Dienstag, 23. April 2013

Die Einkaufsmeister


Wenn es in der Vergangenheit für den FC Bayern in der Liga mal eng wurde, konnte man sicher sein, dass sie bald mit dem großen Staubsauger ausrückten und für ordentlich Kohle die Schüsselspieler des unbotmäßigen Vereins verpflichteten. Da konnte es dann schon mal vorkommen, dass hervorragende Leute, um die andere Vereine sich geschlagen hätten, den Großteil des Jahres auf der Bank Platz nehmen mussten. Unter anderem Miroslav Klose und Lukas Podolski haben da ihre Erfahrungen. Was man den Bayern so übel nahm, war, dass es bei diesen Transfers meist nicht um sinnvolle Verstärkung ihres Kaders ging, sondern offensichtlich darum, sich per Brieftasche unliebsamer Konkurrenz zu entledigen. Anfechtungen, wie die, solches Geschäftsgebaren sei unsportlich und führe zu einer Monokultur in der Bundesliga, unter der letztlich alle litten, konnte man in München regelmäßig nicht verstehen. Wieso? Wir tun doch nichts Verbotenes. Alles legal. Wohl neidisch, wie? Wohl ein Problem mit Erfolgreichen, was?

So kam es, dass jeder Spieler, der dem Lockruf von der Isar erlag, bald unter Verdacht geriet, eine kickende Hure zu sein, ein Glory Hunter, dem Kohle wichtiger ist als die Treue zu jenem Verein, der ihn groß gemacht hat. Genau diese Einkaufspolitik bewog wohl auch die Toten Hosen zu ihrem oft und gern nachgesungenen Lied. Das Dumme ist: Moderner Profifußball ist Big Business, in dem am Ende nur Geld und Vertragstexte zählen und nicht etwa Werte wie Treue, Loyalität, Zusammenhalt und Herzlichkeit. Dass andererseits exakt diese Werte als wichtiger Teil des Geschäftsmodells heftig zelebriert werden, ist ein Dilemma. In Dortmund vielleicht noch mehr als anderswo. Der Höhenflug der Borussen und die Sympathie, die sie vielerorts genießen, ist unter anderem angetrieben von der Illusion, dass Geld am Ende doch nicht alles ist, dass es keine Tore schießt und dass sich Erfolg nicht einfach schnöde kaufen lässt.

Der in Memmingen geborene Mario Götze, neben Mats Hummels und Robert Lewandowksi wohl Dortmunds wichtigste Kraft, wird bei Bayern kaum auf der Bank versauern. Denn dazu passt der Supertechniker, der, so keine schwere Verletzung dazwischenkommt, gerade mal am Anfang seiner Karriere steht, viel zu perfekt in das System des künftigen Bayern-Coaches Guardiola. Ein klassischer Strafraumstürmer wie Mario Gómez, der vornehmlich in Tornähe auf Vorlagen lauert, vermutlich weniger. Der dürfte, so man sich nicht gleich von ihm trennen wird, wohl bald zum reinen Joker mutieren, während Götze als falsche Neun spielen wird wie Lionel Messi bei Barcelona.

In nächster Zeit möchte man nicht in Götzes Haut stecken. Das Problem ist ja weniger, dass er den Verein wechselt. Die Aussicht, demnächst unter einem der begnadesten Trainer der Welt bei einem Club zu spielen, der wahrscheinlich auch in den nächsten Jahren zu Europas absoluten Topvereinen gehören wird, ist für einen ambitionierten und nüchtern abwägenden Sportler eine mehr als logische Option. Da hilft alle echte Liebe der Südtribüne und alles väterliche Gekumpel von Jürgen Klopp nichts. Natürlich schäumt der Dortmunder Anhang auch, weil Götze ausgerechnet zu den Bayern geht. Hatte er doch noch vor kurzer Zeit glühende Bekenntnisse zu seiner westfälischen Heimat abgegeben. Die Frage ist, ob er das Geschwurbel selbst verzapft hat oder seine Berater, aber er wird es sein, dem das auf die Füße fällt. Trotzdem: Würde Götze zu Real Madrid wechseln, zu Barca, zu Arsenal oder Manchester United, man wäre auch nicht begeistert, aber auch wohl ein wenig stolz.

