Donnerstag, 30. Mai 2013

Sie sind unter uns (3)


Heute: Pink Radar - der Homophobe Oberchecker

Wer erinnert sich nicht an die legendären Terminator-Filme? Legendär die Szenen, in denen der staunende Zuschauer die Welt durch die Augen des Maschinenmannes wahrnahm. Wer hätte sich so was in bestimmten Situationen noch nie gewünscht? Entfernungen, Größenverhältnisse, freie Parkplätze, Temperaturen und vor allem Identitäten automatisch ins Sichtfeld eingeblendet zu bekommen. Zwar gibt es solche Geräte schon länger, aber dummerweise würde man damit aussehen wie eine dieser Borg-Drohnen aus Star Trek. Aber jetzt festhalten: Menschen mit eingebauten Scannern wie beim Terminator scheint es wirklich zu geben. Auch das muss ich wissen, denn ich bin auch so einem schon begegnet. Es war Pink Radar, der Homophobe Oberchecker.

Dienstag, 28. Mai 2013

Der Goldene Heißluftballon 2013 geht an...


... Foodwatch!

Grundsätzlich sind Organisationen wie Foodwatch mir sympathisch, weil sie Verbraucher an den Stellen aufklären, an denen Werbung und Selbstdarstellung von Nahrungsmittelkonzernen eher schweigsam zu werden pflegen. Einmal im Jahr verleiht Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die dreisteste Werbelüge der Lebensmittelindustrie. Nun ist auch das mir sympathisch, denn ich bin für größtmögliche Transparenz, weil ich finde, dass auf einem freien Markt die Kunden die Möglichkeit haben müssen, auch fundiert entscheiden zu können. So halte ich es für wünschenswert, Hersteller dazu zu verpflichten, Nährstoffangaben auf ihre Produkte zu drucken, die kein aufwändiges Kopfrechnen verlangen. Und obwohl selbst kein Vegetarier und auch kein Veganer, will es mir nicht in den Kopf, warum in Deutschland immer noch keine  Kennzeichnungspflicht für vegetarische oder vegane Produkte existiert, wie das in anderen Ländern längst üblich ist. Das wäre nichts weiter als ein Gebot der Fairness. Man sollte nur nicht übers Ziel hinausschießen oder bei seinen Attacken jedes Maß verlieren.

Sonntag, 26. Mai 2013

Sie sind unter uns (2)


Heute (aus aktuellem Anlass): Gelbe Leuchte – das Superhirn

Hoppala, da hatte man für die zweite Folge über Superhelden in unserem Alltag eigentlich etwas anderes geplant, und schon enttarnt sich überraschend noch einer. Einige Kollegen waren zwar aufmerksam geworden, haben jedoch nicht die Möglichkeit in Betracht gezogen, es könne sich um einen Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten handeln. Das ist normalerweise auch nicht so einfach, denn wie Superman sich als linkischer Reporter Clark Kent tarnt, macht Gelbe Leuchte im Alltag auf Politiker (hier übrigens eines der wenigen Fotos, die ihn in seinem Superheldenkostüm zeigen). Er versteckt sich hinter dem Decknamen Philipp Rösler und übt angeblich den den Beruf des Wirtschaftsministers aus. Ehrenamtlich schafft er noch als Parteivorsitzender.

Samstag, 25. Mai 2013

Oh selige Burschenherrlichkeit!


Grundsätzlich steht es jedem Verein frei, zu entscheiden, wer als Mitglied aufgenommen wird und wer nicht. Wenn der gesellschaftliche Mainstream sich dreht, kann es schon einmal schwierig werden. Dann stehen sich verfassungsmäßig verankerte Grundsätze („Niemand darf aufgrund … benachteiligt werden.“) und vereinsrechtliche Statuten entgegen („Der Verein für bekloppte Barttrachten Botzenburg e.V. von 1951 steht jedem männlichen Bartträger offen, der...“). Die Wiener Philharmoniker zum Beispiel, die kein öffentlich-rechtliches Orchester sind, sondern ein privater Verein, haben sich bis 1997 geweigert, Frauen aufzunehmen. Letztlich war das nicht mehr zu halten. Festzuhalten bleibt, dass es nicht zwingend Diskriminierung sein muss, wenn ein Verein einem die Mitgliedschaft verwehrt.

