Freitag, 28. Juni 2013

Michael Kohlhaas reloaded


Ob Geheimdienste unverzichtbar sind oder nicht, sei dahingestellt. Es scheint aber eine historische Konstante zu sein, dass Regierungen von Staaten gern informiert sind darüber, was der böse Nachbar, was tatsächliche und potenzielle Tunichtgute so treiben bzw. was sie eventuell vorhaben könnten. So weit, so gut. Lange war es aber üblich, möglichst zu unterscheiden zwischen In- und Auslandsgeheimdiensten und diese auch institutionell voneinander getrennt zu halten. Weil die Arbeit der Geheimdienste - daher der Name - geheim ist, wird die Öffentlichkeit traditionell nicht allzu umfassend darüber informiert. Besonders Inlandsgeheimdienste waren immer verdächtig, Staaten im Staate zu sein. Kritisch droht es immer dann zu werden, wenn eine Staatsführung von kollektiver Paranoia befallen ist und den Feind im Innern vermutet.

Mittwoch, 26. Juni 2013

Juhu, wir sind wettbewerbsfähig!


In den letzten Tagen wurden im Fernsehen zwei Sendungen ausgestrahlt, die einen Blick hinter die Kulissen zweier Branchen hierzulande geworfen haben. Da war einmal Michael Niebergs vom NDR produzierte Dokumentation aus der Reihe 'Die Story im Ersten' über Arbeitsbedingungen in der deutschen Fleischindustrie. Dann kam auf RTL - ja, auf dem RTL - aus der Reihe 'Team Wallraff' ein überraschend guter Beitrag über die Arbeit von Zimmermädchen in deutschen Hotels. Zwar sind Wallraffs Verkleidungskünste legendär, aber eine Frau von Anfang zwanzig bekäme nicht mal er überzeugend hin. Daher wurde eine Redakteurin, die sich sonst beim Banalitäten-Magazin 'extra' verdingt, unter der Ägide Wallraffs undercover und mit versteckter Kamera ausgestattet als Zimmermädchen losgeschickt.

Sonntag, 23. Juni 2013

Die ihr Essen fotografieren


Irgendwas mache ich falsch. Ich mache mir oft einen Kopf, über was sich so bloggen lässt. Weil das hier nie ein reines Polit-Blog sein sollte, sehe ich zu, eine gewisse Balance hinzubekommen aus Politischem, Gesellschaftlichem und jenen netten Banalitäten am Wegesrand, die das Leben so farbig machen. Ich drechsele Sätze, lese sie mir laut vor, um zu hören, ob sie auch einen schönen Rhythmus haben. Regt mich etwas richtig auf, dann gelingt es mir manchmal, einen Beitrag in einer halben Stunde fertig zu haben und nur noch ein paar kleine Korrekturen vornehmen zu müssen. Meistens breche ich mir aber länger einen ab. Vor allem aber schmeiße ich eine Menge weg. Nur gut die Hälfte dessen, was ich im Monat so verzapfe, erscheint hier auch. Der Rest gammelt als angefangenes Fragment auf der Festplatte rum. Ich beklage mich nicht, denn ich finde das ziemlich normal. Wie alle kreativen Tätigkeiten, ist Schreiben nun einmal, entgegen einem verbreiteten Vorurteil, kein reiner Spaß, sondern vor allem Arbeit. Eine schöne Arbeit zwar, die meist Freude bringt und sehr befriedigen, gelegentlich aber auch frustrieren kann.

Freitag, 21. Juni 2013

Deutsches Kinderelend


Kristina Schröder hat's manchmal auch nicht leicht. Weil bekanntlich das Damoklesschwert des demographischen Wandels über uns allen hängt, die Deutschen somit auszusterben drohen wie einst die Dinosaurier und die Neandertaler, gilt es als vordringliche Aufgabe einer Familienministerin, dafür zu sorgen, dass die zwar rammelfreudigen, aber vermehrungsmüden Deutschen diesen Trend gefälligst wieder umkehren. Das Elend der deutschen Politik liegt auch hier darin, dass man meint, alles sei im Zweifel nur eine Frage des Geldes.

Dienstag, 18. Juni 2013

Fremde Freunde


Kein Zweifel, Amerika war einmal cool. Vor allem die Populärkultur. Für viele in der Nachkriegszeit Sozialisierte hatten Jeans, Rock 'n Roll und auch das unkomplizierte Fastfood im Mief der Adenauerära etwas Befreiendes. Amerika, das stand für Freiheit, ein gewisses Rebellentum, dafür, es dem Establishment zeigen. Auch der amerikanische Traum hatte eine gewisse Faszination: Egal, wer du bist oder wo du herkommst, egal wie du heißt und welchen Namen du trägst, du bekommst deine Chance. Dass das streng genommen kaum jemals so war und es auch in den USA, die keinen Adel kannten, sehr wohl eine Rolle spielen konnte, wer man so war und aus welchem Stall man stammte, störte zunächst nicht weiter. Die Amerikaner waren schlau genug um zu sehen, dass es im Nach-Nazideutschland eine jüngere Generation geben würde, die nach so etwas dürstete und gaben den wohlwollenden Hegemon. Viele Deutsche dankten ihnen das.

