Dienstag, 31. Dezember 2013

Dinner For None


Vielleicht habe ich damals ja zu früh angefangen damit. Meine verstorbene Großtante, die des Englischen überhaupt nicht mächtig war und auch sonst, durchaus generationentypisch, angelsächischem Idiom gegenüber eher misstrauisch war, liebte es, und die ganze Familie, ich als Grundschulkind eingeschlossen, musste mitgucken. Möglicherweise war es auch falsch, das Ding damals als eine der ersten Übungen in den neuen Videorecorder zu programmieren und danach mehrmals anzuschauen. Vielleicht habe ich den entscheidenden Fehler gemacht, mir vor zirka zwanzig Jahren das Transkript des Drehbuchs in Buchform zugelegt zu haben. Ich kann jedenfalls nicht mehr darüber lachen. Keine Chance. Ein müdes Lächeln hier und da ist alles, was ich mir noch abzuringen vermag.

Die Rede ist von 'Dinner For One', jenem von allen dritten Programmen ausgestrahltem Sketch, der in nicht wenigen deutschen Haushalten zum Silvesterpflichtprogramm gehört. Man sagt, wirklich Komisches sei zeitlos. In der Tat, es gibt Klassiker, die ich auch so oft gesehen habe, dass ich sie auswendig kann, die mich aber auch nach x-maligem Anschauen nach dreißig, vierzig Jahren immer wieder aufs Neue zum Lachen bringen. Nicht bloß zu dezentem Glucksen oder Kichern, nein, so richtig heftig zum Lachen, mit Zwerchfellschmerz und Atemnot. Monty Python wäre da zu nennen oder Billy Wilders 'Eins, zwei, drei'. Laurel und Hardy, Loriot, Peter Sellers als 'Partyschreck' oder etliches von Louis de Funès. Auch 'Tom und Jerry', 'Looney Tunes', die Arbeiten Tex Averys und die Frühwerke von Zucker/Abrahams/Zucker, sollten nicht unerwähnt bleiben. Bei 'Dinner For One' aber ist das Lachen mir, wie gesagt, irgendwie abhanden gekommen.

Liegt es daran, dass der Reiz bei allen genannten Beispielen darin liegt, zu sehen, wie hinter einer Fassade aus Wohlanständigkeit Bösartigkeit und nackte Anarchie lauern? Nun ja, die Fassaden fallen schon. Ein sehr britischer, ansonsten aber zunehmend rülpsender, torkelnder, schmutzige Lieder singender Butler, der zudem am Ende mehr als andeutet, dass er noch zu seiner greisen Herrin in die Kiste darf, ist auch nicht gerade von schlechten Eltern. Auch gespielt ist das hervorragend, da gibt es nichts zu kritteln.

Oder liegt es daran, dass 'Dinner For One' mir zu Kindertagen als einziges Highlight in einer Einöde aus langweiliger Warterei auf zwölf Uhr inmitten einer zunehmend angeheiterten Verwandtschaft erschien (man selber konnte ja nicht trinken)? Dass die Erinnerung an das biedere Familiengefeier zwischen Häppchen, Flaschenbier und - brr! - Erdbeerbowle den Spaß inzwischen überlagert? Wie dem auch sei, wenn an Silvester da, wo ich feiere, 'Dinner For One' läuft, bin ich an der Bar oder draußen zum Rauchen. Und wenn danach einige Gäste lachtränenden Auges ihre Lieblingsstellen zitieren sollten, korrigiere ich sie als echter Kenner immer. Dann habe auch ich wieder meinen Spaß.

Spaß beim Jahreswechsel wünsche ich natürlich auch allen geneigten Leserinnen und Lesern - ob mit oder ohne 'Dinner For One'. In diesem Sinne: Guten Rutsch und Cheerio Miss Sophie!


1 Kommentar :

  1. Das Blöde sind dann immer die quälenden Fragen danach: http://asset-8.soup.io/asset/6480/5019_8f20_420.jpeg

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