oktober 2012

Willkommen im Mainstream, Homiez!


HipHop war vielleicht die dominierende Jugendkultur der letzten 15, 20 Jahre. Für Menschen, die qua eigener Sozialisation irgendeine Form von Rockmusik und einigermaßen normal geschnittene Hosen bevorzugen, war diese Zeit eine schwere Prüfung. Jugendliche, die im Englischunterricht keinen einzigen geraden englischen Satz über die Lippen bekamen, fuchtelten mit den Armen, machten unter obskuren Fingerverrenkungen einen auf Ganzböserjunge und parlierten dazu fließend kryptische Fachausdrücke in annähernd jenem Idiom, das ihnen doch eigentlich ein komplettes Rätsel war. Sie waren enttäuscht, wenn der Jugendrichter es wegen Dauerkiffen und/oder Graffittisprüherei bei einer Ermahnung beließ oder ihnen Sozialstunden aufbrummte, anstatt sie, wie ihre US-Vorbilder in den Knast zu stecken. Dazu trugen sie Kleidung, die sie in jedem anderen Jahrhundert vermutlich als Angehörige des fahrenden Volkes der Gaukler ausgewiesen hätte.

Samstag, 20. Oktober 2012

Das deutsche Doktoren-Desaster


Keine Ahnung, was an den Plagiatsvorwürfen gegen Annette Schavans Doktorarbeit im einzelnen dran ist. Man müsste sich im Detail damit befassen. Die Heftigkeit der Ad-Hominem-Anwürfe gegen den unter Pseudonym vorgehenden Plagiatsjäger Robert Schmidt legen jedenfalls den Verdacht nahe, dass da möglicherweise ein wunder Punkt getroffen wurde. Wie alles, so hat auch das Problem ihrer Doktorarbeit zwei Seiten. Annette Schavan, damals 25, schloss ihr Studium in Düsseldorf nicht mit Magister oder Diplom, sondern direkt mit der Promotion ab. Man erinnere sich, wie das damals war, mit der eigenen Abschlussarbeit: Man wollte/musste das Ding endlich fertig kriegen, steckte vielleicht in einer kleinen Sinnkrise und der Erwartungsdruck war hoch. 1980 waren Computer noch etwas für Ingenieure, vom Internet und seinen Möglichkeiten hatte noch niemals jemand gehört. Eine Doktorarbeit war damals, realistisch betrachtet, in den meisten Fällen etwas, das im Zweifelsfall nur ein sehr kleiner Personenkreis jemals zu Gesicht bekommen würde.

Dienstag, 16. Oktober 2012

Stating The Obvious


Die Bundesagentur für Arbeit ist ein sehr großer Laden. Dort gibt es viele Abteilungen. Eine davon heißt wahrscheinlich: 'Sonderarbeitsgruppe', nein, 'Task Force' klingt cooler: 'Task Force zum Herausfinden offensichtlicher Dinge' oder so ähnlich. Sollte das so sein, dann hat diese Truppe jetzt einen echten Coup gelandet: Die haben nämlich eine Allensbach-Umfrage in Auftrag gegeben, und die Demoskopiefüchse haben – wahrscheinlich dank der Anschaffung neuer, hypermoderner Computer –  herausgefunden, dass viele Deutsche wenig schöne Vorurteile gegenüber Hartz-IV-Empfängern hegen:

Sonntag, 14. Oktober 2012

Westalgie: Das neue YPS ist da!

 
Meine Eltern hatten den Kampf irgendwann aufgegeben. Man muss sagen, dass sie schon damals keine mehr von denen waren, die Comics per se für jugendgefährdenden Schund gehalten haben. Sie selbst lasen hin und wieder gern Asterix und da fiel es natürlich schwer, das ganze Genre in Bausch und Bogen zu verteufeln. Die Sechziger waren schließlich vorbei. Außerdem pflegte sogar unser konservativer, aber schrulliger Lateinlehrer manchmal, lateinische Asterixhefte in seinen Unterricht einzubauen. Wer konnte da also kategorisch nein sagen? Mit einem Phänomen hatten sie dagegen fast immer ein Problem: YPS. Das Blatt war für sie Schund, weil es Arbeit machte. Das Zimmer eines Kindes, das sich jede Woche eines dieser Hefte kaufte, wies dank des beiliegenden Gimmicks bald einen Bestand an kleinteiligem, nicht funktionierendem, halb zusammen gebastelten Krimskrams auf, an den kein Flohmarkt der Welt so leicht herankam. YPS war ihnen ein schreibuntes Billigheft mit Kinderköder als Zugabe. Oder umgekehrt.

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Fragen, en passant


Wenn man vom Kinderkriegen einmal absieht, braucht man in diesem Land für so ziemlich alles irgendeine Bescheinigung (mit Stempel!), die belegt, dass man auch qualifiziert ist. Wer per Kfz, Krad oder Brummi die Gegend unsicher machen will, braucht dazu, klar, einen Führerschein. Das eine oder andere wiwawichtige Staatsexamen muss vorweisen, wer beruflich als Doc, Pillendreher, Rechtsverdreher oder Kinderverdreher, a.k.a. Lehrer, sein Unwesen treiben will. Will man seine Mitmenschen durch das Führen eines potenziell bissigen Vierbeiners behelligen, dann müssen Herrchen und Brutus zuerst eine entsprechende Prüfung ablegen. Erst recht dürfen Träger von Knarren, Wummen, Ballermännern etc. nicht unexaminiert in die Weltgeschichte entlassen werden. Sogar wer eine leitende Position im Universum eines bekannten amerikanischen Bullettenbräters anstrebt, tut gut daran, an der einschlägigen Uni brav seine Scheine gemacht zu haben. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen, aber es sollte klar geworden sein, wovon die Rede ist.

Dienstag, 9. Oktober 2012

Wir Sparweltmeister


Der Deutsche spart gern. Notfalls auch sich und andere, wenn schon nicht zu Tode, dann wenigstens krank. Am Beispiel der Magen- und Darmerkrankungen wegen des nicht einwandfreien Schulessens, das der Massenabfütterer, pardon: Caterer Sodexo geliefert hatte, lässt sich sehr schön studieren, was für Billigheimer und Schnäppchenjäger die Deutschen mehrheitlich sind und in welchem Maße Essen bei uns als notwendiges Übel zum Bauchvollmachen gilt und daher als lästiger Kostenfaktor begriffen wird, der unbedingt zu optimieren ist. Das wirtschaftlichste Angebot sei zu wählen, heißt es bei öffentlichen Ausschreibungen immer. Da geht dann schon mal unter, dass im Fall Sodexo die Kosten, die die medizinische Behandlung der mehreren tausend betroffenen Kinder verursacht, alle vermeintlichen Spareffekte an anderer Stelle locker wieder zunichte machen. Auch ob es vielleicht keine Frage der Wirtschaftlichkeit ist, Kindern anständiges Essen vorzusetzen, sondern eine Frage der Selbstachtung einer Gesellschaft, die sich so gern für zivilisiert hält, wird nicht so gern diskutiert.

Montag, 8. Oktober 2012

Frau Gouvernante erklärt den Arbeitsmarkt


Wer das schon einmal versucht hat, weiß, dass es in der Tat frustrierend sein kann, im Rahmen von Berufsberatung und Bewerbungstraining mit Menschen konfrontiert zu sein, die dem Arbeitsleben in herziger Naivität gegenüber stehen. Vor allem im akademischen Umfeld sind sie zu finden. Schmerzhaft kann es zuweilen sein, solche Menschen auf den Boden gewisser Realitäten zurückzuholen und ihnen zu begreiflich zu machen, dass ihre beruflichen Vorstellungen in der gegenwärtigen politisch-gesellschaftlich-wirtschaftlichen Großwetterlage bestenfalls für einen Minijob oder ein nettes Taschengeld reichen werden. Ein Paradebeispiel sind jene, die angeben 'was mit Medien' oder 'was mit Menschen' machen zu wollen, ohne sich weitere Gedanken zu machen, wie das konkret aussehen soll.

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Grenzerfahrungen in der Konsumgesellschaft


Als einigermaßen erfahrener, geradezu abgestumpfter Angehöriger der Konsumgesellschaft meint man ja leicht, nur noch schwer zu schocken zu sein. Manchmal aber, da kommt man auch mit einigen Jahren auf dem Buckel in Situationen, die einen in ein vertracktes Dilemma bringen oder einem gar echte Grenzerfahrungen bereiten können.

