Freitag, 29. Juni 2012

Verdient ausgeschieden


Vercoacht

Der 2:1-Sieg (2:0) Italiens war verdient und ging völlig in Ordnung. Auf deutscher Seite hätte man sich auch über eine 0:3- oder 0:4-Klatsche nicht beschweren dürfen. Das wiegt umso schwerer, als dass Prandelli taktisch nichts anders gemacht hat als in den Spielen zuvor und die italienische Mannschaft daher im Vorfeld eigentlich gut auszurechnen gewesen ist. Sollten sich beim DFB ein paar Leute mit Ahnung vom Fußball befinden, dann wird Löw sich für seine taktische Einstellung und seine Mannschaftsaufstellung zu Recht einige unangenehme Fragen gefallen lassen müssen. Man bedenke, dass Roy Hodgson mit der spielerisch und taktisch weitgehend überforderten englischen Elf Italien immerhin eine Verlängerung abverlangt hat, indem er ganz simpel eine 4-4-2-Formation gegen eine 4-4-2-Formation hat spielen lassen. Wenn Löw unbedingt mit seiner Aufstellung überraschen wollte, warum nicht von Anfang an mit zwei Spitzen, Reus und Klose, auflaufen? Warum keine Mittelfeldraute mit Özil und Khedira als Vertikalachse? Wieso musste unbedingt der sichtlich nicht fitte Schweinsteiger spielen?

Donnerstag, 28. Juni 2012

GER - ITA: Ausblick - Tipp


Die italienische Nationalmannschaft ist ein Phänomen: Nicht nur, dass mit ihnen bei großen Turnieren fast immer zu rechnen ist, scheinen sie doch auch von Skandalen in der heimischen Seria A völlig unbeeindruckt. Im Gegenteil, je schlimmer Wettskandale, Korruption, zerbröselnde Stadien und Gewaltprobleme der Fans, desto mehr scheint das die Squadra Azzurra zu motivieren.

Mittwoch, 27. Juni 2012

Special women


Anatol Stefanowitsch hat sich vor kurzem mit einer Mailingaktion der Lufthansa für Inhaber von Miles-and-More-Kreditkarten befasst. Es gibt dort den fiktiven Brief einer Ehefrau bzw. Lebenspartnerin zu lesen, die ihrem solventen Miles-and-More-Männe schmusekätzchenmäßig um den Bart geht. Nachdem die imaginäre Schreiberin ihrem Sponsor versichert hat, was für ein toller Hecht er doch sei, streut sie geschickt ein, dass sie unbedingt die so genannte Women's Special Partner Card haben will. Da werde sie nicht nur zu exklusiven Events eingeladen, sondern bekäme auch ein Zweijahres-Gratisabo von nichtssagendem Couchtischballast wie Vogue, myself oder Architectural Digest. Mit den gesammelten Meilen, stellt sie in Aussicht, könne man doch eine gemeinsame Reise nach Paris unternehmen. Unterzeichnet ist der denglische Schmus mit „Deine Special Woman“ nebst einem dicken Lippenstiftschmatzer.

Samstag, 23. Juni 2012

Der Mittelschichtspießer...


… fühlt sich grundsätzlich bedroht und braucht daher immer jemanden, auf den er seine Ängste projizieren kann. Willig lässt er sich aufhetzen von Medien, Lobbyisten und Bekannten. Fühlt er sich überlegen und sicher, dann drischt er kräftig drauf. Er blickt nämlich durch und zählt sich zu den Gebildeten. Ungewissheiten sind ihm ein Graus. Es muss immer Klarheit herrschen im Leben. Er hält sich auch für einen lupenreinen Demokraten. Er findet, jeder hat das Recht auf seine Meinung, aber alles hat Grenzen. Wenn einer eine völlig abgefahrene Meinung hat, die ihm fremd ist, dann hat der Typ jegliches Recht auf Respekt verwirkt. Ist halt seine Meinung. Auf die hat er ein Anrecht.

Freitag, 22. Juni 2012

GER - GRE: Rückblick - Ausblick - Tipp


Rückblick

Die Griechen haben sich in der Vorrunde als die Defensiv- und Konterkünstler erwiesen, als die sie 2004 von allen unerwartet Europameister geworden sind. Während der Gruppenphase haben sie sich nie aus der Ruhe bringen lassen und eine optimale Chancenauswertung gezeigt. Das unterscheidet sie von der deutschen Mannschaft, die eher offensiv aufgestellt was und etliche Chancen vergab. Wer seine Chancen nicht verwertet, bekommt irgendwann die Quittung, heißt eine alte Fußballweishei und das Beispiel Holland zeigt, dass da etwas dran ist. Weil sehr defensive Gegner in der Regel äußerst konterstark sind, war die deutsche Mannschaft auch gut beraten, eher vorsichtig vorzugehen und nicht zu versuchen, Tempofußball zu spielen.