Zumal das Verrat!-Geschrei der Dortmunder Fans zwar verständlich ist, aber unfair. Auch beim BVB, wo angeblich die echte Liebe regiert, muss man in erster Linie Gewinne machen und sieht sich selbstverständlich woanders nach den bestmöglichen Spielern um. Bei der anderen Borussia aus Mönchengladbach, wo man letztes Jahr um diese Zeit noch von der Champions League geträumt hat, wird man auch mit den Zähnen geknirscht haben, als die Dortmunder ihnen Marco Reus weggeschnappt haben. Keine schöne Vorstellung, das, aber im Augenblick spricht leider einiges dafür, dass dem BVB ein ähnliches Schicksal blüht wie vor einigen Jahren Werder Bremen. Wie Jürgen Klopp gelang es Thomas Schaaf dort jedes Jahr aufs Neue, junge Talente zu finden und aufzubauen, um sie dann nach kurzer Zeit an Topclubs im In- und Ausland wieder zu verlieren. Mittlerweile kämpft man an der Weser gegen den Abstieg.

Weil es für die Bundesliga in diesem Jahr international nach Ewigkeiten wieder passabel lief und für die englische Liga nach Ewigkeiten der Dominanz eben weniger, übte sich vor allem die bayernnahe Ballaballajournaille, aber nicht nur die, mit zunehmendem Verlauf der Saison in dem, was der ewig sich hintergangen dünkende, am Obenaufsein schnuppernde deutsche Kleinbürger seit Kaiser Wilhelms Tagen am besten kann: Im dröhnenden nationalistischem Schnauzeaufreißen. Die Bundesliga habe sich nunmehr endgültig neben der spanischen Liga als Topliga Europas etabliert, die von Ölscheichs und russischen Oligarchen durchkapitalisierte englische Premier League sei von nun an abgemeldet. Dass solches Trompeten eventuell etwas voreilig sein könnte, focht die patriotischen Verbalonanisten kaum an.

Dem Traum von den spanischen Verhältnissen, von nicht einem, sondern mehreren europäischen Topclubs in der Bundesliga haben die Bayern mit dem Götze-Transfer fürs Erste ein Ende gemacht, und es werden wieder die gewohnten Verhältnisse herrschen: Bayern wird Meister, der Rest kann sehen, wo er bleibt. Dabei schienen diese Zeiten eigentlich vorbei: Die Bayern investierten in den Nachwuchs, anstatt nur woanders einkaufen zu gehen. Trotz bester Bilanzen und absurder spielerischer Hegemonie traten sie für ihre Verhältnisse nur wenig arrogant auf. Als es ihnen dann noch gelang, Pep Guardiola zu verpflichten, bekamen sie gar von allen Seiten aufrichtigen Respekt. Fast konnten sie einem ein wenig sympathisch werden.

Binnen weniger Tage wurden alle Nicht-Bayernfans jetzt wieder daran erinnert, wieso ihnen die Schickeriatruppe immer so verhasst gewesen ist: Den Wechsel von Götze ausgerechnet jetzt durchsickern zu lassen, ist nicht nur eine willkommene Ablenkung von der drohenden Selbstdemontage des Uli Hoeneß, sondern kann auch als übles Nachtreten gegen Dortmund begriffen werden. Zwei Tage vor einem der wichtigsten BVB-Spiele der Saison könnte das gehörige Unruhe in die Mannschaft bringen. Da hilft wohl nur: Jetzt erst recht und heute Abend dem FC Barcelona die Daumen drücken.

Kommentare :

  1. Hm... ganz schwaches Gejammer. Alle schlechten Argumente wiederholt und dann auch noch Barcelona deswegen die Daumen drücken?
    Besonders absurd: "durchsickern lassen", "immer so verhasst", "dem das auf die Füße fällt".
    Bevor noch irgendwelche Ruhris sich im Biene Maja Kostüm vor der Allianz Arena in die Luft sprengen:
    Götze ist einfach ein guter Fußballer der sich selber entschieden hat den Verein zu wechseln.