Irgendwann im Herbst letzten Jahres kam mir ein Artikel in die Quere über ein bis dahin so gut wie unbekanntes Duo zweier junger Frauen. Die machten, so hieß es, unter dem Namen Boy handgemachte, wundervoll zwischen Melancholie und Beschwingtheit aufgehängte Popmusik. Normalerweise ist Gute-Laune-Mädchenpop nicht wirklich mein Fall, aber ich war neugierig geworden. Ein Klick auf das Video zur Single Little Numbers ließ die Sonne aufgehen: Dreieinhalb Minuten ansteckende Ausgelassenheit und Sorglosigkeit. Nicht eine Sekunde der puren Lebensfreude, die Valeska Steiner und Sonja Glass, durch das sonnige Barcelona tollend, da verbreiteten, wirkte aufgesetzt, bemüht oder künstlich. Kitsch? Meinetwegen! Text banal? Drauf geschissen! Das hatte Charme, brachte Erinnerungen zum Klingen an längst vergangene Sommer, in denen die Welt einem offen zu stehen schien und nur der Moment zählte. Ausnahmsweise schien es einmal angebracht, das oft so schnöde verheizte Attribut reizend.

Ein freier Tag


Der dritte Oktober ist ein freier Tag für mich, weiter nichts. Dieses Jahr angenehmerweise als Halbzeitpause der Woche. Als Feiertag lässt dieser Tag mich ebenso kalt, wie es zuvor schon der 17. Juni getan hat. An dem hätten wir eigentlich der geknechteten Landsleute im anderen Teil Deutschlands gedenken müssen. Tatsächlich haben wir meist im Freibad herum gehangen oder Radtouren gemacht. Auf jeden Fall war Ausschlafen angesagt.

Undankbarkeit? Seien wir doch mal ehrlich. Der Wunsch nach Wiedervereinigung war im alten Westdeutschland ein Minderheitenprogramm. Wer sich im Westen in den Achtzigern öffentlich zum Ziel der Wiedervereinigung bekannte, lief Gefahr, sich lächerlich zu machen und stand schnell in der reaktionären Ecke. Auch die Praxis des Springer-Verlags, die DDR in Gänsefüßchen zu setzen, galt nicht als konsequentes und visionäres Statement, sondern wurde vielerorts eher belächelt. Die deutsche Zweistaatlichkeit wurde von vielen nicht als himmelschreiendes Unrecht empfunden, als widernatürlicher Zustand, sondern war täglich gelebte Realität. Wer Verwandte 'drüben' hatte, redete und dachte sicher anders, keine Frage.

Sonntag, 30. September 2012

Sozialdemokraten, traditionsbewusst


Schön, SPD-Spitzenkandidaten haben ein Problem, das bei CDU und FDP kaum eine Rolle spielt, weil man dort viel weniger ideologisch festgelegt ist. Es gibt nach wie vor viele CDU-Stammwähler, die bereit sind, ihre eigenen Ideale hinten an zu stellen und sich hinter fast jeden Kandidaten zu stellen, so lange nur kein Sozi Kanzler wird. Die oberste Priorität der FDP ist, unbedingt am Regierungstisch Platz, um mit kleinstmöglichem Personalaufwand größtmöglichen Einfluss zu nehmen. Daher ist man im Zweifelsfall recht flexibel, wenn man nur irgendwie mitmischen kann. Die SPD dagegen hat von jeher das Problem, eine im Kern kleinbürgerliche Partei mit linkem Flügel zu sein. Am erfolgreichsten war sie immer dann, wenn sie einen Kandidaten nominierte, der in der Mitte wildern konnte und den linken Flügel gelackmeiert hat dastehen lassen. Das hat bislang immer seinen Preis gehabt.

Mittwoch, 26. September 2012

Romnesie


Mitt Romney und der Mythos vom selbst erarbeiteten Reichtum

George Monbiot

Man könnte es Romnesie nennen: Jene Fähigkeit von Superreichen, den Kontext zu vergessen, in dem sie ihr Geld gemacht haben. Ihre Ausbildung zu vergessen, ihre Herkunft, ihre Familiennetzwerke, ihre Kontakte und wer sie wem alles so vorgestellt hat. Die Arbeiter zu vergessen, deren Arbeit sie reich gemacht hat. Die Infrastruktur zu vergessen, die Sicherheit, die Ausbildung ihrer Arbeiter und nicht zuletzt die Aufträge, Subventionen und Rettungsprogramme die sie von Regierungen erhalten haben.

Jedes politische System braucht einen Mythos zu seiner Legitimation. Die Sowjetunion hatte Alexej Stachanow, jenen Bergmann, der während einer einzigen, sechs Stunden langen Schicht 100 Tonnen Kohle allein gefördert haben soll. In den USA ist es Richard Hunter, der Held aus Horatio Algers Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Geschichten.

Dienstag, 25. September 2012

Tatort Ruhrgebiet


Einen neuen Ruhrgebiets-'Tatort' zu drehen, ist keine leichte Aufgabe, denn das Erbe ist ein schweres. Die Ruhrpott-Cops gehörten zu den ersten Hard Boiled Detectives im deutschen Fernsehen. Das Revier bot dafür die ideale Kulisse. Die Siebzigerjahre waren eine Zeit des Übergangs und der Ungewissheit: Zwar brannten viele der tausend Feuer noch und in der Montanindustrie wurde auch noch gut verdient, aber das Zechensterben ließ erstmals ernste Zweifel aufkommen, wie lange das noch so weitergehen würde. Während der Achtziger dann begannen viele Bergleute und Stahlkocher, ihren Söhnen davon abzuraten, auch einzufahren unter Tage, bei Krupp, Thyssen oder Haniel malochen zu gehen. Die Schließung des Stahlwerks in Duisburg-Rheinhausen mobilisierte 1987 noch einmal eine ganze Region, aber bald war Ruhe. Im Jahresrhythmus fielen Fördertürme, wurden Schornsteine gesprengt, kamen Deckel auf verfüllte Schächte, wurden Industriegelände dem Verfall preisgegeben. Benötigte ein Regisseur apokalyptische Bilder für ein Endzeitdrama, wurde er zwischen Duisburg und Dortmund schnell fündig in dieser Dekade des Verfalls. Doch begann sich in dieser Zeit auch so etwas wie Lokalpatriotismus herauszubilden. Wir sind am Arsch und wissen das. Aber es ist uns egal. Wir sind rau aber herzlich und in Puncto Currywurst und Fußball macht uns eh keiner was vor, sollen die Berliner Großschnauzen oder die arroganten Münchner mal ruhig reden.

Sonntag, 23. September 2012

Die eine Meinung haben


Sind sie nicht allerliebst? Wie sie eine Meinung haben? Man kann sie förmlich da stehen sehen, das Gewicht aufs Standbein verlagert und die Fäuste in die Seiten gestemmt. Wie sie, eine Schulter keck vorgereckt, jeden ihrer gewichtigen Beiträge zum höheren Segen der Menschheit einleiten mit einem selbstgefälligen „Tja“ oder einem herablassenden "Naja" - was beides so viel heißt, wie: Ihr könnt mir alle ganz viel erzählen, ich weiß es sowieso besser. Ich habe meine Meinung nämlich aus dem Fernsehen. Oder aus dem Internet herunter geladen. Passt ihnen ein Zeitungsartikel nicht, dann ist er sofort rundheraus Schrott und kompletter Schwachsinn. Aber für gebildet halten sie sich, auch wenn sie keinen Schimmer haben, was Bildung heißt. Sie glauben: Bildung bedeute, irgendeinen Abschluss in irgendwas haben. Quatsch, das ist Ausbildung. Bildung dagegen bedeutet: Offen, neugierig zu sein und zu bleiben, je älter man wird, desto mehr. Bildung bedeutet Fähigkeit zur Selbstreflexion und vor allem bedeutet Bildung auch: Herzensbildung, Empathie, mitfühlend zu sein und zu bleiben. Denn der Mensch lebt nicht vom Brot allein.

