Freitag, 8. März 2013

Compte a'la fille de la lait


Mal ganz blöd gerechnet und gefragt

In verschiedenen Medien war in den letzten Tagen zu lesen, dass acht Jahre nach Einführung von Hartz IV dafür insgesamt 355 Milliarden Euro ausgegeben worden sind. Woah! In Zahlen notiert sind das:

355.000.000.000,00 €

Teilt man das einfach durch acht, ergibt das durchschnittliche jährliche Kosten von:

44.375.000.000,00 €

Das sind in Worten: Vierundvierzig Milliarden und dreihunderfünfundsiebzig Millionen. Das ist natürlich nicht wenig. Schaut man sich allerdings andere Zahlen an, dann relativiert sich das erheblich. Hier eine Grafik, die die jährliche Steuerhinterziehung in Milliarden Euro veranschaulicht:



Eine zweite Grafik, die die Steuerhinterziehung nicht in absoluten Zahlen, sondern in Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) angibt:

Quelle: gegenblende.de
Angemerkt werden muss hierzu, dass die den Diagrammen zugrundeliegende Schätzung eine eher vorsichtige ist und - man korrigiere mich gegebenenfalls bitte entsprechend - dass es sich bei der Universität Utrecht vermutlich nicht um einen linksradikalen Thinktank handelt. Sicher sind Teile der hinterzogenen Steuern auf Schwarzarbeit zurückzuführen. Der Rest dürfte hingegen auf das Konto von Leuten gehen, die überhaupt nicht in der Position sind, großartig zu schummeln. Also dürften Klein- und Normalverdiener, deren Einkommensteuer monatlich an das zuständige Finanzamt abgeführt wird, eher nicht zu den Verdächtigen gehören.

Machen wir also eine kleine Milchmädchenrechnung (no sexism intended!): Wenn die Summe der in Deutschland hinterzogenen Steuern im Jahr 2010 sich auf 65 Milliarden Euro belief, entsprach das etwas mehr als 2,5 Prozent des BIP. Greift man dann zum Taschenrechner (einem wissenschaftlichen, ein normaler spuckt nur Error aus), weil Zahlen schließlich nicht lügen, gell?, so entsprachen die durchschnittlichen Aufwändungen für Hartz IV im Jahr 2010 in Höhe von gut 44 Milliarden etwas mehr als 1,7 Prozent des BIP.

Jetzt mal ganz blöd und bar jeder ökonomischen Kenntnis gefragt: Wenn Hartz IV so eine riesige Belastung für uns alle sein soll, warum ist Steuerhinterziehung es dann nicht oder wird so gern heruntergespielt bzw. deren Verfolgung für müßig erklärt? Müssten Steuerhinterzieher nicht mindestens mit der gleichen Eifer durchleuchtet und sanktioniert werden wie Sozialbetrüger? Und noch was: Ist es nicht so, dass die Hartz-IV-Kohle die Volkswirtschaft eigentlich ankurbelt, weil sie vollständig in den Wirtschaftskreislauf fließt, während zumindest Teile der hinterzogenen Steuern eher dem Wirtschaftskreislauf entzogen werden, weil sie meist im Ausland geparkt werden? Und ist es nicht schließlich sogar so, dass Teile der Hartz-IV-Mittel verwendet werden, um Arbeitgeber zu subventionieren, die ihren Beschäftigten so niedrige Löhne zahlen, dass die Aufstockung beantragen müssen?

Aber so fragt und rechnet natürlich nur, wer über keinerlei ökonomischen Sachverstand verfügt, verstehe schon.

Kommentare :

  1. Ja, völlig sachverstandsfreie Fragestellung, das ist der klassische Vergleich von Äpfeln mit Birnen im Quadrat.

    Jeder weiß doch, mit Sozialhilfeempfängern kann man's machen. Die sind in aller Regel nicht qualifiziert, sich groß zu wehren. Und wenn sie's wären, hätten sie immer noch kein Geld und keine Connections, ohne die sowas eher aussichtsarm ist.

