Freitag, 30. März 2012

Liberale Wirtschaftskompetenz


Die FDP hat mal wieder geliefert. Diesmal den zirka 11.000 Schlecker-Mitarbeiterinnen, die bundesweit ihren Job verlieren werden. Dass es für sie keine Transfergesellschaften geben wird, ist nicht nur eine soziale, sondern auch eine ökonomische Dummheit erster Güte. Am Ende war es der Widerstand dreier Minister aus den Reihen eines parlamentarisch heillos überrepräsentierten Haufens politisch Amok laufender marktideologischer Radikalinskis, der die Bürgschaften platzen ließ. Man muss nicht erst zigmilliardenschwere Bankenrettungen und Eurorettungsschirme bemühen, mit denen man im liberalen Lager deutlich weniger Probleme hat, um das falsch zu finden.

Donnerstag, 29. März 2012

Versenkt die Titanic!


Wenn es um historische Ereignisse und deren Deutung geht, sind Forderungen nach Schlussstrichen in der Regel problematisch. Eine Ausnahme sehe ich mich jedoch genötigt zu machen:

Können wir die Titanic (den Dampfer, nicht die Zeitschrift) bitte ein für alle mal versenken und auf dem Grund des Atlantiks mitsamt den Toten in Frieden ruhen lassen? Danke!

Sonntag, 25. März 2012

Maschis Märchenstunde


Als vor Jahren Dieter Bohlens Autobiographie auf den Markt kam, da blieb den Sensibleren im Lande, denen, die immer noch der antiquierten Ansicht anhängen, Literatur sei etwas Bereicherndes, Bedeutendes, nur die Bemerkung: Sieh an, für so was werden also Bäume gefällt!

Schon länger tendieren Reiche und Schöne dazu, die Menschheit mit tiefschürfenden Erkenntnissen zu beglücken darüber, wie sie wurden, was sie sind. John D. Rockefeller immerhin schienen seine Grenzen als Autor noch bewusst zu sein und er beauftragte seinerzeit einen Erfolgsschriftsteller damit, einen hagiographischen Huldigungsroman über ihn zu verfassen.

Dienstag, 20. März 2012

What's In A Name

 Die Tierschutzorganisation Peta hat den niedersächischen Spirituosenhersteller Mast-Jägermeister SE aufgerufen, sein wichtigstes Produkt von 'Jägermeister' in 'Waldmeister' umzubenennen. Begründung: Das Image der Jagd sei mittlerweile so schlecht, dass eine Umbenennung zugunsten eines positiv besetzten Heilkrauts viele Kunden in Zukunft davon abhalten könnte, sich von dem Produkt abzuwenden.

Montag, 19. März 2012

Marie Antoinette von Damaskus


Es soll Mütter geben, die ihre Töchter irgendwann beiseite nehmen und ihnen zuraunen: „Kind, sieh zu, dass du einen anständigen Mann kriegst, der dich auch versorgen kann. So ein Hungerleider und Habenichts, das ist doch nichts fürs Leben.“ In so genannten besseren Kreisen führt man in diesem Zusammenhang gern noch die Vokabel 'standesgemäß' im Munde. Oder man greift zu subtileren Mitteln: Entweder, das Töchterlein wildert bei der Partnerwahl in der erwünschten Zielgruppe oder es werden ihr die Annehmlichkeiten, die ein Leben als höhere Tochter so schön sorgenfrei machen, kurzerhand entzogen. Verbunden mit dem Hinweis: „Du musst wissen, was du tust, mein Kind. Wir würden dir natürlich niemals Vorschriften machen.“

Freitag, 16. März 2012

Lasset die Kindlein...


