Samstag, 30. November 2013

Den Unverzichtbaren zum zehnten


Dieser 30. November 2013 soll nicht verstreichen ohne einen herzlichen Glückwunsch an die NachDenkSeiten, die auf den Tag genau vor zehn Jahren zum ersten Mal online gingen.

Genau weiß ich nicht mehr, wann ich mit den NachDenkSeiten zuerst in Berührung gekommen bin. Ich weiß nur, dass Schröder nicht mehr Kanzler war und wie es passierte. Vor einigen Jahren stolperte ich in der Stadtbibliothek meines Vertrauens über Albrecht Müllers Bücher 'Die Reform-Lüge' und 'Machtwahn'. Mir ging es so weit gut. Ich hatte einen Job, konnte meine Rechnungen bezahlen und hatte prinzipiell Vertrauen in Politik und Medien. Klar, mir war schon bewusst, dass nicht alles zum Besten lief, ich wusste, dass Politiker Versprechen brechen und dass Medien versuchen, uns zu manipulieren, nicht zuletzt, weil ich schon damals ein großer Fan von Volker Pispers war. Die neoliberalen Zumutungen der Schröder- und der Post-Schröder-Ära fand ich schon irgendwie ärgerlich, aber ich fand, sie waren nötig. Man könnte sagen, ich war ein perfekt angepasster, schön eingelullter, braver Staatsbürger.

Normalerweise hasse ich solches Pathos, aber hier ist es ausnahmsweise angebracht: Beim Lesen gingen mir ganze Kronleuchter auf und politisch war ich hinterher nicht mehr derselbe. Endlich gab es Worte für mein diffuses Unbehagen an der Politik und den Medien, das ich trotz aller Angepasstheit mit mir herumtrug. Entzückt war ich, als ich dann noch erfuhr, dass Müller ein tägliches Webangebot namens NachDenkSeiten betreibt. Ähnlich wie mir ging es seitdem fast allen, denen ich deren Lektüre ans Herz gelegt habe. Eine häufige Reaktion ist, dass diese Leute mir sagen, jetzt hätten sie endlich das Gefühl, nicht mehr allein zu sein.

So fing das an damals und es hat seitdem nicht mehr aufgehört. Ein Tag ohne einen Blick auf die NachDenkSeiten ist für mich ein unvollständiger. Klar, Albrecht Müller, Wolfgang Lieb und Jens Berger liegen nicht immer richtig, aber spätestens seit Frank Schirrmachers Ritterschlag in der FAZ dürfte auch in den klassischen Medien kaum jemand mehr an ihnen vorbeikommen und ihr Beitrag zur Meinungsvielfalt, zum Entstehen einer deutschsprachigen Bloggerszene und zur politischen Kultur dieses Landes lässt sich gar nicht hoch genug einschätzen. In diesem Sinne: Danke, liebes NachDenkSeiten-Team, für die letzten zehn Jahre, herzlichen Glückwunsch zum Zehnten und auf möglichst viele weitere Jahre!



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