Donnerstag, 30. August 2012

Brain Farts, 30.08.2012


Info-Elite geschockt

Oh weh, oh weh, jetzt ist es amtlich: Unser schönes deutsches Jobwunder, es ist vorbei! Sogar der Focus, das Zentralorgan der Deppen- pardon: Info-Elite kann die neuesten Zahlen nicht mehr leugnen. Was soll nur werden? Wo Deutschland doch so gut durch die Krise gekommen ist! Wo jeder, der nur wollte, Arbeit finden konnte! Wo die Nicht-Info-Elite doch in Saus und Braus lebte mit ihren Leiharbeits-, Mini- und Aufstockerjobs! Sollte das jetzt alles etwa zu Ende sein? Unfassbar!

Nachtrag: Dazu passt auch sehr schön diese SPON-Meldung. "Deutsche Exporte in Krisenländer brechen ein" - nein, wirklich? Wie kommt das denn? Das hat doch nun wirklich niemand ahnen können, so was. Was meldet die Brandstwiete eigentlich als nächstes? Dass es nachts kälter ist als draußen? Dass es dunkel wird, wenn man das Licht ausmacht?

Montag, 27. August 2012

Wer hat's erfunden?


Nun hat Apple den Prozess gegen Samsung um die angebliche Erfindung des Smartphones fürs Erste gewonnen und die Koreaner müssen ordentlich zahlen. Und das, obwohl der Richterin zwischendurch Zweifel kamen, ob alle plädierenden Anwälte immer clean waren. Apple hat sich als geniale Erfinderschmiede inszeniert, deren brillante technische Innovationen von Konkurrenten schamlos kopiert worden seien. Schaut man sich einmal an, was Apple seit dem Weggang des genialen Tüftlers Steve Wozniak eigentlich an technischen Entwicklungen hervorgebracht bzw. nicht hervorgebracht hat, dann fällt die Bilanz überraschend mager aus:

Samstag, 25. August 2012

Böser Blasentee


Ja, richtig, Bubble Tea ist pappsüß, sieht in der Regel aus, als käme er von einem anderen Planeten, enthält angeblich doppelt so viele Kalorien wie Cola und kleine Kinder könnten an den Kügelchen ersticken. Also ganz böse. Nun bin ich kein manischer Kalorienzähler, aber der Gedanke, dass man sich mit einem Becher mal eben 500 davon reinpfeift, ist auch mir nicht wirklich sympathisch. Ich selbst bin eh wenig gefährdet, weil ich mir nicht viel aus Süßigkeiten mache und auch ein Problem mit als Getränken feilgebotenen Chemiecocktails aller Art habe. Das war übrigens nicht immer so: Als Kind gab es für mich nichts Schöneres als diese aus Pulver angerührten Erfrischungsgetränke. Wenn da 'Orange' draufstand, dann konnte man davon ausgehen, dass er engste Kontakt, den das Zeug mit Orangen hatte, darin bestand, bei der Anlieferung im Supermarkt an einer Steige Orangen vorbei getragen worden zu sein. Diese Vorliebe hat sich, wie gesagt, gründlich ausgewachsen.

Mittwoch, 22. August 2012

Das Leben der anderen


„If you need a role model, you are a dick.“ (Charlie Brooker)

Normalerweise interessiert mich Promiklatschkram ungefähr so sehr wie der sprichwörtliche Sack Reis in China. Manchmal aber stolpert man über etwas, das einen doch stutzen lässt. Es hatte meine Aufmerksamkeit erregt, dass die immer noch wunderbare Jodie Foster sich mit einem wütenden Artikel schützend vor ihre junge Kollegin Kristen Stewart gestellt hat. Dort meint sie, hätte man sich, als sie Anfang zwanzig gewesen sei, derart in ihr Privatleben eingemischt, wie das jetzt im Fall Stewarts passiere, sie die Schauspielerei sofort an den Nagel gehängt hätte. Was war geschehen?

