Mittwoch, 23. Januar 2013

Danke, Runic!


Wie es auch geht

Von meinem Hang zu Computerspielerei ist nicht allzuviel übrig geblieben. Als ich irgendwann unter die Erwerbstätigen fiel, wurde Freizeit plötzlich kostbar und die Zockerei ließ nach. Ab einem gewissen Alter bezahlt man eine am Rechner durchdaddelte Nacht nun einmal damit, den nächsten Tag zum größten Teil abhaken zu können. Zu den letzten Computerspielen, die ich dennoch mit Freude und Ausdauer gespielt habe, gehörte vor Jahren Diablo 2. Keine Kleinigkeit, wenn man bedenkt, dass ich mir normalerweise weder etwas aus Fantasy noch aus Rollenspielen mache. Es war ein Riesenspaß, bis in die Puppen durch neue Welten zu streifen, Quests zu lösen, diverse Charaktere mit neuen Waffen und Fähigkeiten aufzurüsten und dabei natürlich massenhaft Monster platt zu machen. Das Ding entfaltete einen ungeheuren Sog: Dieses eine Dungeon noch, dieser eine Bossgegner noch! Was? Schon drei Uhr morgens? Mist!

Kein Wunder also, dass ich aufhorchte, als im letzten Frühjahr angekündigt wurde, jetzt endlich, nach zig Jahren, werde doch noch Diablo 3 erscheinen. Am Erscheinungstag war ich zufällig in London und sah bei diversen normal besuchten Läden die Plakate im Fenster hängen. (Nein, ich will mich nicht dicke tun mit Weitgereistsein, finde es aber nebenbei der Erwähnung wert, dass auch in dieser nicht ganz kleinen Stadt von kampierenden Fans und kilometerlangen Warteschlangen vor den Geschäften nichts zu sehen war – das nur am Rande.) Ich fand knapp 50 Pfund Sterling deutlich zu viel und überredete mich dazu, den ersten Hype erst einmal abzuwarten. Schließlich zahlen nur hibbelige Fanboys, die sich nicht beherrschen können und nicht wissen, was Vorfreude ist, den vollen Preis für so was. Außerdem hat man sich so lange Zeit gelassen mit Teil drei, dass es auf die paar Monate auch nicht mehr ankommen würde, dachte ich. Zurück auf dem Kontinent, erwies meine Zurückhaltung sich als richtig: Abgesehen davon, dass die Retail-Version monatelang vergriffen war, erfuhr ich nach und nach etliche Details, die mir ganz und gar nicht gefielen.

Beim Diablo-Entwickler Blizzard hat man, womöglich angestachelt durch den Erfolg der World Of Warcraft-Reihe, einen permanenten Online-Zwang in Diablo 3 eingebaut. Auch wenn man nur als Einzelspieler unterwegs sein will, muss man sich am Server anmelden. Zwar betrifft mich das in der Regel nicht, aber, wenn man mal irgendwo zocken will, wo es kein W-LAN gibt, hat man Pech. Zudem sollen gerade zu Anfang die Server permanent überlastet gewesen sein, sodass es zum Beispiel am Wochenende kaum möglich gewesen sein soll, sich einzuloggen. Der freundliche Verkäufer in einem Spieleladen erzählte noch zwei Monate nach Erscheinen, dass er sich am Wochenende kaum anmelden konnte.

Ferner ist es verboten, seinem Charakter einen Namen zu geben, der die guten Sitten gefährdet. Hallo? Zwar kann ich verstehen, wenn man das bei einem Multiplayer-Spiel irgendwie reglementiert, denn keinem ist gedient, wenn die Online-Welten voll sind mit Millionen von Hitlers, Stalins und selbsternannten Sexbestien. Zudem handelt es sich um eine amerikanische Produktion und dort nehmen Minderjährige bekanntlich schweren Schaden, wenn sie ein schmutziges Wort lesen müssen oder eine Zehntelsekunde lang dem Anblick einer unbedeckten weiblichen Brust ausgesetzt sind. Aber wenn man nur als Einzelspieler losziehen will? Was soll das? Man mag mich anspruchsvoll finden oder vielleicht altmodisch, aber warum darf ich als volljähriger Mensch, der für ein Produkt satte sechzig Schleifen hinlegt, nicht dann spielen, wann ich will und auch meinen Charakter nicht nach eigenem Gusto benennen? Spätestens an dem Punkt war ich bedient und meine Motivation, jene sechzig Schleifen von meinem Budget abzuzweigen, bei null angelangt.