„Sowas kann nur RTL. Nur der Kölner Privatsender wagt es, die perversesten Ausformungen des Neoliberalismus in alle Winkel der Gesellschaft zu blasen und hat sich damit ein publizistisches Monopol in Deutschland gesichert. Jeder Mensch ist ein Produkt, das es zu positionieren gilt.“ (Rabea Weihser)
Man kann zu Sendungen wie Deutschland sucht den Superstar (DSDS) sagen, was man will: Man kann sagen, diese Sendungen transportierten ein diskutables Verständnis von Stars, geschweige denn Superstars. Superstar wird dort nur, wer durch das Stahlbad der Bohlenschen Erniedrigungsmaschinerie gegangen und auch sonst signalisiert, sich bis zum Anschlag verbiegen bzw. verbiegen lassen zu wollen. Man kann sagen, diese Sendungen erhöben es zum Prinzip, Menschen, die teilweise eine problematische Selbstwahrnehmung haben und sich nicht vielleicht nicht so recht wehren können, dem Gespött der Menge preiszugeben. Man kann auch einwenden, in diesen Sendungen werde das neoliberale Selbstausbeutungsgebot absolut gesetzt.

Mittwoch, 14. März 2012

Sensationelle Enthüllung: Werbung lügt!


„Alles kriegen die raus“ - so sagt Hagen Rether in seinem aktuellen Programm 'Liebe'. Zum Beispiel hätten die jetzt rausgekriegt, dass Atomenergie doch nicht so sicher ist, wie immer gedacht.

Aus aktuellem Anlass kann man hinzufügen: Jetzt haben die rausgekriegt, dass viele Lebensmittel, die speziell für Kinder produziert werden, übermäßig hohe Mengen an Zucker enthalten. Skandal! „Profit auf Kosten der Kinder“, tönte die Süddeutsche Zeitung gleich. Um im Rether-Jargon zu bleiben: Hallo? Geht’s noch? Muss erst Foodwatch daherkommen, um uns das zu verklickern, was jedem Menschen, der halbwegs wachen Auges und mit der Fähigkeit des Lesens gesegnet, seit Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten sonnenklar ist bzw. sein müsste?

Montag, 12. März 2012

Mit aller Härte des Gesetzes


Humor ist in Deutschland bekanntlich eine ernste Sache. Ein paar Dinge jedoch gibt es, da versteht der Deutsche überhaupt keinen Spaß. Wenn's um Kinderschänder geht zum Beispiel. So richtig aber rastet er aus, wenn es jemand wagt, sich an seinem liebsten Kind zu vergreifen, dem Auto.

Dem 28-jährigen André H. wurden 102 Autobrandstiftungen nachgewiesen, für die er sich jetzt vor Gericht zu verantworten hat. Außerdem wird ihm gefährliche Körperverletzung vorgeworfen, weil die Flammen in einem Fall auf ein benachbartes Haus übergegriffen haben. Dass der Mann verurteilt und im Rahmen der geltenden Gesetze bestraft werden wird, ist so gut wie sicher und auch selbstverständlich.

Samstag, 10. März 2012

Die Frage aller Fragen...


... (wenn man aus der Provinz kommt)

Es ist wohl eine Erscheinung des fortschreitenden Alters, dass man sich manchmal vorkommt wie Opa, der vom Krieg erzählt. Wer von so was genervt ist, sei gewarnt und möge die nun folgenden Ausführungen tunlichst überspringen. Nicht, dass es noch böse Kommentare gibt.

In Zeiten vor dem Internet, da konnte es passieren, dass man als Kind einer Randständigen Mittelgroßen Ruhrgebietsstadt (R.M.R.) angesichts neuer Dienstleistungen und Angebote, die mit fünf- bis zehnjähriger Verspätung ihren Weg aus den pulsierenden Metropolen der Welt herfanden, zuweilen stand wie der sprichwörtliche Ochs vorm Berg. Man darf sich nicht täuschen lassen: An Rhein und Ruhr wird zwar traditionell sozialdemokratisch gewählt, aber das bedeutet keineswegs, dass hier ein besonders progressiver oder weltoffener Menschenschlag haust. Das Ruhrgebiet ist nur rein zahlenmäßig einer der größten Ballungsräume Europas und sieht nur auf der Karte aus wie Klein-London. In Wirklichkeit handelt es sich um einen notdürftig zusammen getackerten Flickenteppich aus Provinzkaffs.

Freitag, 9. März 2012

Begnadete Dreckschleuder


Der politische Diskurs in vielen US-Medien folgt dem Prinzip: Je mehr es knallt, desto besser. Unterzieht man sich der Mühe, sich mit Einlassungen von Leuten wie Bill 'O Reilly, Rush Limbaugh, Glenn Beck oder Ann Coulter zu befassen, wird schnell klar, dass es längst nicht mehr um Debatte geht im Sinne des Austausches von Meinungen und Argumenten. Diese Leute wähnen sich im Krieg. Es geht um Vernichtung des politischen Gegners und jedes Mittel ist recht. So absurd die Anwürfe erscheinen mögen, die zum Beispiel Fox News nach dem Schrotschussprinzip im Minutentakt auf alles einregnen lässt, was irgendwie links oder unamerikanisch erscheint – es gilt das Prinzip: Irgendwas bleibt immer hängen.

Dienstag, 6. März 2012

Das psychopathische Manifest

Ayn Rands Ideen sind zum Marxismus der neuen Rechten geworden

George Monbiot

Man kann mit einigem Recht sagen, dass es so ziemlich die widerwärtigste Philosophie ist, die die Nachkriegswelt bislang hervorgebracht hat. Selbstsucht, heißt es, ist gut, Altruismus böse, Mitgefühl irrational und zerstörerisch. Die Armen sind selbst schuld, wenn sie sterben, die Reichen hingegen verdienen uneingeschränkte Macht. Wo immer das bisher ausprobiert wurde, ist es katastrophal und mit Pauken und Trompeten daneben gegangen. Trotzdem waren die Thesen der vor dreißig Jahren verstorbenen Ayn Rand noch nie so einflussreich wie heute.

Sonntag, 4. März 2012

Polizei, Humor und Christentum


Man sollte fair bleiben, bei aller Sorge um den Zustand der Zivilgesellschaft und bei aller Sensibilität in Bezug auf Alltagsrassismus. Vor ein paar Tagen wurde ein Kalender der bayerischen Polizeigewerkschaft publik, weil er Darstellungen rassistischer Stereotype enthält. Klickt man sich durch alle Kalenderblätter (was man hier tun kann), so relativiert sich das zum Teil wieder. Die Zeichnungen sind nicht immer witzig, einige sind makaber, politisch nicht korrekt sicher auch, aber von einem vor Alltagsrassismus nur so triefenden Machwerk zu reden, wäre überzogen. Dass das am meisten kritisierte Bild, das einen muskelbepackten Schwarzen zeigt, der gerade abgeführt wird und bestreitet, dass Verdunkelungsgefahr bestehe - haha - klare Reminiszenzen an den Piratenausguck aus Asterix aufweist, macht die Sache nicht einfacher.

Donnerstag, 1. März 2012

Wanderhure, rächend


Beginnen wir mit den schlechten Nachrichten. Die schlechteste zuerst: Dies wird kein Verriss des Films „Die Rache der Wanderhure“ (28.02., Sat 1). Erstens, weil ich ihn nicht gesehen habe und zweitens, weil so was billig wäre. Viele Polizeibeamte, heißt es, seien große Krimi-Fans, weil das, was in den allermeisten Fällen zu sehen und zu lesen sei, mit echter polizeilicher Ermittlungsarbeit nur sehr am Rande zu tun hat. Ähnliches hört man von Ärzten bzw. Krankenschwestern und von Lehrern. Diese Berufsgruppen schätzen Fernsehserien, die in ihrem Metier spielen, vor allem als großen Spaß. Warum sollten Historiker bei entsprechenden Machwerken anders verfahren? So lange niemand ernsthaft behauptet, aus Büchern und Filmen wie denen rund um die mobile Dienstleisterin ließe sich Substanzielles über Alltagsleben und Geschichte des Mittelalters lernen, soll es mir recht sein.