Montag, 20. August 2012

Der Chronistenpflicht wegen


"The song is simply saying that all this state-controlled religious stuff is bullshit. It's interesting that these disgraceful sentiments would have represented, until recently, the official Communist party view of religion." (Carol Rumens)
Viel ist geschrieben und kommentiert worden über das Urteil gegen die drei Mitglieder von Pussy Riot, die für ihre Performance in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale zu zwei Jahren Arbeitslager abzüglich der sechs Monate Untersuchungshaft verurteilt wurden. Nur war der inkriminierte Text meines Wissens nach noch nirgends vollständig zu lesen. Die Dichterin und Literaturwissenschaftlerin Carol Rumens hat im Guardian ihre Übersetzung des Punk Poem veröffentlicht und erläutert. Zwar handelt es sich ihrer Meinung nach nicht um große Kunst im ästhetischen Sinne und auch Vergleiche mit Josef Brodsky seien ziemlich weit hergeholt, doch sei es pure, rotzige und kraftvolle Protestlyrik.

Samstag, 18. August 2012

Ein Arschloch namens Sommer

Endlich, endlich bekommen die Sommerfans noch ihren Willen. Jetzt, der August neigt sich fast dem Ende, erreichen die Temperaturen die von so vielen glühend herbei gesehnten Backofendimensionen. Das andauernde Genöle über den einigermaßen verregneten Sommer, das die Sonnenanbeter in einem fort anstimmten, war wirklich nicht mehr zum Aushalten. Och Menno, es ist Sommer und voll am regnen. Kann das Wetter nicht mal so sein, wie ich will?

Donnerstag, 16. August 2012

Was ist grün und... ?


Werder Bremen war für die neue Bundesligasaison auf der Suche nach einem Trikotsponsor und ist mit Wiesenhof, Deutschlands größtem Geflügelzüchter und -verarbeiter, handelseinig geworden. Die Spieler in grün müffeln also von nun an nicht mehr nach Fisch, wie ihnen gern von gegnerischen Fans vorgeworfen wird. Sogleich regte sich nicht nur unter Werder-Fans eine Protest gegen den Deal mit dem Konzern, dem unter anderem Tierquälerei vorgeworfen wird: Massentierhaltung, bäh! Unhaltbare Zustände, wie kann man nur? Oh cool, gleich mal auf Fratzbuch bei der entsprechenden Online-Petition auf 'gefällt mir!' klicken.

Dienstag, 14. August 2012

Quält euch!


Die Kulturpessimisten blicken mal wieder voll durch: Die geringer als erwartet ausgefallene deutsche Medaillenausbeute bei den am Sonntag zu Ende gegangenen Olympischen Spielen sei darauf zurückzuführen, dass wir Deutschen nicht mehr bereit seien, uns zu quälen, es fehle uns am letzten Quentchen Siegeswillen. Silber dürfe nicht das neue Gold sein. Und weil Sport der Spiegel der Gesellschaft sei, stehe es schlimm um Deutschland. So entfuhr es Michael Backhaus in der BamS in schöner Verleugnung dessen, was den Olympischen Geist irgendwann einmal ausgemacht hat.

Samstag, 11. August 2012

Leistungsträger im Schwimmbad


Die frühe Morgenstunde, so ab sieben, ist im Freibad die Zeit der rüstigen Rentner. Die ziehen dort, unabhängig vom Wetter und immer in der gleichen Besetzung, Morgen für Morgen auf der gleichen Bahn ihr Pensum herunter. Käme Mitte August ein arktischer Kälteeinbruch, der Treibeis brächte, es störte sie nicht weiter. Und Gott möge dem Eindringling gnädig sein, der es wagt, einfach so eine der Bahnen zu okkupieren, die seit Jahren fest vergeben sind. Der seit Jahrtausenden bewährten Rammtaktik sei Dank, wird er bald seinen letzten Armzug getan haben. Normalerweise ist das alles aber kein Problem für einen ausgemachten Langschläfer, weil einfach zu früh. Außerdem verdient so viel Selbstdisziplin und Zähigkeit, aller Schrulligkeit zum Trotze, unbedingt Respekt.

