Sonntag, 6. Januar 2013

Dreikönigstheater


Wenn man die Berichterstattung über das heurige Dreikönigskrippenspiel der FDP auch nur flüchtig überfliegt, wird schnell deutlich, womit es bei diesem Laden so hapert. Wenn eine Partei über Jahre hinweg in Umfragen und bei Wahlen dermaßen gestutzt und zerrupft wird wie diese angeblich liberale Gurkentruppe (nicht meine Worte!), dann würde für jede andere Partei irgendwann der Punkt kommen, in sich zu gehen, das Undenkbare zu denken und sich die Frage zu stellen, ob es nicht eventuell – horribile dictu! – auch an einem selbst liegen könnte, wenn nicht einmal mehr Mutti so recht mit einem spielen will.

Was ist dagegen von der gelben Sternsingerriege zu vernehmen? Neben Selbstmitleid und Gejammer über die ach so unfaire Kritik, vor allem, dass man unerschütterlich der Meinung ist, Recht zu haben. Sie scheinen offenbar immer noch zu glauben, Freiheit meine vor allem wirtschaftliche Freiheit und daher würden weitere Privatisierung, Entsolidarisierung, weitere Schwächung staatlicher Institutionen und immer neue Steuererleichterungen irgendwann den Weg ebnen in ein lilaliberales Wirtschaftswunderlalaland. Sie klammern sich an ihre aufgeblasenen Nichtvisionen und hohlen Nullphrasen von der Freiheit wie der Ertrinkende an das Treibholz. Wer so in einer Blase lebt, hält es auch für völlig normal, von der eigenen Regierung in Auftrag gegebene Armutsberichte zu frisieren. Denkmuster, in denen die Welt so zurecht gebogen wird, dass sie zum eigenen Weltbild passt, bezeichnet die Politologie normalerweise als Ideologie.

Halt, stopp, ich habe mich geirrt! Wie konnte ich nur so dumm sein? Bitte weiter so, liebe FDP! Ihr habt natürlich Recht: Ihr seid die einzig Guten. Ohne eure starke liberale Stimme würde die Welt in den Sozialismus sinken und schon ganz bald würden wir alle Einheitskleidung tragen und in den Staub sinken vor Kim Jong-un und Fidel Castro. Bleibt euch also bitte treu und lasst euch bloß nichts einreden mit sozialer werden, Gerechtigkeit oder gar Selbstkritik. Denn wenn ihr das tätet, dann bestünde am Ende wirklich die Gefahr, dass ihr es im Herbst wieder in den Bundestag schafft. Und das wollen 96 Prozent der Wahlberechtigten wirklich nicht.


Kommentare :

  1. Ja, aber die Märkte? Was werden denn die Märkte sagen?

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  2. Es erkrankt der Markt, am neoliberalen Gesinnungsgut systemischer Sichtweisen, welche am praktischen Dilemma einer FDP selber scheitern.

    Lieber gar nicht produzieren, als nicht rentabel genug.

    Fast schon mystisch.

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    1. Colgate-Palmolive macht vor wie's geht. Die sehr gut gehende und beständig profitable Produktion von GABA in Lörrach wird demnächst dichtgemacht, weil man in Polen billiger produzieren kann. Die Umsatzrendite war den Eigentümern wohl nicht hoch genug. In Lörrach und Therwil bleibt ein bisschen Verwaltung und Logistik. Lieber gar nicht produzieren, als nicht rentabel genug.

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  3. Wohl eher die drei Affen als drei Könige...

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    1. Aber drei Affen mit umgekehrten Vorzeichen: Nicht "nichts hören, nichts sehen, nichts sagen" sondern das Gegenteil. Gerade sagen tun sie ja derzeit sehr viel, vor allem Unschönes übereinander.

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