Montag, 23. Januar 2012

Oh weh, oh weh! Sie bringen's einfach nicht mehr, die Männer


Vor zwei Wochen ist in der ZEIT ein Artikel von Nina Pauer erschienen, in dem sie der heutigen Generation von Männern um die dreißig kollektives Weicheiertum vorwirft. Die Männer von heute seien keine Männer mehr, sondern Warmduscher, die dauernd über ihre Gefühle reden wollten und darüber den Zeitpunkt verpassten, die Frau einfach zu küssen. Zudem mögen sie sich einfach nicht festlegen im Leben, seien bindungsscheu. Weil Frau Pauer sich des beliebten Tricks bedient, eigene Erfahrungen als allgemeingültig auszugeben, ohne darauf auch nur hinzuweisen, muss es natürlich offen bleiben, ob hier wirklich eine ganze Generation lenorgespülter Schmusetücher auf der Bildfläche erschienen ist. Eigentlich ist das nichts weiter als das übliche, abgestandene Prinzessinnen-Gegreine: Och Menno, die Welt dreht sich nicht, wie ich es will! Können die Männer nicht einmal so funktionieren, wie ich mir das vorstelle? Trotzdem scheint sie damit in eine Art Wespennest gestochen zu haben, denn seitdem fehlt in kaum einer großen Tageszeitung ein Beitrag, der sich mit der Generation Weichei mit Vollbart und Röhrenhose auseinandersetzt. 

Jenny Friedrich-Freksa und Julia Seeliger widersprechen in der FAZ mehr oder weniger, Christoph Scheuermann meint im SPIEGEL: Selbst schuld, Ladys! Ebenso Jonathan Widder in seinem Blog. Einzig Silke Burmester begrüßt diese Entwicklung und weint dem Macho von einst, dem haarigen Biest, wie sie es ausdrückt, keine Träne nach. Diese so genannte Debatte erinnert ein wenig daran, wie vorletztes Jahr Arbeitgebervertreter monierten, die meisten Absolventen der Bachelor- und Master-Studiengänge seien zu stromlinienförmig, hätten selten einen eigenen Standpunkt und es mangele ihnen an Lebenserfahrung. Darauf kann es nur eine vernünftige Antwort geben, die da lautet: Selber schuld! Wer wollte denn Akademiker so und nicht anders haben? Wer hat denn jahrzehntelang bei jeder sich bietenden Gelegenheit gejammert, Deutschlands Studierende seien faule Bummelanten, die sich den Luxus einer eigenen Meinung leisteten, nicht zu Potte kämen an der Uni und viel zu alt seien? Jetzt sind eure Forderungen größtenteils umgesetzt, also kommt auch gefälligst mit den Folgen klar.

Einer der häufigsten Vorwürfe, die nicht wenige Männer sich in Beziehungskrisen von ihren jeweiligen Partnerinnen anhören durften und immer noch dürfen, ist der ihrer Unfähigkeit, über ihre Gefühle sprechen zu können. Jetzt tun sie es – zumindest dort, wo Frau Pauer sich so bewegt – und nun ist auch das wieder nicht recht. Im Gegenteil: Plötzlich bemerkt frau ihre Sehnsucht nach der starken Schulter, dem Macker, der die Initiative ergreift und weiß, wo es langgeht. Christoph Scheuermann meint dazu, die gute Nachricht an diesen weiblichen Anwürfen sei, dass deutlich würde, dass die Frauen offensichtlich auch nicht mehr wüssten, was sie wollten. Sie wüssten nur genau, was sie nicht wollten.

Natürlich sind es auch nur punktuelle Beobachtungen meinerseits, aber es fällt mir hier und da auf, dass viele – keineswegs alle! – Frauen bei der Partnersuche vorzugehen scheinen wie bei einer Rasterfahndung. Anstatt ihrem Herzen zu folgen, haken sie ihren sorgsam ausgearbeiteten Kriterienkatalog ab: Größe, Beruf, Verdienst, Auto, Großzügigkeit, Formbarkeit und so weiter. Dabei bleiben jede Menge Männer auf der Strecke, für die sie wirklich etwas empfinden und die ihnen vielleicht auch gut tun würden, nur leider, leider ein oder zwei Punkte auf der Liste nicht erfüllen. Es kann der tollste Mann daherkommen, hat er den Ansatz einer Plauze oder weigert er sich gar, jede kostspielige Restaurantrechnung zu übernehmen – hinfort mit ihm! So etwas ist natürlich legitim, nur sollten Frauen, die ihre potenziellen Partner auf solche Weise mit emotionaler Kälte und Berechnung abscannen, sich nicht über die Abwesenheit von Romantik und Leidenschaft beschweren. Und weil etliche nicht auf der Rechnung zu haben scheinen, dass auch ein Mr. Perfect, der allen oberflächlichen Ansprüchen gerecht wird, ein Arschloch sein kann, wird hinterher wieder über die bösen Männer im Allgemeinen gejammert.

Wenn moderne Männer so bindungsunwillig sind, dann haben sie im Übrigen gute Gründe dafür: Haben sie doch oft in der eigenen Familie erlebt, was es heutzutage heißt, verheiratet zu sein. Eine Hochzeit ist heute kein Versprechen auf eine gemeinsame Zukunft mehr, nicht die Aussicht, auch im Alter nicht allein durchs Leben gehen zu müssen, sondern eine 50:50-Wette darauf, nach zehn Jahren finanziell ruiniert dazustehen. Denn ungefähr die Hälfte aller Ehen wird geschieden und drei Viertel aller Scheidungen werden von Frauen eingereicht.

Es könnte sein, dass Frauen wie die fleißigen Schreiberinnen nicht nur nicht wissen, was sie wollen, sondern auch nicht wissen, was sie eigentlich sind. Populärfeministische Fama stilisiert Frauen entweder zu menschlich höher stehenden Wesen qua Geburt, zu Superheldinnen, die mindestens alles können, was Männer können, das aber doppelt so gut oder zu hilflosen, schutzbedürftigen Opfern, die mittels Quoten oder der ganzen Härte des Gesetzes vor jeglicher Zumutung des Lebens zu schützen sind – je nach dem, wie's gerade passt. Eine der ersten prominenten Feministinnen, der aufgefallen ist, dass der moderne Feminismus gewaltig in die falsche Richtung läuft, war Doris Lessing. In einem berühmt gewordenen Interview (Original) sagte sie 2001: "Ich bin zunehmend schockiert über die gedankenlose Abwertung von Männern, die so sehr Teil unserer Kultur geworden ist, dass sie kaum noch wahrgenommen wird. Es ist Zeit, dass wir uns fragen, wer eigentlich diese Frauen sind, die ständig die Männer abwerten. Die dümmsten, ungebildetsten und scheußlichsten Frauen können die herzlichsten, freundlichsten und intelligentesten Männer kritisieren und niemand sagt etwas dagegen. Die Männer scheinen so eingeschüchtert zu sein, dass sie sich nicht wehren. Aber sie sollten es tun."

Die andauernde weibliche Selbstüberhöhung, das von keiner Reflexion getrübte Bewusstsein femininer Großartigkeit zählt sicher zu den unangenehmsten Begleiterscheinungen des Feminismus. Um Missverständnissen vorzubeugen: Wohl kaum jemand mit allen Latten am Zaun, egal ob Frau oder Mann, dürfte in jene Zeiten zurückwollen, in denen Frauen es nicht erlaubt war, ohne Genehmigung des Ehemannes ein Konto zu eröffnen oder einen Arbeitsvertrag zu unterzeichnen. Auch dass das Mantra vom 'schwachen Geschlecht', das behandelt wurde, als sei die Tatsache, eine Frau zu sein, eine Vorstufe zur geistigen Behinderung, zumindest in unseren Breiten weitestgehend auf dem Müllhaufen der Geschichte entsorgt wurde, ist nichts, worüber man trauern sollte.

Es sollte klar geworden sein, dass ich kein Feminist bin. Gegen Gleichberechtigung und rechtliche Gleichstellung habe ich hingegen niemals das Geringste einzuwenden gehabt. Im Gegenteil: Wo immer es noch irgendwo Gesetze und Regelungen geben sollte, die Frauen nur aufgrund ihres Geschlechts von irgendetwas ausschließen, bin ich sofort zur Stelle. Nicht, um mich als großer Vorkämpfer für die Sache der Frauen aufzuspielen, sondern weil so etwas ganz einfach meinen Vorstellungen von Fairness und Gerechtigkeit widerspricht. Außerdem halte ich die diesen alten Zöpfen zugrunde liegende Prämisse, nach der es reine Frauen- und Männerberufe geben soll, für die das jeweils andere Geschlecht per se nicht geeignet sein soll, für Mumpitz. Es gibt Männer, die hervorragende Erzieher abgeben, so wie es auch Frauen gibt, deren Händchen für Handwerkliches etliche Männer neidisch werden lässt. Dass in diesen Berufen ansonsten die Geschlechterverhältnisse eher einseitig sind, ändert daran nichts.

Es stellt sich die Frage, warum die Nina Pauers dieser Welt sich so standhaft weigern, auf die Bereiche des Lebens zu schauen, in denen Frauen wirklich den größten Einfluss haben, anstatt immer nur über ihre gefühlte Machtlosigkeit zu klagen und immer wieder den Männern die Schuld an allem Elend der Welt in die Schuhe zu schieben,

Es ist sicher nicht übertrieben, zu sagen, dass die Erziehung von Kindern, und damit auch von Jungen, heutzutage überwiegend in Frauenhand liegt. In geschiedenen Ehen bleiben die Kinder oft bei der Mutter, wenn sie sich nicht gleich ganz dafür entscheidet bzw. sich gezwungen sieht, von vornherein allein zu erziehen. In Kindergärten und Grundschulen arbeiten fast ausschließlich Frauen und auch auf den Gymnasien ist in den Kollegien inzwischen Geschlechterparität erreicht. Nur die Hochschulen sind in einigen Fachbereichen immer noch ziemliche Männerdomänen. Wohl noch nie hatten Frauen so viel aktiven Einfluss auf Sozialisation und Prägung der Männer von morgen wie heute. Seit zirka fünfzehn Jahren weisen Pädagogen darauf hin, dass die zunehmende Feminisierung häuslicher und institutionalisierter Erziehung für die Jungen nicht ohne Folgen bleiben dürfte. Wenn also immer mehr Frauen die Männer von heute als verkorkst empfinden, könnte es in der Tat hilfreich sein, wenn sie sich auch mit der Frage befassten, worin eventuell ihr Anteil daran liegen mag. 


Kommentare :

  1. dass die Frauen offensichtlich auch nicht mehr wüssten, was sie wollten.

    Die meisten haben es noch nie gewusst, was sie eigentlich wollen ;-)

    In meinem Bekanntenkreis kenne ich eine Frau, die seit über 10 Jahren single ist, weil sie jeden Mann abschmettert (Affären freilich hat sie, nur eben keine Beziehung): der eine hat kein Geld, der andere ist nicht groß genug, dunkelhaarig müssen eh alle sein, der Nächste hat einen doofen Klamottenstil usw. - lauter Oberflächlichkeiten. Die Suche nach Mr. Perfect und der Glaube daran, ihn auch finden zu können, weil sie doch so toll ist, lässt sie allein sein.

    Seit ca. 1 Jahr nun fängt das Gejammer an: sie sei nun Anfang 30, wolle doch auch Kinder und die Zeit renne, das Schicksal meine es böse zu ihr, heul, heul, jammer, jammer...kein Funken von Eigenverantwortung.

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  2. Wer kennt eigentlich nicht so eine, epikur, wer nicht? Ein Freund hatte sich vor Jahren mal in so eine Lady verknallt, entsprach aber leider nicht ganz ihrer Checkliste. Das Letzte, was ich gehört habe, war, dass die Tante nach zwei Jahren Ehe mit Mr. Traummann, den sie gefunden zu haben meinte, sich wieder scheiden ließ. Dann kam sie angeschissen und wollte sich bei dem Mann ausheulen (ist ja sooo ein Netter) und konnte überhaupt nicht verstehen, warum er ihr die Tür vor die Nase gedonnert hat... :-)

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  3. Chapeau!
    Herr Rose vor ihnen und ihrem Blog ziehe ich den Hut.
    Rhetorisch galant, butterweich geschrieben und selbst bei düsteren Themen zum Schmunzeln. Eine wahre Wohltat bei all dem geisteserstickendem Geschwätz, jener die sich in ihrer schwarz weißen Legowelt verlaufen haben und die beste Medikation gegen auflagenstarke Verbal Amokläufer wie Broder, Matussek, Sarrazin...

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    1. Oh, vielen, lieben Dank! Dafür macht man's schließlich, Ehrlich: Ich sollte mir Ihren Kommentar ausdrucken, damit ich ihn immer zur Hand nehmen kann, wenn das Leben mal wieder richtig scheiße ist.

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