Freitag, 19. April 2013

Vokabeln raten


Manchmal, da stolpert man über Wörter, deren exakte Bedeutung sich einem ums Verrecken nicht erschließen will. Jetzt ist mir zum Beispiel das Wort 'Konsumbereitschaft' begegnet. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) veröffentlicht regelmäßig Studien über das Konsumklima, in denen dieses Wort auftaucht. Welch Glück, im Zeitalter von Wikipedia zu leben! Denn da lassen sich solche Ungereimtheiten in der Regel stante pede auflösen. Ergebnis: Nichts. Nada. Niente. Also gilt es, den eigenen Verstand anzuwerfen.

Ich stelle mir das so vor: Man fragt eine gewisse Anzahl von Menschen in diesem Lande, in welchem Maße sie bereit wären, im Laufe des anbrechenden Jahres gewisse Güter zu erwerben. Das Ganze wertet man dann aus und je höher die Kurve ausschlägt, desto mehr freut sich Gevatter Einzelhandel. Und tatsächlich: Die Frage lautet: „Glauben Sie, dass es zurzeit ratsam ist, größere Anschaffungen zu tätigen?“ - gut, die Entscheidung, größere Anschaffungen zu tätigen, ist nicht immer davon abhängig, ob man das gerade besonders ratsam findet oder nicht. Ist die Waschmaschine im Orkus oder das Auto, dann muss eben Ersatz her, unabhängig, ob es einem gerade in den Kram passt. Aber wir wollen nicht pingelig sein.

Würde mich nun jemand fragen, wie konsumbereit ich so sei, dann wäre meine Antwort ein uneingeschränktes „Aber hallo!“. Gern würde in noch in diesem Jahr folgendes konsumieren: Eine neue Küche, ein wenig sonstige Wohnungseinrichtung, einen HD-Fernseher, eine Surround-Anlage, ein Zahnimplantat, ein neues Fahrrad, einen neuen Laptop und einen dreiwöchigen Sommerurlaub in der Bretagne. Neues Auto muss noch nicht sein, da bin ich bescheiden. Konsumbereit bin ich also bis in die Haarspitzen, nur eben nicht konsumfähig. Dummerweise wird nämlich das meiste davon, um nicht zu sagen: das allermeiste, auf Eis gelegt werden müssen, weil es mir an den nötigen Finanzmitteln zum Konsumieren fehlt.

Also, man kläre mich auf. Werden die Menschen, die man nach ihrer Konsumbereitschaft fragt, auch danach gefragt, inwieweit sie in der Lage sind, sich den Kram auch zu leisten? Stellt man also auch die Frage, ob und inwieweit Konsumbereitschaft und Reallöhne korrelieren? Weil, wenn das nicht so wäre, dann müsste ich mir am Ende noch die Frage stellen, ob Konsumbereitschaft eventuell nicht doch eine Größe ohne jede Aussagekraft ist.


Kommentare :

  1. Laut einer aktuellen Studie* sind zahlreiche aktuelle Studien so nutzvoll wie ein zweites Loch im Hintern.

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  2. Dabei könnten gerade die Zahnimplantate betreffend, eigentlich recht eindeutige Kennziffern in Stückzahlen liefern, die man mit einer sogar indirekt zwanghaften Konsumbereitschaft anhand bestimmbarer Personenkreise in Verbindung bringen, welche dann auch eine Aussage über die Konsumfähigkeit liefern könnten :-) Aber nöööö. Die spielen lieber mit empirischen Zahnschmerzen.

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  3. Wenn man die Leistungen der Krankenkassen nicht erheblich zusammengestrichen hätte, wären Zahnimplantate sowieso nicht Gegenstand möglicher Konsumwilligkeit oder -fähigkeit. Das wiederum würde das Verhältnis zwischen Konsumwilligkeit und Konsumfähigkeit deutlich zugunsten der Letzteren verschieben. Da hätten am Ende alle was von...

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