Dienstag, 3. Dezember 2013

Der schwarze Spiegel


"If technology is a drug – and it does feel like a drug – then what, precisely, are the side-effects?" (Charlie Brooker)
Da ich im Moment einiges um die Ohren habe und nicht sonderlich viel Zusammenhängendes auf die Reihe bekomme, will ich wenigstens einen Tipp loswerden. Wer mit schrägem, gut gemachtem britischem Fernsehschaffen etwas anfangen kann und noch etwas als Geschenk oder zum selbst zuführen für die dräuenden Feiertage Ende des Monats sucht, sollte sich, so noch nicht bekannt, für die britische Science-Fiction-Miniserie Black Mirror interessieren.

Dass der von mir bekanntlich sehr geschätzte Satiriker Charlie Brooker seine wöchentliche Kolumne im Guardian vorläufig eingestellt hat, fand ich schade. Obwohl sich zum Schluss schon Zeichen der Ermüdung zeigten. Aber untätig ist er zum Glück nicht. Wir dürfen uns nicht nur auf seinen Jahresrückblick 2013 freuen, er ist Coautor und -produzent der Miniserie Black Mirror. Aus unterschiedlichen Blickwinkeln setzt sich Black Mirror in bislang sechs Folgen mit den Auswirkungen der zunehmenden Digitalisierung und Vernetzung der Welt auseinander. 'Black Mirror' steht dabei für das Display eines der allgegenwärtigen Pads oder Smartphones.

In Folge 1 ('The National Anthem') zum Beispiel wird der fiktive britische Premierminister Michael Callum erpresst. Ein Prinzessin des englischen Königshauses ist entführt worden. Die Entführer lassen sie per Video die Bedingungen für ihre Freilassung stellen: Es geht nicht um Geld, sondern darum, dass der Premierminister um Punkt 16 Uhr desselben Tages live auf allen Fernsehkanälen Sex mit einem Schwein haben muss, um das Leben der Geisel zu retten. Sämtliche Versuche der etablierten Medien, die Sache zu kontrollieren, werden zunichte gemacht, indem die Entführer das Video mit den Forderungen der Prinzessin bei YouTube einstellen und in diversen sozialen Netzen darauf aufmerksam machen. Konsequent, britisch, zynisch, gut. Wer würde sich so was im deutschen Fernsehen trauen?


In weiteren Folgen wird durchgespielt, was passiert, wenn alles von und über uns gespeichert wird und jederzeit verfügbar ist ('The Entire History Of You') oder wie das Leben in einer komplett Welt ist, die zu einer Mischung aus Castingshow und Computerspiel geworden ist: Wir gehen für eine virtuelle Währung virtuellen Jobs nach und können über permanente Selbstoptimierung immer neue Credits freischalten ('15 Million Merits'). Eine deutsche Version hat es - Überraschung! - nie gegeben und die bewährte DuTube hat nur die Trailer im Angebot. Die Streams sind zwar bei Channel 4 in voller Länge verfügbar, leider aber in meinem Land nicht. Doch kann sich, wer die Anschaffung der DVDs scheut, aber des Englischen mächtig ist, auf Umwegen durchaus legal behelfen.



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