Montag, 31. Dezember 2012

Lasst es knallen!


Klar, Silvesterknallerei ist, wie vieles andere, eine komplett unvernünftige und verrückte Sache. Laut, gefährlich und natürlich teuer. Kinder und viele Haustiere haben Angst. Die Argumente der Vernünftigen sind mal wieder sehr stichhaltig. Abgesehen von einem einzigen Aspekt: Wenn es  Menschen noch nicht einmal mehr in Maßen erlaubt ist, dann und wann etwas Verrücktes zu tun, dann kann man das, was man als Zivilisation oder Kultur bezeichnet – was immer das im Einzelnen sein mag – getrost vergessen.

Freitag, 28. Dezember 2012

In eigener Sache - Entschuldigung!


Einigen wird es vielleicht aufgefallen sein: Die Kommentardichte scheint in den letzten vier Wochen erheblich abgenommen zu haben. Das ist nicht so, im Gegenteil: Es wurde sogar recht fleißig kommentiert. Seit einiger Zeit werde ich aber in höherem Maße mit englischsprachigen Spam-Kommentaren belästigt. Das ist insofern kein Problem, weil der Spamfilter diesen nichtssagenden Kram in der Regel zuverlässig in die entsprechende Schublade befördert.

Donnerstag, 27. Dezember 2012

Gewollt, nicht gekonnt


Wie sich an Tobi Baumanns 'Zwei Weihnachtsmänner' (2008) das Elend deutschen Komödienschaffens studieren lässt.

So was kann vorkommen in diesen Tagen: Nach einem guten Essen in froher Runde schlägt jemand vor, noch eine DVD zu schauen. Aus drei Gründen habe ich nicht protestiert, als der 2008 zuerst auf SAT 1 ausgestrahlte Zweiteiler 'Zwei Weihnachtsmänner' eingeschoben wurde: Erstens mochte ich nicht immer nein sagen, zweitens war es länger her, dass ich mir aktuelleres Komisches aus deutschen Landen in Spielfilmlänge angetan habe und drittens hasse ich Vorurteile. Wozu auch das gehört, dass das Buch über deutschen Humor zu den dünnsten der Welt gehöre. Zudem auch sonst einiges für den Film spricht: Die Hauptrollen spielen Christoph Maria Herbst und Bastian Pastewka, die beide was können und sich in der Regel für allzu plumpen Schenkelklopf-Humor zu schade sind. Das Drehbuch ist von Tommy Jaud, dessen Roman 'Millionär' ich zwischendurch zur Seite legen musste, weil ich vor Lachen nicht weiterlesen konnte. Alles in allem keine schlechten Voraussetzungen. Der Film dauert zwei Mal neunzig Minuten. Nach einer halben Stunde musste ich gegen den Schlaf ankämpfen.

Montag, 24. Dezember 2012

Schöne Feiertage!


(Eigentlich wollte ich hier aus gegebenem Anlass Erich Kästners Gedicht 'Weihnachtslied, chemisch gereinigt' in voller Länge einstellen. Weil Kästner 1974 gestorben ist, liegen die Rechte noch bis 2044 bei den Erben. Die sollen angeblich nicht zimperlich sein, bei Urheberrechtsverletzungen ihre Anwälte in Marsch zu setzen. Weil ich keinen Wert lege auf verspätete Weihnachtsgeschenke in Form von Abmahnungen und auch keine Lust habe, einen wissenschaftlichen Essay zu verfassen, in dessen Zusammenhang ich es dann zitiere, sei allen, die das Gedicht nicht kennen sollten, empfohlen, den Titel zu googeln - es lässt sich leicht finden.)

Ansonsten, egal, ob religiös oder nicht, ob nun gefeiert wird oder nur ein wenig Pause gemacht, wünsche ich allen Lesern, Kritikern, Mitbloggern und Kommentatoren ein paar entspannte Tage. Man liest sich nach den Feiertagen. Cheers!