    Kommen mal wieder wahnsinnig sympathisch rüber die BVBler!!!

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  2. Scheiße, Herr Rose, wie konntest Du nur was gegen Bayern sagen! Jetzt bist Du unsympathisch!

    @ Anonym: Klar ist der einfach ein guter Fußballer, und es geht letztlich wieder allein ums Geld. Man kann das richtig und normal finden, muss man aber nicht. Zumal viele Fans mit ihrem Verein praktisch verheiratet sind, Massen von Geld für die Unterstützung ausgeben und mit einem Pathos für ihre Elf jubeln, den die schlimmsten Hair-Metal-Barden der Achtziger nicht geschafft hätten. Tausende Fans halten ihrem Laden die Stange, aber wenn ein Eigengewächs nach dem anderen für eine Kiste Geld zu den Bayern geht, soll man das nicht schade finden, weil es professionell ist? Ich weiß ja nicht.

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  3. Natürlich ist Fussball vor allem ein großes Geschäft.Ich komme allerdings aus Köln.Und da muss man als Fussballfan schon sehr leidensfähig sein^^Und egal,man gönnt jeden den Erfolg(sogar Hoffenheim^^)...nur nicht den Bayern*grins*.@ anonym:Das kaufstarke Vereine,wie eben Bayern eher auf Einkauf,statt auf Eigengewächs wert legen,weiß jeder.Ist ihr gutes Recht.Für die Spieler ist es meist das Sprungbrett ins Ausland.Und da wird richtig verdient.

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  4. @gnaddrig

    "Klar ist der einfach ein guter Fußballer, und es geht letztlich wieder allein ums Geld."

    Das wissen Sie doch gar nicht worum es Götze geht. Der hat wohl seine individuelle Lebens- und Karriereplanung. Vielleicht gibt es auch private Gründe? Er ist immerhin ein Bayer.

    Den BVB als wehrloses Opfer der MafiaBayern hinzustellen ist jedenfalls absurd. Es sei denn man arbeitet mit dem Ratioprogramm eine "Fans". Dann ergibt natürlich alles seinen Sinn.

    Die kaufen und kapuuutt!

    Hat man ja gestern gesehen wie fertig die Dortmunder schon sind. Nur eine Klasse besser als Real Madrid.




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    1. @gnaddrig:
      Ich denke mit dem Unsympathenstatus komme ich klar...

      @Anonym:
      Jo, nichts anderes habe ich über Götze geschrieben. Es ist eben nur so, dass solche Transfers eben ungute Erinnerungen an die Einkaufspolitik des FCB hochkommen lassen.
      Was die Bayern und deren Fanboys nicht zu kapieren scheinen ist, dass es zwar sehr schön für sie ist, wenn sie nicht zuletzt aufgrund ihres Marktstatus (ja, sie haben gut gewirtschaftet) die Liga quasi konkurrenzlos dominieren, das aber in Bez. auf sportlichen Wettbewerb eher für Langeweile sorgt.
      Übrigens: Falls Sie Bayernanhänger sind, Gratulation zu dem Spiel am Dienstag - Klasseleistung.

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  5. Die Bayern hätten ihren Hang zum Hinterhalt eigentlich nicht nötig , denn sie arbeiten tatsächlich seriös , in der Nachwuchsarbeit und - oft unterschätzt - sie schmeißen nicht ständig ihre Trainer raus.

    Überschätzt werden sie aber international , seit mindestens 30 Jahren treten sie an mit dem Anspruch , in die europäische Spitze vorzustoßen , die tatsächlichen Titelgewinne aber geben das nicht her, erst in jüngster Zeit scheint sich daran was ändern zu können.

    Das passiert aber nur dann , wenn die Bayern ihre lächerliche Verbissenheit ablegen , in Deutschland selber ums Verrecken die Nummer eins sein zu müssen, das kostet auf Dauer zuviel Kraft , die dann international eben fehlt .
    Auch eine gute Nachricht , bayerische Provinzialität wird mit ausbleibenden ( internationalen ) Titelgewinnen bestraft.

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