Mittwoch, 22. Mai 2013

Sie sind unter uns (1)


Heute: The Eye - der ICE-Hypnotiseur

Wer immer geglaubt hat, Superhelden mit ihren übermenschlichen Fähigkeiten seien bloß eine Erfindung der amerikanischen Populärkultur und somit reine Fiktion, möge sich nicht täuschen. Auch in unserem Alltag tummeln sich entsprechend begabte Menschen. Nur sieht man es ihnen nicht auf den ersten Blick an. Daher muss man sie zu erkennen wissen. Nehmen wir zum Beispiel The Eye, den ICE-Hypnotiseur (das Schöne an der Sache ist ja, dass man als Entdecker den Namen auswählen darf). Um gleich einem Missverständnis vorzubeugen: Ein ICE-Hypnotiseur ist nicht etwa in der Lage, einem ICE-Triebzug seinen Willen aufzuzwingen. Zwar gibt es Menschen, die das können, doch sind die allgemein bekannt unter dem Namen Lokführer. Nein, ein ICE-Hypnotiseur sieht im Prinzip aus wie ein ganz normaler Fahrgast, doch vermag er allein mit der Kraft seines Blickes, ohne ein Wort und ohne erkennbaren Einsatz technischer Apparaturen, jeden beliebigen Mitreisenden in einen zuckenden, willenlosen, amorphen Zellhaufen zu verwandeln. Ich muss es wissen, denn ich bin einem begegnet.

Freitag, 17. Mai 2013

Unterm Vordach qualmt's


„Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich im wohlhabenden Bildungsbürgertum eine neue Bewegung, die gesunde Ernährung mit Lebensstil und Naturromantik verband, die Bewegung der Lebensreform. Man konnte es sich leisten, Natur als etwas grundsätzlich Gutes anzusehen und Lebensbedingungen einzufordern, die man als natürlichen Lebensstil definierte. Die Losung lautete: Zurück zur Natur. Es entstanden durchaus positive gesellschaftliche Neuerungen wie weniger steife Umgangsformen, bequemere Kleidung und ein entspannteres Verhältnis zum eigenen Körper. Aber wie immer, wenn sich Gruppenmoral bildet, setzen sich wirklichkeitsfremde Ideologien durch, zum Beispiel, wie die Naturvölker zu essen, nämlich angeblich vegetarisch und roh.“ (Gunter Frank)

„Eigentlich bin ich Kettenraucher, und dazu stehe ich. Wenn Sie mir einen Gefallen tun wollen: Kommen Sie zu meiner Beerdigung und schmeißen Sie eine Schachtel Marlboro ins Grab.“ (Peter Zwegat)
Gestern Nachmittag war ich einkaufen. Selbstredend ist das eigentlich nicht der Rede wert, weil ich das jede Woche mache, wie Millionen andere auch. Eines war aber anders als sonst. Als ich bepackt die Niederlassung des Discounters meines Vertrauens verlassen wollte, kam gerade der heftigste Gewitterschauer des Jahres herunter. Das veranlasste mich und einige andere Kunden dazu, ein paar Minuten unter dem Vordach zu warten, bis der ärgste Regen nachließ, auf dass man nicht nass bis auf die Knochen beim Auto ankam. So weit, so normal. Doch dann zündete sich einer der Wartenden eine Zigarette an und dezentes Tabakaroma erfüllte bald den Zufluchtsort. Glaubt man offiziösen Verlautbarungen zum Nichtraucherschutz, dann handelte es sich dabei um nichts weniger als den Einsatz einer Massenvernichtungswaffe gegen Unschuldige. Und weil angeblich eine überwältigende Mehrheit dafür ist, dass in ihrer Gegenwart nirgends mehr geraucht wird, war zu befürchten, dass sogleich ein aufgebrachter Lynchmob sich formieren würde, den Mörder seiner gerechten Strafe zuzuführen. Vor Gericht wären dann später alle freigesprochen worden. Es war schließlich Notwehr! Und wir waren in Nordrhein-Westfalen, wo doch jetzt seit dem ersten Mai so gesund gelebt wird.

Dienstag, 14. Mai 2013

Fröhliches Filmeraten


Eines muss man den Wahlkampfstrategen der Union lassen: Sie verstehen es wirklich, Mutti Merkel im Wahljahr in Szene zu setzen. Kaum hatte unser aller Kanzlerin kürzlich dem Polit- und Justizfachblatt Brigitte ein Interview so ganz von Frau zu Frau gegeben, folgte schon der Charmeoffensive nächster Streich. Im Rahmen der Reihe 'Mein Film', die die Deutsche Filmakademie seit 2011 ausrichtet, wird einmal im Jahr eine prominente Person aus Politik, Kultur oder Showgeschäft eingeladen, die gebeten wird, ihren Lieblingsfilm zu nennen. Der wird dann in dessen und in Anwesenheit von weiteren Personen gezeigt, die etwas Schlaues zu dem Streifen zu sagen wissen. Hinterher wird noch ein wenig über das Gesehene und das Verhältnis der betreffenden Person zu dem Film geplaudert. Prima PR-Plattform, das. Wer den Lieblingsfilm eines Menschen kennt, kann einen kleinen Blick in sein Herz erhaschen, so oder so ähnlich das Kalkül dahinter.

