Dienstag, 14. Mai 2013

Fröhliches Filmeraten


Eines muss man den Wahlkampfstrategen der Union lassen: Sie verstehen es wirklich, Mutti Merkel im Wahljahr in Szene zu setzen. Kaum hatte unser aller Kanzlerin kürzlich dem Polit- und Justizfachblatt Brigitte ein Interview so ganz von Frau zu Frau gegeben, folgte schon der Charmeoffensive nächster Streich. Im Rahmen der Reihe 'Mein Film', die die Deutsche Filmakademie seit 2011 ausrichtet, wird einmal im Jahr eine prominente Person aus Politik, Kultur oder Showgeschäft eingeladen, die gebeten wird, ihren Lieblingsfilm zu nennen. Der wird dann in dessen und in Anwesenheit von weiteren Personen gezeigt, die etwas Schlaues zu dem Streifen zu sagen wissen. Hinterher wird noch ein wenig über das Gesehene und das Verhältnis der betreffenden Person zu dem Film geplaudert. Prima PR-Plattform, das. Wer den Lieblingsfilm eines Menschen kennt, kann einen kleinen Blick in sein Herz erhaschen, so oder so ähnlich das Kalkül dahinter.

Am Sonntag hat nun Frau Merkel nebst Gatte und Bodyguards im Berliner Kino 'Filmkunst 66' Platz genommen. Sie hatte sich für Heiner Carows Die Legende von Paul und Paula mit Wilfried Glatzeder und Angelica Domröse entschieden. Sicher kann man dahinter reine Berechnung vermuten. Freilich kann es auch sein, dass sie wirklich eine Schwäche für den Film hat, das lässt sich nur schwer beurteilen. Doch handelt es sich bei Die Legende von Paul und Paula nicht nur um einen der DEFA-Filme, der nicht nur ideologisch unverdächtig, ja sogar ein klein wenig subversiv ist, sondern auch vielen alten Wessis vertraut und damit mehrheitsfähig, vielleicht sogar ein wenig Kult ist. Ferner transportiert sie noch die Botschaft, man solle sich in ihr nicht täuschen, auch sie sei früher ein kleines Bisschen eine Wilde gewesen, aber nicht zu sehr, versteht sich. Immerhin bekannte sie im anschließenden Gespräch mit dem als Moderator fungierenden Regisseur Andreas Dresen, sie habe früher natürlich auch gern Jeans getragen und auf Partys sogar als, so wörtlich, "Bardame" fungiert.

Eine Kandidatin im Wahlkampf dergestalt volksnah menscheln zu lassen, ist in Deutschland eine vergleichsweise neue Herangehensweise. Wenn man einmal von den eher ungelenken Versuchen des dauerschmökenden Barschel-Opfers Björn Engholm absieht, sich seinerzeit als ganz großer Jazz-Aficionado zu inszenieren. Weil erfolgreiche Ideen gern kopiert werden, steht nun also zu befürchten, dass auch die anderen zur Wahl stehenden Parteien auf diesen Zug aufspringen und in ähnlicher Weise versuchen werden, zu demonstrieren, wie voll menschlich und normal ihr Spitzenpersonal doch eigentlich ist. Und so kann das fröhliche Ratespiel beginnen. Also, mit welchen Lieblingsfilmen wird die übrige Politprominenz wohl so alles aufwarten?

