Montag, 31. Dezember 2012

Lasst es knallen!


Klar, Silvesterknallerei ist, wie vieles andere, eine komplett unvernünftige und verrückte Sache. Laut, gefährlich und natürlich teuer. Kinder und viele Haustiere haben Angst. Die Argumente der Vernünftigen sind mal wieder sehr stichhaltig. Abgesehen von einem einzigen Aspekt: Wenn es  Menschen noch nicht einmal mehr in Maßen erlaubt ist, dann und wann etwas Verrücktes zu tun, dann kann man das, was man als Zivilisation oder Kultur bezeichnet – was immer das im Einzelnen sein mag – getrost vergessen.

"Brot statt Böller!" - so miefelt es seit gut dreißig Jahren puritanisch von Plakatwänden herab. Milliarden gäben die Deutschen aus für ihr alljährliches Silvestervergnügen und in Afrika verhungern die Kinder. Klar, die Deutschen werfen auch tonnenweise Lebensmittel weg, weil etliche zu blöd sind zu kapieren, dass ein Mindesthaltbarkeitsdatum mitnichten ein Verfalldatum ist. Was dem Ganzen etwas Spaßbremsenhaftes verleiht, ist die Willkür, mit der man sich hier eine Sache herausgreift, die vielleicht lästig ist, die aber vielen durchaus Freude zu machen scheint. Auch andere humanitäre Organisationen weisen darauf hin, dass es genauso sinnvoll sei, zum Verzicht auf Weihnachtsbäume oder Fußball-Hallenturniere aufzurufen, denn auch da wird Geld verbrannt, das sich für karitative Zwecke verwenden ließe. Von selbstherrlichem Herummoralisieren, dass in Afrika die Kinder hungerten, ist jedenfalls noch kein Hungernder satt geworden.

Macht bumm und ist ganz böse: Feuerwerk

Aber es mehren sich hier und da Stimmen, die das Geböller zum Jahreswechsel gern verbieten würden und nur noch kommerziell ausgerichtete Feuerwerke zulassen möchten. Begründet wird das meist damit, dass einem irgendwann einmal ein paar Besoffene einen Böller vor die Füße geworfen haben. Ja und? Leben ist lebensgefährlich und ein Leben ohne jedes Risiko ist langweilig. Wir wissen alle, dass auch Autofahren gefährlich ist, trotz aller beeindruckenden Fortschritte bei aktiver und passiver Sicherheit. Trotzdem setzen sich Tag für Tag Millionen in ihre Karren. Wenn sie das tun, obwohl sie in vergleichbarer Zeit per ÖPNV und Fahrrad unterwegs sein könnten, so ist auch das gegen jede Vernunft.

Also, lassen wir es weiter knallen, und zwar ordentlich. Trinken wir uns einen an zum Abschied des alten und zum Beginn des neuen Jahres, denn viel zu feiern gibt es für die meisten nicht. Wenn geknallt wird, dann möge halt einer halbwegs nüchtern bleiben, um auf gegebenenfalls auf Kinder aufzupassen und um Dummheiten zu verhindern, das sollte für Erwachsene Menschen ausreichen. Die Hundis werden sich bald erholt haben und wer so schreckhaft ist, dass ihn ein wenig Knallerei aus der Bahn wirft, möge sich gefälligst was in die Ohren tun und den anderen jenen Spaß gönnen, den er ums Verrecken nicht nachvollziehen kann. Ich muss dem Geballer weder etwas abgewinnen können noch selbst mitmachen, um mich dagegen zu wehren, endgültig in einem Land missgünstiger Klemmis leben zu müssen.

In diesem Sinne: Guten Rutsch. Wir lesen uns im nächsten Jahr. Übrigens: Wer morgen die Rübe wieder klar hat, möge sich Hatice Akyüns lesenswerte Neujahrsansprache zu Gemüte führen.


Kommentare :

  1. Ich lass es zwar nicht knallen, aber das aus anderen Gründen als so gerne vorgegeben. Verrückt sein und genießen kann man zum Glück auf verschiedene Weise. Niemals lass ich mir das nehmen und vermiesen.
    In diesem Sinne jedem sein happy new year!

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  2. Hihi, - naja. Bei der Neujahrsansprache von Hatice Akyüns könnte man am Anfang auch einen Knaller schwer in Frage stellen. Ich fand es überhaupt nicht richtig, den Arbeitsmarkt so zu reformieren, dass man Leih- und Zeitarbeit Türen und Toren öffnet und dadurch die Chancengleichheit zerstört hat, die man jetzt ein wenig doppelmoralin zurück wünscht. Aber gut, - trotzdem schön, wenn man es wenigstens wieder zurück wünscht. Da kann man es ruhig mal krachen lassen. Wünsche dir einen guten Rutsch Stefan. Pass einfach auf beim Anzünden der Dinger. (Sorry, ich bin jetzt in dem Alter, wo ich das auch unbedingt immer sagen muss, - gruselig, - ich weiß. :-)))

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  3. "endgültig in einem Land missgünstiger Klemmis leben zu müssen."

    Irgendeinen Grund finden sie immer , fiel auch auf , als kurzzeitig ein Boykott der EM 2012 andiskutiert wurde.

    Immer gezielt gegen Dinge , die evtl. Spaß machen könnten , brav vor Ort exekutiert durch den mißgünstigen Nachbarn , der offenbar die doppelte Zeit zur Verfügung hat wie Andere , jedenfalls weiß er immer , wer gerade zu Hause ist , wer welches Auto fährt und wo es steht ,oder wer welche Besuche hat.

    Die Deutschen haben diesbezüglich einen Vollschaden , alle Energie auf die Verhinderung von Lebendigkeit , mit voller Inbrunst und Aggressivität.

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  4. ich kann dem Geballere zwar selber schon lange nix mehr abgewinnen, aber leben und leben lassen... mit einer Einschränkung: an Sylvester round midnight, völlig okay!

    Aber den Vollpfosten, die schon Tage und Nächte vorher wie die bescheueren die Gegend vollknallen, möchte ich liebend gern mal einen Böller dahin rammen, wo es immer dunkel ist. ;-)

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  5. Sylvester? Zu viele Stallone-Filme gesehen?

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