Freitag, 30. November 2012

Sauber, NRW!


Nicht einmal die hartnäckigsten Raucher werden noch ernsthaft bestreiten, dass Rauchen gesundheitsschädlich ist. Was Passivrauchen angeht, sieht die Sache wohl etwas anders aus, aber dieses Fass muss man hier nicht aufmachen. Zu respektieren ist, dass eine Mehrheit es offensichtlich lästig bis widerlich findet, zugequalmt zu werden, egal ob wegen gesundheitlicher Aspekte oder einfach nur, weil die Kleidung hinterher mieft. Ich hasse es, Menschen unnötig zur Last zu fallen und schätze zivilisiertes Verhalten sehr. Daher war auch mir als Raucher die Idee nie wirklich unsympathisch, dass in Räumen, in denen man nicht die Wahl hat, ob man sich darin aufhalten will oder nicht, gefälligst nicht gequarzt wird, auch wenn das vielleicht eine Einschränkung meiner persönlichen Freiheit bedeutet. So habe ich nicht den leisesten Protest erhoben, als das Rauchen in öffentlichen Gebäuden und in Restaurants verboten wurde.

In Nordrhein-Westfalen gilt zurzeit noch ein Nichtraucherschutzgesetz für die Gastronomie, das in seiner Ausgewogenheit nur als vorbildlich bezeichnet werden kann: In Restaurants herrscht generell Rauchverbot, doch hat der Betreiber die Möglichkeit, einen abgetrennten Raucherraum einzurichten. In reinen Kneipen, die neben Getränken nur abgepackte Imbisse anbieten und deren Grundfläche 75 m² nicht überschreiten, kann der Wirt selbst entscheiden, ob er das Rauchen verbieten will oder nicht. Man kann streiten, ob ein Raucherraum im selben Haus die Gäste nicht auch unzumutbaren Gerüchen und Belastungen aussetzt. Daher hätte ich noch nicht einmal etwas dagegen, wenn auch diese Regel gestrichen würde und in Speiselokalen sowie allen größeren Kneipen nirgends mehr geraucht werden dürfte. Sicher, auch dieses Gesetz mag seine Lücken haben: Wenn zum Beispiel in der einzigen Kneipe im Dorf weiterhin geraucht werden darf, wäre das eine klare Benachteiligung der nicht rauchenden Gäste, die keine Alternative haben. Immerhin wird aber gesetzlicherseits wenigstens zur Kenntnis genommen, dass es noch so etwas gibt wie einen freien Willen.

Tatsache ist, dass dieses Gesetz über mehrere Jahre weitgehend gut funktioniert hat, eben weil es den Menschen die Wahl gelassen hat. Noch kann, wer abends ausgehen will, frei entscheiden, ob er in ein rauchfreies Lokal geht oder eben nicht. Weil die Mehrheit meiner Freunde und Bekannten nicht raucht, war ich in den letzten Jahren weit öfter in Nichtraucher- als in Raucherkneipen. Verpfeife ich mich halt von Zeit zu Zeit vor die Tür und gut. Es hat sich eingespielt und von Klagen oder Kampagnen gegen diese Regelung war kaum etwas zu hören. Aber zum Glück für die Volxgesundheit gibt es Gesundheitsministerin Barbara Steffens von den Grünen. Die kann mit solch faulen Kompromissen nämlich überhaupt nichts anfangen und ist angetreten, diesen unhaltbaren Zustand zu beseitigen. Also wird ab Mai 2013 auch in Nordrhein-Westfalen ein totales Rauchverbot nach bayerischem Vorbild in der Gastronomie in Kraft treten.

Auch wenn Steffens' Tun sicher von edlen Motiven getragen ist und einem guten Zweck dienen mag, so ändert das nichts daran, dass die Dame schlicht eine Fanatikerin ist. Es ist kein Problem, dass in ihrer Vorstellung von einem guten Leben offenbar keine einzige potenziell gesundheitsgefährdende Substanz auftaucht. Sollte sie glauben, diese Welt wäre eine Bessere, wenn keiner mehr irgendwo raucht, keiner mehr einen Schnaps trinkt und alle jeden Abend um zehn im eigenen Bett liegen (mit den Händen über der Bettdecke, versteht sich), dann wäre auch das ihre Sache. Problematischer hingegen ist, dass sie offenbar ernsthaft zu denken scheint, es hätten immer und überall gefälligst alle so zu leben wie sie sich das vorstellt, und dass sie ihr politisches Amt vornehmlich dazu verwendet, ihren diesbezüglichen Erziehungsanspruch auszuleben. Es ist wichtig zu begreifen, dass es Menschen, die so ticken wie Steffens, niemals um Kompromisse, Interessenausgleich oder gar gesunden Menschenverstand geht. Differenzierung ist nicht so ihres, ihre Forderungen sind stets total. Und um die durchzupeitschen, ist ihnen jedes Mittel recht.

