Sonntag, 25. März 2012

Maschis Märchenstunde


Als vor Jahren Dieter Bohlens Autobiographie auf den Markt kam, da blieb den Sensibleren im Lande, denen, die immer noch der antiquierten Ansicht anhängen, Literatur sei etwas Bereicherndes, Bedeutendes, nur die Bemerkung: Sieh an, für so was werden also Bäume gefällt!

Schon länger tendieren Reiche und Schöne dazu, die Menschheit mit tiefschürfenden Erkenntnissen zu beglücken darüber, wie sie wurden, was sie sind. John D. Rockefeller immerhin schienen seine Grenzen als Autor noch bewusst zu sein und er beauftragte seinerzeit einen Erfolgsschriftsteller damit, einen hagiographischen Huldigungsroman über ihn zu verfassen.

Das müssen die Zeiten gewesen sein, in denen das Leben eines Mannes allgemein als ein erfülltes galt, wenn er folgende Punkte auf der Agenda abhaken konnte: Haus gebaut, Sohn gezeugt, Apfelbaum gepflanzt und fertig. In den letzten Jahren scheint für die, die sich aus nicht immer ganz nachvollziehbaren Gründen für besonders wichtig dünken, noch hinzugekommen zu sein: Buch geschrieben.

Beziehungsweise schreiben lassen. Der Ausgewogenheit wegen sollte man nicht immer nur negativ sein und festhalten, dass die überwiegend im Verborgenen agierende Branche der Ghostwriter in den letzten zwanzig Jahren glänzende Geschäfte gemacht haben muss mit solchen Aufträgen. Vermutlich ein Grund, warum nur noch selten verkrachte Philologen am Steuer von Taxis anzutreffen sind.

Ex-Chrysler-Chef Lee Iacocca zum Beispiel waren Skrupel in Bezug auf das eigene literarische Talent, wie Rockefeller sie hatte, fremd. Spätestens seit dem Erfolg seiner Autobiographie in den Achtzigern, die sich mehrere Wochen an der Spitze der Bestsellerlisten hielt, fühlen sich immer wieder Großkopferte berufen, ihre Memoiren gewinnbringend unters Volk zu bringen.

Der Inhalt dieser Schinken ist meistens so vorhersehbar ist wie ein Arztroman. Ohne eine einzige Seite auch nur angelesen zu haben, weiß man, was mit hoher Wahrscheinlichkeit aufgetischt wird. Der bzw. die Betreffende stammt fast immer aus einfachen bzw. einfachsten Verhältnissen („Es wurde mir nichts geschenkt“), hatte aber entweder immer schon einen angeborenen Willen zum Erfolg oder ein Aha-Erlebnis, zum Beispiel eine Begegnung mit einem besonderen Menschen. Es folgen dann meist Schilderungen, wie der Held zahlreiche Widerstände und Rückschläge verschiedener Art zu überwinden hat, um dann am Ende dankbar auf ein erfolgreiches Leben zurück zu blicken. Verbunden wird das meistens mit dem Hinweis darauf, dass man im rückständigen Deutschland immer so furchtbar neidisch sei auf die Erfolgreichen. Es steht jedem frei, der das möchte, so was spannend und lehrreich zu finden.

Vor kurzem hat sich auch AWD-Gründer, Ferres-Beschläfer und Wulff-Kickerpartner Carsten Maschmeyer eingereiht in die Schar derer, die nicht länger damit leben konnten, der Welt das Geheimnis ihres super-duper-toll-erfolgreich-spitzenmäßigen Lebens länger vorzuenthalten. Allein der marktschreierische Titel ruft bei Menschen, denen die Sprache etwas ist, mit dem man behutsam umgehen muss, Würgereiz hervor: „Selfmade. Erfolg reich leben.“, quakt es einen vom Schutzumschlag an. Interpunktion und früher einmal gewagte Worttrennung miefen so gewaltig nach PR-Agentur und Werbesprech, dass man schon hier den Verdacht nicht los wird, es mit jemandem zu tun zu haben, der es gewaltig nötig hat.

