Sonntag, 31. März 2013

Osterbotschaft der Weisen



Ist es Zufall? Ein Ostermirakel gar? Jedenfalls ist es frappierend, dass Papst Franziskus und Christoph Schmidt, einer der so genannten Wirtschaftsweisen, in einem zentralen Punkt einer Meinung sind. Schmidt, im Hauptberuf Professor an der Universität Duisburg-Essen, ist nämlich wie sein neurömischer Mitweiser der Ansicht, Egoismus, Habsucht und Gier nach schnellem Profit seien die größten Geißeln der Menschheit. Und so erteilte Schmidt ganz im päpstlichem Geiste der Habgier eine klare Absage. Na ja, nicht der von allen, sondern zunächst derjenigen von Arbeitnehmern. Denn er meinte, ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde, wie er von SPD und Grünen gefordert wird, sei deutlich zu hoch.

Die wichtigste Qualifikation, über die ein so genannter Wirtschaftsweiser verfügen muss, ist offenbar die, bei jeder sich bietenden Gelegenheit darauf hinzuweisen, dieses oder jenes, was Gewerkschaften/Sozialdemokraten/Linke vorschlagen, koste Arbeitsplätze. Ein gesetzlicher Mindestlohn von 8.50 Euro ergibt bei 170 Stunden Arbeit im Monat einen Bruttolohn von 1.445 Euro. Einem Alleinstehenden mit Steuerklasse 1 bleiben davon nach Anzug von Steuern und Sozialabgaben zirka 1.000 Euro netto übrig. Wer weiß, welche Mieten in Großstädten so fällig sind, kann sich leicht ausrechnen, wie viel dann noch bleibt, um zum Beispiel eine private Altersvorsorge aufzubauen.

Wie wird man das eigentlich, Wirtschaftsweiser? Wie man Papst wird, ist jüngst ja wieder in Erinnerung gerufen worden: Man muss vom Kardinalskollegium mit Zweidrittelmehrheit gewählt werden. Aber Wirtschaftsweiser? Neben der Weisheit, dass alles, wovon Arbeitnehmer profitieren könnten, im Zweifel Arbeitsplätze kostet, scheint eine kommode C3- oder C4-Professur Voraussetzung zu sein. Die garantiert einem jedenfalls, niemals im Leben in die Verlegenheit zu kommen, von einem Mindestlohn leben zu müssen.


Kommentare :

  1. Der christliche Glaube muss durch eine alternative Religiosität ersetzt werden. Es gibt keinen (jenseitigen) allmächtigen Gott. Sondern in der Natur gibt es Dinge, die dem Menschen ewig verborgen sind. Mehr dazu auf meinem Blog (bitte auf meinen Nick klicken).

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  2. Man könnte es ja als eine Art mental-spirituelles Joint Venture bezeichnen. Die Weisheit wie man Arme macht, weiß auch wie man sie weise erhält. Und der neue Papst betet schließlich dafür. Was sie dann ob göttlichem Sägens frohlocken und die Klappe halten lässt.( Dass die Kirche ihr materielles Betriebskapital evtl. tatsächlich unter Arme verteilen könnte, ist eher weniger zu erwarten.) Aber man hat Weise und Päpste, welche für die Armen beten, ohne das sich etwas ändert.

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  3. Ist so eine von (nicht allen) Christen gerne praktizierte Eigenart , sich querzustellen , wenn es um die Beseitigung von Armut gehen könnte , aber dann immer mit einer warmen Decke und noch wärmeren Worten zur Stelle zu sein , um die Folgen zu "mildern".

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