Freitag, 9. August 2013

Noch mehr Druck


Ein weiterer Nebeneffekt des Popanz vom Fachkräftemangel

Der vornehmlich von Wirtschaftsverbänden und ihren medialen Büchsenspannern propagierte Fachkräftemangel dient unter anderem dazu, es als Notwendigkeit zu verkaufen, Arbeitskräfte aus den so genannten Krisenländern zu importieren, die ihrerseits dankbar für deutsche Hungerlöhne sind. So wird die Mär vom Fachkräftemangel zu einem Mittel, die Löhne und Gehälter auf dem deutschen Arbeitsmarkt weiter unter Druck und die Reservearmee groß genug zu halten. Außerdem können solche Panikmeldungen in bestimmten Branchen, zum Beispiel bei Ingenieurberufen, den Schweinezyklus in Gang setzen und zu Fachkräfteschwemmen führen, die die Arbeitgeber in eine günstige Position setzt. Das dürfte sich so weit herum gesprochen haben, dass das keine sonderlich originelle Erkenntnis mehr ist.

Es mag sicher Branchen geben, in denen tatsächlich ein spürbarer Fachkräftemangel herrscht und die Neigung junger Menschen, dort einen Beruf zu erlernen und Fachkraft zu werden, eher gering ausgeprägt ist. Wie's nun aber der Beelzebub will, konzentriert sich das vor allem auf Branchen, in denen die niedrigsten Löhne gezahlt werden und die sozialfeindlichsten Arbeitszeiten herrschen. Zufall? Und wenn Arbeitgeber klagen, sie fänden einfach keine top qualifizierten Leute mehr – nun, hoch spezialisierte Kräfte für eng definierte Aufgaben waren schon immer schwer zu kriegen, das ist nichts Neues. Es sei denn, man nimmt Geld in die Hand und bildet sie selbst aus bzw. fort. Das aber ist offensichtlich unzumutbar teuer. Zumindest für viele große Unternehmen.

Ein weiterer Nebeneffekt der Phantomdebatte vom Fachkräftemangel aber ist meines Wissens nach bislang nur am Rande diskutiert worden: Gelingt es, das Gejammer im Mainstream und an den Stammtischen zu etablieren, hat man ein weiteres hervorragendes Mittel, Arbeitslose zusätzlich unter Druck zu setzen. Weil wir schließlich Fachkräftemangel haben und Unternehmen bekanntlich händeringend (ganz wichtig, liebe PR-Schreiberlinge! Auf keinen Fall das Wörtchen 'händeringend' vergessen, sonst knallt's nicht richtig) nach entsprechend qualifizierten Leuten suchen, kann nun wirklich niemand mehr behaupten, es sei kein Job zu kriegen und ist im Zweifel selbst schuld an seinem Schicksal. Oder ist sich zu schade zum Arbeiten.




Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen