Mittwoch, 14. März 2012

Sensationelle Enthüllung: Werbung lügt!


„Alles kriegen die raus“ - so sagt Hagen Rether in seinem aktuellen Programm 'Liebe'. Zum Beispiel hätten die jetzt rausgekriegt, dass Atomenergie doch nicht so sicher ist, wie immer gedacht.

Aus aktuellem Anlass kann man hinzufügen: Jetzt haben die rausgekriegt, dass viele Lebensmittel, die speziell für Kinder produziert werden, übermäßig hohe Mengen an Zucker enthalten. Skandal! „Profit auf Kosten der Kinder“, tönte die Süddeutsche Zeitung gleich. Um im Rether-Jargon zu bleiben: Hallo? Geht’s noch? Muss erst Foodwatch daherkommen, um uns das zu verklickern, was jedem Menschen, der halbwegs wachen Auges und mit der Fähigkeit des Lesens gesegnet, seit Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten sonnenklar ist bzw. sein müsste?

(Jen Sorensen via slowpokecomics.com)

Die Lebensmittelindustrie ködert also gezielt Kinder mit Zucker- und Fettbomben, um ihren Umsatz zu maximieren. Nein, wirklich? Und das, obwohl die doch in der Werbung immer sagen, dass das alles ganz doll natürlich ist. Welch eine sensationelle Erkenntnis!

Seit Jahren wehren die Lebensmittelmultis jeden Versuch ab, eine halbwegs simple Kennzeichnung ihrer Produkte einzuführen. Mit gutem Grund. Die dürften sehr genau wissen, was passieren würde, wenn etwa die Lebensmittelampel eingeführt wird. Dann wären die Supermarktregale, vor allem die mit den Produkten für die lieben Kleinen, größtenteils knallrot.

Spricht jemand das Offensichtliche aus, das übrigens kein Geheimwissen ist, weil man nur das klein Gedruckte auf den Etiketten lesen muss, dann geht das Geschrei los: Rabääääh, wie hätten wir das wissen können? Die betrügen uns doch nach Strich und Faden, diese Verbrecher!

Weist man darauf hin, dass auch gute Lebensmittel nun einmal ihren Preis hätten, dann wird auf einmal die soziale Ader entdeckt und das Totschlagargument ausgepackt: Ob man jetzt etwa alle zwingen wollte, teure Bioprodukte zu kaufen. Man müsse doch auch an die denken, die es nicht so dicke hätten. Die könnten sich dann gar nichts mehr zu essen leisten, die Armen. Nein, natürlich nicht.

Auffallend ist, dass solche Klagen in der Regel nicht von Menschen kommen, die finanziell keine andere Wahl haben als sich so billig wie möglich zu versorgen. Nein, so jammern außer Lobbyisten vor allem Leute rum, denen die im Vergleich eh schon spottbilligen Lebensmittel in Deutschland immer noch zu teuer sind, es gleichzeitig aber völlig normal finden, zum Beispiel ihre Karre mit Felgen für tausend Schleifen das Stück aufzurüsten. Und die sich gern über Menschen gar nicht mehr einkriegen wollen vor Lachen, die zumindest teilweise Bioprodukte konsumieren. Ökos, Müslis, hahaha! Ist doch eh alles Betrug und ein und dasselbe! Die wollen doch nur ihr Gewissen beruhigen, die Naivlinge.

Ich bin es müde, solchen Leuten zu erklären, dass gute Ernährung keine Frage des Geldes ist, sondern nur, ob man bereit ist, sich ein wenig Zeit zu nehmen. Um sich ein paar Gedanken zu machen über das, was man sich zur Futterluke reinschiebt. Und um sich ein wenig im Kochen zu üben. Aber Zeit hat ja niemand mehr heute, vor allem nicht für so was. Denn keine Zeit zu haben ist längst zum Statussymbol geworden.

212 Minuten verbrachten die Deutschen 2010 durchschnittlich pro Tag vor dem Fernseher. 82 Kilogramm zum Teil einwandfreie Lebensmittel werden in Deutschland pro Kopf und Jahr in den Müll geworfen. Lasst sie weiter Dreck fressen. 



1 Kommentar :

  1. Mit Gruseln erinnere ich mich noch an den kleinen Klugschieter, der im Werbespot sülzte: „…als wären die Cerealien ganz von selbst in die Milch gefallen!“ Oder so ähnlich. Cerealien! Welches normale Kind (oder welcher Erwachsene) hat dieses aus dem Amerikanischen adaptierte Fremdwort denn wohl in seinem aktiven Wortschatz?
    Verstörte Frage: Gibt es denn wirklich noch Leute, die auf so einen Schwachsinn reinfallen? Fassungslose Antwort: Muss wohl, sonst wären Ferrero, Nestle, Kelloggs et al. längst pleite.
    Und nein, es ist natürlich nicht teurer, statt „Kelloggs Frosties“ das Müsli aus Haferflocken, Mandelblättchen und Rosinen, Früchten der Saison und Joghurt selbst zu mischen. Es kostet allerdings ein bisschen mehr Zeit, sagen wir: 2 bis 5 Minuten pro Tag, je nach Kinderzahl.
    Der Grundsatz: „Keine industriell verarbeiteten Nahrungsmittel verwenden!“ spart eine Menge Geld und sorgt für eine gesunde Grundlage.
    Dann schadet es auch nicht weiter, wenn die Kinder ab und zu so ein Zeug von ihrem Taschengeld kaufen und heimlich in sich reinstopfen… Sie wissen jedenfalls, dass es sich dabei um Süßigkeiten handelt und keineswegs um Lebensmittel im Wortsinn. Denn lebendig ist daran gar nichts.
    Liebe Grüße
    Saby

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