Donnerstag, 20. September 2012

Große Qualitätsmedienschelte

 
Wenn man bei Google 'heribert prantl' eingibt, dann schlägt die Autocomplete-Funktion als nächste Einträge vor: 'kirche', 'voßkuhle' und 'kontakt' - lauter fast unverfängliche Sachen also. Kein Vergleich jedenfalls, was bekanntlich passiert, wenn man zum Beispiel 'bettina' eintippt. Belässt man es bei 'heribert prantl' und klickt auf 'Suche', dann erscheint als erstes Ergebnis der Wikipedia-Eintrag zu seiner Person. Dort heißt es, man liest es mit Verwundern, dass der gute Mann gelernter Jurist ist. Das überrascht einen umso mehr, als dass Prantl in einem seiner letzten Kommentare für die Süddeutsche Zeitung erneut die Mär vom quasi rechtsfreien Raum Internet ventiliert hat. Wörtlich meint er: "Im Internet gibt es noch kaum Regeln". Und das finde ich erstaunlich.

Dienstag, 18. September 2012

Fürchtet euch! - Nicht


Na, wer hat sich damals, Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger auch diebisch gefreut, als die Komiker von Monty Python den ganzen Frömmlern gekonnt einen eingeschenkt haben? Wer außer mir hat sich noch auf die Schenkel geklopft, als die Gebetbuchschnüffler die Backen aufgeplustert, nach Verbot geschrien haben und ihnen zugerufen: Willkommen im 20. Jahrhundert, Spießer? Wegen des großen Erfolges ist nun ein, so hört man, unterirdisch schlechter Film aufgetaucht namens Unschuld der Muslime, mit dem ein Scherzbold den Muslimen der Welt einen ähnlichen humoristischen Knuff verpassen wollte. Dummerweise gibt es unter denen nicht nur viele, die das nicht witzig finden, sondern auch ein paar Durchgeknallte, die es nicht beim Backenaufblasen belassen. Dumm gelaufen.

Samstag, 15. September 2012

Flaschenpfand als Skandal


Es dürfte sich herumgesprochen haben, dass vor ein paar Tagen in Deutschlands meistgelesener Zeitung ein Artikel über die obdachlose Kerstin S. erschienen ist. Sie wurde von einem Passanten dabei fotografiert, wie sie den Inhalt von 113 Einweg-Wasserflaschen der Gosse überantwortet. Der Steuerzahler und investigative Journalist Nils Mertens recherchierte dazu folgendes: Die Dame hatte beim Jobcenter angegeben, ihr Portemonnaie verloren zu haben und daraufhin Lebensmittelgutscheine bekommen. Auf die Frage, warum sie die Flaschen entleert habe, sagte sie, einen Einkaufstrolley kaufen zu wollen, was mit den Gutscheinen aber nicht möglich sei, weil diese nur gegen Lebensmittel eingelöst werden können. Daher kaufte sie 113 Flaschen Wasser zu 0,19 Euro das Stück und leerte sie, um im Laden das Pfand in Höhe von 28,25 Euro zu erhalten. Im Artikel heißt es, sie wollte davon Alkohol und Zigaretten kaufen (interessanterweise wird dafür keine Quelle genannt).

Freitag, 14. September 2012

Dinge, die ich mal wieder nicht verstehe


Eins

Warum arbeite ich eigentlich nicht beim Verfassungsschutz oder beim MAD? Schön, mir fehlt die Ausbildung dafür und ich würde auch nicht wirklich arbeiten. Im Gegenteil: Ich würde höchstens 30 Stunden die Woche für ein schönes Gehalt ein schönes Büro bewohnen, so mit Gummibaum, Kaffeevollautomat und geregelter Freizeit. Ich würde gern alle Berichte lesen, die man mir vorlegt, aber auch darauf bestehen, mich anderen wichtigen staatsbürgerlichen Pflichten widmen zu können. Zum Beispiel, diesen Blog so zu pflegen, wie ich mir das wünsche. Oder Krimis zu schreiben. Bekäme ich den Auftrag, irgendwelche Akten zu schreddern oder obskure V-Leute anzuheuern, würde ich mich sofort krank melden. Das alles wäre natürlich nicht umsonst zu haben und Leistung im betriebswirtschaftlichen Sinne sieht anders aus, klar. Aber das ist nur oberflächlich, denn ich würde ja bestimmt keinen Schaden anrichten und auch bestimmt nichts kaputt machen. Das käme doch deutlich billiger, als das, was mindestens zwei der drei geheimen Dienste in diesem Lande seit einiger Zeit für einen Stress verursachen. Also, lieber Verfassungsschutz, lieber MAD, wie wäre es mit uns beiden? Ich stehe bereit, aktiv daran mitzuwirken, dass ihr in Zukunft garantiert nur noch wegen Geldverschwendung in den Schlagzeilen landen werdet. Das ist zwar nicht schön, aber immer noch besser als der Brassel, den ihr im Moment am Hacken habt, oder? In der Politik muss man sich eben manchmal für das kleinere Übel entscheiden.

Montag, 10. September 2012

Komm ma lecker bei mich bei!

-->
Was ist eigentlich gegen das Wort 'lecker' einzuwenden? Man kann es mögen oder nicht, das ist Geschmackssache. Aber warum scheinen sich in jüngster Zeit so viele daran zu stoßen? Zuletzt meinte der schreibende Koch und kochende Schreiber Jörn Kabisch im Freitag, das ginge nicht. Gut, unsere Nachbarn im Süden bringt das Einsickern des l-Wortes in ihren Sprachgebrauch freilich auf die Palme, weil das bei ihnen unangenehme Assoziationen in Richtung Annexion aufkommen lässt.

Donnerstag, 6. September 2012

Kinners, wie die Zeit vergeht...

Heute vor einem Jahr lief hier der erste Beitrag vom Stapel. Das nennt man wohl landläufig Geburtstag. Oder Jubiläum.

via youngtimer-blog.de

Ich danke herzlich für knapp 50.000 Seitenaufrufe, für Lob, Zuspruch, Kritik, Korrekturen, Ergänzungen, Frotzeleien, Verlinkungen und vieles mehr. Ohne all das wären die Fliegenden Bretter wohl kein Jahr alt geworden. Thanks!

P.S.: Aufmerksame Beobachter können übrigens am URL des verlinkten ersten Beitrags erkennen, wie dieses Blog ursprünglich heißen sollte - im letzten Moment ist mir aber eine bessere Idee gekommen.

P.P.S.: Eine Umgestaltung des Designs gibt es erst, wenn ich Zeit und Lust dazu habe.



Mittwoch, 5. September 2012

Keine Tüte Mitleid


Im Augenblick lässt sich wieder sehr schön das allseits beliebte Särgetrinken spielen. Das geht so: Immer, wenn in den Fernsehnachrichten zu sehen ist, wie Demonstranten einen selbst gebastelten Pappsarg durch die Gegend tragen, muss die Runde ein Bier auf ex nehmen. Werden dazu noch Trillerpfeifen geblasen, einen Kurzen hinterher. Schaut man sich die Frequenz an, mit der solche Bilder bei den spezialisierten Nachrichtenkanälen in der Regel ausgestrahlt werden und dass Pappsärge eigentlich immer mit Trillerpfeifenbegleitung herumgeschleppt werden, kann man sich auf einen mehr als feuchtfröhlichen Abend freuen.

Momentan tragen Ärzte verstärkt Särge umher und pfeifen dazu. Ihre Forderung: Geld her oder Gesundheitssystem bald in der Kiste. Und damit es auch weh tut, werden Praxen bestreikt, damit die Patienten auch spüren, was ihnen in Zukunft blüht, wenn die Honorare nicht mal eben um 11 Prozent steigen. Dass übrigens Kammerpräsident Montgomery in diesem Zusammenhang von "Folterinstrumenten" redet, ist ein wirklich entzückender Rekurs auf die Frühzeit seiner Profession

Montag, 3. September 2012

Neoliberalismus, nächste Stufe


Mit dem Antiamerikanismus ist das so eine Sache: Sicher kann man sich wundern, befremdet sein oder sich auch lustig machen über zahllose Phänomene jenseits des großen Teichs. Jüngstes Beispiel ist das rührselige, quasireligiöse Pathos, das die Republikanische Partei anlässlich des Nominierungsparteitages ihres Kandidaten Mitt Romney veranstaltet hat. Nur sollte man bedenken, dass vieles bei uns verzerrt, überspitzt und verfremdet ankommt und keineswegs repräsentativ ist. Zweitens besteht zur Arroganz in der Regel kein Anlass, weil viele der dort zu beobachtenden Schrullen früher oder später in irgendeiner Form auch bei uns auftauchen.