Dienstag, 19. Juni 2012

Wenn das dumme Volk sich erdreistet zu sprechen


Sie werden es schon irgendwie zu ihren Gunsten zu drehen wissen. Münchens Bürgerinnen und Bürger haben sich in einem Volksentscheid klar gegen den Bau einer dritten Start- und Landebahn des Münchner Flughafens ausgesprochen. Durch dieses Ergebnis ist die Stadt München als Mitgesellschafter gezwungen, gegen den Bau zu stimmen.

Pikant daran ist, dass noch nicht einmal die Betroffenen selbst abgestimmt haben, also die Anwohner des Flughafens, der meilenweit außerhalb der Stadt liegt und dass den Befürwortern die millionenschwere finanzielle Unterstützung der Münchner Flughafen GmbH nichts genützt hat.

Sonntag, 17. Juni 2012

GER - DEN: Rückblick - Ausblick - Tipp


Rückblick

Das in weiten Teilen überzeugende 2:0 gegen die Niederlande ist nicht allein durch die spielerische Klasse der deutschen Mannschaft entstanden, die sich im Gegensatz zum ersten Spiel gegen Portugal sichtbar steigern konnte. Genau so wichtig waren eklatante Schwächen und Nachlässigkeiten der Niederländer. Die niederländische Mannschaft ist neben der spanischen die mit den meisten Superstars europäischer Topclubs in ihren Reihen und hat bisher im ganzen Turnierverlauf enttäuscht. Vor allem die schlampige Abwehrarbeit kam einem Stürmertyp wie Mario Gomez entgegen. Zwischen der zwanzigsten und siebzigsten Minute konnte der Eindruck aufkommen, dass Oranje eigentlich keinen Bock mehr auf Fußball mehr hatte und das Spielen weitgehend einstellte. Dass die Niederländer in den letzten zwanzig Minuten dann besser ins Spiel fanden, lag nicht nur an ihrer offensiveren Ausrichtung durch die Hereinnahme von Huntelaar, sondern auch daran, dass die deutsche Mannschaft das Tempo heraus nahm und den Vorsprung nach Hause schaukeln wollte. Das ist bei einem Turnier an sich vernünftig, nur ließ leider die Konzentration ein wenig nach, sodass das zu einer gefährlichen Sache wurde.

Freitag, 15. Juni 2012

Tut Buße, all ihr Glückssüchtigen!


Das Skript der Rede, das ihm das Präsidialamt an die Hand gegeben hatte, war professionell gemacht und ausgewogen. Eine typische Jubiläumsrede eben. Sie soll die Stimmung heben und möglichst niemandem weh tun, möglichst viele sollen sie unterschreiben können. Dann jedoch wich Bundespräsident Gauck von seinem Skript ab und improvisierte von sich aus jenen Satz hinein, der seit dem 12. Juni mit Recht so viel Staub aufgewirbelt hat.

Mittwoch, 13. Juni 2012

GER - NED: Rückblick - Ausblick - Tipp


Rückblick

Für den oberflächlichen Zuschauer war am Samstag der Fall klar: Ein müdes Gewürge mit glücklichem 1:0-Ausgang. Nur durch die Mitte, mehr Glück als Verstand, die deutschen Rumpelfußballer sind zurück. Laaangweilig! So kann das nicht weiter gehen, da durfte man mehr erwarten und so weiter. Wenn Löw hinterher meinte, es sei ein taktisch gutes Spiel gewesen, dann mit Recht. Der Mann ist, im Gegensatz zu einigen seiner Vorgänger, kein Dummschwätzer. Denn aus taktischer Sicht lieferte das Spiel mindestens drei wichtige Einsichten.

Montag, 11. Juni 2012

Dickie und der fliegende Teppich


Zum allerersten Mal konnte einem Dirk Niebel, im Hauptberuf Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, fast sympathisch sein. Er wirkte plötzlich so menschlich, so normal. Fast wie der frühverrentete Bergmann von nebenan. "Hömma, du hass' doch den Kombi mit der großen Ladefläche und muss' morgen nach Herne, habbich gehört. Kannich da mal der Omma ihren Teppich mit bei packen? Den krieg ich nämlich in meine Karre nich' rein." So heißt das bei uns im Ruhrgebiet. Wenn der Typ einigermaßen in Ordnung ist, dann würde kaum ein Nachbar diese Bitte ohne guten Grund abschlagen.

