Mittwoch, 5. Dezember 2012

Bye, bye, Doc!


House: „Wenn ich es genieße, das Leben zu hassen, dann hasse ich es nicht, sondern genieße es.“
Was immer man über Arztserien sagen kann, 'Dr. House' war anders. Zwar hat es in Literatur, Film und Fernsehen immer wieder Ärzte gegeben, die heimlich zur Flasche griffen, familiäre Probleme hatten oder sich am Medikamentenschrank bedienten, doch so ein körperliches wie seelisches Wrack wie Gregory House (Hugh Laurie) war noch nie da. Selbst ein hinkender Schmerzensmann, von starken Medikamenten abhängig und am Rande des Alkoholismus entlang balancierend, scherte er sich meist nicht um die menschliche Seite seiner Fälle. Zu seinem Credo gehörte: Neben weißen Kitteln werden Patientengespräche allgemein überschätzt, weil jeder Mensch lügt. Ärzte sind da, um Krankheiten zu heilen und nicht Menschen. Und Händchenhalten hat noch niemanden je wieder gesund gemacht.

Vater eines Patienten: “Wie können Sie jemanden behandeln, den Sie noch nie getroffen haben?“ - House: “Das ist ganz leicht, wenn er einem scheißegal ist.“
'Dr. House', von der Figurenkonstellation und Erzählmuster an Sherlock Holmes angelehnt, war in erster Linie eine Antithese zum fashionablen Wellness- und Ganzheitlichkeits-Getue. Würde man von so einem behandelt werden wollen? Wohl eher nicht. Aber weil es kaum etwas Spannenderes gibt als die Suche nach der Wahrheit, war es meistens ein Vergnügen, ihm dabei zuzuschauen. Wenn er doch einmal mit Patienten sprach, dann konfrontierte er sie meistens mit ihren eigenen Abgründen. Sein bester und einziger Freund Wilson (Robert Sean Leonard), ein Arzt, wie man ihn sich vorstellt gab den empathischen Gegenpol. Meist vergebens.
Patient: “Sie waren doch sicher auch mal verliebt?“ - House: “Meinen Sie dieses komische Gefühl in der Hose?“
Fast immer liefen die Episoden nach demselben Schema ab: Im Teaser brach meistens irgendjemand zusammen und wurde ins Princeton Plainsboro Hosptial eingeliefert. Waren die Ärzte mit ihrem Latein am Ende, landete die Akte auf dem Tisch des chronisch schlecht gelaunten, immer verkatert aussehenden House und seines Teams für hoffnungslose Fälle. Paradoxerweise war es meist Houses' Misanthropie, die die entscheidende Wende brachte, weil er so den Blick aufs Wesentliche behielt.
House: „Wenn man zu Gott spricht ist man religiös. Wenn Gott mit einem spricht, ist man irre.“
Wie bei jeder länger laufenden Fernsehserie, stellten sich auch bei 'Dr. House' irgendwann Abnutzungserscheinungen ein: Das immer gleiche der Episoden ermüdete, die ursprüngliche Konstellation war bald ausgereizt und alles wurde irrer, abgedrehter, verrückter. Das Ärzteteam wurde immer wieder ausgetauscht, einmal landete House in der geschlossenen Psychiatrie, ein anderes Mal saß er im Knast. Eine Staffel lang führte er eine irrwitzige Beziehung mit seiner Chefin Dr. Cuddy (Lisa Edelstein) und experimentierte zwischendurch auch mal mit Methadon, um mit seinen Schmerzen fertig zu werden. Irgendwann wirkte das alles bemüht. Vielleicht sind die ersten drei Staffeln die besten. Trotzdem stellt sich beim Abschied ein wenig Melancholie ein.
Dr. Foreman: „Ich finde Ihre Argumente vordergründig.“ - House: „Und ich finde Ihre Krawatte hässlich.“
Wie gesagt, 'Dr. House' war, wie alles, nicht perfekt. Gegen einen, gern von ahnungslosen Erbsenzählern gemachten Vorwurf aber, muss man die Macher der Serie jedoch in Schutz nehmen: Wie unrealistisch das alles gewesen sei. Natürlich war 'Dr. House' komplett unrealistisch. So unrealistisch wie so ziemlich jeder Fernsehkrimi. Ein Arzt wie Gregory House hätte in keinem Krankenhaus der Welt seinen ersten Arbeitstag überstanden. Aber wann werden diese Flachpfeifen endlich mal kapieren, dass es bei fiktionalen Charakteren in erster Linie um Glaubwürdigkeit geht, nicht um Realitätsnähe.
House: "Du bist geheilt. Steh auf und wandle." - Patient: "Sind Sie geisteskrank?" - House: "In der Bibel sagen die Leute schlicht 'Ja, Herr' und verfallen dann ins Lobpreisen."
Auch wenn 'Dr. House' unbedingt zum Besseren gehörte, das die Fernsehschirme bevölkerte, waren acht Staffeln am Ende genug. Schauspieler und Produzenten haben das zum Glück rechtzeitig erkannt. Die letzte Folge lief am Dienstag bei uns. Bye, bye, Doc. Und danke für die Sprüche!


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