Donnerstag, 30. August 2012

Brain Farts, 30.08.2012


Info-Elite geschockt

Oh weh, oh weh, jetzt ist es amtlich: Unser schönes deutsches Jobwunder, es ist vorbei! Sogar der Focus, das Zentralorgan der Deppen- pardon: Info-Elite kann die neuesten Zahlen nicht mehr leugnen. Was soll nur werden? Wo Deutschland doch so gut durch die Krise gekommen ist! Wo jeder, der nur wollte, Arbeit finden konnte! Wo die Nicht-Info-Elite doch in Saus und Braus lebte mit ihren Leiharbeits-, Mini- und Aufstockerjobs! Sollte das jetzt alles etwa zu Ende sein? Unfassbar!

Nachtrag: Dazu passt auch sehr schön diese SPON-Meldung. "Deutsche Exporte in Krisenländer brechen ein" - nein, wirklich? Wie kommt das denn? Das hat doch nun wirklich niemand ahnen können, so was. Was meldet die Brandstwiete eigentlich als nächstes? Dass es nachts kälter ist als draußen? Dass es dunkel wird, wenn man das Licht ausmacht?

Montag, 27. August 2012

Wer hat's erfunden?


Nun hat Apple den Prozess gegen Samsung um die angebliche Erfindung des Smartphones fürs Erste gewonnen und die Koreaner müssen ordentlich zahlen. Und das, obwohl der Richterin zwischendurch Zweifel kamen, ob alle plädierenden Anwälte immer clean waren. Apple hat sich als geniale Erfinderschmiede inszeniert, deren brillante technische Innovationen von Konkurrenten schamlos kopiert worden seien. Schaut man sich einmal an, was Apple seit dem Weggang des genialen Tüftlers Steve Wozniak eigentlich an technischen Entwicklungen hervorgebracht bzw. nicht hervorgebracht hat, dann fällt die Bilanz überraschend mager aus:

Samstag, 25. August 2012

Böser Blasentee


Ja, richtig, Bubble Tea ist pappsüß, sieht in der Regel aus, als käme er von einem anderen Planeten, enthält angeblich doppelt so viele Kalorien wie Cola und kleine Kinder könnten an den Kügelchen ersticken. Also ganz böse. Nun bin ich kein manischer Kalorienzähler, aber der Gedanke, dass man sich mit einem Becher mal eben 500 davon reinpfeift, ist auch mir nicht wirklich sympathisch. Ich selbst bin eh wenig gefährdet, weil ich mir nicht viel aus Süßigkeiten mache und auch ein Problem mit als Getränken feilgebotenen Chemiecocktails aller Art habe. Das war übrigens nicht immer so: Als Kind gab es für mich nichts Schöneres als diese aus Pulver angerührten Erfrischungsgetränke. Wenn da 'Orange' draufstand, dann konnte man davon ausgehen, dass er engste Kontakt, den das Zeug mit Orangen hatte, darin bestand, bei der Anlieferung im Supermarkt an einer Steige Orangen vorbei getragen worden zu sein. Diese Vorliebe hat sich, wie gesagt, gründlich ausgewachsen.

Mittwoch, 22. August 2012

Das Leben der anderen


„If you need a role model, you are a dick.“ (Charlie Brooker)

Normalerweise interessiert mich Promiklatschkram ungefähr so sehr wie der sprichwörtliche Sack Reis in China. Manchmal aber stolpert man über etwas, das einen doch stutzen lässt. Es hatte meine Aufmerksamkeit erregt, dass die immer noch wunderbare Jodie Foster sich mit einem wütenden Artikel schützend vor ihre junge Kollegin Kristen Stewart gestellt hat. Dort meint sie, hätte man sich, als sie Anfang zwanzig gewesen sei, derart in ihr Privatleben eingemischt, wie das jetzt im Fall Stewarts passiere, sie die Schauspielerei sofort an den Nagel gehängt hätte. Was war geschehen?

Montag, 20. August 2012

Der Chronistenpflicht wegen


"The song is simply saying that all this state-controlled religious stuff is bullshit. It's interesting that these disgraceful sentiments would have represented, until recently, the official Communist party view of religion." (Carol Rumens)
Viel ist geschrieben und kommentiert worden über das Urteil gegen die drei Mitglieder von Pussy Riot, die für ihre Performance in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale zu zwei Jahren Arbeitslager abzüglich der sechs Monate Untersuchungshaft verurteilt wurden. Nur war der inkriminierte Text meines Wissens nach noch nirgends vollständig zu lesen. Die Dichterin und Literaturwissenschaftlerin Carol Rumens hat im Guardian ihre Übersetzung des Punk Poem veröffentlicht und erläutert. Zwar handelt es sich ihrer Meinung nach nicht um große Kunst im ästhetischen Sinne und auch Vergleiche mit Josef Brodsky seien ziemlich weit hergeholt, doch sei es pure, rotzige und kraftvolle Protestlyrik.

Samstag, 18. August 2012

Ein Arschloch namens Sommer

Endlich, endlich bekommen die Sommerfans noch ihren Willen. Jetzt, der August neigt sich fast dem Ende, erreichen die Temperaturen die von so vielen glühend herbei gesehnten Backofendimensionen. Das andauernde Genöle über den einigermaßen verregneten Sommer, das die Sonnenanbeter in einem fort anstimmten, war wirklich nicht mehr zum Aushalten. Och Menno, es ist Sommer und voll am regnen. Kann das Wetter nicht mal so sein, wie ich will?

Donnerstag, 16. August 2012

Was ist grün und... ?


Werder Bremen war für die neue Bundesligasaison auf der Suche nach einem Trikotsponsor und ist mit Wiesenhof, Deutschlands größtem Geflügelzüchter und -verarbeiter, handelseinig geworden. Die Spieler in grün müffeln also von nun an nicht mehr nach Fisch, wie ihnen gern von gegnerischen Fans vorgeworfen wird. Sogleich regte sich nicht nur unter Werder-Fans eine Protest gegen den Deal mit dem Konzern, dem unter anderem Tierquälerei vorgeworfen wird: Massentierhaltung, bäh! Unhaltbare Zustände, wie kann man nur? Oh cool, gleich mal auf Fratzbuch bei der entsprechenden Online-Petition auf 'gefällt mir!' klicken.

Dienstag, 14. August 2012

Quält euch!


Die Kulturpessimisten blicken mal wieder voll durch: Die geringer als erwartet ausgefallene deutsche Medaillenausbeute bei den am Sonntag zu Ende gegangenen Olympischen Spielen sei darauf zurückzuführen, dass wir Deutschen nicht mehr bereit seien, uns zu quälen, es fehle uns am letzten Quentchen Siegeswillen. Silber dürfe nicht das neue Gold sein. Und weil Sport der Spiegel der Gesellschaft sei, stehe es schlimm um Deutschland. So entfuhr es Michael Backhaus in der BamS in schöner Verleugnung dessen, was den Olympischen Geist irgendwann einmal ausgemacht hat.

Samstag, 11. August 2012

Leistungsträger im Schwimmbad


Die frühe Morgenstunde, so ab sieben, ist im Freibad die Zeit der rüstigen Rentner. Die ziehen dort, unabhängig vom Wetter und immer in der gleichen Besetzung, Morgen für Morgen auf der gleichen Bahn ihr Pensum herunter. Käme Mitte August ein arktischer Kälteeinbruch, der Treibeis brächte, es störte sie nicht weiter. Und Gott möge dem Eindringling gnädig sein, der es wagt, einfach so eine der Bahnen zu okkupieren, die seit Jahren fest vergeben sind. Der seit Jahrtausenden bewährten Rammtaktik sei Dank, wird er bald seinen letzten Armzug getan haben. Normalerweise ist das alles aber kein Problem für einen ausgemachten Langschläfer, weil einfach zu früh. Außerdem verdient so viel Selbstdisziplin und Zähigkeit, aller Schrulligkeit zum Trotze, unbedingt Respekt.

Mittwoch, 8. August 2012

Romeo und Julia in braun


Wenn unsere Gegner sagen: 'Ja, wir haben euch doch früher die Freiheit der Meinung zugebilligt.' - Ja, ihr uns! Das ist doch kein Beweis, daß wir das euch auch tun sollen. Daß Ihr das uns gegeben habt, das ist ja ein Beweis, wie dumm ihr seid." (Joseph Goebbels am 4.12.1935)
Die äußeren Umstände des Falls der Ruderin Nadja Drygalla sind bekannt: Als herauskam, dass Drygalla mit Michael Fischer liiert ist, der 2011 in Mecklenburg-Vorpommern für die NPD zur Wahl angetreten ist, verließ sie letzte Woche nach einem Gespräch mit Michael Vesper, Chef de Mission der deutschen Mannschaft, das Olympische Dorf und reiste aus London ab.