Es wird sicher Nichtraucher geben, die sich momentan noch einer gewissen Schadenfreude hingeben darüber, dass es den karzinogenen Stinkern jetzt endlich an den Kragen geht – sie betrifft es ja nicht. Sind ja nur die Raucher. Sie sollten sich lieber nicht zu früh freuen. Die ersten Alkoholverbote im öffentlichen Nahverkehr lassen bereits erahnen, wohin die weitere Reise gehen könnte. Gut möglich, dass bald auch der Genuss eines jeden Fläschchens Bier außerhalb der eigenen vier Wände in den Fokus der verbotsgeilen Gesundheitstaliban gerät. Dabei wird es ihnen egal sein, ob man ein randalierender Jugendlicher ist oder ein harmloser, gestresster Angestellter, der sich friedlich den Feierabend versüßt. Kommt man ihnen mit rationalen Argumenten, dann können sie immer noch sagen, man sei ein schlechtes Vorbild für die Kinder, denn das zieht immer. Schon seit langem kassiert in einigen Bundesstaaten der USA eine Strafe, wer beim Süffeln in coram publico erwischt wird. In anderen Bundesstaaten darf zwar öffentlich Alkohol getrunken werden, allerdings nur, wenn das betreffende Gebinde in eine blickdichte Papiertüte eingeschlagen ist. Es ist noch gar nicht lange her, da wurde in Europa heftig geschmunzelt über so was.

Frau Steffens hat sich bereits das nächste Hühnchen zum rupfen gesucht und will nun auch die E-Zigarette aus dem öffentlichen Leben verbannen. Weil keine Verbrennung stattfindet, also die krebserregenden Stoffe, die das Rauchen gefährlich machen, keine Rolle spielen, finden sogar viele Ärzte diese kleinen Dampfmeiler wenig problematisch bzw. ein zu vernachlässigendes Risiko. Aber so was ficht Madame, wie gesagt, nicht an. So hat sie Studien zum Thema, die ihr nicht in den Kram passten, entweder manipuliert oder zurück gehalten, wie die Piratenpartei NRW dankenswerterweise auffliegen ließ.

Wer die Dampfstängel mit der Begründung verbieten will, sie enthielten das potenziell tödliche Nervengift Nikotin, muss sich fragen lassen, warum dann der Verkauf von Nikotinkaugummis und -pflastern weiterhin legal sein soll. Komme man bitte nicht mit dem Argument, diese Produkte dienten schließlich der Entwöhnung, also therapeutischen Zwecken, und seien daher nicht von übel. Vielen starken Rauchern dienen die Pflästerchen nicht etwa zum Aufhören, sondern als probates Mittel, um zum Beispiel lange Zugfahrten oder Interkontinentalflüge durchzustehen. Hat sich was mit Entwöhnung!

Wie immer die Frage: Was machen die als nächstes? Furzen mit Knast belegen? Vielleicht nicht ganz. Doch könnten sich jene Hysteriker, die längst nicht mehr in der Lage sind, zu unterscheiden, ob etwas wirklich gefährlich ist oder einfach nur lästig, in Zukunft zum Beispiel synthetischen Duftstoffen zuwenden, wenn sie mit dem Alkohol fertig sind. Wer das für verrückt hält, sei darauf hingewiesen, dass Initiativen in Kanada, Schweden und natürlich in den USA bereits Duftverbote in Krankenhäusern erkämpft haben, weil es Menschen gibt, die auf diese Substanzen allergisch reagieren. Für Leute, die es wagen, kein geruchsneutrales Deo zu verwenden, wird es in Zukunft wohl immer öfter heißen: Wir müssen leider draußen bleiben. Und Blumen werden auch aus den Hospitälern verschwinden müssen, weil es bekanntlich Pollenallergiker gibt.

Übrigens: Von zu viel Kaffee kann man Herzrasen kriegen. Kartoffeln und Tomaten enthalten das in höheren Dosen tödliche Nervengift Solanin. Weiterhin gibt es Menschen, die gegen Hunde allergisch sind. Sollen die etwa nicht das Recht haben, sich immer und überall unbeeinträchtigt dort aufhalten zu können, wo sie wollen?

Noch was: Dieselabgase sind genau so schädlich wie Tabakrauch.


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