Wer die Schwarte allen Ernstes deswegen liest, weil er sich Anregungen erhofft, wie er seinem eigenen verpfuschten Leben etwas mehr Glanz verleihen könnte, glaubt auch, dass Hans-Werner Sinn Deutschlands klügster Professor ist und hält es für eine Frechheit, dass Hans-Olaf Henkel immer noch sowohl Wirtschafts- als auch Literaturnobelpreis verweigert werden. Besprechungen nach zu urteilen, kommt Maschmeyer seinen Lesern im wesentlichen mit der umwälzenden Erkenntnis, dass dieses Land eben keine Leistungsgesellschaft sei, sondern Erfolg vielmehr eine Frage des richtigen Networkings. Und im Übrigen habe er sein Leben lang immer nur die besten Absichten gehabt. Alle, die durch die Beratung des von ihm gegründeten Ladens heftige finanzielle Verluste erlitten haben, werden das mit Interesse zur Kenntnis nehmen.

Eine Frage stellt sich dann doch: Wie passt das dazu, dass derselbe Maschmeyer in Interviews darauf besteht, seine Kontakte zu Politikern und wohlhabenden Geschäftskunden seinen immer nur rein privater Natur gewesen? Man sei eben miteinander befreundet und treffe sich gelegentlich zum Spaß haben und Party machen. Nix besonderes, das. Andererseits schreibt er in seinem Buch, ein Leben ohne Connections könne er sich nicht vorstellen und hätte ihn auch kaum so erfolgreich gemacht.

Apropos Bewertungen: Es ist inzwischen bekannt, dass Carsten Maschmeyer sich gern auch selbst um die Werbung für Druckwerke kümmert, die ihm am Herzen liegen. Jetzt soll es bei amazon zu, sagen wir, seltsamen Vorgängen gekommen sein: Maschis Egoschwarte bekam sofort eine ganze Reihe 5-Sterne-Bewertungen, überwiegend von Erstnutzern, die noch nie zuvor eine Bewertung bei amazon abgegeben hatten. Ist ein Verschwörungstheoretiker und Neidhammel, wer hier Unrat wittert? Oder anders: Geht man zu weit, wenn man einem Autoren, bei dem es nicht völlig ausgeschlossen ist, dass er gewissen Manipulationen diesbezüglich zumindest nicht abgeneigt sein könnte, ein Selbstwertgefühl unterstellt, dass sich auf einem Niveau irgendwo zwischen U-Bahn-Schacht und Tiefkeller bewegt?

Ach ja, der deutsche Neid auf die Erfolgreichen, der ewige!



Kommentare :

  1. Naja, einer der letzten Oberkicker bei Amazon unter dem Motto; Ein Verkaufserfolg ist auch ein Bucherfolg, - war der Inhaber eines bekannten Computerdealers, der ein paar gewagte Verschwörungstheorien zu einem wirklich miesen Krimi zusammen geflext hatte, und mittels ausreichender Werbungsaktionen und "Gefällt mir Klicks" über die eigene Belegschaft die 1 Mill. Grenze des Erfolgsgedröhns gesprengt hatte. Die einsame verzweifelte Reaktion eines genauso einzelnen Rezensionisten, der merkwürdig ehrlich das Geschehen kommentierte, fiel dann gleich unter Marke Neidhammel. Warum auch immer. Für Anhänger des großen Erfolges, wird dann immer noch gerne J.K.Rowlings als Beispiel im Hintergrund gehalten. So als Äquivalent für den Tellerwäscher zum Multimillionär. Nix gegen Rowlings, - aber die Sparte bundesdeutschem Autoren- und Lesetums geziemter literarischer Unterhaltung, -ist voll von Tugenden und Ehrhaftigkeit. Besonders auffällig bei Diskussionen über den Wert von E-Books und Printbüchern. Bei letzteren, steht dann gerne mal Maschmeier oder Gerhard Schröder oben drüber. Ist einfach edler, - und liegt in der Taschenbuchversion besser in der Hand. Man nennt das auch, - Niveau.

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  2. Alles was man braucht, um ein Buch bei einem großen Verlag zu veröffentlichen, ist ein bekannter Name. Sowas wie Inhalt, Aussage, Botschaft oder Sprachgewandtheit ist in der heutigen Marktwelt völlig überflüssig. "Das Ding muss sich verkaufen" - dieser Maxime hat sich alles unterzuordnen.

    Pimmelkinder wie Maschmeyer, Bohlen oder Effenberg dürfen somit ungestraft kübelweise Kotze über uns ergießen. Sie haben halt einen Namen.

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