Samstag, 12. Oktober 2013

Stoppt die Kommies vom Roten Kreuz!


Die Briten sind wirklich zu beneiden. Dort gibt es nämlich Politiker, die ihre Versprechen auch halten. David Cameron zum Beispiel. Der ist 2010 angetreten, die Armen ärmer und die Reichen reicher zu machen. Weil das gut ist für alle, auch für die Armen (deren Pech, wenn sie das nicht verstehen). Jetzt endlich, nach dreieinhalb quälenden Jahren, in denen Cameron sich wie einst der Heilige Georg, das britische Nationalmaskottchen, heldenhaft gegen jede Anwandlung von Sozialismus ins Zeug gelegt hat, sind erste manifeste Erfolge zu verzeichnen. Zum ersten Mal nach dem zweiten Weltkrieg will das Rote Kreuz in diesem Winter auf der Insel Lebensmittel sammeln und an Bedürftige verteilen. Na also! Im erfolgreichen Outsourcing zeigt sich eben, aus welchem Holz ein Manager geschnitzt ist.

Nimm dies, Kommie!
Nun ist es ja nicht so, dass Großbritannien zu den Gegenden der Welt zählt, in denen schlicht zu wenig Lebensmittel produziert würde bzw. werden könnte, um alle vernünftig zu ernähren. Im Gegenteil: Dort wird, wie in großen Teilen Europas, so viel produziert, dass massenhaft exportiert wird und Tag für Tag Millionen Tonnen einwandfreier Fressalien im Müll landen. Wer nun aber so naiv ist und denkt: Hey, kein Problem, da müsste doch für alle genug da sein, der hat das Wesen der freien Marktwirtschaft und das Prinzip des freien Individuums einfach nicht begriffen. Schlimmer noch: Der ist ein Sozialist. Oder noch schlimmer: Ein Milchmädchen. Und das geht ja gar nicht. Wo blieben denn da die Gewinne für die Nahrungsmittelspekulanten und für die Armen die Anreize, sich endlich eine Arbeit zu suchen, von der sie nicht leben können?

Überhaupt, Sozialismus! Man schaue sich nur die DDR an. Klar, es gab unbestreitbare Fiesheiten wie Stasi, FDJ, die Mauer und keine Reisefreiheit, aber dafür musste niemand hungern (man nennt das übrigens "Kommunistische Misswirtschaft"). Doch zu welchem Preis? Das Essen muss nämlich eine einzige Qual gewesen sein für den distinguierten Genießer, der es sich wert ist: Bananen und Südfrüchte gab es nur selten zu kaufen, im Supermarkt hatte man nicht die Wahl zwischen 45 Kaffeesorten und Essentials wie italienische Pasta und kanadischen Wildlachs suchte man im grauen Reich der Apparatschiks auch vergebens. Noch nicht mal rassen- und altersspezifisches Hundefutter gab es, von dem ein Beutel mehr kostet, als etliche Familien in der Woche fürs Essen zur Verfügung haben. So kann man wirklich nicht leben. Dann doch lieber einen Teil der Bevölkerung ganz individuell vor vollen Regalen vor die Hunde gehen lassen. Das ist nämlich wahre Freiheit.

Zwei Fragen blieben noch fürs Erste: Warum kriegen eigentlich immer Gutmenschen wie diese Chemiewaffenkontrollschwuchteln einen Friedensnobelpreis und nicht mutige Freiheitskämpfer wie David Cameron? Und warum hindert niemand die Krypto-Kommunisten vom Roten Kreuz daran, das Wirken des freien Marktes zu sabotieren, indem sie einfach so Lebensmittel an jenes faule Pack verteilen, das es nicht anders verdient? Es bleibt also noch viel zu tun.


Kommentare :

  1. Der böse böse Sozialismus , wobei die DDR jetzt nicht wirklich als Alternative herhalten kann , den Schuh sollten sich Linke nicht anziehen .
    Letztlich sollen da wohl auch eher modernere , demokratische Formen des Sozialismus diskreditiert werden - wobei das eben auch so sin Gummi-Begriff ist - die DDR dient da nur als Aufhänger.

    Zumal die neoliberale Sichtweise der Ökonomie tendenziell mehr Verwandtschaften aufweist mit der realsozialistischen Variante als mit der einer freien Marktwirtschaft.

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  2. @Art Die DDR soll ja auch nicht als Alternative herhalten. Aber mittlerweile sind alle so konditioniert darauf, alleine bereits bei der Nennung der drei Buchstaben schon Orson Wells Delstop zuzulassen, dass nüchterne Vergleiche über Grundgefühle hinaus gar nicht erst möglich sind. Dabei wäre das durchaus nützlich. Dazu könnte nämlich z.B. unbedingt auch dein letzter Absatz gehören. Wer sich mal ganz locker heutiges (Prozess)Management und Controlling nach amerikanischem Vorbild in größeren Firmen bis zu den global playern ansieht, der hat das Ding fertig gedacht, - am Ende auch nichts anderes mehr als heftigste Planwirtschaft mit zudem hoch stagnativen Resultaten sowie der lähmendsten Bürokratie die man sich nur vorstellen kann. Nur hier eben mit Rationalisierungsvariante, vollkommener Ignoranz humaner Werte und zugunsten von Profit. Auch die Rolle der Gewerkschaften, ist mitunter mehr als zweifelhaft, da zwar (hoffentlich) auf der anderen Seite, aber mit dem gleichen Optimierungswahn nach systemtechnokratischem Muster. Und bei noch weiter gehender industrieller Monopolisierung wie heute, entpuppt sich auch das Geschwätz von individuellen Firmenkulturen, als ein und das Gleiche Klischee aller. (Zumindest wundert mich der Begriff mittlerweile wirklich, denn ich sichte keine relevanten Unterschiede mehr dabei) Schlagt mich, - aber ich behaupte mal ganz frech, dass jede sozialistische wie auch liberale ideologische Ausrichtung, mit einer systemtechnokratischen Mentalität immer zu genau den vergleichbaren Ergebnissen führt, die am Ende die Mehrheit sicher nicht haben wollte. Aber bei der jetzigen Variante, kommt eben unbedingt das hinzu, was Stefan schreibt. Hunger. Und das dies nicht mehr in die Köpfe der Menschen eingeht, hat für mich eine Menge mit dieser Mentalität zu tun.

