Sonntag, 4. März 2012

Polizei, Humor und Christentum


Man sollte fair bleiben, bei aller Sorge um den Zustand der Zivilgesellschaft und bei aller Sensibilität in Bezug auf Alltagsrassismus. Vor ein paar Tagen wurde ein Kalender der bayerischen Polizeigewerkschaft publik, weil er Darstellungen rassistischer Stereotype enthält. Klickt man sich durch alle Kalenderblätter (was man hier tun kann), so relativiert sich das zum Teil wieder. Die Zeichnungen sind nicht immer witzig, einige sind makaber, politisch nicht korrekt sicher auch, aber von einem vor Alltagsrassismus nur so triefenden Machwerk zu reden, wäre überzogen. Dass das am meisten kritisierte Bild, das einen muskelbepackten Schwarzen zeigt, der gerade abgeführt wird und bestreitet, dass Verdunkelungsgefahr bestehe - haha - klare Reminiszenzen an den Piratenausguck aus Asterix aufweist, macht die Sache nicht einfacher.

via comedix.de
Der Polizeialltag ist, vor allem in Ballungsräumen, zweifellos belastend, oft frustrierend. Dass so was sich zuweilen in Pausengesprächen entlädt, die zu recht nicht an die Öffentlichkeit gelangen, ist verständlich. Das ist nicht nur bei Polizeibeamten so. Auch Berufe im Bildungs-, Sozial- und Gesundheitswesen sind menschlich oft so fordernd, dass ein gewisser Zynismus hinter verschlossenen Türen zum Alltag gehört. Auch ich muss mich mit dem Gedanken anfreunden, dass mein Arzt, der sich in meiner Anwesenheit verständnisvoll und fürsorglich gibt, anders redet wenn die Tür zu ist. Dass ich ein Trottel sei, ein unlukrativer Kassenpatient nebenbei. Dass ich immer noch nicht mit dem Rauchen aufgehört hätte und gegen alle Vernunft noch immer einige Kilos mehr durch die Gegend schleppte als es gut für mich sei.

Eine völlig andere Liga sind jedoch die Zeichnungen eines gewissen Alfred Berger, die am Wochenende aufgetaucht sind. Dank webcache-Seiten lassen sich die Bilder noch ansehen. Auch die Bloggerin Kübra Gümüsay hat einige Beispiele auf fremdwoerterbuch eingestellt.

Die Faktenlage ist diesem Fall komplizierter: Zunächst hieß es, diese Bilder seien in einem weiteren Polizeikalender aufgetaucht. Das ließ sich jedoch nicht belegen und die Zeitungen, die das berichtet hatten (unter anderem WELT und Berliner Morgenpost), nahmen am Sonntag die entsprechenden Seiten wieder aus dem Netz oder änderten ihre Berichte entsprechend (wie die taz). Dort zitierte man den Sprecher der bayerischen Polizeigewerkschaft, der bestritt, dass ein Kalender mit solchen Bildern gedruckt worden sei und meinte, jemand wolle ihnen da etwas unterschieben. Glauben wir das mal, so lange nicht andere Beweise auftauchen.

Interessant wird es, wenn man nach dem Urheber dieser Machwerke forscht. Auf der Webseite der Christlichen Polizeivereinigung (CPV) freut man sich sehr darüber, dass Alfred Berger, im Hauptberuf Kriminalhauptkommissar bei der bayerischen Polizei, „mit ganzem Herzen Polizist und Christ“, seine „stets humorvollen, immer überraschenden und manchmal auch erfrischend bissigen Einfälle“ für die Arbeit der CPV kostenlos zur Verfügung stellt.

Sollten diese Zeichnungen wirklich von Berger stammen - immerhin sind sie von ihm signiert -, dann muss man schon fragen, was für ein christliches Menschenbild der Herr Hauptkommissar so pflegt, wenn er zum Beispiel Asylbewerber mit Affen gleichsetzt. Darwin in den falschen Hals bekommen, oder was? Was genau versteht er unter Christsein, wenn er es offenbar irre lustig findet, einen blonden Polizisten einem Schwarzen mit Anlauf in den Allerwertesten treten zu lassen?

Und noch was: Wenn KHK Berger für diese Bilder wirklich verantwortlich zeichnet, bestehen dann nicht erhebliche Zweifel an seiner Eignung für den Polizeidienst? So im Sinne von: Steht mit beiden Beinen auf dem Boden der FDGO?


Anhang. Zitat der Woche

Eine Studie des Innenministeriums ergibt: 15 Prozent der jungen deutschen Muslime wollen sich nicht integrieren, tendieren zu Gewaltakzeptanz und hegen eine Abneigung gegen den Westen. Ist das was Neues?
Ja. Denn 15 Prozent der jungen deutschen Nicht-Muslime tun das auch. Bingo! So gesehen beweist die Studie, dass die religiöse Orientierung ziemlich wumpe ist: Wenn man jungen Leuten nur ausreichend Bildung verweigert und Lebenschancen, werden sie alle bescheuert. Dieser Friedrich ist doch ein Fuchs. Vermutlich ein Linker, der Bursche.
Friedrich Küppersbusch, taz vom 04.03.2012


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