Samstag, 27. April 2013

Die Telekom und die Logik des Marktes


 Als man, neben einigem anderen, die Telekommunikation privatisierte, geschah das vor allem mit dem Argument, Markt sei grundsätzlich besser als Staat. Wie andere Staatsbetriebe auch, sei die Post ein aufgeblähter, träger Moloch geworden, dem sein Monopol alles andere als gut bekommen sei. Offen gestanden, ist das nicht ganz falsch. Wer möchte ernsthaft zurück in jene Steinzeit namens Achtziger, als alle einen klobigen Einheitsapparat hatten und nur die Wahl zwischen mausgrau, hornhautbeige, kackbraun und popelgrün? Als es der höchste Luxus war, auf Antrag ein paar Meter Schnur extra zu bekommen und es schon mal einige Monate dauern konnte, bis man endlich einen Anschluss bekam.

Privatisierung, hieß es, würde für den Kunden alles zum Besseren wenden. Die freie Konkurrenz der Anbieter würde für so viel Feuer unterm Dach sorgen, dass alles immer schneller, besser, bequemer und vor allem billiger werden würde. Eine Zeit lang ging das auch gut. Jetzt aber scheint die Telekom das Rad wieder ein Stück zurück drehen zu wollen. Demnächst wird Neukunden, wie bei Mobilverträgen schon längst üblich, ab einem bestimmten Datenvolumen das Tempo massiv gedrosselt. Der Unmut ist verständlicherweise groß und der rosa Riese steht ungefähr so begossen da wie damals, als Millionen Kunden auf den Trichter kamen, dass ein paar überteuerte T-Aktien im Portfolio entgegen allen Werbeversprechen doch keine Garantie für Reichtum und ein sorgenfreies Altenteil sind. 

(via onlinewelten.com)
Dabei ginge es doch auch anders. Ich bin sicher, eine lahmarschige Netzverbindung hätte echtes Potenzial, nur geht die Telekom es falsch an. Man könnte zum Beispiel wieder 56k-Modems anbieten, so richtig wie früher: Minutenabrechung und während des Surfens ist besetzt. Mit saftigen Rechnungen, wenn man mehr als eine Stunde pro Tag im Netz herumdaddelt. Wenn man als Zielgruppe urbane, facebook-müde, trendaffine und netzüberdrüssige Hipster unter dreißig anpeilte, die nichts anderes kennen als DSL-Flatrates, und ihnen das, richtig verpackt, sagen wir, als rendiges, entschleunigtes Retro-Surfen vertickte, jede Wette es fänden sich Kunden.



Kommentare :

  1. Guter Vergleich mit den T-Aktien. Ich erwarte Manfred Krug, der Werbung für 300 Baud Akustik-Koppler macht :-))

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    1. Ach was, die Zukunft liegt in der optischen Datenübertragung. Die geben demnächst Morselampen aus. Man muss ja mit der Zeit gehen!

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  2. Der Aufschrei wäre sicher nicht halb so laut ausgefallen, wenn die Telekom nicht so drastisch zu drosseln vorhätte. Statt 384kbit/s hätte man ja knapp youtubetaugliche 1000kbit/s ankündigen können, das hätte für die meisten normalen Surfaktiväten einschließlich Radio gereicht und hätte vor allem die Filme der Konkurrenz abgeschaltet. Aber es musste wohl wieder ganz oder gar nicht sein, und so stürmt es jetzt erstmal wieder reichlich Scheiße. Selbst schuld.

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