    Steuerhinterzieher dagegen, gerade die großen, haben Geld, Connections und Sachverstand im Überfluss. Und wenn man sie allzu hart angeht, verlegen sie ihren Tätigkeitsschwerpunkt eben in die Schweiz oder nach Monte Carlo oder wo man das hart erarbeitete Geld ohne Einmischung kleinlicher Finanzbeamter sonst genießen kann, wie die Milch-Müllers, die Tennnis-Beckers und wie sie alle heißen. Dann müssen die ihre Steuern nichtmal mehr hinterziehen, sondern fahren ganz legal schwarz. Und um solche Leute nicht zu vergraulen fährt denen so leicht keiner an den Karren. Schon ein bisschen traurig, das.

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  2. Ja, ich finde auch, daß diese Frage nur von völliger ökonomischer Unkenntnis zeugt. Hättest Du mehr ökonomische Kompetenz, würdest Du auch riesige Kohlebatzen nach Hause schleppen. Und wenn Du richtig Schotter nach Hause bringen würdest, würdest Du selber sehen, wie Du kräftig die Steuern hinterziehen könntest. Und wenn Du selber kräftig Steuern hinterziehst, würdest Du auch verstehen, warum Steuerhinterziehung eigentlich gar nicht so wahnsinnig schlimm ist. Sondern eher so eine Art freiheitlicher Notwehr... ;)

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    1. Eben, denn wer würde freiwillig seinen hart erarbeiteten Schotter irgendwelchen sozialschmarotzenden Unterschichtfernsehkuckern in die Pommeskasse schmeißen? Da ist man ja geradezu moralisch verpflichtet, die eigene Steuerleistung so niedrig wie möglich zu halten, damit man denen nicht mehr als unbedingt vermeidbar zahlt! Sollen halt kuchen essen, ähm, wollte sagen: selbst arbeiten, die faulen Säcke!

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    2. Warum beschließen wir kein neues Gesetz: ab einem Privatvermögen von 1 Million Euro muss man keine Steuern und keine Sozialabgaben mehr entrichten. Ach stimmt...gibts ja heute schon. Man braucht nur den richtigen Steuerberater.

      Reiche müssen geschont werden! Schließlich haben sie ihren Reichtum NUR durch ihre eigene Arbeit, ihren eigenen Fleiß und ihre eigene Leistung erwirtschaftet...

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    3. Nein, epikur, das mit dem eigenen Fleiß kann nicht der Grund sein, Reiche zu schonen. Schon weil dann die ganzen verdienten Erben hinten vom Pferd fallen würden, das ganze gute alte Geld.

      Man muss die Reichen vielmehr schonen, weil sie sonst bald nicht mehr reich wären. Dann hätten sie kein Geld mehr für Mäzenatentum. Kultur und so. Die Galerien würden leerstehen, Baden Baden würde verslummen, auf dem Opernball die Musik vom Band kommen. Und das kann ja in niemandes Interesse sein.

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  3. Ich glaube, hier werden wirklich Äpfel und Birnen verglichen. Denn es geht in der Statistik um steuerhinterzogenes Vermögen, also um Gelder, die nicht versteuert werden. Da auf diese Beträge ja nicht 100% Steuern anfallen, ist der Schaden für die Volkswirtschaft bemerkenswert geringer. Dass es sich deswegen um einen kleineren Skandal handelt, will ich jetzt nicht schreiben, denn es bleibt die selbe unverschämte Vorgehensweise, wie Reiche den Staat schädigen, dennoch könnte man, würde Steuerhinterziehung vollständig verhindert, davon nicht die Kosten von Hartz 4 decken.

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    1. Ein interessanter Einwand, vielen Dank. Ich habe die Frage per Mail an die Redaktion der Nachdenkseiten weitergegeben und hoffe, dass die Zeit dafür haben, mir zu antworten. Sollte ich falsch gelegen haben, dann wird es selbstverständlich eine entsprechende Gegendarstellung geben.

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