Freitag, 30. November 2012

Sauber, NRW!


Nicht einmal die hartnäckigsten Raucher werden noch ernsthaft bestreiten, dass Rauchen gesundheitsschädlich ist. Was Passivrauchen angeht, sieht die Sache wohl etwas anders aus, aber dieses Fass muss man hier nicht aufmachen. Zu respektieren ist, dass eine Mehrheit es offensichtlich lästig bis widerlich findet, zugequalmt zu werden, egal ob wegen gesundheitlicher Aspekte oder einfach nur, weil die Kleidung hinterher mieft. Ich hasse es, Menschen unnötig zur Last zu fallen und schätze zivilisiertes Verhalten sehr. Daher war auch mir als Raucher die Idee nie wirklich unsympathisch, dass in Räumen, in denen man nicht die Wahl hat, ob man sich darin aufhalten will oder nicht, gefälligst nicht gequarzt wird, auch wenn das vielleicht eine Einschränkung meiner persönlichen Freiheit bedeutet. So habe ich nicht den leisesten Protest erhoben, als das Rauchen in öffentlichen Gebäuden und in Restaurants verboten wurde.

Mittwoch, 28. November 2012

Gewolltes Staatsversagen


Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen, so lautet eine alte Weisheit. Sascha Adameks und Kim Ottos Buch 'Schön reich – Steuern zahlen die anderen' fiel mir in der Stadtbibliothek meines Vertrauens in die Hände. Es ist eines dieser Bücher, die keine großen intellektuellen Mühen bereiten, die aber deswegen alles andere als entspannend sind. Man liest es in einem durch, mit von Seite zu Seite weiter steigender Wut, weil man eigentlich nicht glauben möchte, was man da liest. Klar, man hatte immer geahnt, dass irgendwas schief läuft mit den Steuern. Hin und wieder fliegt ja auch mal was auf, aber damit hatte man dann doch nicht gerechnet. Adamek und Otto zeigen anhand von Fallbeispielen, wie es um die Steuermoral im Lande tatsächlich bestellt ist. Wann immer man geneigt ist, schwach zu werden und der Deutschland-geht-es-gut-Propaganda doch auf den Leim zu gehen, empfiehlt es sich, dieses Buch zur Hand zu nehmen. Als lohnbesteuerter Arbeitnehmer hat man vor Kopfschütteln bald einen steifen Nacken.

Montag, 26. November 2012

Ein Nicht-Vorbild tritt ab


Deutschland, Anfang der Neunziger. Der Kater wegen der Wiedervereinigung hatte noch nicht richtig eingesetzt und im Fußball dünkte man sich auf Jahrzehnte unbesiegbar. Eines jedoch trübte für nicht wenige das Glück: Seit Jahrzehnten hatte das Autoland Deutschland keinen siegreichen Formel-1-Fahrer mehr hervorgebracht. 1992 trat ein junger Mann aus Kerpen namens Michael Schumacher an, das gründlich zu ändern. Am Ende war Schumacher von 1994 bis 2004 insgesamt sieben Mal Weltmeister geworden.: So drückend war zwischenzeitlich seine Dominanz, so häufig seine Start-Ziel-Siege, dass auch die wahrlich nicht auf den Mund gefallenen Plaudertaschen von RTL ihre liebe Mühe hatten, dem durch ihn sterbenslangweilig gewordenen sonntäglichen Gekarre wenigstens ein Minimum an Spannung anzuquatschen.

Samstag, 24. November 2012

Grundsätzliches über das 'Freigeben' von Artikeln


Heute Vormittag erreichte mich zum wiederholten Male per Mail die Anfrage eines kommerziell arbeitenden Verlages, mit der Bitte, einen hier erschienenen Artikel für die Veröffentlichung auf ihrer Webseite und in ihrem Magazin "freizugeben". Mit anderen Worten: Man hätte gern einen Artikel von mir geschenkt, um dann in gewerblichem Rahmen damit Gewinne zu erwirtschaften. Wobei "freigeben" genau so ein anderes Wort für "schenken" ist wie: "Zehn Überstunden pro Monat sind bei uns inklusive."

Freitag, 23. November 2012

If we could turn back time


Ruben Bolling alias Tom The Dancing Bug befasst sich mit der interessanten Frage, was passieren würde, wenn Barack Obama einer Zeitmaschine entstiege und im Jahr 1960 einer amerikanischen Durchschnittsfamilie seine Sozialpolitik erklären würde. Das ist umso anregender, wenn man bedenkt, dass es genau das Amerika ist, das konservative Hardliner wie der genannte Bill O'Reilly immer wieder beschwören. (Klicken zum vergrößern)

Mittwoch, 21. November 2012

Ich hab' ne Zwiebel aufm Kopf...


Cem Gülay und Helmut Kuhn haben ihrem Buch, das Interviews mit in Deutschland lebenden Migranten enthält, den hammermäßigen Titel 'Kein Döner Land' verpasst. Na, haben das alle gecheckt? 'Kein Döner Land'! Harr harr, Spitzenwortwitz! Um weiteren sprachlichen Belästigungen solcher Art vorzubeugen, melde ich hiermit Titelschutz an für:

Montag, 19. November 2012

Grenzerfahrungen in der Konsumgesellschaft (2)


Kürzlich wurde hier schon einmal berichtet über Situationen, die auch den erfahrenen Konsumbürger an seinem Verstand zweifeln lassen. Natürlich hält auch die schillernde Welt der Mode diesbezüglich so einiges parat. Denn es ist doch ein Ärger mit den Alten, Armen, Hässlichen und Dicken. Man will einfach nur ganz entspannt jung, reich, schön und in sein, und überall treiben sie sich herum, das Auge beleidigend. Die Welt ist voll von unansehnlichen, faltigen Fattys, die einem durch ihre bloße Anwesenheit ein schlechtes Gewissen machen. Bestimmt sind sie nur neidisch, denn in einer Tour jammern sie herum, weniger vom Leben zu haben als die jungen, schönen Richtigmacher. Werden solche Neidhammel auch noch politisch, dann sind es meistens Sozialisten, die einem den schönen, hart erarbeiteten Wohlstand mit Gewalt abzunehmen trachten.