Freitag, 21. Dezember 2012

Endlich wird durchgegriffen


Endlich, endlich greift mal jemand durch. Endlich macht jemand mal ernst damit, den Sumpf der Korruption in diesem Land trocken zu legen. Einer muss ja schließlich damit anfangen. Dieser Lorbeerkranz gebührt der Hamburger Stadtreinigung. Die hat nämlich jetzt in einer internen Broschüre klar gestellt, dass Müllfahrer nur Geschenke von Kunden annehmen dürften, wenn diese eindeutig als Werbeartikel erkennbar seien bzw. sie einen Wert von zwei Euro nicht überstiegen. Das gilt ausnahmslos. Nur zu Weihnachten – man ist ja kein Unmensch, nicht wahr? – wurde das Limit auf einen Wert von zehn Euro angehoben. Aber nur dann, "wenn das Zurückweisen der Zuwendung als Unhöflichkeit anzusehen ist.", heißt es weiter.

Mittwoch, 19. Dezember 2012

Mein Unwort 2012


Machen wir einmal eine kleine Rechnung auf: Angenommen, ein heute Sechundzwanzigjähriger hat etwas geschafft, das immer weniger Menschen hierzulande gelingt: Er befindet sich in einem unbefristeten Vollzeit-Beschäftigungsverhältnis. Nehmen wir weiter großzügigerweise an, er verdient dort zehn Euro die Stunde, also deutlich mehr als die vorgeschlagenen gesetzlichen Mindestlöhne. Bei einer tariflichen monatlichen Arbeitszeit von, sagen wir, 160-165 Stunden macht das am Monatsende 1.600-1.650 € brutto. Bei Steuerklasse 1 bleiben davon nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben etwa 1.100-1.160 € netto übrig.

Sonntag, 16. Dezember 2012

Praktisches Geschenkelexikon, A-Z


Es lässt sich nicht mehr übersehen: Der Geburtstag des Religionsstifters naht wieder einmal mit Riesenschritten. Willkommen also zum alljährlichen Weihnachts-Service der Fliegenden Bretter. Nachdem hier letztes Jahr der Versuch unternommen wurde, die vielen rätselhaften Phänomene zu erklären, die allüberall gegen Ende des Jahres gehäuft auftreten, geht es diesmal einen Schritt weiter. Wir wenden uns nämlich einem der wichtigsten Aspekte des ganzen Trubels zu: Dem Schenken.

Bei Kindern ab einem gewissen Alter tut man gut daran, sich an ihre Wuschzettel zu halten, wenn einem der häusliche Frieden lieb ist. Schwieriger wird es schon, wenn man sich für Erwachsene etwas Passendes ausdenken muss. Nun transportieren Geschenke bekanntlich immer auch Botschaften über den Schenkenden selbst und was er so vom Beschenkten hält. Dadurch kann so eine Veranstaltung leicht heikel werden. Hunderttausende von Polizeieinsätzen während der Feiertage wegen häuslicher Gewalt sprechen da eine deutliche Sprache.


Weil zudem inzwischen nicht mehr nur innerhalb der Familie und der Verwandtschaft geschenkt wird, sondern immer öfter auch unter Freunden und Bekannten, steigt damit auch die Dichte an potenziellen Fettnäpfchen geradezu exponentiell an. Um schlimmerem vorzubeugen, sollen daher hier, wie immer in praktischer A-Z-Reihenfolge, die mehr oder minder versteckten kleinen Botschaften aufgeschlüsselt werden, die die häufigsten Geschenke so mit sich bringen.

Samstag, 15. Dezember 2012

Politik per Panikmache


Eine alte Weisheit der Machtpolitik geht in etwa so: Will man ein Volk wirklich beherrschen, dann muss man ihm Angst machen, ihm das Gefühl geben, bedroht zu sein. Dann lassen sich auch die absurdesten Präventions- und Überwachungsmaßnahmen als leider, leider notwendiges Übel verkaufen. Und viele machen inzwischen brav mit. Wir sind geradezu besessen von Prävention. Um unserer biologischen Uhr um jeden Preis ein paar zusätzliche Jahre abzuringen, sind wir bereit, auch noch die absurdesten Dinge widerspruchslos zu schlucken. Das muss nicht auf Politik beschränkt sein.

Dienstag, 11. Dezember 2012

Opel ist, wenn man fliegt


Man könnte nostalgisch werden. Im Ruhrgebiet war es früher unter Lehrlingen in der Montanindustrie Pflicht, am 18. Geburtstag gefälligst mit dem eigenen Auto zur Arbeit zu kommen. Bekam man das, aus welchen Gründen auch immer, nicht auf die Reihe, hatte man ein Imageproblem bei den Kollegen. Die Fertigung in Bochum hat mit dazu beigetragen, dass Opel ab den 1960ern zu den Lieblingsmarke junger und alter Malocher gehörte. Einfache Technik für einfache Leute, so lautete das Motto und man fuhr gut damit. Wer es im vom Zechensterben gebeutelten Revier geschafft hatte, bei Opel in Bochum unterzukommen und sich nicht völlig dumm anstellte, musste sich um sein Auskommen keine Sorgen mehr machen. Das ist schon länger vorbei. 2016 ist endgültig Schluss.

Samstag, 8. Dezember 2012

Sofa-Ralle und Voodoo-Wolfi


Einst waren es die langhaarigen Gammler, über die Volkes Stimme sich empörte. Erstmalzumfriseur! Sollnerstmalwasarbeiten!, Sollendochnachdrübengehen!, oder auch: Abinslager! - So schnarrte es früher im Befehlston unter dicken Hornbrillen und grünen Fasanenfederhütchen hervor. Heute haben bekanntlich Sozialschmarotzer die Rolle des Sündenbocks eingenommen. Jetzt hat Deutschlands meistgelesene Tagespostille endlich wieder einen dreistesten Hartz-IV-Abzocker gefunden, der untätig in der sozialen Hängematte liegt und gegen den sich die Fraktionen "Ich bin was Besseres als der, weil ich mich wenigstens für sechs Euro die Stunde ausbeuten lasse" und "Warum ich so einen mit durchfüttern" so trefflich aufhetzen lassen. Nach Florida-Rolf und Arno Dübel hat man Sofa-Ralle aufgetrieben und prompt als propagandistisch nutzbaren Aufreger in Frau Maischbergers Talkbude verfrachtet.

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Bye, bye, Doc!


House: „Wenn ich es genieße, das Leben zu hassen, dann hasse ich es nicht, sondern genieße es.“
Was immer man über Arztserien sagen kann, 'Dr. House' war anders. Zwar hat es in Literatur, Film und Fernsehen immer wieder Ärzte gegeben, die heimlich zur Flasche griffen, familiäre Probleme hatten oder sich am Medikamentenschrank bedienten, doch so ein körperliches wie seelisches Wrack wie Gregory House (Hugh Laurie) war noch nie da. Selbst ein hinkender Schmerzensmann, von starken Medikamenten abhängig und am Rande des Alkoholismus entlang balancierend, scherte er sich meist nicht um die menschliche Seite seiner Fälle. Zu seinem Credo gehörte: Neben weißen Kitteln werden Patientengespräche allgemein überschätzt, weil jeder Mensch lügt. Ärzte sind da, um Krankheiten zu heilen und nicht Menschen. Und Händchenhalten hat noch niemanden je wieder gesund gemacht.

Montag, 3. Dezember 2012

Sex nervs!


Mit Ausnahme des mit Kunstanspruch aufgeplusterten Pirelli-Kalenders, waren Erotik-Kalender mit mehr oder minder leicht bekleideten jungen Frauen traditionell eher etwas für die Innenseiten von Spindtüren und die Wände von Autowerkstätten. Seit Nigel Coles Filmkomödie Kalender Girls von 2003 ist hingegen nichts mehr so wie es einmal war. In dem Film sagt sich bekanntlich eine Runde gereifter Damen aus einer englischen Kleinstadt: Was Pirelli kann, das können wir auch. Die Ladys beschließen daraufhin, sich für einen Kalender in erotischen Posen fotografieren zu lassen und den Verkaufserlös einem guten Zweck zukommen zu lassen. Das war zweifellos eine witzige Idee. Hartnäckig hält sich das Gerücht, die Werbeindustrie sei eine kreative Branche. Dass das offensichtlich ein Gerücht, ist, lässt sich leicht daran erkennen, dass  der größte Teil der Branche ist den lieben langen Tag mit nichts anderem beschäftigt scheint, als erfolgreiche Ideen irgendwo abzukupfern.