Montag, 22. April 2013

Der Patriarch, ertappt


Am Ende der Saison 2011/12 muss der Frust groß gewesen sein beim FC Bayern München. Nicht nur hatte man in der Bundesliga zum zweiten Mal hintereinander gegen Borussia Dortmund den kürzeren gezogen, auch im Pokal wurde man von den schwarzgelben Ruhrpöttlern regelrecht vorgeführt. Als Krönung des Elends verlor man noch das Champions-League-Finale gegen Chelsea im heimischen Stadion. Umso bitterer, dass ein Heimfinale in der Champions League eine Chance ist, die man normalerweise nur einmal im Leben bekommt. Als Uli Hoeneß‘ Blutdruck nach dieser schwarzen Serie wieder im halbwegs normalen Bereich angekommen war, kündigte er eine Investitionsoffensive an.
 
Man muss Hoeneß und dem FC Bayern attestieren, seitdem etliches richtig gemacht zu haben. Die Dominanz der Bayern war in dieser Saison so erdrückend wie noch nie und hat sie so frühzeitig wie nie zum deutschen Meister gemacht. Sie stehen im Finale des DFB-Pokals, wo man gegen Stuttgart beste Chancen hat. Auch wenn der FC Barcelona ein echter Prüfstein sein wird, sind auch die Aussichten auf die europäische Krone nicht schlecht. Mag sein, vielleicht braucht es ja wirklich impulsive Energiebolzen vom Schlage eines Uli Hoeneß, um dauerhaft so weit oben mitzuspielen. Selbstzufriedenheit und Trägheit jedenfalls dürften bei den Bayern unter seiner Führung unbekannt sein.

Angesichts dieser rosigen Aussichten passte es natürlich überhaupt nicht in den Kram, dass der cholerische Patriarch von der Säbener Straße sich selbst wegen Steuerhinterziehung angezeigt hat, wie letzte Woche herausgekommen ist. Egal, wie das Verfahren ausgehen wird, darf man sich schon jetzt auf viel Kreatives freuen, das die Fans der gegnerischen Mannschaften sich für die Auswärtsspiele der Bayern wohl überlegen werden. Eines aber nervt an der Berichterstattung über den Fall Hoeneß schon jetzt gewaltig: Das andauernde Hervorheben und Abfeiern seines sozialen Gewissens. Wenn sich die Vorwürfe gegen ihn als begründet herausstellen sollten, dann wird davon nicht viel übrig bleiben. Denn auch ein noch so generös sich gebender Steuerhinterzieher entzieht dem Staat letztlich Geld, das für Infrastruktur, Beamtengehälter, Schwimmbäder, Schulen, Soziales und vieles andere dringend benötigt wird.  

Dass Teile der Presse ihn jetzt wegen seiner sozialen Ader zum großen Wohltäter, zu einer Art Sankt Martin der deutschen Dickverdiener hochjubeln wollen, ist lachhaft. Hoeneß war nie ein Heiliger, er war nach dem Ende seiner Profikarriere immer in erster Linie Geschäftsmann und immer wieder eckte er mit seinem arroganten Gehabe außer bei Bayern-Fans so ziemlich überall an. Dass man sich in den letzten Jahren nicht mehr so arg an ihm rieb, lag zum einen daran, dass Bayern München unter seiner Ägide unleugbar erfolgreich ist und man sich zum anderen irgendwie an ihn und seine Poltereien gewöhnt hat.

Es ist hier an anderer Stelle schon einmal gesagt worden: Uli Hoeneß wirkte immer wie der seltsame neureiche Onkel, der auf Familienfeiern allen auf die Nerven geht mit seinem Geprahle und seinen unlustigen, zotigen Witzen und der versucht, sich mit Geldgeschenken Zuneigung zu kaufen. Das Problem war nie, dass Hoeneß erfolgreich war. Das Problem, war die Art in der er andauernd darüber redete. Zudem man das Ganze durchaus anders sehen kann. Großzügigkeit und soziales Engagement lässt sich auch als Freunderlwirtschaft und System von Abhängigkeiten betreiben. Wem ich einmal mit einer generösen Zuwendung aus einer misslichen Lage geholfen habe, der wird sich mir ein Leben lang verpflichtet fühlen.

Hoeneß, der nicht nur als Vereinspräsident, sondern auch als Wurstfabrikant erfolgreich war, lebt das Prinzip: Wer Erfolg hat, ist prinzipiell im Recht. Übersehen hat er dabei vermutlich nicht nur, dass das gesellschaftliche Klima langsam dreht, sondern auch, dass die beste Wurstfabrik vor allem eines produziert: Würstchen.


1 Kommentar :

  1. Uli Hoeneß Verhalten hat mich immer an unsere Nachbarin erinnert,die hausierte immer mit dem Gehaltsscheck ihres Mannes^^Geld alleine bedeutet keinen Aufstieg...und Freunde kann man nicht kaufen.Wes Brot ich ess,des Lied ich sing.Und im Augenblick singen viele Vögelchen das Lied vom sozialem Engagement des ach so tollen Hoeneß.War und ist halt ein bayrisches Würstchen^^

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