Mittwoch, 29. Februar 2012

Oops, Götz did it again...


Wieder einmal hat Götz Aly, seit etlichen Jahren Posterboy der Neocons, seit ein paar Monaten auch Kolumnist der Frankfurter Rundschau, eine Probe seiner Kunst gegeben, seine und unser aller schandbare 68er-Vergangenheit zu exorzieren. Als gelte es, dem Vorurteil, dass Bekehrte immer die Schlimmsten sind, frische Nahrung zu verschaffen, rechnet er diesmal mit Beate Klarsfeld ab. Die hat 1968 bekanntlich dem damaligen Kanzler Kurt Georg Kiesinger aufgrund dessen NS-Vergangenheit medienwirksam eine verpasst.

Montag, 27. Februar 2012

Noch eine Wahrheit über den 23. Spieltag


Wenns mal nicht so läuft in der Firma, der Schule oder auch der Familie, dann fragt das schlichte Gemüt nicht etwa, was falsch gelaufen ist und was anders laufen müsste, sondern verlangt gern nach Strenge, Disziplin und Härte. Mikrokosmisch lässt sich so was oft an Fußballvereinen und ihren Trainern beobachten. In der Bundesliga vor allem an Felix Magath. Der Kampfgnubbel war Anfang der Achtziger mal ein solider Verteidiger beim HSV und spielte zeitweise auch in der Nationalmannschaft. Daran lässt sich ermessen, wie groß die Personalnot gewesen sein muss, damals in der dämmernden Ära Derwall. Nach seiner aktiven Zeit wurde er 1997 Trainer beim HSV. Seitdem tingelt er als heilbringender Messias der Härte durch die Liga und richtet einen Verein nach dem anderen zugrunde.

Sonntag, 26. Februar 2012

Fake!

Zur Klarstellung für alle, die sich eventuell nicht sicher waren: Die vorgestern erschienene Meldung über die Reaktion des BDI auf die Schweigeminute gegen Rechts war ein Fake. Weder hat der BDI so etwas verlauten lassen, noch existiert meines Wissens ein Funktionär, der auf den Namen Dr. Kurt Rochen hört. Entschuldigung an alle, die das für bare Münze genommen haben und sich jetzt möglicherweise ein wenig vereimert vorkommen mögen.

Freitag, 24. Februar 2012

Letzte Meldung: Gedenkminute kostet Arbeitsplätze


BERLIN (eig. Bericht). Die gestrige Gedenkminute für Opfer rechter Gewalt, zu der DGB und BDA aufgerufen hatten, ist aus Sicht der Wirtschaft problematisch. BDI-Funktionär Dr. Kurt Rochen erklärte, solche Arbeitsausfälle gefährdeten die Wettbewerbsfähigkeit Der Deutschen Wirtschaft TM im Globalen Wettbewerb TM erheblich. „Der Schaden, der den deutschen Unternehmen durch diese Aktion entstanden ist, lässt sich noch nicht genau beziffern.“, so Rochen. „Auch ein Verlust von Arbeitsplätzen ist nicht auszuschließen.“

Donnerstag, 23. Februar 2012

Iiim Gleichschritt bitte!


Man kommt ja gar nicht mehr heraus aus der Berichterstattung um Wahl und Amt des Bundespräsidenten. In den letzten Tagen empört man sich vielerorts, dass gerade die Netzgemeinde so rosinenpickerisch auf dem armen, missverstandenen Herrn Gauck herumhacke.

Abgesehen davon, dass die pauschale Bezeichnung ‚die Netzgemeinde’ eine ziemliche Frechheit ist, gehört es in der Tat zu den unangenehmen Begleiterscheinungen des digital beschleunigten Informationsaustausches, dass Neuigkeiten, Meinungen, Gerüchte und Gedankenschnipsel sich mit atemberaubendem Tempo ungefiltert zu verbreiten pflegen. Natürlich waren viele der dort ventilierten Soforturteile über Äußerungen, die Joachim Gauck in den vergangenen Jahren mal gemacht hat bzw. haben soll, oberflächlich und eine Menge Blödsinn war dabei. Aber das ändert sich im Augenblick und weicht längst einer differenzierteren Betrachtung. Dass das Unbehagen am Kandidaten auch Ursachen haben könnte, die nicht allein in dessen politischen Überzeugungen liegen, kommt leider ein wenig zu kurz.