Übrigens hat Peer Steinbrück (SPD) bereits 2011 den Anfang bei der Aktion 'Mein Film' gemacht und Michael Ciminos gefühlt fünfeinhalb Stunden langes Vietnam-Epos The Deer Hunter ausgewählt. Zwar hätte man dem temperamentvollen Kandidaten so viel Sitzfleisch gar nicht zugetraut, doch fände ich für das Wahljahr Ein Mann sieht Rot irgendwie passender. Oder Für eine Handvoll Dollar. Sehr passend wären weiterhin:

Auf dem Highway ist die Hölle los (Sigmar Gabriel, SPD)
Pippi außer Rand und Band (Claudia Roth, Grüne)
Pippi in Taka-Tuka-Land (Kristina Schröder, CDU)
Lausbubengeschichten (Phillip Rösler, FDP)
Viel Rauch um nichts (Helmut Schmidt, SPD)
Matrix-Trilogie (Bernd Schlömer, Piraten)
Full Metal Jacket (Jürgen Trittin, Grüne)
Prinzessin Lillifee (Ursula von der Leyen, CDU)
Urmel spielt im Schloss (Joachim Gauck)
Die Zeitmaschine (Bernd Lucke, AfD)
Plattfuß am Nil (Dirk Niebel, FDP)
Liebesgrüße aus der Lederhose
(Horst Seehofer, CSU)
Im tiefen Tal der Superhexen (Rainer Brüderle, FDP)
Akte X – Der Film (Gregor Gysi, Linke)

Das hat jedenfalls enormes Potenzial!



Kommentare :

  1. Hans Peter Uhl - Das Leben der Anderen
    Wolfgang Schäuble - Denn sie wissen nicht was sie tun
    Horst Seehofer - Auf der Alm da gibt´s koa Sünd
    Katja Kipping u. Bernd Riexinger - Zwei Nasen tanken super
    Rainer Brüderle - Graf Porno reitet wieder

    usw.usf.

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  2. Angela Merkel - Königin der Verdammten
    Rainer Brüderle - Ein Mann für gewisse Stunden
    Bernd Lucke - No country for old men
    Peer Steinbrück - Million dollar baby
    Dirk Niebel - Der fliegende Teppich
    Claudia Roth - Invasion von der Wega
    Anette Schavan - Is' was, Doc?

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  3. Christian Wulff - Urlaub mit kleinen Folgen
    Rudolf Scharping - Swimming Pool
    Peter Altmaier - Allein zu Haus
    Christian von Boetticher - Alles aus Liebe
    Ulla Schmidt - Taxi Taxi

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  4. Erika Steinbach - In einem Land vor unserer Zeit
    Hans-Peter Friedrich - Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast
    Sahra Wagenknecht - Der Feind in meinem Bett
    Wolfgang Kubicki - Das kleine Arschloch - Der Film
    Jörg Haider - Gegen die Wand
    Rainer Brüderle - Free Willy

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  5. Sehr schöne Vorschläge, das. Vielen Dank bis hierher.
    @nömix: Rudolf Scharping hatte seinerzeit die 'Titanic' schon mit 'Schlafes Bruder' in Verbindung gebracht - könnte bei der jetzigen Konstellation vielleicht zu F.W. Steineimer passen...

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  6. Florian Pronold - Mein Name ist Nobody
    Karl-Theodor zu Guttenberg - True Lies
    Markus Söder & Günther Beckstein - The Blues Brothers
    Dagmar Wöhrl - Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs

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  7. Frank Walter Steinmeier, - Dinosaurier - im Reich der Giganten.
    Siegmar Gabriel, - Die Geschichte von Big Al.
    Peer Steinbrück, - Der Schatz der Sierra Madre.
    Angela Merkel, - Das Ding aus einer anderen Welt. (Das Remake von John Carpenter)
    Volker Kauder, - Eine Hand wäscht die andere.
    Jürgen Trittin, - Das Pfandhaus.
    Claudia Roth, - Winnetou 1
    Christian Lindner u. Frank Schäffler, - Cocktail ( mit Tom Cruise und Bryan Brown )
    Rainer Brüderle, - Die Frauen von Stepford (Das Original von Brian Forbes)
    Philip Rösler, - Pitch Black, - oder vielleicht besser, - Riddick, Chroniken eines Kriegers,

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    1. Höho, bei Philipp Rösler kam mir ja auch noch 'Apocalypse Now' in den Sinn...

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