Montag, 30. April 2012

Wie frau es auf die Liste der Belanglosigkeit schafft


Wie schön es doch ist, in einer Leistungsgesellschaft zu leben! Kürzlich veröffentlichte das TIME-Magazin wieder seine alljährliche Liste der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten. Weil man sich bei TIME von jeher bemüht, möglichst wertfrei vorzugehen, also Arbeit Talent und Verdienste zu honorieren, werden nicht nur Politiker und nicht nur die Nice Guys aufgenommen. So finden sich auch in diesem Jahr Sportler wie Lionel Messi, Sängerinnen wie Rhianna und Miesnickel wie Kim-Jong Sun oder Baschar Al-Assad auf der Liste.

Sonntag, 29. April 2012

Betreutes Regieren


Der Teufel, sagt man, sch***e immer auf den dicksten Haufen. Zu meinen Studienzeiten gab es eine pikante Regelung im BAFöG über die Rückzahlung der Leistungen: Diejenigen, die bei Abschluss ihres Studiums die Hälfte der Darlehenssumme sofort zurückzahlen konnten, bekamen den Rest der Summe erlassen. Mit anderen Worten: Wer einen fünfstelligen Betrag flüssig hatte, also nicht gar so bedürftig war, um auf die Zahlungen von Vater Staat wirklich angewiesen zu sein, bekam noch einen ordentlichen Bonus oben drauf.

Freitag, 27. April 2012

Niemand ist völlig unschuldig

Hervorragendes Feature von Ken Jebsen zu Anders Breivik, Medien und vielem mehr aus dem letzten Jahr. Vor ein paar Tagen bereits bei Paulinchen ist allein zu Haus, aber so hörenswert, dass ich mir erlaube, es hier noch einmal einzustellen:



Übrigens, liebe Norweger: Danke, danke, danke!


Mittwoch, 25. April 2012

Sparen, zack, zack!


Ich sollte vorab erwähnen, dass mein volkswirtschaftlicher Sachverstand sich auf Laienniveau bewegt. Daher ist es immer wieder frappierend, wenn Leute denen man eigentlich deutlich mehr diesbezügliches Knowhow unterstellen müsste als mir, sich in einer Weise äußern, dass man ernsthaft an deren Verstand zweifelt.

So meinte jüngst Hans Heinrich Driftmann, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) in einem Brief an Angela Merkel, die jüngsten Bemühungen von Oberstaatskassenwart Schäuble zur Senkung der Neuverschuldung seien nicht ambitioniert genug, ein noch härterer Sparkurs sei vonnöten. Außerdem brauche es weitere Reformen für mehr – und jetzt alle! – Wettbewerbsfähigkeit Der Deutschen Wirtschaft(TM).

Sonntag, 22. April 2012

Samstag, 21. April 2012

Politik ahoi!


Sie sind, öhm, wie soll ich sagen? Sie... sie... Ich hasse dieses PR-Sprech, aber mir fällt einfach keine bessere Formulierung ein. Sie... Ich hasse es wirklich. Sie kommen... würg... Sie kommen einfach authentisch rüber. Puh, jetzt ist es raus. Oder noch platter ausgedrückt: Sie treffen einfach das Lebensgefühl der Zeit. Es ist in vieler Hinsicht sinnvoll, sie mit den Grünen zu vergleichen, denn die konnten das auch einmal von sich behaupten.

Mittwoch, 18. April 2012

Einer von uns


So makaber es klingt, aber vermutlich wäre vieles einfacher, wenn Anders Breivik, wie fast alle Amokläufer der letzten Jahre, durch Kugeln der Polizei getötet worden wäre. Wohl kaum jemand hätte ein Problem damit gehabt und der Mann wäre aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit weitgehend verschwunden. Einfacher wäre es sicher auch, ihn als kranken, durchgeknallten Einzeltäter abzustempeln und ihn somit quasi aus der Gesellschaft auszuschließen.

Sonntag, 15. April 2012

Die Tribute von Panem - eine Ergänzung

Ich kann Stefan Sasses Empfehlung, sich den Film Die Tribute von Panem anzusehen, nur unterstreichen. Ruben Bolling hat allerdings noch ein paar Vorschläge:

Donnerstag, 12. April 2012

Sechs Punkte Vorsprung


Während der ersten Halbzeit an diesem Mittwochabend im April hatte man nicht das Gefühl, dass Bayern München die Mannschaft ist, die Ambitionen hegte, das Tripel zu holen, also neben der deutschen Meisterschaft noch den DFB-Pokal und die Champions League zu gewinnen. Pomadig und ängstlich auftretend, ging der Rekordmeister in der ersten Halbzeit im Dortmunder Angriffswirbel förmlich unter. Nur der legendär katastrophalen Chancenauswertung der Schwarzgelben war es geschuldet, dass es zur Pause im bebenden Westfalenstadion nicht schon 3:0 stand. Mehr als einmal hatte man Stefan Werner Hanschs legendären Verzweiflungsruf auf den Lippen ("Mensch Junge, den musste doch reinmachen!"). Über 70.000 ausflippende Borussen verwandelten die Hütte in etwas, gegen das ein Hexenkessel wie ein buddhistisches Kloster wirkt.

Mittwoch, 11. April 2012

Ein garstig Lied


Die Logik atomarer Kriegführung ist eine eiskalte Logik des Alles oder Nichts. Sie ist so perfid, dass man sich nur ungern mit ihr befassen mag. Nukleare Arsenale werden aufgebaut als Drohkulisse, die möglichst nie zum Einsatz kommen soll. Alle Erfahrung lehrt, dass jede Erfindung irgendwann auch eingesetzt wird, ob es einem passt oder nicht. Dass es für die Menschheit vorerst bei Hiroshima und Nagasaki geblieben ist, ist, so tragisch das war, ein echter Glücksfall. Mit Atomraketen ausgerüstete U-Boote stellen in einschlägigen Szenarien die so genannte Zweitschlagskapazität sicher. Das bedeutet: Auch wenn ein Land bereits vollständig zu strahlendem Feinstaub zerbröselt ist, vermag es durch die im Verborgenen agierenden U-Boote immer noch, dem Gegner einen gleichermaßen vernichtenden Gegenschlag zu verpassen.

Sonntag, 8. April 2012

Osterei des Jahres


Peinlich ist es, wenn Hersteller schnöder Alltagsware diese verbal aufplustern, als handele es sich um edelste Luxusgüter. Man denkt mit Grauen an die unschuldigen Bierbuddeln, die, bei unverändertem Inhalt, die Strunz- und Blähvokabel „premium“ verpasst bekommen haben. Oder, schlimmer noch, jener Nordrhein-Westfälische Flüssigtreibstoff, der vom Erzeuger gar als „premium verum“ feilgeboten wird. Bei Kennern und Liebhabern wahren Gerstensaftes läuft das Zeug normalerweise unter „alkoholhaltiges, limonadenähnliches Erfrischungsgetränk mit dezentem Bieraroma“.

Fieser noch sind Markennamen, die von Produktdesignern erdacht werden, die offenbar an einer speziellen Art des Tourette-Sydroms tragen. Die halten es immer noch für eine Provokation und/oder für irre lustig, bei jeder Gelegenheit Wörter in die Gegend zu trompeten, die umgangssprachlich für den menschlichen Reproduktionsakt oder dazu verwendete Organe benutzt werden. Man nenne mich meinethalben altmodisch, aber Personen, die auf einer meiner Einladungen mit dem Zeug aufkreuzten und sich auch noch witzig vorkämen dabei, müssten dann leider draußen weiter feiern.

Und dann gibt es noch Markennamen, die sind so heillos niedlich und gaga, dass sie selbst gestandenen Mannsbildern noch ein „Och, wie süüüß!“ entlocken können. Oder einen jäh und unversehens in finstere Pubertätsjahre zurück katapultieren, in denen man noch hinter den unverfänglichsten Harmlosigkeiten unter großem Gekicher irgendetwas Schweinisches zu erkennen vermochte. Und genau auf so einen Gegenstand bin ich kürzlich beim Besuch einer Wirtshaustoilette zufällig gestoßen.

Preisfrage des Tages: Was ist ein Bummsinchen? Ein Tipp: Es ist aus Gummi und dient dem Schutz.

Mittwoch, 4. April 2012

Margot H. (85), uneinsichtig


Man soll nie etwas völlig ausschließen, aber es ist schwer vorstellbar, dass Margot Honecker in der ihr verbleibenden Zeit politisch noch irgendwelchen Schaden anrichten wird. Jetzt war in der Dokumentation "Der Sturz" ein Gespräch mit ihr zu sehen, und prompt kommen die moralinsauren Buß- und Ablassprediger angeschissen wie Kai aus der Kiste. Sie bereut ja gar nichts! Nicht die Spur! Frechheit! Verzeihung, aber was erwarten diese Menschen von einer halsstarrigen Greisin, die in dem System, das sie „Unrechtsstaat! Unrechtsstaat!“ zu beraunzen nicht müde werden, einen prima Posten hatte? Dass sie öffentlich in die CDU eintritt? Die große Bekehrung? Ein Wunder?

Sonntag, 1. April 2012

Mein Leben als Eindringling


Interessant, was man als kinderloser Mittvierziger, der normalerweise tagsüber arbeiten muss, auf seine alten Tage noch so alles lernen kann. Mir war klar, dass Frauen sich in den vergangenen Jahrzehnten ihre Freiräume erkämpft haben, teils gegen erheblichen Widerstand: Es gibt Frauenhäuser, Frauenparkplätze, Frauenbeauftragte, Frauensaunen, Frauenschwimmen im Hallenbad und so weiter. Einzig Frauenbuchläden scheinen mir in letzter Zeit ein wenig auf dem absteigenden Ast zu sein. Nicht klar jedoch war mir, dass es, abhängig von der Tageszeit, noch eine ganze Reihe weiterer Frauenrefugien gibt, in die man als Mann besser nicht seinen Fuß setzt, will man nicht von akuten Kastrationsängsten befallen werden.