Montag, 21. Mai 2012

Bayern vs. Chelsea - eine Nachlese


Darf man schadenfroh sein angesichts der Niederlage des FC Bayern gegen Chelsea am Samstag? Obwohl man ihnen als braver Fußballpatriot sogar die Daumen gedrückt hat? Ja, man muss sogar. Natürlich verdankt die Liga Uli Hoeneß und seinem sozialen Gewissen viel, doch erinnert er immer ein wenig an den reichen Onkel, der sich Zuneigung kaufen will. Auch kann man nicht behaupten, dass mit dem von Abramowitsch mit knapp einer Milliarde gepushten FC Chelsea ein sonderlich sympathischer Verein gewonnen hat. Wer sich aber, wie die Bayern, jahrzehntelang als was besseres aufgeplustert hat, darf sich nicht wundern, wenn ihm diese Selbstgerechtigkeit jetzt auf die Füße fällt. Zudem die Münchner vor, während und nach diesem Spiel eine Reihe dermaßen dämlicher Böcke geschossen haben, dass man sich wundert, wie diese Truppe es überhaupt ins Finale geschafft hat

Beginnen wir mit vorher: Es ist keine Schande, in der Liga gegen den amtierenden Meister zu verlieren. Wer aber fünfmal in Folge verliert, in den letzten beiden Spielen während dreier von vier Halbzeiten die Gegenwehr komplett einstellt, im letzten Spiel dann fünf Dinger kassiert und sich dann rausredet, das mache nichts, man hole nächste Woche schließlich den Titel in der Champions League, muss sich die Frage gefallen lassen, ob das Gerede, eine Spitzenmannschaft zu sein, nicht doch Selbstbetrug ist.

Warum darf immer Arjen Robben die entscheidenden Elfmeter schießen? Hat der eine entsprechende Klausel im Vertrag? Robben hat in den letzten Monaten mehr als einmal gezeigt, dass er in solchen Situationen, die eiserne Nerven erfordern, dazu neigt, das große Flattern zu kriegen und diese zu versemmeln. In der Mitte einer Bundesligasaison mag es in Ordnung gehen, ihn immer mal wieder schießen zu lassen, um ihm Routine und Selbstvertrauen zu geben, aber in so einem Finale? Unfassbar.

War die Auswechslung Thomas Müllers wirklich unumgänglich? Heynckes sagte, Müller sei auf eigenen Wunsch vom Platz gegangen, weil er Wadenprobleme gehabt habe. Mag sein, dass er wirklich Schmerzen hatte. Er ist schließlich nie als Jammerlappen aufgefallen. Trotzdem: So kurz vor Schluss, beim Stande von 1:0 ein System noch verändern? Chelsea ist bekanntermaßen eine klassische Kontermannschaft und hat mehr als einmal vorgeführt, wie sie geduldig auf den einen, klitzekleinen Fehler des Gegners lauern, um den dann gnadenlos zu bestrafen. Auch der große FC Barcelona kann ein Lied davon singen. Die Katalanen waren im Halbfinale zwei mal geradezu grotesk überlegen. Trotzdem leisteten sich auch diese Fußballgenies zwei kleine Fehler, die zu zwei Gegentoren führten. Die Auswechslung Müllers hat möglicherweise genau jenes kurze, winzige Bisschen Unsicherheit ins Spiel gebracht, das Drogba ausnutzte. Wenn das so ist, dann war das ein klassischer Fall von vercoacht.

Noch was: Wer allen, die es nicht hören wollen, auf die Nerven geht, unbedingt alle Titel holen zu wollen, aber dann im Elfmeterschießen dermaßen die Hosen voll hat, dass sich unter zehn Feldspielern keine fünf finden, die schießen, sollte sich das mit der Spitzenmannschaft noch mal überlegen. 

Schließlich, FC Bayern und Anhang: Es ist verständlich, dass ihr enttäuscht seid, aber euer unprofessionelles Gegreine, ihr wäret die bessere Mannschaft gewesen, könnt ihr euch freundlichst dorthin schieben, wo es sehr dunkel ist. Euer höchst eigener Franz Beckenbauer hat den einen schönen und wahren Satz gesagt, beim Fußball würden keine Schönheitspreise vergeben. Und Torchancen sind keine Tore, möchte man hinzufügen. Denn wenn man einhundertzwanzig Minuten lang bis zum gegnerischen Strafraum schön spielt und unzählige Eckbälle herausholt, aber den Ball einfach nicht ins Tor bekommt, dann ist man nicht die bessere Mannschaft. Punkt. Und wenn man in der 83. Minute endlich das 1:0 schießt und es dann nicht schafft, das Spiel über die restlichen gut sieben bis zehn Minuten nach Hause zu schaukeln, sondern sich fast im direkten Gegenzug den Ausgleich fängt, dann ist man auch keine Spitzenmannschaft. Sorry, Bayern und Anhang, das ist hart, ist aber so. Lernt endlich, gute Verlierer zu sein.

1 Kommentar :

  1. Ich geb zu, dass mich der Ausgang amüsiert hat und ich mich anstrengen musste, nicht in Häme zu verfallen (ganz ohne ging es freilich doch nicht ;-) http://www.erlkoenig-blog.de/?p=8304
    Du hast es angedeutet: Man kann das Speil auch ganz anders sehen und sagen, Chelsea war zwar auch glücklich, aber eben auch clever und abgezockt genug, um den Titel zu holen. Sie wussten, dass sie das Spiel, genau wie im Halbfinale nicht machen konnten, weil die andere Truppe spielstärker ist. Mit viel Kampf und großer taktischer Disziplin haben sie verteidigt und bis auf Müllers Duseltor wenig zugelassen. Offensiv haben sie abgewartet und gelauert. Nach dem Ausgleich hat man das schön sehen können, wie aufdrehten und alles daran setzten, den Knockout zu landen. Mit Beginn der Verlängerung kehrten sie zu ihrer vorherigen Taktik zurück und gingen wieder in die Defensive.
    Da hilft alles Gegreine nichts: Die Bayern haben gegen ein Truppe verloren, die einfach cleverer und Abgezockter gespielt hat.
    Ja und dann hatten sie noch einen Drogba...;-)

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