Montag, 13. Februar 2012

Der Sarrazin des Klimawandels

Nun haben auch die Klimaskeptiker ihren Märtyrer: RWE-Manager Fritz Vahrenholt hat ein Buch vorgelegt, in dem er die These ventiliert, der Klimawandel finde nicht statt. Die Sonne sei für die gemessenen Schwankungen verantwortlich, nicht das CO2. Der Weltklimarat sei vor allem eine politische Lobbygruppe, die der Welt das wissenschaftlich nicht haltbare Dogma von der Erderwärmung aufzwingen wolle, um weiter Forschungsgelder abzukassieren.

Es ist das gleiche Schema wie bei Sarrazin: Autor geriert sich als Tabubrecher, setzt bewusst provokante Thesen in die Welt und wenn ihm, wie zu erwarten, die Späne um die Ohren fliegen dafür, dann schreit er bzw. kreischen in diesem Fall seine Anhänger: Hexenjagd! Verfolgung! Alarm, Meinungsfreiheit bedroht! Untergang des Abendlandes! Weisen kritische Geister darauf hin, dass Vahrenholt und sein Co-Autor Sebastian Lüning beide bei RWE bzw. der RWE-Tochter dea in Lohn und Brot stehen, also in leitender Position für Unternehmen arbeiten, die ein echtes Interesse daran haben, dass es noch eine Weile weitergeht mit der Uran-, Öl- und Kohleverbrennerei, dann kreischen sie: Verschwörungstheoretiker! Spinner! Und so weiter.

Zum Thema Klimawandel kann ich nichts Fundiertes sagen, weil mir dazu das nötige Fachwissen fehlt. Eine Meinung habe ich dagegen schon. Ich halte es, Klimawandel hin oder her, für keine komplett schlechte Idee, angesichts stetig steigender Weltbevölkerung und endlichen Vorkommen fossiler Brennstoffe, einiges daran zu setzen, die Menschheit davon möglichst schnell so unabhängig wie möglich zu machen.

Die meisten Kommentarspalten der Online-Zeitungen sind inzwischen überflüssig wie die Kröpfe, da sie bei kontroversen Themen in der Regel von organisierten PR-Profis und Pressuregroups geentert werden, die mit persönlichen Angriffen, Provokationen, Pauschalisierungen und Anfeindungen jede inhaltliche Diskussion schnell unmöglich machen. Die Lektüre dieser immergleichen rhetorischen Schwanzvergleiche ist normalerweise die Mühe nicht wert.

Wechselt man jedoch den Blickwinkel und begreift man das dort zu lesende Gezeter vielmehr als noch junges Unterhaltungsgenre, dann stößt man zuweilen auf echte Brüller, wahre Schatzkästlein des Humors, die einem noch Tage später ein Grinsen aufs Gesicht zu zaubern vermögen.

So bereicherte ein eifriger User, der das Pseudonym Marti führt, am 08.02.2012 um 22:19 Uhr im Forum zu einem entsprechenden taz-Artikel die Debatte, indem er mit folgender Sentenz in Bezug auf Herrn Vahrenholt aufwartete:
„Zerstört seine Existenz, macht ihn zum gejagten Paria, genauso wie Sarrazin. Sowas kann keinesfalls geduldet werden, wo kämen wir denn sonst hin?“
Vorausgesetzt, Sie, Marti, meinen das wirklich ernst und haben nicht einfach nur vergessen, auf Ironie hinzweisen: Wie kräftig und mit wie viel Anlauf genau sind Sie vor welchen Schrank gelaufen, um allen Ernstes behaupten zu können, ein bei besten Bezügen frühpensionierter Spitzenbeamter, der sich mit den Tantiemen aus dem Verkauf seines Buches sowie mit ordentlichen Vortragshonoraren eine massiv goldene Nase verdient hat und nach wie vor mit seinen provokanten Äußerungen in den Medien eine Menge Gehör findet, friste in irgendeiner Weise die beklagenswerte Existenz eines mundtot gemachten, gejagten Paria?

Köstlich! Ich habe sehr gelacht. Bitte mehr von so was!


1 Kommentar :

  1. Der Klimawandel ist für Konzerne und große Unternehmen ein echtes Problem. Denn er ist mittlerweile wissenschaftlich erwiesen und zwingt zum Umdenken. Auf Dauer werden die ganzen marktwirtschaftlichen Lösungen (wie. z.B. der Emmissionshandel) oder vermeintlich tolle innovative technische Lösungen (Recycling etc.) nichts bringen. Ohne Verzicht geht es nicht.

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