Böse Piraten, böse! (via thebuzzmedia)

Was also tun, frug ich mich, wenn's doch mal wieder im Mausfinger jucken sollte? Die antike Diablo 2-Box rauskramen, sich mit inferiorer Grafik und Fensteransicht bei 800 mal 600 Pixeln abfinden? Böh, wir hatten 2012! Rettung kam in Form eines Artikels in der taz über ein Game namens Torchlight 2. Dort hieß es, das Teil sei das bessere Diablo 3: Zeitgemäße Grafik, comichafter Stil mit Steampunk-Elementen, kein Online-Zwang und vor allem auf Spaß getrimmt. Ich beschloss, mir die Sache bei meinem nächsten Besuch eines entsprechenden Geschäfts einmal anzusehen. Ein paar Tage später traute ich meinen Augen kaum: Die Vollversion kostete gerade einmal 20 Euronen. Zwanzig! Kein Haken dabei!, versprach die Verpackung. Das behagte mir schon eher. Die Installation verlief problemlos, ich musste die Kopie einmal anonym online registrieren und fertig. Danach muss zum Start des Spiels noch nicht einmal die DVD im Laufwerk rotieren. Kein Getrickse mit kostenpflichtigen Extra-Downloads, einfach 'Start' geklickt und losgelegt, ob allein oder im Netz. Die Grafik ist vielleicht nicht High End, aber mehr als ansprechend. Was das Gameplay angeht, wird sich jeder sofort heimisch fühlen, der mit Diablo 2 zurecht gekommen ist. Und das alles für nen Zwanni. So muss das sein.

Aus der Unterzeile des Blogtitels geht hervor, dass hier nicht immer nur gemoppert, sondern auch lobend hervorgehoben werden soll, wenn etwas ausnahmsweise einmal wirklich gut ist. Normalerweise wird hier auch keine Werbung gemacht. In diesem Fall gestatte ich mir jedoch eine Ausnahme. Also: Das unbedingt zu lobende Torchlight-Entwicklungsstudio Runic Games, interessanterweise übrigens von ehemaligen Diablo-Entwicklern gegründet, zeigt, wie es auch gehen kann und wie man ganz nebenbei auch Softwarepiraterie eindämmt: Haltet eure Kunden nicht allesamt für kriminell, macht ihnen ein faires Angebot zum fairen Preis, den viele sich leisten können und behandelt sie nicht wie die Kleinkinder. Wer seine Freude an Diablo 2 hatte und keinen Wert darauf legt, Teil eines hippen Phänomens zu sein, sondern einfach nur ein wenig höllischen Rollenspielspaß wie in alten Zeiten in zeitgemäßer Aufmachung möchte, dem sei Torchlight 2 hiermit wärmstens ans Herz gelegt.



Kommentare :

  1. Verrätst Du uns jetzt auch noch, wie alt Du bist?

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  2. Torchlight 2 macht wirklich Spass. Es ist kurzweilig und man findet schnell einen Einstieg. Für zwischendurch echt zu empfehlen.

    P:S: Gibt es einen Grund, warum ich nicht mehr in Deiner Blogroll bin?

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    1. Wie käme ich dazu? Bist du doch. Einfach auf "alle anzeigen" klicken. Die Blogroll wurde irgendwann unübersichtlich lang, sodass ich sie geteilt habe (steht übrigens auch in den FAQs ;-))

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  3. Dat habsch übersehen, das kleine "alle anzeigen"...Du hast FAQ´s!? Soso ;-)

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    1. Nicht ganz zu Unrecht, wie mir scheint... ;-)

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