Seitdem ist das Geschrei groß: Wie kann man es wagen, die arme Frau wegen einer reinen Privatsache derart zu drangsalieren? Es gehe schließlich niemanden etwas an, mit wem sie zusammen sei. Das sei üble Gesinnungsschnüffelei, Sippenhaft und Rufmord. Unerträglich! Alarm, Meinungsfreiheit und Demokratie in Gefahr! Einige entblöden sich noch nicht einmal, diese Episode hochzustilisieren zu einer Art Romeo und Julia in braun. In der Art von: Hach, das arme Mädchen, dem das Recht beschnitten wird, den Mann ihres Herzens zu lieben! Gehts noch oder tut es sehr weh?

Montag, 6. August 2012

Feudalismus 2.0


Technische Neuerungen, heißt es immer noch, machten uns grundsätzlich freier und  entlasteten uns von stupider Arbeit. Wer da zu widersprechen wagt, gilt schnell als piesepömpliger Bedenkenträger. Natürlich möchte kaum jemand die Möglichkeiten noch missen, die zum Beispiel das Internet in puncto Kommunikation und Information bietet. Doch wäre es schlicht töricht, nicht auch über den Preis zu reden, den das hat. So wird oft geschrieben und diskutiert, dass die Grenzen zwischen öffentlich bzw. beruflich und privat immer mehr verschwömmen. Mitarbeiter müssen via E-Mail und Handy rund um die Uhr erreichbar sein, auch im Urlaub, und Millionen exponieren sich bereitwillig via facebook und Co einer wachsenden Öffentlichkeit.

Donnerstag, 2. August 2012

Die Mär von der Schere im Kopf


"Seit 2008 wird zurück geritten!", so entfuhr es ARD-Sportkommentator Carsten Sostmeier angesichts des Goldmedaillengewinns der deutschen Vielseitigkeitsreiter in London. Hintergrund war, dass die deutsche Equipe 2008 in Peking durch einen umstrittenen Protest der Gegner auf dem zweiten Platz gelandet war und nun die verdiente Revanche bekommen hätte. Der rhetorische Herrenreiter musste ziemliche Kritik einstecken für seinen Adolf-Rekurs und sich öffentlich entschuldigen. In dem Trubel ist übrigens die nicht minder geschmacklose Äußerung Sostmeiers untergegangen, die heimtückischen Briten und Franzosen hätten "uns" 2008 die schöne Goldmedaille am grünen Tisch mit fiesen sportrechtlichen Winkelzügen schmählich entrissen. Zu "heimtückischen Welschen" und zum "perfiden Albion" ist es da nicht mehr weit. Man braucht Sostmeier noch nicht einmal rechtes Gedankengut zu unterstellen. Vermutlich kam er sich einfach nur irre witzig vor.

Dienstag, 31. Juli 2012

Sprachliche Hassobjekte


Also-ja-Sätze

Sie sind überall. Platitüden, in denen die grundsätzlich die beiden Füllwörter „also“ und „ja“ auftauchen. Das „also“ steht immer am Anfang, während das „ja“ meistens in der Nähe des Prädikats oder des Objekts haust. Beispiele gefällig? Es gibt mehr davon, als einem, der Sprache und Kommunikation nicht völlig stumpf über sich ergehen lässt, lieb sein kann:

Montag, 30. Juli 2012

Halbkritisches zu Olympia


Also Olympia. Natürlich kann man eine Menge Kritisches über die Olympischen Spiele sagen und sich abwenden mit den Worten: "Guck' ich nicht!" Gern wird beklagt, dass der Geist des Gründers, Pierre de Coubertin, längst verflogen ist und einer ungehemmten Kommerzialisierung Platz gemacht hat. Das kann man, wie gesagt beklagen, aber man sollte es sich gut überlegen. Denn die Spiele sind ursprünglich aus dem Gedanken entstanden, die Jugend der Welt für den imperialistischen Überlebenskampf zu stählen. Dann doch lieber Kommerz. Man kann sich auch anders seinen Spaß machen: Zum Beispiel kann man mitzählen, welche zusätzlichen Disziplinen diesmal von Chinesen geentert werden und hochrechnen, wie viele Olympiaden es noch dauern wird, bis bei ausnahmslos allen Siegerehrungen drei rote Fahnen mit gelben Sternen gehisst werden und alle anderen teilnehmenden Nationen das ganze aus Frust boykottieren.

Freitag, 27. Juli 2012

Susanne Lothar (1960-2012)


Zu Susanne Lothar fallen mir nur Superlativ-Floskeln ein, wie sie von PR und Presse täglich massenhaft verbreitet werden. Auch hatte ich kein persönliches oder gar freundschaftlichen Verhältnis zu ihr. Warum fühle ich mich dennoch genötigt, hier einen Nachruf zu bringen, wenn mir nichts Kreativeres einfällt? Weil ich bei ihr das Gefühl habe, eine prägende persönliche Begegnung gehabt zu haben mit einem faszinierenden Menschen. Ich hatte nämlich das Glück, diese zierliche, doch so große Frau einen unvergesslichen Abend lang live im Theater erleben zu dürfen und selten hat mich etwas so berührt und durchgeschüttelt. Das ist jetzt ziemlich genau zwanzig Jahre her. Die traurige Nachricht von ihrem frühen Tod brachte vieles zurück. Doch bleibt vor allem tiefe Dankbarkeit.

Donnerstag, 26. Juli 2012

Abschlussklasseee - rrrechts um!


Im Juni 2012 hat in Kirchberg (Hunsrück) die Abschlussklasse einer Schule bei ihrer Verabschiedungsfeier auf der Bühne das Lied 'Verlorene Träume' der rechtsextremen Band Sleipnir gesungen. Protest soll es keinen gegeben haben, außer dass einige Lehrer wortlos den Raum verlassen haben sollen. Auf Youtube soll ein Video davon zu sehen sein, sofern es nicht aus dem Netz genommen wurde.

Dienstag, 24. Juli 2012

Herostraten der Vorstädte


Angeblich soll ein gewisser Herostratos im Jahr 356 v. Chr. aus Geltungssucht den Artemistempel von Ephesos, eines der sieben Weltwunder der Antike, in Brand gesetzt haben. Mit Erfolg. Noch heute nennt die Kriminalistik Menschen, die aus solchen Motiven Verbrechen begehen, Herostraten und das zugehörige Krankheitsbild Herostratismus. Zu den  bekanntesten modernen Vertretern gehört Mark Chapman, der 1980 John Lennon erschoss, weil er sich von der Menschheit zu wenig beachtet fühlte.

Der 24jährige Student James E. Holmes, der am Freitag bei einer Filmpremiere in Aurora, Colorado zwölf Menschen getötet und mehr als fünfzig zum Teil verletzt hat, passt beängstigend genau in das Profil des Amokläufers der westlichen Welt. Zynisch könnte man sagen, der Amoklauf hat sich zu einem typischen Verbrechen der Kinder der weißen, suburbanen, leistungsorientierten Mittelschicht gemausert. Die Täter sind häufig jung, d.h. selten über dreißig, stammen meist aus gutem Hause und sind gebildet, neigen zum Einzelgängertum oder zu Randständigkeit, haben leichten Zugang zu Waffen und haben sich fast immer in Gegenwelten mit eigenen Gesetzmäßigkeiten und eigener Moral zurück gezogen. Nach außen bleiben sie meist bis zur Tat eher unauffällig und angepasst und entsprechen so gar nicht dem Bild, das der Boulevard sich vom irren Gewaltverbrecher zu machen pflegt. Im Gegenteil, sie sind meist so angepasst wie der von Michael Douglas in Joel Schumachers Film Falling Down gespielte William 'D-Fens' Foster.

Donnerstag, 19. Juli 2012

Sommerloch 2012 - die Zwischenbilanz


Das Sommerloch, früher auch Saure-Gurken-Zeit genannt, ist die Hochsaison der schrägen Einzelleistungen. Der Bundestag hat Pause, die Fernsehsender bringen viel Füllstoff und auch die Printredaktionen fahren halbe Besetzung. Eine ideale Gelegenheit für parlamentarische Hinterbänkler und andere, die sich zuweilen nicht genügend beachtet vorkommen, sich mit ebenso kreativen wie abstrusen Vorschlägen zu Wort zu melden. Jetzt, da die erste Hälfte der Feriensaison sich dem Ende neigt, ist es an der Zeit, eine erste Halbzeitbilanz zu ziehen.