Montag, 20. Februar 2012

Zwei abschließende Gedanken zu Wulff


Eins

Journalismus, so höre ich als Unbeteiligter nicht selten, sei ein hartes Geschäft. Tausende freier Schreiber in diesem Land prügeln sich mit immer mehr Konkurrenten um immer schlechter dotierte Aufträge, sodass sie trotz immer mehr Arbeit am Ende des Monats oft nicht wissen, wo das Geld für die Miete herkommen soll. So viel zum einen Ende der Fahnenstange. Wer jedoch am anderen Ende sitzt, es zum gut dotierten Redakteur, Chefredakteur oder Herausgeber eines großen, überregionalen Mediums gebracht hat, genießt neben immer noch sattem Einkommen eine Reihe von Privilegien, von denen der größte Teil der Arbeitnehmer in diesem Land nicht einmal träumen kann.

Sonntag, 19. Februar 2012

Super-Gauck in Lauerstellung


Es kommt eher selten vor, dass ich mit der für mich zuständigen Bundeskanzlerin einer Meinung bin. Daher wollen wir diesen Tag zünftig begehen. Angela Merkel ist nämlich mit mir der Meinung, dass Joachim Gauck für das Amt des Bundespräsidenten ungeeignet ist. Er soll gern weiter durch die Republik tingeln und, ganz ergriffen von sich, seine Vita verticken, so lange er Schloss Bellevue dabei nicht zu nahe kommt.

Freitag, 17. Februar 2012

Veganer Fundamentalismus a'la PETA


Als die Rauchverbots-Debatte zeitweilig hysterische Züge annahm, meinte ein Freund zu mir: „Ich habe bekanntlich nie in meinem Leben geraucht, aber wenn ich mir einige dieser Fanatiker so ansehe, dann bekomme ich große Lust, jetzt damit anzufangen.“ So ähnlich ergeht es mir mit den Kampagnen von PETA.

Dienstag, 14. Februar 2012

Dresden 2012 - Revisionismus und Opferkult vor dem Aus?


Aufdringlich wirkt es, wenn Stadtmarketing versucht, einem verschnarchte Provinznester, in denen spätestens um zehn die Bürgersteige hochgeklappt werden, als voll spannende, pulsierende Metropolen zu verkaufen, in denen mächtig was los ist („Delmenhorst – Da geht was“). Einige Städte haben solch professionelle Hilfe hingegen noch nie benötigt, wenn es darum geht, von sich selbst besoffen zu sein.

Montag, 13. Februar 2012

Der Sarrazin des Klimawandels

Nun haben auch die Klimaskeptiker ihren Märtyrer: RWE-Manager Fritz Vahrenholt hat ein Buch vorgelegt, in dem er die These ventiliert, der Klimawandel finde nicht statt. Die Sonne sei für die gemessenen Schwankungen verantwortlich, nicht das CO2. Der Weltklimarat sei vor allem eine politische Lobbygruppe, die der Welt das wissenschaftlich nicht haltbare Dogma von der Erderwärmung aufzwingen wolle, um weiter Forschungsgelder abzukassieren.

