Samstag, 7. Dezember 2013

Ismen damals und heute


"Diese Wirtschaft tötet!" (José Mario Bergoglio alias Der Papst)
Der Militarismus der deutschen Kaiserzeit war ein vornehmlich bourgeoises Minderheitenphänomen. Den Bauern, Handwerkern und Arbeitern, die damals die große Mehrheit der Bevölkerung bildeten, waren die Herrlichen Zeiten nationaler Glorie, die der schneidigdumme Wilhelm Zwo propagiert hatte, herzlich egal. Neuere Arbeiten haben gezeigt, dass die Annahme, eine allgemeine Kriegsbegeisterung habe das deutsche Volk 1914 ergriffen, wohl auf einer optischen Täuschung beruht. Es handelt sich um ein Phänomen, das vor allem auf die größeren Städte beschränkt war, wo es eine konservativ und monarchistisch eingestellte, bürgerliche Mittel und Oberschicht aus Beamten, Unternehmern, Kaufleuten und Lehrern gab. Und eine akademische Jugend, der man so gewaltig ins Hirn geschissen hatte, dass sie sich freiwillig ins große Schlachten warf. Den meisten Bauern dürfte eine Mobilmachung ausgerechnet Anfang August, mitten in der Erntesaison, sehr ungelegen gekommen sein. Die Arbeiterschaft, damals noch durch die SPD vertreten (und verraten), war höchst gespalten.

Militaristen pflegten und pflegen sich damit zu brüsten, wie sie sich jegliche Mitmenschlichkeit und Empathie abtrainiert haben, zugunsten jener Härte und Mitleidlosigkeit, die ihrer Ansicht nach einen Menschen erst zum wertvollen Mitglied der Gesellschaft macht. Unter anderem eine inhumane "Dann müssen sie halt verrecken"-Haltung verbindet den Militarismus alter Prägung mit dem einseitig neoliberal geprägten Ökonomismus unserer Tage. Dummerweise kommen die wenigsten Menschen so auf die Welt und müssen erst mühsam dazu gebracht werden, dass ihnen das Schicksal ihrer Mitmenschen gleichgültig ist. Olaf Storbeck war vor einiger Zeit Gast bei einer Veranstaltung im Bonner 'Institut zur Zukunft der Arbeit' und hat seine Erlebnisse im Handelsblatt dokumentiert:

"Es war ein freundliches, ungezwungenes Hintergrundgespräch im Bonner 'Institut zur Zukunft der Arbeit'. Eigentlich sollte es in der noblen Stadtvilla mit idyllischem Blick auf Rhein und Siebengebirge um ein Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft gehen. Doch bei Kaffee und Gebäck kam der Ökonomie-Professor ins Plaudern - und gewährte einen ungeschminkten Einblick in das wahre Denken seiner Zunft: 'Wissen Sie, die ersten vier Semester im VWL-Studium brauchen wir fürs Brain-Washing der Studenten. Und lachte süffisant.
Der Mann sagte wirklich 'Brain-Washing', und er meinte es nicht etwa ironisch. Eher stolz. Die jungen Leute, die nach dem Abitur an die Universität kämen, seien doch naive Gutmenschen. Das müsse man ihnen mühsam austreiben. Erst dann könne man gute Volkswirte aus ihnen machen."

Manchmal lohnt das Studieren der Feindpresse eben doch. Sicher ist das eine Einzelmeinung und insgesamt die einer Minderheit. Einer Minderheit allerdings, die mehrheitlich die Schaltstellen der Macht besetzt hält und sich anmaßt, jene zu beraten und zu beeinflussen, die über das Wohl und Wehe von uns allen entscheiden. Man behüte uns vor solchen Professoren, vor allem, wenn sie in Horden auftauchen!

Wo wir gerade beim Thema optische Täuschungen sind: Auch ich muss jahrelang einer aufgesessen sein, habe ich doch die FDP der letzten zwanzig Jahre immer für einen Verein militanter, karrieregeiler Knallchargen auf Egotrip gehalten, der im September vom Wähler völlig zu Recht in den parlamentarischen Orkus getreten wurde. Wie gut, dass es Aufklärer wie Christian 'Hab-mich-lieb-Wauzi' Lindner gibt. Der stellte jetzt zu meiner großen Überraschung klar, dass wir alle uns in seiner Partei die ganze Zeit getäuscht haben. Die sind gar nicht so. Kapitalisten sind sie jedenfalls keine. Die wollen doch nur ein bisschen Wettbewerb, weiter nichts. Tja, den um Wählerstimmen haben sie fürs Erste verloren. Kommt schon mal vor im Wettbewerb.


Kommentare :

  1. Ich krieg (ha) jetzt schon Plaque, wenn ich mir die ersten Veröffentlichungen und Besprechungen der Weltkriekeinsprosa so durchlese. Da gibt´s viel authentischere Texte, ausgegraben, aus der Arbeiterliteratur. Wo Stefan bei den Bauern war. Es gab noch ein viel größeres Heer an LandArbeitern, die auf Gedeih und Verderb ihren Junkern u. Großbauern ausgeliefert waren. Was leider auch schon immer romantisch verklärt wurde und wird. Dann landete mensch vom Knecht auf der Scholle in den Schützengraben und komischerweise saßen da in der Heeresleitung die gleichen Vonundzus, die sie schon aus der Heimat kannten.

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    1. Ich fürchte auch, dass wir uns in nächster Zeit da auf einiges, auch Verharmlosendes, einstellen dürfen. Vielleicht ist ja auch der eine oder andere Brauchbare dabei.
      Tja, die ostelbischen Junker waren noch mal eine Nummer für sich, die 1945 zum Glück nicht überstanden haben. Da hat die ehem. DDR mal ganze Arbeit geleistet...

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