Freitag, 19. Juli 2013

Was macht eigentlich...


... die FDP so?

Nein, ernsthaft. Wenn man bedenkt, dass die Liberalen nicht müde werden, sich als die einzig wahre Partei der Freiheit und der Bürgerrechte abzufeiern und andauernd vorgeben, sich als einzige mutig staatlicher Willkür in den Weg zu stellen, dann müsste der Verein momentan doch förmlich im Achteck springen. Nähmen sie ihr eigenes programmatisches Gerede auch nur ansatzweise ernst, dann müsste gerade mindestens eine heftige überparteiliche Debatte stattfinden über Privatsphäre und bürgerliche Freiheiten in Zeiten totaler Überwachung. Angesichts der, höflich ausgedrückt, windelweichen Reaktion der Kanzlerin und ihres Innenfiffis auf NSA und Prism müsste eine Partei, die sich dergestalt als tapferes Häuflein liberaler Idealisten inszeniert, doch mit Koalitionsbruch drohen. Sollte man jedenfalls meinen.

Dabei könnte es so schön sein, romantisch geradezu. Die Gelben haben die einmalige Chance, endlich mal klare Kante zu zeigen. Sie könnten sich auf ihre bürgerlich-liberalen Traditionen und Werte besinnen und sagen: Routinemäßiges Ausschnüffeln der Privatsphäre unbescholtener Bürger ist etwas, das wir immer bekämpft haben. Damit machen wir uns nicht gemein. Sie könnten ihre Juniorpartner-Rolle als Korrektiv ausnahmsweise ernst nehmen und sagen: Los, Kanzlerin, komm' in die Puschen, oder du kannst gleich Neuwahlen ansetzen.

Und, was passiert statt dessen? Nix. Schön, so gut wie nix. Immerhin durfte die verdiente Veteranin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger schon mal was Kritisches sagen, aber sonst? Großes Stillschweigen und Wegducken sind angesagt. Abwarten, dass es vorbei geht und möglichst viele Wahlberechtigte auf den Gedanken kommen, so ganz ohne FDP ist auch scheiße. Im September sind schließlich Wahlen, und da zieht man es offenbar, nach dem Motto zu agieren: Wer sich nicht bewegt, der macht auch keine Fehler. Uhh, lieber nirgends mehr anecken jetzt, wo sich die Umfragewerte wie von Zauberhand wieder den magischen fünf Prozent anzunähern scheinen. Ich verstehe das nicht. Wie kann eine Partei, der es so an erkennbarem Profil mangelt, eine solche Steilvorlage auslassen? Vielleicht ist es auch mein Fehler, dass ich überhaupt versuche, das zu verstehen, wer weiß?

Oder meinen die Eingeborenen von Li-La-Liberalaland tatsächlich, das Erheben von Steuern sei die einzige staatliche Willkür, vor denen man die Bürger - oder wenigstens die Leistungsträger - schützen muss? Also, wenn das so ist, dann will ich nichts gesagt haben.


Übrigens...

Oben rechts war bislang immer irgendein Bild mit vergleichsweise langer Halbwertszeit eingestellt. Dass dieser Blog werbefrei ist, dürfte sich inzwischen ja herumgesprochen haben. Weil ich letztens - ja, ich war schon immer etwas langsamer - den Witz und die Kreativität vieler von Benutzern generierter Memes in ganzer Tragweite entdeckt habe, bin ich auf die Idee verfallen, von nun an an genannter Stelle ein Meme der Woche einzublenden.



Kommentare :

  1. Der Liberalismus von heute hat nichts mehr mit der Idee des Laissez-faire der frühen Liberalen zu tun. Das sind *Neo*-Liberale, die nur noch von der Wirtschaft aus denken. Freiheit ist für die reduziert darauf, die Wirtschaft möglichst ohne staatliche Lenkung machen zu lassen.
    Die linksliberale Schiene wird heutzutage wohl von den Grünen abgedeckt - oder zumindest wollen sie sich laut ihren Reden in dieser Ecke profilieren.

    Gruss vom Lautenist

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das stimmt. Die Liberalas tragen ihre großartigen liberalen Werte nur noch als Werbebanner vor sich her, um damit im Wahlkampf auf Partei der Bürgerrechte zu machen, oder so ähnlich.
      Was die Grünen angeht, wird mir allerdings als (rauchender) Nordrhein-Westfale mittlerweile reichlich blümerant, wenn ich an deren zunehmenden Hang zum Nanny State denke...

      Löschen