Samstag, 9. Juni 2012

Vorschau und Tipp für heute abend


Die Teams: Deutschland

ZonalMarking, Nestor der Fußball-Blogger, hat sich festgelegt: Deutschland ist Top-Favorit auf den Titel. Das schmeichelt zwar und der Mann versteht eine Menge mehr vom Fußball als ich, aber trotzdem habe ich Bauchschmerzen. Grund: Die mehr als wacklige Verteidigung. Zwar ist Phillip Lahm immer noch ein herausragender linker Außenverteidiger, vielleicht einer der besten der Welt, aber in der Innenverteidigung rappelt es gewaltig. Der in der Bundesliga überragende Mats Hummels hat bislang enttäuscht und der erfahrene Mertesacker hat in letzter Zeit außer seiner Erfahrung nicht viel vorzuweisen gehabt. Überhaupt, die Dortmunder. Dass Löw mit ihrem Einsatz vorsichtig ist und lieber auf die Bayern setzt, ist verständlich, denn die BVB-Spieler haben bisher im Nationaltrikot nicht das gezeigt, was ihre Leistung in der Liga versprochen hat.

Freitag, 8. Juni 2012

Zitat des Tages


"Die negativen Kräfte in den USA ärgern sich über das europäische Sozialsystem. All die Finanzverbrecher, die für die Crashs und Blasen verantwortlich sind und nicht vor Gericht gestellt wurden – diese Leute haben eine Sklavenhaltermentalität und wollen, dass die Amerikaner und die Europäer ihre Sklaven sind. Darum mögen sie China so, denn die chinesische Diktatur hat Sklaven"
(Robert Thurman im taz-Interview



Donnerstag, 7. Juni 2012

Scheißrotgold


Wenn man es nicht ins Stadion schafft, dann ist Fußball gucken per TV am schönsten in einem überschaubaren Kreis netter, nicht allzu fanatischer Menschen, von denen zumindest einige ein wenig Ahnung von und Liebe zu dem haben, was da auf dem Rasen abgeht. Fachsimpeln und Diskutieren gehören zum Fußball wie Bratwurst und Bier. Daher kann man das bei entsprechendem Wetter verbinden mit einer kleinen Grillparty, das eine oder andere Fässchen Gerstengebräus dazu. Auf keinen Fall jedoch: Fahnen, Schminke und andere lächerliche Devotionalien. Hymnengesinge mit aufstehen ist erst recht verpönt. Zu prägend ist die Erinnerung an die Siebziger, an die Breitners und Netzers, die während des Einigkeitundfreizeit-Songs vor den Augen der Welt demonstrativ Kaugummi kauten.

Montag, 4. Juni 2012

Die Super-Hartzer


Man muss sich wirklich wundern, was einer Bevölkerungsgruppe, die gern als arbeitsscheu und nicht vermittelbar geschmäht wird, so alles an Fähigkeiten zugetraut wird. Alle paar Monate kommt irgendjemand mit einem kreativen Vorschlag um die Ecke, als was man Hartz-IV-Bezieher so alles einsetzen bzw. zu was man sie alles umschulen könnte. Von Schneeschippen über Hilfslehrer und Pflegearbeiten war so ziemlich alles dabei. Der jüngste Vorschlag aus dem Hause von der Leyen lautet: Machen wir doch Erzieher aus ihnen! Klar, man befürchtet, dass mit dem Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz ab 2013 eine Klagewelle bei den Sozialgerichten dräut, weil man sich an verantwortlicher Stelle offenbar gedacht hat, das Problem löse sich durch konsequentes Nichtbeachten von allein.

Freitag, 1. Juni 2012

Gouvernanten XXL


Es war zu befürchten. Nachdem man die Raucher weitestgehend aus dem öffentlichen Leben geschurigelt hat – sicher, ein paar Nischen gibt es noch, aber die werden auch in meinem Bundesland demnächst vermauert – beginnt man jetzt ernsthaft damit, den Übergewichtigen in ihr Leben hineinzuregieren. New Yorks Bürgermeister Bloomberg, der vor zehn Jahren eines der schärfsten Antirauch-Gesetze durchgedrückt hat, geht dem Übergewicht ans Leder und will als erstes den Verkauf so genannter XXL-Softdrinks verbieten. Damit sind Getränke in 1-Liter-Bechern in der Gastronomie gemeint.