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  3. Es läuft doch letztlich immer darauf hinaus, dass jeder sich absichern will, um für Fehlentscheidungen und -entwicklungen nur ja nicht zur Rechenschaft gezogen werden zu können (völlig verständlich übrigens), dass alle sich hinter Regeln verstecken, die anfangs zwar vernünftig klangen (oder jedenfalls so verkauft wurden), sich in der Praxis aber als weltfremd und kontraproduktiv herausstellen. Die Verantwortlichen kriegen das nicht mit, weil man ihnen sowieso nur mehrfach glattgebügelte und geschönte Berichte von unten vorlegt. Und wo sie's doch merken, sind sie zynisch genug, um nicht gerade den Ast abzusägen, auf dem sie selbst bequem sitzen.

    Und wenn es doch mal jemandem einleuchtet, dass diese Art kleinkarierter Geregeltheit nicht so gut ist, kommen sie gleich mit Totschlagvokabeln wie systemrelevant. Zu krasse Änderungen, gar zulasten der Unternehmen und, bewahre, zugunsten des kleinen Mannes sind gefährlich für die vorteilhafte Entwicklung der Aktienkurse oder den Advent des wahren Sozialismus oder was ideologisch eben grad so dran ist.

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  4. @eb

    "Gewerkschaften"

    Allerdings , wo sind etwa die Bemühungen , den Niedriglohnsektor zu erschließen?

    "Geschwätz von individuellen Firmenkulturen"

    Jeder hat nicht nur eine Sichtweise , sondern gleich eine Philosophie , zu beobachten auch an vielen anderen Stellen der Gesellschaft, und je hohler das Geschwätz , desto bedeutungsschwangerer kommt es daher.

    Mit dem Hunger bin ich mir nicht sicher , ob der real existierende Sozialismus nicht einfach die Gnade seines frühen Ablebens erfuhr , ein Weiterleben wäre wohl in Richtung China gegangen , und wie dann die Verhältnisse wären , kann nur spekuliert werden.
    Daß es ein Witz ist , daß die reichsten Gesellschaften der Weltgeschichte Hunger produzieren , steht außer Frage , aber man muß sich im Klaren darüber sein , daß eine solche Kritik für die Neoliberalen ein Lob darstellt , eine Bestätigung , daß sie alles richtig machen.

    @gnaddrig

    "geschönte Berichte von unten vorlegt"

    Interessanter Punkt , womöglich bisher unterschätzt.

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    1. Ist ziemlich verbreitet, gerade bei unfähigen Managern. Jeder will gut aussehen, deshalb werden Probleme nicht benannt und angegangen, sondern weggeredet und vertuscht. Auf der Arbeitsebene stehen die ganzen Probleme noch in den Präsentationen, aber zum Weiterreichen nach oben wird für jede Managementebene ein Teil der Fehler wegretuschiert, bis es am Ende nur noch schöne glatte Erfolgsmeldungen gibt. Das Fußvolk muss dann umso hektischer Strampeln, um trotzdem die erwarteten Ergebnisse zu produzieren, während der Vorstand glaubt, alles sei bestens.

      Vorstände mit Verstand machen regelmäßig anonyme Mitarbeiterberbefragungen und gehen mit den Ergebnissen transparent um. Ist aber, glaube ich, selten. Außerdem kann man die Fragen so auswählen und formulieren, dass wenig Substanz übrig bleibt.

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  5. @Art: Klar wollte ich nicht darauf hinaus, dass Sozialismus zum Paradies auf Erden führt - die Beispiele, in denen das eher ins Gegenteil geführt hat bzw. führt, sind zahlreich. Es geht mir nur gewaltig auf den Keks, dass in reichen Ländern, wie dies nicht sein müsste, Verelendung und Hunger achselzuckend als Normalität hingestellt wird. Insgesamt wird es wohl so sein, wie gnaddrig meint: Wenn irgendein Wirtschaftssystem, gleich ob Kommunismus, Kapitalismus oder whatever, streng nach Textbuch und nach der reinen Lehre durchgezogen wird, dann geht das in der Regel nicht gut aus.

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  6. Bananen und Wildlachs suchte man im grauen Reich der Apparatschiks nicht vergebens, sofern man in Wandlitz danach suchte.

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  7. Charles Dickens hätte heute wieder gut zu schreiben und Arbeitshäuser ick hör euch trappsen.

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  8. @gnaddrig

    Erstaunliche Parallele zu offenen Diktaturen , da traut sich auch niemand , dem Despoten reinen Wein einzuschenken.

    @Stefan Rose

    Die Ideologie in ihrem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.

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