Samstag, 11. Februar 2012

Türkenwitz reloaded


Zu unseren Pubertätszeiten, Anfang der Achtziger, da waren eine Zeit lang Türkenwitze sehr beliebt und sorgten zuweilen für großes Hallo. Wir wussten allerdings auch, dass so etwas eigentlich nicht geht und vor allem nicht an die Öffentlichkeit gehört. Wir wären daher niemals auf die Idee gekommen, uns damit auf eine Bühne zu stellen, donnerndes Gelächter dafür zu erwarten nebst dem Bundesverdienstkreuz für solch heroische Verteidigung der Meinungsfreiheit. Dieses Bewusstsein mag freilich dadurch entstanden sein, dass wir in der Schule ausschließlich Achtundsechziger-Kuschelpädagogen ausgeliefert waren, die uns zu hoffnungslosen Gutmenschen verzärtelt haben. Diese Politisch Korrekte Gesinnungsmafia hat uns offenbar dahingehend gehirngewaschen, dass wir schon nach kurzer Zeit solche Scherzchen reichlich pubertär fanden und erwachsenen, zivilisierten Menschen eigentlich unwürdig.

Mittwoch, 8. Februar 2012

Wenn schon Fahnen, dann bitte etwas kreativer


Als Reaktion auf das Veto Russlands und Chinas gegen die Syrien-Resolution im Weltsicherheitsrat haben aufgebrachte Demonstranten in Syrien Flaggen Russlands und Chinas verbrannt. Abgesehen vom traurigen Anlass, dass diese Länder der Assad-Bande damit Carte Blanche zum fröhlichen Weitermetzeln ausgestellt haben, eine hervorragende Sache! Weniger, weil es die Flaggen Russlands und Chinas erwischt hat, sondern weil damit wieder einige dieser komplett sinnfreien, in vormodernen Zeiten mit Bedeutung überladenen Lappen endgültig von dieser Welt verschwunden sind.

Dienstag, 7. Februar 2012

Steinbachs williger Helfer


„Götz Aly entspricht ziemlich genau dem Typus des Intellektuellen, den Horkheimer schon 1939 beschrieben hat: »Aufatmend werfen sie die unbequeme Waffe weg und kehren zum Neuhumanismus, zu Goethes Persönlichkeit, zum wahren Deutschland und anderem Kulturgut zurück. (…) jetzt preisen die literarischen Gegner der totalitären Gesellschaft den Zustand, dem sie ihr Dasein verdankt und verleugnen die Theorie, die sein Geheimnis aussprach, als es noch Zeit war.«“ (Klaus Bittermann)
Eigentlich wollte ich mich zu Frau Steinbachs kindischer Provokation nicht weiter äußern. Nun reiht sich, wenig überraschend, auch Götz Aly ein in den Chor jener, die Linke mittels der Folie des Totalitarismus in denunziatorischer Absicht zu den wahren Faschisten umlackieren wollen. Seine unerklärlicherweise in der Frankfurter Rundschau erschienene Kolumne ist zu hanebüchen, um unkommentiert bleiben zu können. 

Sonntag, 5. Februar 2012

Eine kontrafaktische Übung (2)


Hier, wie versprochen, die Auflösung. Obwohl mindestens ein Leser des Rätsels Lösung bereits gefunden hat. Es handelt sich tatsächlich um die Passage aus Heinrich Manns 'Der Untertan', in der Diederich Heßling als frisch gebackener Doktor der Chemie und Firmenerbe das Regiment in der Papierfabrik seines verstorbenen Vaters übernimmt. Zum leichteren Vergleich führe ich sie hier noch einmal an:

Samstag, 4. Februar 2012

Eine kontrafaktische Übung (1)


Stellen wir uns folgende Situation vor: Ein mittelständisches Unternehmen, welche Branche, spielt für diesen Zusammenhang keine Rolle, erlebt gerade einen Führungswechsel. Sagen wir, der Gründer und Inhaber ist ein halbes Jahr zuvor in hohem Alter verstorben, hat die Führung aber nicht abgegeben, sondern testamentarisch verfügt, dass der Betrieb kommissarisch von dem langjährigen Prokuristen geleitet wird, bis sein Sohn mit dem Studium fertig ist. Jetzt ist es so weit und der Junior tritt zu ersten mal vor die versammelten Mitarbeiter.

Mittwoch, 1. Februar 2012

Rhetorik in Zeiten von Occupy


Ein wenig Nachhilfe für alle, die sich von diesen frechen Occupy-Habenichtsen belästigt fühlen: