Donnerstag, 31. Oktober 2013

Neues vom Protestantismus


Vermischte Nachrichten von der schmuckloseren Seite des Christentums

Der Waliser Karl Jenkins ist den meisten, wenn auch vielleicht nicht namentlich, bekannt als Initiator, Komponist und Kopf des Fahrstuhlmusik-Projekts Adiemus. Mit diesem bombastisch-süßlichen Gesäusel, die Älteren werden sich schmerzvoll erinnern, wurden in den 1990ern viele öffentliche und private Räume akustisch zugekleistert. Weniger bekannt ist, dass er früher Keyboarder der Jazzrock-Band Soft Machine war und dass er eine Messe für den Frieden mit Namen The Armed Man komponiert hat, die er den Opfern des Kosovo-Krieges widmete. Das im Jahr 2000 uraufgeführte und durchaus beliebte Stück folgt formell dem Aufbau der katholischen Messe, verknüpft sie aber im Sinne eines völkerverbindenden, pazifistischen Grundgedankens mit musikalischen und textlichen Elementen aus verschiedenen anderen Kulturen und Religionen.

Montag, 28. Oktober 2013

Danke, Dönermann!


In Fatih Akins Film 'Solino' von 2002 versucht Rosa Amato (Antonia Attili) auf dem kümmerlichen Markt ihrer Neu-Heimat Duisburg ein paar Zutaten für ein ordentliches Essen zusammen zu bekommen, wie sie es von zu Hause gewohnt ist. Das jammervolle Angebot aus Kohl, Kartoffeln und ein paar schrumpeligen Möhren beleidigt das Auge der italienischen Mamma und man fühlt mit ihr. Sicher ist die Szene überspitzt, doch gar so weit hergeholt ist sie auch wieder nicht. Gegen Ende desselben Jahrzehnts, in denen der Film spielt, besuchte meine Mutter zwecks Ehevorbereitung einen Kochkurs, wie es damals noch üblich war. Die Lehrerin war mit einem Spanier verheiratet und brachte eines Tages ein exotisches Gemüse mit, das noch keine der anwesenden angehenden Haus- und Ehefrauen jemals im Leben gesehen, geschweige denn probiert hatte. Es handelte sich um gewöhnliche Paprikaschoten.

Sonntag, 27. Oktober 2013

Ein Männerding, immer noch


Ron Howards Film 'Rush - Alles für den Sieg', Formel 1 und der ganze Rest

Es ist schwer zu bestreiten, dass es auf der Welt eine ganze Reihe vernünftigere und sinnvollere Dinge gibt als Motorsport. Kann sein, dass Motorsport wirklich eines der dümmsten und unvernünftigsten Dinge der Welt ist. Trotzdem kann und will ich nicht leugnen, dass Autorennen mich von jeher fasziniert haben. Vielleicht, weil ich mir ein Leben so ganz ohne jede Verrücktheit nicht vorstellen kann. Ferner mag ich nicht darüber diskutieren, ob das ein Sport ist oder nicht. Auch wenn es allen Kritikern, die sicher mit vielem recht haben, nicht passt: Ein derart groteskes Geschoss auf Rädern wie einen Formel 1-Wagen knapp zwei Stunden lang permanent im Grenzbereich zu bewegen oder in einem noch groteskeres Geschoss auf Rädern ein Langstreckenrennen wie das in Le Mans durchzustehen, ist körperlich und mental sehr wohl großer Sport. Ein Bleifuß und ein Pkw-Führerschein reichen lange nicht aus dafür.

Freitag, 25. Oktober 2013

Heiliger Sankt Florian...


... verschon' mein Haus, zünd' andere an!

Man kann mit einigem Recht fragen, warum Angela Merkel sich eigentlich so aufregt darüber, dass die Verbündeten von der NSA ihr Handy ausspioniert haben sollen. Hat sie am Ende gar etwa was zu verbergen? Wenn nicht, dann hat sie doch auch nichts zu befürchten, oder? Die kleine Episode illustriert sehr schön, wie viele reagieren würden, wenn sie erkennen, in welchem Ausmaß ihre eigentlich privat gedachte Kommunikation ausgespäht wird. Normalerweise zucken die meisten gleichgültig die Schultern, wenn Datenschützer und andere Bedenkenträger warnen. Sollen halt besser aufpassen. Aber wenn auf einmal die eigenen Kreditkartendaten in Gefahr sind, dann ist das ein Skandal. Willkommen in St. Florian, wo Empathie etwas für sentimentale Weicheier ist und Werte nur etwas wert sind, solange sie dem eigenen Vorteil dienen.

Dienstag, 22. Oktober 2013

Alles bio oder was?


Letztens hatte der Bioladen meines Vertrauens vakuumierte Bratwürstchen im Angebot. Weil die sonst ziemlich teuer sind, griff ich bei der heruntergesetzten Ware, die am nächsten Tag ablief, gern zu. Weil sie weg mussten, haute ich gleich alle in die Pfanne, die Hälfte wollte ich am nächsten Tag wieder aufwärmen. Was soll ich sagen? Die Dinger schmeckten exakt nach dem, was drin war: Gutes Hackfleisch, Salz und ein paar dezente Gewürze. Sie waren einfach verboten lecker und wären auch zum regulären Preis jeden einzelnen Cent wert gewesen. Heavens!, dachte ich, so großartig kann also eine schnöde Bratwurst schmecken. So ungefähr muss es früher gewesen sein, als noch selbst gewurstet wurde und jeder Bauer für den Eigenbedarf ein Extraschweinderl hielt, das nur bestes Futter bekam. Alle Hersteller jener Massenware, die in den Kühltheken der Discounter herumliegt, waren schlagartig als Panscher und Giftmischer entlarvt. Ich musste mich schwerst zusammenreißen, um nicht alle auf einmal wegzufuttern und mir dadurch das Mittagessen des nächsten Tages zu versauen. Bio? Aber gerne doch!

Samstag, 19. Oktober 2013

Der schizoide Michel und sein Wille


Herbert Wehner hat es einmal ziemlich genau getroffen. Sein berühmter Ausspruch "Dieser Herr badet gern lau!", war eigentlich auf Willy Brandt gemünzt. In Wahrheit war das eine perfekte Charakterisierung des wahlberechtigten deutschen Durchschnittsdödels. Wie richtig der alte Bollerkopp gelegen hat, wird sehr schön deutlich, wenn man sich einmal das anschaut, was seit der Bundestagswahl als 'Wählerwille' gehandelt wird. Das ist natürlich Kokolores, denn so etwas wie ein Wählerwille ist in der Verfassung überhaupt nicht vorgesehen. Das ist eine Erfindung von Politikern, die gern vorgeben, die Wahrheit gepachtet zu haben, und sie wird willfährig nachgeplappert von Journalisten, die panische Angst haben, irgendwen intellektuell zu überfordern und deswegen vorgeben, die Menschen da abzuholen, wo sie stehen (wobei sie verschweigen, dass sie damit sich selbst meinen). Praktiziert man das ein paar Jahrzehnte lang konsequent genug, dann können die Ergebnisse mitunter verheerend sein.

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Spendenaufruf


Eine Partei ist keine Einzelperson und eine Parteispende ist kein Honorar, über das eine Einzelperson nach Belieben verfügen kann. Parteispenden sind etwas Legales, das in entsprechenden Gesetzten geregelt ist. Nicht jede Spende, nicht jedes Honorar ist gleich ein strafbarer Versuch der Einflussnahme. Andererseits ist Politik auch nicht die Caritas. Es geht um Einfluss und vor allem um Geld. Viel Geld. Wenn Peer Steinbrück fünfstellige Vortragshonorare kassiert, dann muss er sich natürlich die Frage gefallen lassen, inwieweit das seine politischen Entscheidungen beeinflussen könnte. Kann ein Politiker, der als kommender Kanzlerkandidat gehandelt wird, 25.000 Euro für 90 Minuten reden überwiesen bekommt, noch so unbefangen reden und entscheiden, als wenn das nicht passiert wäre? Das ist natürlich nicht ausgeschlossen, aber die Frage liegt nahe und muss erlaubt sein.

Montag, 14. Oktober 2013

Kleiner Hinweis in eigener Sache


Interessant ist es zuweilen, durch die Statistiken seines Blogs zu stöbern. Man kann unter anderem sehen, wie oft die Seite zu welcher Tageszeit genau aufgerufen wurde, wo das Publikum so sitzt (erstaunlicherweise auch in den USA – Honi soit qui mal y pense...) und noch einige andere, mehr oder minder wichtige Informationen abrufen. Ganz nett kann es auch sein, sich die Zugriffsquellen anzusehen, also von welchen Seiten aus der Blog wie oft angeklickt wurde. Und da sah ich jetzt etwas, das mich stutzen ließ:

Samstag, 12. Oktober 2013

Stoppt die Kommies vom Roten Kreuz!


Die Briten sind wirklich zu beneiden. Dort gibt es nämlich Politiker, die ihre Versprechen auch halten. David Cameron zum Beispiel. Der ist 2010 angetreten, die Armen ärmer und die Reichen reicher zu machen. Weil das gut ist für alle, auch für die Armen (deren Pech, wenn sie das nicht verstehen). Jetzt endlich, nach dreieinhalb quälenden Jahren, in denen Cameron sich wie einst der Heilige Georg, das britische Nationalmaskottchen, heldenhaft gegen jede Anwandlung von Sozialismus ins Zeug gelegt hat, sind erste manifeste Erfolge zu verzeichnen. Zum ersten Mal nach dem zweiten Weltkrieg will das Rote Kreuz in diesem Winter auf der Insel Lebensmittel sammeln und an Bedürftige verteilen. Na also! Im erfolgreichen Outsourcing zeigt sich eben, aus welchem Holz ein Manager geschnitzt ist.