Freitag, 16. November 2012

Der Scheinheilige


Es mag wohlfeil klingen, aber Xavier Naidoo ist mir schon immer auf den Sack gegangen. Nicht, weil die Musik, die er macht, überhaupt nicht meine Welt ist. So was ist Geschmackssache und nur piefige Kleingeister würden daraus eine Riesennummer machen. Seine Herkunft oder gar seine Hautfarbe sind mir erst recht egal. Nein, mein Problem war immer sein missionarischer Eifer und diese leicht weinerliche, gesalbte Laienprediger-Attitüde, in der er erst alles krank betet, um es anschließend wieder gesund zu beten. Dass sich hinter dieser frommen Fassade ein Mensch mit schlichtem, aber teils reaktionärem Weltbild verbirgt, hat er jetzt im Duett mit seinem Kollegen Kool Savas unter dem Namen Xavas bewiesen.

Dienstag, 13. November 2012

Heimliche Machtübernahme, nächster Schritt


Na, heute schon besorgter Bürger gewesen und rechtschaffen Angst gehabt vor dem Islam, der unseren Kirchen die Kreuze abschlagen und durch Halbmonde ersetzen will? Anfänger! Oder vorm Chinesen, der hier alles aufkaufen will? Laaangweilig! Vor Scientology? Gääähn! Vor dem Ende der Welt am 21.12.? Lächerlich und außerdem total 2011! Nein, wahre Paranoia-Profis sollten sich viel eher Sorgen machen über eine andere Gruppierung, die seit einigen Jahren heimlich, still und leise dabei ist, diese Republik nach und nach zu übernehmen, und zwar auf die freundliche Tour. Alle Atheisten und Agnostiker, die naiverweise - haha - geglaubt haben, dieses Land bewege sich auf direktem Wege in die fröhliche Gottlosigkeit, sollten angesichts einiger beunruhigender Entwicklungen in letzter Zeit lieber noch einmal genauer hinsehen.

Donnerstag, 8. November 2012

Mehr Michelin-Männchen


Wem ein wenig an gutem Essen gelegen ist, wem es also nicht egal ist, was man selbst und Gevatter Mitmensch sich so tagtäglich durch die Futterluke schleust, müsste eigentlich hocherfreut sein über diese Nachricht: Wir sind endgültig im Gourmet-Himmel angekommen. 37, in Worten siebenunddreißig, neue Michelin-Sterne haben Deutschlands Weißmützen sich im letzten Jahr zusammengebrutzelt. Hurra! Deutschland ist nicht nur Exportweltmeister und im Fußball wieder wer, sondern endlich auch auf Augenhöhe mit den Mekkas des Genusses. Die Welt beneidet uns mal wieder. Hach, sind wir jetzt endlich alle ganz sinnliche Genussmenschen? Nö. Zumindest nicht mehr als vorher. Denn die Meldung ist nichts weiter als ein Beleg für nichtssagenden Stimmungsjournalismus.

Montag, 5. November 2012

Mit Blindheit geschlagen


Eltern, die aus ihren Kindern anständige Menschen machen wollen, versuchen den Kleinen in der Regel auch beizubringen, dass sie Fehler eingestehen sollen. Wer Mist gebaut hat, möge gefälligst das Rückgrat haben, dazu zu stehen und sich zu entschuldigen. Weil alle Menschen früher oder später einmal daneben greifen im Leben, ist das nur menschlich und man kommt meist glimpflicher davon, als wenn man versucht, das mit einem stetig wachsenden Lügengebäude zu vertuschen. Das erweist sich auch im späteren Leben nicht nur als anständiges, sondern meist auch als kluges Vorgehen, auch wenn es oft Mut erfordert.

Samstag, 3. November 2012

Perfect Storm


Rein betriebswirtschaftlich gesehen, gehört ein zuverlässig funktionierender Katastrophenschutz sicher zu den ineffizientesten Dingen, die ein Gemeinwesen sich leisten kann. Technik, Fahrzeuge, Infrastruktur müssen flächendeckend vorgehalten und permanent instand gehalten werden. Zahlreiche hauptamtliche Mitarbeiter müssen ausgebildet und bezahlt, ein Heer von Ehrenamtlichen muss in Bereitschaft gehalten und immer wieder geschult werden. Das alles in der Hoffnung, dass der ganze teure Apparat am besten nie zum Einsatz kommt. So ein Gedanke und der, dass in einem staatlich organisierten Katastrophenschutzsystem nicht wenige von der Allgemeinheit Bezahlte lange Zeit einfach nur Wache schieben, also nicht wirklich arbeiten in dem Sinne, dass sie etwas Zähl- und Verkaufbares produzieren, muss eingefleischten neoliberalen Effizienzfetischisten unerträglich sein. Funktionierte ein Staat wie ein privatwirtschaftliches Unternehmen, wie es aus einigen Köpfen nicht herauszubekommen ist, dann müsste der gesamte Katastrophenschutz eigentlich gestrichen werden. Totes Kapital nennen knallharte Sanierer so was und setzen im Geiste den Rotstift an.