Dienstag, 17. Juli 2012

Antischnippelaktivismus


Heute morgen im Deutschlandfunk hören zu müssen, wie wohlmeinende deutsche Ärzte gleich zwei Weltreligionen freundliche Angebote machen, sich endlich bitte, bitte auf das zivilisatorische Niveau des Kölner Landgerichts hinaufhieven zu lassen, das war dann doch sehr erhellend. Jüdische Teilnehmer verwahrten sich gegen die Unterstellung, sie seien traumatisiert. Es half nichts. Der deutsche Therapeut wußte es besser.“ (Jörg Lau)
Ehrlich, ich wollte ich mich nicht zu diesem Beschneidungsurteil des Kölner Landgerichts äußern. Das Thema ist mir zuwider. Nicht, dass ich ein Problem damit hätte, darüber zu reden, was in anderer Leute Schritt passiert. Es interessiert mich schlichtweg nicht, was andere Menschen, aus welchen Gründen auch immer, mit den Fortpflanzungsorganen ihrer männlichen Nachkommenschaft anstellen, so lange nichts strafrechtlich Verbotenes geschieht, also nicht sexuell missbraucht oder verstümmelt wird. Zuwider ist mir die ganze Sache vor allem wegen des ignorant-spießbürgerlichen Gehabes, das einige Mitmenschen meinen, an den Tag legen zu müssen und der Tonfall in dem sie ihren Lieblingsbeschäftigungen nachgehen, dem Vorschriftenmachen und Welterklären.

Montag, 16. Juli 2012

Austeritätspolitik doch erfolgreich

Der Beweis am Beispiel Lettlands. Wer mag angesichts dieser eindrucksvollen Zahlen noch widersprechen...

(Mark Fiore via YouTube)


Freitag, 13. Juli 2012

Pipipapa


Der Menschheit Heiligstes ist besudelt! Eine kleine Satirezeitschrift aus dem idyllischen Frankfurt hat es gewagt, auf seinem jüngsten Titelbild einen platten Photoshop-Witz über den Papst zu machen. Der hat eine Bonner Anwaltskanzlei damit beauftragen lassen eine einstweilige Verfügung am Landgericht Hamburg zu erwirken, um die weitere Verbreitung des Bildes zu stoppen. Kaum war das durchgesickert, standen schon zutiefst empörte Gläubige, Konservative, Neokonservative, Neubekehrte und notorische Linkenhasser auf den Barrikaden, bliesen die Backen auf und trugen den klassischen Kleinkariertenspruch auf den Lippen: Sie hätten ja nichts gegen Satire, aber das ginge nun wirklich zu weit. Willkommen im 21. Jahrhundert!

Donnerstag, 12. Juli 2012

Trari, trara...


Nicht dass es noch jemanden wundert oder besonders neu wäre. Trotzdem ein schönes Beispiel, wie verräterisch Formulierungen sein können. Jetzt hat BDA-Chef Dieter Hundt en passant offenbart, wie er die Rolle der Politik in Zeiten der Krise so versteht.

Dienstag, 10. Juli 2012

Clever wie ein Strohsack: Big Spender will in die Politik


Frank Stronachs Geschichte ist eine klassische Aufsteigerbiografie: Mit wenig Geld ist der als Franz Strohsack geborene Austro-Kanadier 1954 nach Kanada ausgewandert. Dort gründete der gelernte Werkzeugmacher eine Garagenfirma, aus der später der milliardenschwere Autozulieferer Magna International Inc. werden sollte. Man kennt so was aus den Kindertagen der Automobilindustrie und später aus der Computer- und Softwarebranche. Apple, Microsoft, Hewlett-Packard, SAP und andere haben ähnliche Gründungsgeschichten. Möglicherweise braucht es neben der richtigen Idee, zur richtigen Zeit, den richtigen Kontakten und einer Menge Ausdauer auch ein Selbstbewusstsein, das an Narzissmus grenzt, um eine solche Karriere hinzulegen.

Samstag, 7. Juli 2012

Herr Ponader tritt vom Amt zurück


Man muss gelegentlich daran erinnern, dass wir in einem Rechtsstaat leben. So wird es uns jedenfalls immer wieder erzählt. Das bedeutet, die Verhältnisse zwischen Bürgern, Staat, Institutionen, Firmen etc. sind ausschließlich durch Recht und Gesetz geregelt. Das bedeutet umgekehrt, dass von Bürgern einzig und allein verlangt werden kann, sich an die geltenden Gesetze zu halten. Alles andere ist Willkür. Daher darf ein Rechtsstaat auch von niemandem verlangen, etwa in moralischer Hinsicht ein guter Mensch zu sein. Wenn jemand eine Nervensäge ist oder andere charakterliche Defizite hat, dann ist das zweifellos unangenehm für sein Umfeld, steht aber nicht unter Strafe, sofern der Betreffende ansonsten nicht gegen geltende Gesetze verstößt. Schon Kurt Tucholsky hat als gelernter Jurist in den 1920ern gegen den kleinbürgerlichen Irrglauben angeschrieben, es wirke sich für einen Angeklagten strafmildernd bzw. strafverschärfend aus, wenn er vor Gericht mehr oder weniger demütig auftrete.

Donnerstag, 5. Juli 2012

Mist!

Da sind mir die Nachdenkseiten und der von Feynsinn doch glatt beim schönen Thema "Götz Aly und seine profunden Erkenntnisse über die Globalisierung und den Sozialstaat" zuvorgekommen. Also beschränke ich meinen Senf im Wesentlichen auf folgendes:

Freitag, 29. Juni 2012

Verdient ausgeschieden


Vercoacht

Der 2:1-Sieg (2:0) Italiens war verdient und ging völlig in Ordnung. Auf deutscher Seite hätte man sich auch über eine 0:3- oder 0:4-Klatsche nicht beschweren dürfen. Das wiegt umso schwerer, als dass Prandelli taktisch nichts anders gemacht hat als in den Spielen zuvor und die italienische Mannschaft daher im Vorfeld eigentlich gut auszurechnen gewesen ist. Sollten sich beim DFB ein paar Leute mit Ahnung vom Fußball befinden, dann wird Löw sich für seine taktische Einstellung und seine Mannschaftsaufstellung zu Recht einige unangenehme Fragen gefallen lassen müssen. Man bedenke, dass Roy Hodgson mit der spielerisch und taktisch weitgehend überforderten englischen Elf Italien immerhin eine Verlängerung abverlangt hat, indem er ganz simpel eine 4-4-2-Formation gegen eine 4-4-2-Formation hat spielen lassen. Wenn Löw unbedingt mit seiner Aufstellung überraschen wollte, warum nicht von Anfang an mit zwei Spitzen, Reus und Klose, auflaufen? Warum keine Mittelfeldraute mit Özil und Khedira als Vertikalachse? Wieso musste unbedingt der sichtlich nicht fitte Schweinsteiger spielen?

Donnerstag, 28. Juni 2012

GER - ITA: Ausblick - Tipp


Die italienische Nationalmannschaft ist ein Phänomen: Nicht nur, dass mit ihnen bei großen Turnieren fast immer zu rechnen ist, scheinen sie doch auch von Skandalen in der heimischen Seria A völlig unbeeindruckt. Im Gegenteil, je schlimmer Wettskandale, Korruption, zerbröselnde Stadien und Gewaltprobleme der Fans, desto mehr scheint das die Squadra Azzurra zu motivieren.

Mittwoch, 27. Juni 2012

Special women


Anatol Stefanowitsch hat sich vor kurzem mit einer Mailingaktion der Lufthansa für Inhaber von Miles-and-More-Kreditkarten befasst. Es gibt dort den fiktiven Brief einer Ehefrau bzw. Lebenspartnerin zu lesen, die ihrem solventen Miles-and-More-Männe schmusekätzchenmäßig um den Bart geht. Nachdem die imaginäre Schreiberin ihrem Sponsor versichert hat, was für ein toller Hecht er doch sei, streut sie geschickt ein, dass sie unbedingt die so genannte Women's Special Partner Card haben will. Da werde sie nicht nur zu exklusiven Events eingeladen, sondern bekäme auch ein Zweijahres-Gratisabo von nichtssagendem Couchtischballast wie Vogue, myself oder Architectural Digest. Mit den gesammelten Meilen, stellt sie in Aussicht, könne man doch eine gemeinsame Reise nach Paris unternehmen. Unterzeichnet ist der denglische Schmus mit „Deine Special Woman“ nebst einem dicken Lippenstiftschmatzer.

