Mittwoch, 20. November 2013

Der nie aufgab


Dieter Hildebrandt (1927-2013)
"Ein Mensch, der von Berufs wegen zum Widerspruch verpflichtet ist, muss sich auch gegen ärztliche Diagnosen wehren. So hofften wir, es wäre nur eine Pause, die er einlegt, eine Pause nach der ersten Hälfte des Abends und dass er wiederkäme zur zweiten Hälfte. Und unausgesprochen war doch klar, dass die Pause vielleicht etwas länger und die zweite Hälfte mit Sicherheit etwas kürzer sein würde." (Frank Markus-Barwasser alias Erwin Pelzig)
Wortreichere Nachrufe sind bereits zu Hauf von anderen geschrieben worden und werden noch folgen. Was soll man sagen angesichts der doch plötzlichen Nachricht vom Tode Dieter Hildebrandts? Soll man sich in detaillierten stilistischen Analysen ergehen oder akribisch sein Werk ausbreiten? Können andere besser. Nein, mir ging spontan durch den Kopf, dass es Zeiten gab in diesem Land, in denen Dieter Hildebrandt so ziemlich der einzige war, der im Fernsehen regelmäßig echtes politisches Kabarett machte. Im Sendebereich des WDR gab es vor dem Start der 'Mitternachtsspitzen' fast nur 'Klimbim', Otto, Insterburg & Co, 'Nonstop Nonsens' und 'Mainz bleibt Mainz' im biederen BRD-Pantoffelkino. Teils nett, aber Kabarett geht anders. Wo wäre die nächste Generation Kabarettisten ohne ihn? Sie, die alle dazu beitragen, dass es etwas weniger untertänig zugeht hierzulande? Die Roglers, die Schmicklers, die Schramms, Pispers, Priols und Pelzigs? Schwer vorstellbar ohne sein Vorbild, seine Energie und auch seine Fürsprache.

Die irgendwann aufgegeben haben und resignieren, sie rechtfertigen das gern in Anlehnung an ein nie belegtes Churchill-Zitat damit, dass wer mit vierzig nicht konservativ sei – will heißen, sich endlich gefügt habe in die herrschenden Zwänge und die normative Kraft des Faktischen – kein Hirn besäße. Der mit vierzig zum wortgewaltigen, doch verblasenen Raunemann mutierte Botho Strauss meinte vor zwanzig Jahren sinngemäß, es gehöre mehr dazu, weise zu werden im Alter als seinen Zorn zu konservieren. Dieter Hildebrandt war die lebende Antithese zu solch nonchalanter Erschlaffung und hat diesen rückgratlosen Muckern bis zum Schluss gezeigt, wie Zivilgesellschaft geht. Die Bewunderung für ihn reichte über alle Altersstufen hinweg, auch wegen seiner Offenheit für neue Medien und für junge Kollegen, die ihn noch mit Mitte achtzig sein 'stoersender'-Projekt auf die Beine stellen ließ. Was für eine Leistung, auch im hohen Alter nie aufzuhören damit, widerständig zu sein und eben nicht zu resignieren.

Was soll man sagen? Dass er fehlen wird? Also bitte! Vor allem aber muss man sagen: Danke!



Kommentare :

  1. Das Kabarett wird besser , nicht schlechter , interessanter Aspekt , normal hört man eher die Klage des "früher besser únd feiner" oder so ähnlich , aber wahrscheinlich auch das nur wieder hohles Bildungsbürger-Geschwafel.

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  2. Besser, schlechter... ich würd vor allem sagen: anders. In den Sechzigern fand Kabarett eben noch mehr live statt, aber Hildebrandt war eben mit der erste, der das konsequent ins Fernsehen gebracht hat und lange Zeit auch einer wenigen war.

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