Mittwoch, 8. August 2012

Romeo und Julia in braun


Wenn unsere Gegner sagen: 'Ja, wir haben euch doch früher die Freiheit der Meinung zugebilligt.' - Ja, ihr uns! Das ist doch kein Beweis, daß wir das euch auch tun sollen. Daß Ihr das uns gegeben habt, das ist ja ein Beweis, wie dumm ihr seid." (Joseph Goebbels am 4.12.1935)
Die äußeren Umstände des Falls der Ruderin Nadja Drygalla sind bekannt: Als herauskam, dass Drygalla mit Michael Fischer liiert ist, der 2011 in Mecklenburg-Vorpommern für die NPD zur Wahl angetreten ist, verließ sie letzte Woche nach einem Gespräch mit Michael Vesper, Chef de Mission der deutschen Mannschaft, das Olympische Dorf und reiste aus London ab.

Seitdem ist das Geschrei groß: Wie kann man es wagen, die arme Frau wegen einer reinen Privatsache derart zu drangsalieren? Es gehe schließlich niemanden etwas an, mit wem sie zusammen sei. Das sei üble Gesinnungsschnüffelei, Sippenhaft und Rufmord. Unerträglich! Alarm, Meinungsfreiheit und Demokratie in Gefahr! Einige entblöden sich noch nicht einmal, diese Episode hochzustilisieren zu einer Art Romeo und Julia in braun. In der Art von: Hach, das arme Mädchen, dem das Recht beschnitten wird, den Mann ihres Herzens zu lieben! Gehts noch oder tut es sehr weh?

Montag, 6. August 2012

Feudalismus 2.0


Technische Neuerungen, heißt es immer noch, machten uns grundsätzlich freier und  entlasteten uns von stupider Arbeit. Wer da zu widersprechen wagt, gilt schnell als piesepömpliger Bedenkenträger. Natürlich möchte kaum jemand die Möglichkeiten noch missen, die zum Beispiel das Internet in puncto Kommunikation und Information bietet. Doch wäre es schlicht töricht, nicht auch über den Preis zu reden, den das hat. So wird oft geschrieben und diskutiert, dass die Grenzen zwischen öffentlich bzw. beruflich und privat immer mehr verschwömmen. Mitarbeiter müssen via E-Mail und Handy rund um die Uhr erreichbar sein, auch im Urlaub, und Millionen exponieren sich bereitwillig via facebook und Co einer wachsenden Öffentlichkeit.

Donnerstag, 2. August 2012

Die Mär von der Schere im Kopf


"Seit 2008 wird zurück geritten!", so entfuhr es ARD-Sportkommentator Carsten Sostmeier angesichts des Goldmedaillengewinns der deutschen Vielseitigkeitsreiter in London. Hintergrund war, dass die deutsche Equipe 2008 in Peking durch einen umstrittenen Protest der Gegner auf dem zweiten Platz gelandet war und nun die verdiente Revanche bekommen hätte. Der rhetorische Herrenreiter musste ziemliche Kritik einstecken für seinen Adolf-Rekurs und sich öffentlich entschuldigen. In dem Trubel ist übrigens die nicht minder geschmacklose Äußerung Sostmeiers untergegangen, die heimtückischen Briten und Franzosen hätten "uns" 2008 die schöne Goldmedaille am grünen Tisch mit fiesen sportrechtlichen Winkelzügen schmählich entrissen. Zu "heimtückischen Welschen" und zum "perfiden Albion" ist es da nicht mehr weit. Man braucht Sostmeier noch nicht einmal rechtes Gedankengut zu unterstellen. Vermutlich kam er sich einfach nur irre witzig vor.