Samstag, 23. Juni 2012

Der Mittelschichtspießer...


… fühlt sich grundsätzlich bedroht und braucht daher immer jemanden, auf den er seine Ängste projizieren kann. Willig lässt er sich aufhetzen von Medien, Lobbyisten und Bekannten. Fühlt er sich überlegen und sicher, dann drischt er kräftig drauf. Er blickt nämlich durch und zählt sich zu den Gebildeten. Ungewissheiten sind ihm ein Graus. Es muss immer Klarheit herrschen im Leben. Er hält sich auch für einen lupenreinen Demokraten. Er findet, jeder hat das Recht auf seine Meinung, aber alles hat Grenzen. Wenn einer eine völlig abgefahrene Meinung hat, die ihm fremd ist, dann hat der Typ jegliches Recht auf Respekt verwirkt. Ist halt seine Meinung. Auf die hat er ein Anrecht.

Freitag, 22. Juni 2012

GER - GRE: Rückblick - Ausblick - Tipp


Rückblick

Die Griechen haben sich in der Vorrunde als die Defensiv- und Konterkünstler erwiesen, als die sie 2004 von allen unerwartet Europameister geworden sind. Während der Gruppenphase haben sie sich nie aus der Ruhe bringen lassen und eine optimale Chancenauswertung gezeigt. Das unterscheidet sie von der deutschen Mannschaft, die eher offensiv aufgestellt was und etliche Chancen vergab. Wer seine Chancen nicht verwertet, bekommt irgendwann die Quittung, heißt eine alte Fußballweishei und das Beispiel Holland zeigt, dass da etwas dran ist. Weil sehr defensive Gegner in der Regel äußerst konterstark sind, war die deutsche Mannschaft auch gut beraten, eher vorsichtig vorzugehen und nicht zu versuchen, Tempofußball zu spielen.

Dienstag, 19. Juni 2012

Wenn das dumme Volk sich erdreistet zu sprechen


Sie werden es schon irgendwie zu ihren Gunsten zu drehen wissen. Münchens Bürgerinnen und Bürger haben sich in einem Volksentscheid klar gegen den Bau einer dritten Start- und Landebahn des Münchner Flughafens ausgesprochen. Durch dieses Ergebnis ist die Stadt München als Mitgesellschafter gezwungen, gegen den Bau zu stimmen.

Pikant daran ist, dass noch nicht einmal die Betroffenen selbst abgestimmt haben, also die Anwohner des Flughafens, der meilenweit außerhalb der Stadt liegt und dass den Befürwortern die millionenschwere finanzielle Unterstützung der Münchner Flughafen GmbH nichts genützt hat.

Sonntag, 17. Juni 2012

GER - DEN: Rückblick - Ausblick - Tipp


Rückblick

Das in weiten Teilen überzeugende 2:0 gegen die Niederlande ist nicht allein durch die spielerische Klasse der deutschen Mannschaft entstanden, die sich im Gegensatz zum ersten Spiel gegen Portugal sichtbar steigern konnte. Genau so wichtig waren eklatante Schwächen und Nachlässigkeiten der Niederländer. Die niederländische Mannschaft ist neben der spanischen die mit den meisten Superstars europäischer Topclubs in ihren Reihen und hat bisher im ganzen Turnierverlauf enttäuscht. Vor allem die schlampige Abwehrarbeit kam einem Stürmertyp wie Mario Gomez entgegen. Zwischen der zwanzigsten und siebzigsten Minute konnte der Eindruck aufkommen, dass Oranje eigentlich keinen Bock mehr auf Fußball mehr hatte und das Spielen weitgehend einstellte. Dass die Niederländer in den letzten zwanzig Minuten dann besser ins Spiel fanden, lag nicht nur an ihrer offensiveren Ausrichtung durch die Hereinnahme von Huntelaar, sondern auch daran, dass die deutsche Mannschaft das Tempo heraus nahm und den Vorsprung nach Hause schaukeln wollte. Das ist bei einem Turnier an sich vernünftig, nur ließ leider die Konzentration ein wenig nach, sodass das zu einer gefährlichen Sache wurde.

Freitag, 15. Juni 2012

Tut Buße, all ihr Glückssüchtigen!


Das Skript der Rede, das ihm das Präsidialamt an die Hand gegeben hatte, war professionell gemacht und ausgewogen. Eine typische Jubiläumsrede eben. Sie soll die Stimmung heben und möglichst niemandem weh tun, möglichst viele sollen sie unterschreiben können. Dann jedoch wich Bundespräsident Gauck von seinem Skript ab und improvisierte von sich aus jenen Satz hinein, der seit dem 12. Juni mit Recht so viel Staub aufgewirbelt hat.

Mittwoch, 13. Juni 2012

GER - NED: Rückblick - Ausblick - Tipp


Rückblick

Für den oberflächlichen Zuschauer war am Samstag der Fall klar: Ein müdes Gewürge mit glücklichem 1:0-Ausgang. Nur durch die Mitte, mehr Glück als Verstand, die deutschen Rumpelfußballer sind zurück. Laaangweilig! So kann das nicht weiter gehen, da durfte man mehr erwarten und so weiter. Wenn Löw hinterher meinte, es sei ein taktisch gutes Spiel gewesen, dann mit Recht. Der Mann ist, im Gegensatz zu einigen seiner Vorgänger, kein Dummschwätzer. Denn aus taktischer Sicht lieferte das Spiel mindestens drei wichtige Einsichten.

Montag, 11. Juni 2012

Dickie und der fliegende Teppich


Zum allerersten Mal konnte einem Dirk Niebel, im Hauptberuf Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, fast sympathisch sein. Er wirkte plötzlich so menschlich, so normal. Fast wie der frühverrentete Bergmann von nebenan. "Hömma, du hass' doch den Kombi mit der großen Ladefläche und muss' morgen nach Herne, habbich gehört. Kannich da mal der Omma ihren Teppich mit bei packen? Den krieg ich nämlich in meine Karre nich' rein." So heißt das bei uns im Ruhrgebiet. Wenn der Typ einigermaßen in Ordnung ist, dann würde kaum ein Nachbar diese Bitte ohne guten Grund abschlagen.

Samstag, 9. Juni 2012

Vorschau und Tipp für heute abend


Die Teams: Deutschland

ZonalMarking, Nestor der Fußball-Blogger, hat sich festgelegt: Deutschland ist Top-Favorit auf den Titel. Das schmeichelt zwar und der Mann versteht eine Menge mehr vom Fußball als ich, aber trotzdem habe ich Bauchschmerzen. Grund: Die mehr als wacklige Verteidigung. Zwar ist Phillip Lahm immer noch ein herausragender linker Außenverteidiger, vielleicht einer der besten der Welt, aber in der Innenverteidigung rappelt es gewaltig. Der in der Bundesliga überragende Mats Hummels hat bislang enttäuscht und der erfahrene Mertesacker hat in letzter Zeit außer seiner Erfahrung nicht viel vorzuweisen gehabt. Überhaupt, die Dortmunder. Dass Löw mit ihrem Einsatz vorsichtig ist und lieber auf die Bayern setzt, ist verständlich, denn die BVB-Spieler haben bisher im Nationaltrikot nicht das gezeigt, was ihre Leistung in der Liga versprochen hat.

Freitag, 8. Juni 2012

Zitat des Tages


"Die negativen Kräfte in den USA ärgern sich über das europäische Sozialsystem. All die Finanzverbrecher, die für die Crashs und Blasen verantwortlich sind und nicht vor Gericht gestellt wurden – diese Leute haben eine Sklavenhaltermentalität und wollen, dass die Amerikaner und die Europäer ihre Sklaven sind. Darum mögen sie China so, denn die chinesische Diktatur hat Sklaven"
(Robert Thurman im taz-Interview



Donnerstag, 7. Juni 2012

Scheißrotgold


Wenn man es nicht ins Stadion schafft, dann ist Fußball gucken per TV am schönsten in einem überschaubaren Kreis netter, nicht allzu fanatischer Menschen, von denen zumindest einige ein wenig Ahnung von und Liebe zu dem haben, was da auf dem Rasen abgeht. Fachsimpeln und Diskutieren gehören zum Fußball wie Bratwurst und Bier. Daher kann man das bei entsprechendem Wetter verbinden mit einer kleinen Grillparty, das eine oder andere Fässchen Gerstengebräus dazu. Auf keinen Fall jedoch: Fahnen, Schminke und andere lächerliche Devotionalien. Hymnengesinge mit aufstehen ist erst recht verpönt. Zu prägend ist die Erinnerung an die Siebziger, an die Breitners und Netzers, die während des Einigkeitundfreizeit-Songs vor den Augen der Welt demonstrativ Kaugummi kauten.

