Freitag, 17. Februar 2012

Veganer Fundamentalismus a'la PETA


Als die Rauchverbots-Debatte zeitweilig hysterische Züge annahm, meinte ein Freund zu mir: „Ich habe bekanntlich nie in meinem Leben geraucht, aber wenn ich mir einige dieser Fanatiker so ansehe, dann bekomme ich große Lust, jetzt damit anzufangen.“ So ähnlich ergeht es mir mit den Kampagnen von PETA.

Viele gute rationale Gründe sprechen in der Tat dafür, Fleischkonsum zumindest einzuschränken, wenn nicht gleich ganz einzustellen. Und es ist diesbezüglich auch schon viel erreicht worden: Der Imperativ unserer Großeltern, dass gefälligst jeden Tag Fleisch zu essen sei, wird heute längst nicht mehr von allen vorbehaltlos unterschrieben, im Gegenteil. Das Vorurteil, Menschen, die kein Fleisch äßen, seien allesamt körnerfressende, mangelernährte Sonderlinge, hat sich glücklicherweise auch weitgehend erledigt. Man kann sogar sagen, dass Fleischverzicht in gewissen Altersgruppen und Gesellschaftsschichten seit einigen Jahren das angesagte Ding ist. Keine schlechte Entwicklung, alles in allem.

Was aber PETA, das Politbüro des Veganismus veranstaltet, löst bei mir regelmäßig unbändigen Appetit auf Schweinshaxe und Steak aus, nur um diese selbstgerechte, kryptofaschistische Bande ein wenig zu ärgern. Was diese Leute verlernt haben zu kapieren, ist, dass es immer noch so etwas wie freien Willen gibt und dass Menschen in freien Gesellschaften eben auch die Wahl haben, Dinge zu tun, die einem widerlich oder entsetzlich erscheinen. So lange nichts gesetzlich Verbotenes geschieht, ist das zu tolerieren. Alles andere ist totalitär.

Bei PETA hingegen hat man solche Skrupel nicht. Vielmehr ist man der Ansicht, das hehre Ziel, die Tiere zu schützen und für das zu kämpfen, das sie Tierrechte nennen, rechtfertige jedwede Niedrigkeit gegenüber Menschen. Zugleich suggeriert diese Truppe in jeder ihrer Kampagnen: Der Mensch fängt beim Vegetarier an und erreicht seine höchste Stufe im Veganertum. Deshalb sind Veganer sexy, haben überhaupt besseren Sex und sind auch sonst bessere Menschen. Umgekehrt sind Menschen, die sich dem verweigern, als niedrigere Seinsformen anzusehen und dürfen entsprechend behandelt werden.

Wie weit dieses Bewusstsein mittlerweile gediehen ist, mag dieser Spot aus der neuesten PETA-Kampagne illustrieren:


Wenn ich so was sehe, dann bleibt es nicht mehr bei plötzlichem Appetit auf Fleischernes, sondern ich ertappe mich dabei, Lust zu bekommen, einen Sack voll niedlicher Kätzchen im nächsten Mühlteich zu ertränken. Und einen Pelzmantel dazu zu tragen. Während ich einen Bigmac esse.

Abgesehen davon, dass es ein Zeichen mangelnder Reife ist, das Bedürfnis zu haben, sich notfalls auf Kosten anderer besser zu fühlen und sich andauernd einen runter zu holen auf das eigene Bessermenschsein: Was soll das? Was wollen die mir sagen? Wollen die mir sagen, dass ich nach erfolgtem Umstieg auf vegane Ernährung, vulgo: nach meiner Erleuchtung, die Liebste in einer Tour halbtot vögele und die Schlafzimmerwand zu Feinstaub? Soll das ein erstrebenswerter Zustand sein? Fragen über Fragen.

Eine niedliche kleine Bauchreligion nannte Julia Seeliger die vegane Sektiererei einmal. Und von Gilbert K. Chesterton, dem Schöpfer von Pater Brown, stammt die Bemerkung, seitdem die Menschen nicht mehr an Gott glaubten, glaubten sie nicht etwa an nichts, sondern an allen möglichen Unsinn. Es spricht einiges dafür, dass Streben nach Gesundheit und der richtigen Ernährung bei einigen jene Leerstelle eingenommen hat, die die Religionen hinterlassen haben, nachdem sie zu Randphänomenen geworden sind. Ein gewisser Zug von religiösem Fundamentalismus lässt sich den PETA-Kampagnen jedenfalls nicht absprechen.


Kommentare :

  1. Ein gewisser Zug von religiösem Fundamentalismus lässt sich den PETA-Kampagnen jedenfalls nicht absprechen.

    Das ist so. Und dich sag das als Vegetarier. Gerade Ende der 80iger und in den 90igern, gab es eine ganze Menge dieser grün-faschistoiden Bevormundungsbewegungen, in Sachen Umwelt- und Tierschutz genauso, - wie im Bereich Gesundheitsfanatismus, - die sich mental alle auf den Spruch; "Die Diktatur der Weisen" reduzieren lassen. Das ist ein Teil der esoterischen Blut- und Bodenkultur, welche heute noch ihre inhumanen Herrlichkeiten und selbst erklärten Weltbilder verbreitet.- Lass dir dein Steak schmecken ;-)

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  2. Nö, Steak gibt's heute nicht, sondern gratinierte Penne (fleischlos, aber mit lecker Käse) - trotzdem danke.
    Genau darin sehe ich auch das Problem. Eine Welt, in der die Peter Singers entscheiden, wer weiterleben darf und wer nicht, kann mir jedenfalls gestohlen bleiben...

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  3. Käse?!? Du widerlicher Kuhfolterknecht! Und irgendwo verhungert jetzt ein Kälbchen! ;)

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  4. Ach, wenn es nur verhungern wäre...
    Ich las einmal das nachdenklich stimmende Graffitto: "MILCH = WEISSES BLUT!!!"

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