Montag, 13. Mai 2013

Hinter den Fassaden


Allen Jubelmeldungen über Jobwunder und allen Horromeldungen über Fachkräftemangel zum Trotze ist Arbeit ein knappes Gut. Immer, wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt, kann das für die Nachfrageseite übel enden. Wie es Tucholsky schon sagte: Es ist wie im Krieg – wer die Butter hat, wird frech. Daher gilt für den, der sich Arbeit suchen muss, erst einmal an sich zu arbeiten. Da bieten dann so genannte Bewerbungsberater, -coaches oder -trainer ihre Dienste an. Oder so genannte Karriereberater. Die Seminarangebote sind so zahlreich wie die Buchhandlungen voll sind mit entsprechender Lektüre.

Das Problem vieler solcher Bewerbungs- oder Karriereratgeber ist, dass sie oft, gewollt oder nicht, dem ratsuchenden Leser das Gefühl vermitteln, er sei im Zweifel nichts, die Firmen, bei denen er sich bewirbt, hingegen alles. Sie predigen Eigenmarketing, Selbstoptimierung und Anpassung an teils absurde Standards, nach dem Motto: Sie wollen schließlich was von denen. So stricken sie an der Legende mit, nach der ein bezahlter Job nicht etwa ein Geschäft zu beiderseitigem Nutzen ist, sondern eine Wohltat, eine Gnade, für die man sich den lächerlichsten Ritualen unterwerfen muss und für die man, wird sie einem denn zuteil, die Gnade, dankbar zu sein hat.

Freitag, 10. Mai 2013

Drecksklamotten


„Es ist ein Märchen moderner Wirtschaftstheorie, dass Kapital dorthin fließt, wo man besonders effizient arbeitet. Tatsächlich fließt es dorthin, wo es die meisten Gewinne bringt. Wo man plündern kann, ohne zur Rechenschaft gezogen zu werden.“ (Lalon Sander)
Im Zusammenhang mit Lebensmitteln hieß es hier bereits des Öfteren, es liege letztlich an der Kaufentscheidung jedes Einzelnen, womit Hersteller bestimmter Waren durchkommen und womit eben nicht mehr. Wenn mir das Geschäftsgebaren zum Beispiel der Fleischindustrie zuwider ist, dann habe ich als Verbraucher prinzipiell die Möglichkeit, dort einzukaufen, wo ich mir Halte- und Schlachtbedingungen anschauen kann. Ist mir das zu teuer, dann kann ich meinen Fleischkonsum reduzieren, sodass ich mir am Sonntag guten Gewissens etwas richtig Gutes leisten kann oder ich kann gleich ganz auf Fleisch verzichten. Möchte ich mich nicht gemein machen mit Erzeugern von Discountgemüse, die illegale Einwanderer unter menschenunwürdigen Bedingungen ausbeuten, kann ich auf dem Wochenmarkt oder im Bioladen einkaufen. Oder einfach beim Discounter auf die Herkunftsangabe achten und entsprechende Ware liegen lassen.

Dienstag, 7. Mai 2013

So eine kann doch nicht...


Klar, Beate Zschäpe ist nicht Adolf Eichmann. Doch wenn man sich das hilflose Gemenschel ihrer Nachbarn und auch einiger Medien anhört, von wegen, was für eine nette, kinderliebe Person sie doch gewesen sei und so eine könne doch unmöglich… - dann bekommt man Lust, Leonard Cohens Gedicht über Adolf Eichmann zu zitieren (umdichten ist nicht nötig, der Name Eichmann taucht nur im Titel auf):

Samstag, 4. Mai 2013

Szenen aus der Leistungsgesellschaft


Wir leben bekanntlich in einer LeistungsgesellschaftTM. So wurde es uns jedenfalls  von Jugend an, ach was, von Kind auf beigebogen. Das bedeutet, ungeachtet der Person zählt nur, was jemand leistet, was jemand kann bzw. auch, wie gut jemand für die Arbeit, die er tut, geeignet ist.

Apropos Jugend: Weil es mich damals an ein Gymnasium verschlagen hatte, auf das vornehmlich das besser gestellte Bildungsbürgertum seine Sprösslinge zu schicken pflegte, lernte ich bald, wie heimtückisch die im heimischen Nordrhein-Westfalen regierenden Sozis das Leistungsprinzip torpedierten. Es war ein Lieblingssport konservativ eingestellter Lehrer und Mitschüler, über den angeblich allgegenwärtigen dunkelroten Filz herumzujammern. Kein Posten im im öffentlichen Dienst über dem eines städtischen Friedhofsgärtners sei ohne entsprechende Beziehungen und das richtige Parteibuch zu bekommen, hieß es immer. Buhuuu! Die Bürgerlichen hingegen, ja, die würden aufräumen, die fragten nicht nach Parteibuch, sondern bei denen zähle nur Leistung und Eignung.