Montag, 4. Juni 2012

Die Super-Hartzer


Man muss sich wirklich wundern, was einer Bevölkerungsgruppe, die gern als arbeitsscheu und nicht vermittelbar geschmäht wird, so alles an Fähigkeiten zugetraut wird. Alle paar Monate kommt irgendjemand mit einem kreativen Vorschlag um die Ecke, als was man Hartz-IV-Bezieher so alles einsetzen bzw. zu was man sie alles umschulen könnte. Von Schneeschippen über Hilfslehrer und Pflegearbeiten war so ziemlich alles dabei. Der jüngste Vorschlag aus dem Hause von der Leyen lautet: Machen wir doch Erzieher aus ihnen! Klar, man befürchtet, dass mit dem Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz ab 2013 eine Klagewelle bei den Sozialgerichten dräut, weil man sich an verantwortlicher Stelle offenbar gedacht hat, das Problem löse sich durch konsequentes Nichtbeachten von allein.

Freitag, 1. Juni 2012

Gouvernanten XXL


Es war zu befürchten. Nachdem man die Raucher weitestgehend aus dem öffentlichen Leben geschurigelt hat – sicher, ein paar Nischen gibt es noch, aber die werden auch in meinem Bundesland demnächst vermauert – beginnt man jetzt ernsthaft damit, den Übergewichtigen in ihr Leben hineinzuregieren. New Yorks Bürgermeister Bloomberg, der vor zehn Jahren eines der schärfsten Antirauch-Gesetze durchgedrückt hat, geht dem Übergewicht ans Leder und will als erstes den Verkauf so genannter XXL-Softdrinks verbieten. Damit sind Getränke in 1-Liter-Bechern in der Gastronomie gemeint.

Donnerstag, 31. Mai 2012

Wer nichts zu verbergen hat...


Unbemannte Luftfahrzeuge - von Laien gern 'Drohnen' genannt, erweisen sich zunehmend als äußerst effektiv und schlagkräftig. Leider haben die armen Dinger in letzter Zeit ein wenig schlechte Presse. Höchste Zeit also, daran etwas zu ändern...

Dienstag, 29. Mai 2012

Gutsherrinnenart a'la Francaise


Wenn es gilt, Widersprüche aufzudecken, ist es von jeher ein beliebter rhetorischer Trick, einen vermeintlichen Narren ein paar vermeintlich dumme Fragen stellen zu lassen. Bekannt ist zum Beispiel die Passage aus Erich Maria Remarques Im Westen nichts Neues, in der der schlichte aber bauernschlaue Gefreite Katczynski, genannt Kat, fragt, wie eigentlich ein Land ein anderes beleidigen kann. Wie geht so was? Hat ein Berg in Frankreich etwa einen in Deutschland beleidigt? Er selbst hätte nie Probleme gehabt mit dem Nachbarland: Die Franzosen, denen er bislang begegnet sei im Leben, seien allesamt nette Leute gewesen.

Donnerstag, 24. Mai 2012

Wie versprochen: Eine Lobeshymne


Es gibt Anblicke, die fräsen sich förmlich ins Gedächtnis ein. "Die Weltpremiere! Und Tschüss auf Mallorca" - so drohte RTL einmal vor Jahren die Ausstrahlung einer viertklassigen Eigenproduktion an. Allzu inflationär werden abgeschmackte Jubelattribute verbraten a'la: "atemberaubend!", "brillant!", "Meisterwerk!", "Meilenstein!", "Sternstunde!" oder "bahnbrechend!". Im Fall der BBC-Serie Sherlock sind sie ausnahmsweise angemessen. Sherlock ist allerbestes Fernsehen auf der Höhe der Zeit und seinen Möglichkeiten. Die Abenteuer des soziopathischen Superdetektivs und seines getreuen Dr. Watson in die Gegenwart zu verlegen, ist eine radikale und großartige Idee, die dem Altbekannten jeden musealen Staub gründlichst aus der Jacke schüttelt.

Mittwoch, 23. Mai 2012

Filme im Original


Sie sterben nicht aus. Kommt ausnahmsweise etwas wirklich sehenswertes im hiesigen Fernseh, das das Einschalten der Glotzmaschine lohnt und das ursprünglich nicht deutschsprachig ist, kommen sie aus ihren Löchern geschissen: Die Huchwiegebildeten, die bei so einer Gelegenheit mit der Zuverlässigkeit eines Schweizer Uhrwerks und in mehr oder weniger leicht herablassendem Tonfall sogleich darauf hinweisen, sie sähen sich fremdsprachige Filme ja grundsätzlich nur im Original an.

Dienstag, 22. Mai 2012

Return of the Tabubrecher


"Seine Thesen sind nur ein Mix aus Statistik und Vorurteilen" (Nils Minkmar, FAZ, 21.5.2012)

Zu Sarrazin fällt mir nichts ein. Der Mann hat seine Fangemeinde und er wird sie auch dieses Mal bestens bedienen. Bei seinen brüllvollen Lesungen wird es wieder zugehen wie in der Schalker Nordkurve. Auf den Kern heruntergebrochen, leiert der Ex-Bundesbanker eigentlich immer nur die gleichen zwei Thesen herunter: 1. Früher war alles besser, 2. Es steht schlimm um Deutschland. Dabei sind seine Thesen in all ihrer Schlichtheit gar nicht so sehr das Problem, sondern das Getöse, das seine Anhänger veranstalten. Einen Vorteil hat die ganze Sache diesmal: Das, was uns in nächster Zeit ins Haus steht, kommt nicht mehr überraschend.

Montag, 21. Mai 2012

Bayern vs. Chelsea - eine Nachlese


Darf man schadenfroh sein angesichts der Niederlage des FC Bayern gegen Chelsea am Samstag? Obwohl man ihnen als braver Fußballpatriot sogar die Daumen gedrückt hat? Ja, man muss sogar. Natürlich verdankt die Liga Uli Hoeneß und seinem sozialen Gewissen viel, doch erinnert er immer ein wenig an den reichen Onkel, der sich Zuneigung kaufen will. Auch kann man nicht behaupten, dass mit dem von Abramowitsch mit knapp einer Milliarde gepushten FC Chelsea ein sonderlich sympathischer Verein gewonnen hat. Wer sich aber, wie die Bayern, jahrzehntelang als was besseres aufgeplustert hat, darf sich nicht wundern, wenn ihm diese Selbstgerechtigkeit jetzt auf die Füße fällt. Zudem die Münchner vor, während und nach diesem Spiel eine Reihe dermaßen dämlicher Böcke geschossen haben, dass man sich wundert, wie diese Truppe es überhaupt ins Finale geschafft hat

Sonntag, 20. Mai 2012

Festland


Nachdem man mich unerklärlicherweise wieder von der Insel gelassen hat, kann ich die Befürchtungen zweier Kollegen in Bezug auf Sanitärarmaturen und Lebensmittel weitgehend zerstreuen, denn das Inselvölkchen erweist sich diesbezüglich als durchaus lernfähig. Ich habe natürlich Beweise. So wurde ich in der keramischen Abteilung des ebenso schönen wie sehenswerten Ashmolean Museum in Oxford dieser hochmodernen Mischbatterie eines namhaften deutschen (!) Herstellers gewahr:

Montag, 14. Mai 2012

www.wir-heben-ur.de


Auf knapp 1.000 Unterschriften, vornehmlich von Autoren, hat es der Aufruf "Wir sind die Urheber!" gebracht, mit dem die Unterzeichner für eine Stärkung des Urheberrechts eintreten. Diese Autoren sehen sich als Produzenten von Inhalten, für die sie ihren gerechten Lohn erhalten möchten. Die Kernaussage lautet: Wer uns lesen will, der soll auch zahlen und nicht umsonst kopieren. Alles andere ist Diebstahl. So weit, so logisch.

Wirklich?