Samstag, 15. Juni 2013

Ein Augapfel am Tag bringt den Doktor auf Zack


Gar schmackhaft kann ein Apfel sein. Vorausgesetzt, es handelt sich um keinen turbogezüchteten Wassersack und der brave Erzeuger hat nicht zu tief in den Giftschrank gegriffen. Darüber hinaus sind Äpfel gesund, stecken voller Vitamine und haben wenig Kalorien, sodass die Branche der Ernährungsberatung sich gar nicht mehr einkriegt ob der segensreichen Effekte des Kernobstes. Dass einige Leute, nebenbei bemerkt, Äpfel überhaupt nicht vertragen, ist etwas anderes und würde hier den Rahmen sprengen. Japanische Jugendliche scheinen da offenbar etwas falsch verstanden zu haben. Denn die lecken sich seit Neuestem, so ist zu hören, gegenseitig die Augäpfel ab zum Zwecke sexueller Stimulation. Lecker! (Schön, das Wortspiel funktioniert wohl nur im deutschen Sprachraum, weil der Augapfel vermutlich nur hier Augapfel heißt. Wie der ungelenke Reim im Titel, bloß ein schamloser Versuch meinerseits, ums Verrecken einen originellen Einstieg zu finden und Aufmerksamkeit zu generieren.)

Donnerstag, 13. Juni 2013

Die fünf Stadien...


... zur Akzeptanz des Gedankens, dass Barack Obama vielleicht doch nicht gar so anders ist:

(Tom Tomorrow via Daily Kos)


Dienstag, 11. Juni 2013

Genderama


"Girls will be boys and boys will be girls / It’s a mixed up, muddled up, shook up world / Except for Lola." (Ray Davies)
Die um ihre Männlichkeit fürchtenden Männer an der Universität Leipzig können aufatmen: Die Klöten bleiben dran und im Uni-Chor wird auch weiterhin Tenor und Bass gesungen werden. Kein honoriger Professor muss fürchten, in Zukunft mit "Frau Professorin", "Frau Professor", "Klaus-Bärbel" oder "Loretta" angeredet zu werden. Auslöser der Panik war ein Bericht auf Spiegel online, in dem es sinngemäß hieß, die Leipziger Alma Mater habe ihre Sprachregelungen dahingehend geändert, dass sich von nun an alle Männer mit weiblichen Titeln anreden lassen müssten. Im Teaser heißt es:

Freitag, 7. Juni 2013

Ursuppe


"Wenn Menschen aufhören, an Gott zu glauben, dann glauben sie nicht an nichts, sondern an alles Mögliche. Das ist die Chance der Propheten – und sie kommen in Scharen." (Gilbert Keith Chesterton)
Man sagt, des Menschen Wille sei sein Himmelreich. Wenn also jemand glauben möchte, der liebe Gott sei ein rauschebärtiger alter Mann und habe die uns bekannte Erde binnen sechs Tagen plus einem Ruhetag mit etwas Simsalabim aus Knetmasse und Spucke zusammengeleimt, dann soll er das eben tun. Wer par tout glauben möchte, man würde 120 Jahre alt und garantiert niemals krank, wenn man sich ausschließlich von Rohkost und ungewaschenen Wildkräutern ernährt, dazu täglich skurrile Gymnastik betreibt und Volkslieder zu ungelenk umgedichteten Texten zum Besten gibt, soll das meinethalben auch tun. Problematisch wird es genau dann, wenn Leute, die so was tun, alle, die das nicht tun mögen oder schlicht für Mumpitz halten, für minderwertige, unerleuchtete, ignorante und böse Menschen halten.

Ich bin in meinem bisherigen Leben weiß Gott einer ganzen Menge Schwachsinn in allen Farben, Formen und Größen begegnet. Seitdem ich mich seinerzeit daran gemacht habe, in die unendlichen Welten des Netzes vorzudringen, scheint mir das Ausmaß noch einmal deutlich angestiegen zu sein. Auch ist man aus der Esoterik-Szene wirklich einiges Schräge gewohnt. Doch spielt das, auf das am letzten Wochenende auf mein entzündetes Auge fiel, noch einmal in einer eigenen Liga.

Donnerstag, 6. Juni 2013

Verklemmte überall


Wie landet man als Comedian fast immer einen sicheren Lacher? Ganz einfach. Man braucht nur einen Satz anzufangen wie: „Greift ein Priester einem Messdiener unter den Rock...“, und dabei verschwiemelt zu grinsen. Ta-täää! Grölendes Gelächter ist fast garantiert. Die normalerweise durchaus witzige und angenehm versaute Kölner (ja, ich weiß, sie ist in der Klumstadt Bergisch Gladbach geboren) Komödiantin Carolin Kebekus hat für ihre vom WDR produzierte und auf EinsFestival ausgestrahlte Fernsehshow einen Clip gedreht, in der sie als tanzende Nonne inmitten einer Schar von Messdienern, denen wiederum Priester nachstellen, in einer Kirche Hiphoppiges zum Besten gibt. Irgendwann lupft sie das Gewand vor einem Kruzifix und leckt auch eines ab. Haha. Wer im Gegensatz zu mir auf HipHop steht, wird dem vielleicht sogar etwas abgewinnen können.

Dienstag, 4. Juni 2013

Auftakt zum heißen Sommer?


Wird dieser Frühsommer 2013 einmal in die Geschichte eingehen als der Zeitpunkt, dem es für die Mächtigen Europas langsam ungemütlich zu werden begann? Keine Ahnung. Aber die momentane Häufung von Unruhen, Protesten und Krawallen auch in jenen Ecken Europas, in denen die Bevölkerung noch nicht einmal die schlimmsten Folgen der Finanzkrise zu spüren bekommen haben, zeigt, dass sich. Wer die Backen aufbläst über spinnerte linke Randalierer, den sollte man gelegentlich daran erinnern, dass wir Europa mittels Austeritätspolitik seit einiger Zeit dabei sind, den größten sozialen Sprengsatz der jüngeren Geschichte anzurühren.