Freitag, 14. September 2012

Dinge, die ich mal wieder nicht verstehe


Eins

Warum arbeite ich eigentlich nicht beim Verfassungsschutz oder beim MAD? Schön, mir fehlt die Ausbildung dafür und ich würde auch nicht wirklich arbeiten. Im Gegenteil: Ich würde höchstens 30 Stunden die Woche für ein schönes Gehalt ein schönes Büro bewohnen, so mit Gummibaum, Kaffeevollautomat und geregelter Freizeit. Ich würde gern alle Berichte lesen, die man mir vorlegt, aber auch darauf bestehen, mich anderen wichtigen staatsbürgerlichen Pflichten widmen zu können. Zum Beispiel, diesen Blog so zu pflegen, wie ich mir das wünsche. Oder Krimis zu schreiben. Bekäme ich den Auftrag, irgendwelche Akten zu schreddern oder obskure V-Leute anzuheuern, würde ich mich sofort krank melden. Das alles wäre natürlich nicht umsonst zu haben und Leistung im betriebswirtschaftlichen Sinne sieht anders aus, klar. Aber das ist nur oberflächlich, denn ich würde ja bestimmt keinen Schaden anrichten und auch bestimmt nichts kaputt machen. Das käme doch deutlich billiger, als das, was mindestens zwei der drei geheimen Dienste in diesem Lande seit einiger Zeit für einen Stress verursachen. Also, lieber Verfassungsschutz, lieber MAD, wie wäre es mit uns beiden? Ich stehe bereit, aktiv daran mitzuwirken, dass ihr in Zukunft garantiert nur noch wegen Geldverschwendung in den Schlagzeilen landen werdet. Das ist zwar nicht schön, aber immer noch besser als der Brassel, den ihr im Moment am Hacken habt, oder? In der Politik muss man sich eben manchmal für das kleinere Übel entscheiden.


Zwei

Gern wird von Menschen, die noch etwas zu geben haben, geklagt, höhere Steuern für Vermögende seien nichts anderes als Enteignung oder staatlich organisierter Diebstahl. Warum reden diese Leute eigentlich nie von Enteignung ist, wenn über Jahrzehnte aus Steuergeldern aufgebaute Infrastruktur, wie etwa die Bahn, privatisiert wird, also denen, die es aufgebaut haben, weggenommen wird, und den Kapitalmärkten anheim fallen soll?


Drei

Liebe Frankfurter Rundschau, ich weiß, eure Online-Redaktion hat nicht wirklich Einfluss darauf, trotzdem: Wenn man die lobende Kritik der TV-Dokumentation „Die Nein-Sager“ anklickt und (gezwungenermaßen) keinen Popup-Blocker im Hintergrund schnurren hat, dann poppt mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Fenster auf, das Werbung für eine Versicherung enthält. Liegt das an mir, wenn ich das ein wenig inkonsequent finde? Ist das eine Verschwörung? Oder lacht ihr gar denen ins Gesicht, deren Kohle ihr kassiert?


Vier

Die Republikaner in den USA haben es bekanntlich noch mehr mit der Freiheit als der Durchschnittsamerikaner eh schon. Der Staat soll sich so wenig wie möglich in die Belange der Bürger einmischen dürfen. Am allerwenigsten natürlich in die Belange der Wirtschaft, aber auch sonst soll er sich möglichst heraushalten und nur noch den Nachtwächter geben. Wenn es nach den ganz Harten unter ihnen geht, dann wäre sogar das überflüssig, weil jeder auch das dank liberaler Wafffengesetze besser selbst in die Hand nehmen kann. Aber warum trommeln diese Leute dann in Fragen wie Homoehe und Abtreibung so vehement für staatliche Einmischung? Weil es Gottes Wille ist? Moment mal, ist man da drüben nicht so stolz auf Religionsfreiheit? Ich bin verwirrt.


Fünf: Endlich etwas, das ich verstehe

Apropos billig: Ambros Waibel hat in der taz einen interessanten Gedanken zu der Frage geäußert, warum die Deutschen beim Abbau des Sozialstaates so wenig aufmucken. Seine Erklärung: Der Deutsche hat es gern billig. Wenn irgendwo „günstig!“ oder „billich!“ draufsteht,  dann schlägt er blind zu und lässt sich den allerletzten minderwertigen Schrott andrehen, vergisst aber dabei, dass das vermeintlich billigste Angebot so gut wie nie das Beste und unter dem Strich auch nicht wirklich das Billigste ist. Wenn er nun hört: „Der Sozialstaat ist zu teuer!“, dann gehen bei ihm natürlich die Warnlampen an und er begrüßt alle Maßnahmen zur Kostenreduktion. Ist ja schließlich sein Geld. Ärgerlich wird er aber, wenn er gekürzte Sozialleistungen später in Form von Zuzahlungen aus eigener Tasche ausgleichen muss. Auf die Idee, da einen Zusammenhang herzustellen, kommt er in der Regel nicht.



1 Kommentar :

  1. "Warum arbeite ich eigentlich nicht beim Verfassungsschutz oder beim MAD? Schön, mir fehlt die Ausbildung dafür und ich würde auch nicht wirklich arbeiten."

    Das ist nur eine Ausrede, denn eine Ausbildung dafür ist nicht erforderlich, Hauptsache mehr als Hauptschulabschluss:

    "Die eingestellten Hochschulabsolventen hätten in der Regel nicht die Qualifikation für die Tätigkeit in einem Geheimdienst gehabt, seien aber häufig recht schnell in der Hierarchie innerhalb des Verfassungsschutzes aufgestiegen, monierten beispielsweise im Juli die früheren Roewer-Untergebenen Friedrich Karl Schrader und Norbert Wiesner vor dem Untersuchungsausschuss."
    http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2012-09/nsu-untersuchungssausschuss-thueringen

    Im Übrigen bin ich der Meinung, dass der Verfassungsschutz aufgelöst werden muss.

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