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Aus der Zeit gefallen


Dass Timing alles sei im Leben, ist keine allzu neue Erkenntnis. Von Napoleons Außenminister Talleyrand ist die Sottise überliefert, Verrat sei eine Frage des Zeitpunkts. Bestimmt hat auch der eine oder andere alte Römer etwas darüber zum Besten gegeben, aber da bin ich zu faul zum Recherchieren. Es gab Zeiten, in denen Bischöfe im Heiligen Römischen Reich zu den Reichsfürsten gehörten, regierten wie die Fürsten und auch ihre Hofhaltung einer fürstlichen in nichts nachstand. Sehr schön studieren lässt sich das an älteren bischöflichen Residenzen, wie etwa dem Münsteraner Schloss, das heute die Verwaltung der Universität beherbergt und dem Land gehört. Dass Franz-Peter Tebartz-van Elst, noch amtierender Bischof von Limburg, also möglicherweise im falschen Jahrhundert geboren wurde, dafür kann er weiß Gott nichts. Sehr wohl kann er hingegen etwas dafür, dass ihm das bislang noch nicht wirklich aufgefallen zu sein scheint. Auch kann er etwas dafür, dass er möglicherweise auch alle, die ihm das eventuell gesagt haben, konsequent zu ignorieren scheint. Nicht sein erster Fehler.

Montag, 7. Oktober 2013

Zu volle Boote


Nein, in Deutschland hat man kein prinzipielles Problem mit Flüchtlingen. Man muss gar nicht lang zurückblicken, um das zu verdeutlichen. Da gab es einmal zwei deutsche Staaten. Die Älteren werden sich erinnern: Der kleinere von beiden hatte sich eingemauert und versuchte seine Bewohner mit allerlei technischem Aufwand von der Ausreise in den größeren abzuhalten. Die Grenze war hermetisch abgeriegelt und wer erwischt wurde, durfte nicht damit rechnen zu überleben. Die es aber schafften, der DDR und deren Apparatschiks zu entrinnen, oft unter Einsatz ihres Lebens, wurden von den westlichen Medien wie Helden gefeiert. Und die ihnen dabei halfen, oft ebenfalls mit beträchtlichem Risiko, wurden nicht als kriminelle Schleuser denunziert, sondern hießen Fluchthelfer und bekamen Bundesverdienstkreuze für ihren Mut. Die auf der Strecke blieben, wurden betrauert und es wird ihrer bis heute gedacht.

Donnerstag, 3. Oktober 2013

Am Ende des Regenbogens


... und des guten Geschmacks 

"Mein Oppa hatte ja überhaupt keinen Respekt vor großen Namen. Meine Omma schon. Wenn sie zum Beispiel von Vico Torriani schwärmte, dann meinte Oppa nur: Na und? Der geht auch nur kacken." (Frank Goosen)

(via topfvollgold.de)
Zu Beginn eine hypothetische Frage: Angenommen, Ihnen geriete, wie und warum auch immer, eine bunte Zeitschrift wie die links abgebildete in die Finger. Nehmen wir an, dass auf dem Titel zwei fröhlich lächelnde Leute namens Helene Fischer (29, Sängerin) und Henning Baum (41, Schauspieler) abgebildet sind (wie man sehen kann, handelt es sich um zwei einzelne Portraitaufnahmen, die per Layout zusammen geflanscht wurden). Nehmen wir weiterhin an, als Schlagzeile prangte auf eben jenem Titel: "Baby-Geflüster! Jetzt lüften sie alle Geheimnisse" - in welche Richtung ginge Ihre erste, spontane Assoziation?

Mittwoch, 2. Oktober 2013

Die Tussi kehrt zurück


Liebe Geschlechtsgenossen, wir müssen jetzt sehr tapfer sein. Wir können aber nicht behaupten, nicht gewarnt gewesen zu sein: Die gendermäßig höchst asymmetrisch erfolgreiche Filmreihe Bridget Jones geht in die dritte Runde. Ein verfilmter Mädelsabend, die auf Zelluloid gebannte Rache für unzählige Fußballspiele und Actionfilme, die frau im Leben gezwungen war, mitzugucken. Es ist wichtig, für den Fall, dass mann mit weiblicher List dazu gebracht wird, sich das anzutun, ein wenig vorbereitet zu sein. Daher für alle, die das Glück hatten, sich im Gegensatz zu mir den ersten zwei Teilen nicht aussetzen zu müssen, eine kurze Einführung in den Kosmos dieser schillernden Ikone unserer Zeit: