Samstag, 7. Januar 2012

Was von der FDP übrig blieb


Wieder einmal hat die FDP bei ihrem Umfragelimbo eine Latte unterquert: Nur noch zwei Prozent der wahlberechtigten Bevölkerung würden ihr einen Gebrauchtwagen abkaufen. In absoluten Zahlen ausgedrückt, wären das bei einer wahlberechtigten Bevölkerung von 62 Mio. Menschen und einer angenommenen Wahlbeteiligung von 60 Prozent bundesweit gerade einmal etwas mehr als 740.000 Menschen. Wenn man bedenkt, dass die Zahl der Selbstständigen in Deutschland, also der Kernklientel der FDP, laut statistischem Bundesamt bei 4,3 Mio. liegt, kann man erst recht ermessen, was für eine Splitterpartei da am Freitag Drei Könige gespielt hat. Warum spricht eigentlich keiner der Kommentatoren aus, worin offenkundig eine der wichtigsten Ursachen für den ebenso hoch verdienten wie erfreulichen Niedergang dieses Parteienrestes liegt? Das, was für alle mit mindestens einem Auge im und mindestens einem Ohr am Kopf mit Händen zu greifen ist? Dass die so genannte 'Junge Garde' der FDP überwiegend aus Flitzpiepen besteht?

Aufgeblasene, eitle Nichtsnutze, die nix gelernt haben im Leben außer 'Politik machen' bzw. das, was sie dafür halten, aber andauernd Angebervokabular wie 'Leistungsträger' im Munde führen. Philipp Rösler mag privat vielleicht ein angenehm dezenter Mensch sein und würde womöglich einen ganz passablen Hausarzt irgendwo auf dem platten Land abgeben. Als Parteivorsitzender sah sich dieses im Prinzip weiche Männlein genötigt, auf dicke Hose zu machen und sich kämpferisch zu geben. Sein Auftritt, bei dem er sich nicht einmal entblödete, gegen 'Gutmenschen' auszukeilen, müsste Mitleid erzeugen, wäre es nicht so lustig. Auch Birgit Homburger, die laut Wikipedia immerhin zwei Jahre ihres Lebens einer normalen Erwerbsarbeit nachgegangen ist, quakte vor kurzem etwas von „Kampfanzug anziehen!“. Da wird der politische Gegner aber mächtig die Hosen voll gehabt haben. Oder Spaßpanzer Patrick Döring von der Abteilung Attacke: Der fiel bereits vor seinem Amtsantritt unangenehm auf durch sein Lassen-Sie-mich-durch-ich-bin-was-Besseres-Getröte, mit dem er meinte, den Vorwürfen wegen Unfallflucht begegnen zu können. Eine seiner ersten Amtshandlungen bestand konsequenterweise darin, seinem Vorsitzenden öffentlich auf den Schlips zu latschen.

An der FDP lässt sich sehr schön studieren, was dabei heraus kommt, wenn die Generation Golf Politik macht: Sich wichtig machen, Lobbygelder abgreifen und sich auf Pöstchen hocken, für die ihnen jegliches Format fehlt. In der Schule waren das die, die zum 18. Geburtstag Führerschein nebst VW Golf geschenkt bekamen und auf letzteren als erstes einen Sylt- oder einen „Eure Armut kotzt mich an“-Aufkleber patzten. In einer Tour möchte man diesen Heißluftventilierern, diesen Marktsektierern, diesen wohlstandsverwöhnten Eigenheimkindern, die noch nie um irgend etwas wirklich kämpfen mussten, ihr eigenes Sozialdarwinistensprech, ihre falschen Freiheitspredigten um die Ohren hauen: Tja, so ist das eben in der Marktwirtschaft. Was hoch steigt, kann auch tief fallen. Pleiten und Arbeitsplatzverluste sind etwas völlig normales. Pech gehabt, falsches Pferd. Da muss man halt mal flexibel sein. Wer ein Leben lang immer nur einen auf Gewinner macht, darf sich nicht wundern, irgendwann dazustehen wie der FC Bayern München: Alle außer den eigenen Fans wollen ihn verlieren sehen.

Weiter oben heißt es, dieser Truppe fehle es an Format. Die Frage, was denn das ist, Format, ist berechtigt. In der Tat, schwer zu definieren. Versuchen wir es damit: Format haben beginnt mit der Fähigkeit zu Selbsterkenntnis und Selbstkritik. Format haben bedeutet daher auch, zu wissen, wann man verspielt hat. Format haben hieße, sich hinzustellen und zu sagen: Liebe Parteifreunde, wir sind am Arsch. Wir haben es komplett versaubeutelt. Wir befinden uns seit Jahren auf dem Holzweg, haben alle unsere Ideale verraten und sind mit Recht zu einer leeren Hülle geworden, aus der zudem jeden Tag mehr die Luft rausgeht. Und anstatt die Backen aufzublasen und vom Kämpfen zu schwadronieren, was uns eh längst keiner mehr abnimmt, ist jetzt erst mal ein halbes Jahr Fresse halten angesagt. Wenn wir dann, irgendwann einmal, wieder das eine oder andere von Belang zu sagen haben, erst dann, keinen Tag früher, dürfen wir die Leute wieder darum bitten, ihr Kreuzchen bei uns zu machen.

Wie gesagt, ich habe keine Ahnung, was Format genau ist. Aber so in etwa stelle ich mir das vor. Schaut man an, was die FDP bei am Freitag geliefert hat, kann man jedoch getrost davon ausgehen, dass so etwas in näherer Zukunft nicht zu erwarten ist. Und das ist auch gut so. Denn das bedeutet, es wird noch weiter bergab gehen.


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