Montag, 30. April 2012

Wie frau es auf die Liste der Belanglosigkeit schafft


Wie schön es doch ist, in einer Leistungsgesellschaft zu leben! Kürzlich veröffentlichte das TIME-Magazin wieder seine alljährliche Liste der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten. Weil man sich bei TIME von jeher bemüht, möglichst wertfrei vorzugehen, also Arbeit Talent und Verdienste zu honorieren, werden nicht nur Politiker und nicht nur die Nice Guys aufgenommen. So finden sich auch in diesem Jahr Sportler wie Lionel Messi, Sängerinnen wie Rhianna und Miesnickel wie Kim-Jong Sun oder Baschar Al-Assad auf der Liste.

Was Aussagekraft und Erkenntnisgewinn angeht, rangieren solche Rankings natürlich irgendwo zwischen Lore-Romanen und computerübersetzten chinesischen Gebrauchsanweisungen. Im Zweifelsfall taugt der Kram gerade mal schlichten Journalisten zum Seitenfüller und zum Gesprächsstoff für sonstige schlichte Gemüter, die im Leben nichts Wichtiges zu besprechen haben.

Wirklich überraschend ist in diesem Jahr die Neunominierung zweier Frauen. Nein, nicht Angela Merkel, die hat da einen Dauerplatz. Gemeint sind auch nicht Streberinnen wie Portia Simpson Miller, die erste Premierministerin Jamaicas, oder Fatou Bensouda, designierte Chefanklägerin des internationalen Strafgerichtshofes. Auch nicht Elinor Ostrom, 2009 Nobelpreisträgerin für Wirtschaft.

Nein, es geht um die Schwestern Catherine, Herzogin von Cambridge, geborene Middleton, und ihre Schwester Philippa, genannt Pippa. Catherines größte Leistung bisher war, vom englischen Thronfolger geheiratet zu werden. Die größte bisher bekannt gewordene Leistung ihrer Schwester, hauptberuflich Eventmanagerin und auf der Suche nach einem solventen Lebensgefährten, war es, auf eben dieser Hochzeit ihrer Schwester ein Kleid getragen zu haben, das ihre Silhouette dergestalt präsentierte, dass großen Teilen der männlichen Journaille kollektiv das Großhirn in die Hose gerutscht ist.

Dass die Middleton-Schwestern nicht allein Männern den Verstand irgendwo hinrutschen lassen, beweist die Begründung von TIMEs Europa-Korrespondentin Catherine Meyer:
„The Middletons have become avatars of aspiration. Other women aim to dress like them, to emulate their easy athleticism and their more problematic slenderness.
How do the sisters feel about their influence? They aren't saying. Latter-day Mona Lisas, they smile mysteriously and keep their mouths closed. In an age of bleating, tweeting, confessional celebrity, the middle-class Middletons show real class.“
Zusammengefasst kommt es für die moderne Frau, die einflussreich sein will, also darauf an, tapfer die nervigen Paparazzi zu ertragen, geheimnisvoll zu lächeln, auch ansonsten so schlank zu sein und umwerfend auszusehen, dass möglichst viele andere Frauen neidisch werden. Ansonsten habe frau sich bedeckt zu halten in der Öffentlichkeit. Und ich hatte immer gedacht, Mad Men spiele in den Sechzigern.


1 Kommentar :

  1. Das erinnert an die Kür Anne Sinclairs, der Gattin von Dominique Strauss-Kahn, zur »Frau des Jahres 2011« in Frankreich, weil sie die Affären dieses Lumpen artig & duldsam ertrug, wie sich das gehört, anstatt ihn in den A*** zu treten.

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