Dienstag, 10. Juli 2012

Clever wie ein Strohsack: Big Spender will in die Politik


Frank Stronachs Geschichte ist eine klassische Aufsteigerbiografie: Mit wenig Geld ist der als Franz Strohsack geborene Austro-Kanadier 1954 nach Kanada ausgewandert. Dort gründete der gelernte Werkzeugmacher eine Garagenfirma, aus der später der milliardenschwere Autozulieferer Magna International Inc. werden sollte. Man kennt so was aus den Kindertagen der Automobilindustrie und später aus der Computer- und Softwarebranche. Apple, Microsoft, Hewlett-Packard, SAP und andere haben ähnliche Gründungsgeschichten. Möglicherweise braucht es neben der richtigen Idee, zur richtigen Zeit, den richtigen Kontakten und einer Menge Ausdauer auch ein Selbstbewusstsein, das an Narzissmus grenzt, um eine solche Karriere hinzulegen.

Ziehen solche Selfmademen im fortgeschrittenen Alter Bilanz und fragen sich, was sie der Gesellschaft zurückgeben können, dann können die Folgen solchen Bilanzziehens unterschiedlich ausfallen: Mit Glück besinnen sie sich auf ihre soziale Ader wie etwa Warren Buffett, der seit einiger Zeit dafür eintritt, dass Bürger seiner Gehaltsklasse höhere Steuern zahlen sollen und ansonsten große Teile seines Vermögens vom Konto haben will, ehe er abtritt. Vergleichsweise glimpflich geht es auch ab, wenn am Ende nur ein selbst oder von einem Ghostwriter verfasstes Buch dabei herauskommt. Das macht, abgesehen von kurzzeitigen geräuschvollen Werbekampagnen, normalerweise nur wenig Lärm und verschwindet in aller Regel schnell in der Versenkung.

Anders liegt der Fall, wenn schwerreiche Frührentner sich in kriselnde Fußballvereine einkaufen, wie SAP-Mitgründer Dietmar Hopp beim TSV Hoffenheim oder Ex-Ölmagnat Roman Abramowitsch beim FC Chelsea, und sie diese dann als ihre ganz persönliche Spielwiese betrachten. Solches Engagement kann sportlich durchaus erfolgreich sein, wie die letzte Champions League-Saison zeigt, doch werden solche Vereine vom Rest der Fußballfans immer mit einer Mischung aus mulmigem Gefühl und Verachtung angesehen. Etwa wie der seltsame Großonkel auf Familienfeiern. Niemand kann so recht mit ihm und wenn er Hoppehoppereiter mit den Kindern spielt, wird er argwöhnisch beäugt. Trotzdem wirft er mit Geldgeschenken um sich, weil er meint, sich Zuneigung kaufen zu können. Aber nicht alles für Süßigkeiten ausgeben, hörst du?

Apropos Süßigkeiten: Nicht wenige moderne Mäzene neigen dazu, sich bei von ihnen generös gesponsorten Projekten aufzuführen nach dem Motto: Wer zahlt, schafft an und sich in alles einzumischen. Entscheidungen müssen im Konsens gefällt werden? Egal, ich hab’ bezahlt!  Können sie ihren Kopf nicht durchsetzen, ziehen sie ihre Kohle sofort wieder ab und sind weg. So geschehen im Fall der Dussmann-Stiftung, die ihre Millionenspende zum Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche beleidigt zurückzog, weil die zuständige Stiftung entschieden hatte, eine moderne Orgel in Auftrag zu geben und nicht eine Rekonstruktion der Silbermann-Orgel aus dem 18. Jahrhundert. Die Privatwirtschaft hat’s, so scheint es, nicht immer so mit Kompromissen.

Frank Stronachs millionenschweres Engagement im österreichischen Fußball kann als gescheitert gelten, nimmt man die von ihm selbst genannten Ziele als Maßstab: Der von ihm finanzierte Verein Austria Wien sollte seiner Meinung nach spätestens 2003 den Europacup gewonnen haben und Österreich sollte 2006 Weltmeister geworden sein. Letzteres ist bekanntlich knapp daran gescheitert, dass die österreichische Nationalmannschaft sich nicht für das Turnier qualifizieren konnte. Einige andere Großprojekte sind ebenfalls in der Planungsphase stecken geblieben.

Nun will er eine Partei gründen und in die Politik einsteigen, macht sich als "Patriot" große Sorgen um sein Land, kündigt gar eine "Revolution" an. Klar, drunter macht er's nicht. Finanziell sollte das kein Problem sein, denn er hat angekündigt, dass er seine Partei mit mehr Geld ausstatten werde als allen etablierten Parteien Österreichs zusammen zur Verfügung stünde. Programmatisch kapriziert er sich auf die Bereiche EU-Kritik, Stopp des ESM, Einführung einer Flat Tax, mehr Deregulierung für die Wirtschaft und weiterer Bürokratieabbau. Rechtspopulistisch, wie von einigen Seiten zu hören war, ist da zunächst nichts dran, sieht man einmal davon ab, dass er zwielichtige Gestalten wie Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser und einige Mitglieder der berüchtigten 'Buberlpartie' um Jörg Haider mit auskömmlichen Pöstchen bei Magna versorgt hat.

Wer ihn zudem bei seinem Gespräch in der österreichischen Nachrichtensendung ZIB 2 beobachtet, vermag durchaus Züge eines leichten Cäsarismus zu entdecken. Er habe als Steuerzahler ein Recht darauf, dort zu sprechen, wie er es für richtig hielte. Den schüchternen Einwand der Moderatorin, ein Interview bestünde nun einmal darin, Fragen zu beantworten, ließ er nicht gelten. Es ist nur Spekulation, aber es verwunderte nicht, wenn er ihr nach der Sendung damit gedroht hätte, den ganzen ORF zu kaufen und sie als erste rauszuschmeißen.

Menschen vom Schlage Stronachs scheinen ein, zwei Dinge nicht zu begreifen. Es ist sicher respektabel, ein großes Unternehmen aufzubauen und zu führen. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass man automatisch auch bei allem anderen, zu dem man sich so berufen fühlt, ähnlich erfolgreich ist. Entgegen einem zählebigen Gerücht funktioniert ein Gemeinwesen eben nicht wie ein Unternehmen, auch wenn das ihrer Meinung nach eigentlich so sein müsste. Denn sie neigen auch dazu, ihre Erfahrungen aus der Privatwirtschaft auf alles und jedes zu übertragen.

Für die Stronachs ist die Welt daher ein einziger Selbstbedienungsladen: Sie kommen mit ihren Flocken angeschissen und erwarten, dass alles nach ihrer Pfeife tanzt. Daher zahlen sie auch ihre Steuern grundsätzlich dort, wo die Regierung am ehesten mit sich handeln lässt. Im Falle Stronachs ist das die Schweiz. Kritische Nachfragen, wie das denn bitte zu ihrem Patriotismus passe, verbitten sie sich im Brustton der Empörung. Stoßen sie mit ihren hochfahrenden Ambitionen auf Widerstand, dann machen sie, kleinen Kindern gleich, einen auf beleidigte Leberwurst und sich kurz darauf davon. Gemeinnützigkeit geht anders.



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