Dienstag, 30. Dezember 2014

Das Ende ist nah!


Ist es Zufall oder doch Fügung? Wladimir Putin kann sich momentan ein wenig zurücklehnen und sich in Ruhe auf das orthodoxe Weihnachtsfest vorbereiten. Seine Jobs als personifizierter Untergang des Abendlandes, Lieblingswatschenmann und Irrer vom Dienst ist er erst einmal los. Die hat neuerdings alle Alexis Tsipras inne, der Vorsitzende des griechischen Linksbündnisses Syriza. Es heißt, wenn es richtig schlecht liefe für die Märkte und das Volk in Griechenland falsch wähle, dann werde sehr bald schon die Welt untergehen, weil dann mit Tsipras einer an die Macht käme, der so shockierende Ansichten vertritt wie die, dass marktkonforme Demokratie vielleicht doch nicht so ganz das Gelbe vom Ei sein könnte.

Samstag, 27. Dezember 2014

Grenzerfahrungen in der Konsumgesellschaft (6)


Alle Jahre wieder über den vorweihnachtlichen Konsumterror herumzumosern, mag verständlich sein und Spaß machen, ist aber auch nicht eben originell. Ich mache lieben Menschen gern eine Freude und finde diese immer allgegenwärtigeren Geschenkgutscheine zunehmend blöder (außer, es handelt sich um Einladungen zu wirklich schönen Dingen). Wenn ich weiß, dass sich jemand über das Erstandene ehrlich freut, dann nehme zuweilen das Konsumgetümmel auf mich. Ich hatte so weit alles beisammen fürs Fest, doch die liebe Frau M. drängte auf einen Besuch des neuen Riesenkonsumtempels, der vor kurzem in der Stadt eröffnet hatte.

Mittwoch, 24. Dezember 2014

Schöne Feiertage!


So denn, die Geschäfte schließen langsam, das anstehende Geburtstagsfest des Religionsstifters sorgt für ein paar hoffentlich ruhige Tage. Sofern keine kleinen Kinder im Spiel sind und das Familienleben nicht allzu belastet ist, versteht sich. Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern, egal ob sie den Kram nun mitmachen oder nicht und warum bzw. warum nicht, ein paar erholsame Tage. An dieser Stelle danke ich schon einmal herzlich allen, die im Laufe des Jahres hier vorbeigeschaut haben. Fürs anklicken, kommentieren, kritisieren, ermuntern, verlinken und was sonst noch alles. Ohne Sie/euch würde das hier nicht stattfinden. Man liest sich nach den Feiertagen!

Sonntag, 21. Dezember 2014

Der Wikinger an der Ecke


Wie bei uns in der Provinz doch einmal etwas Weltbewegendes passierte und niemand es bemerkte.

Bekanntlich komme ich aus und lebe in der Provinz. In der Provinz ist das so: Die was reißen wollen im Leben, sind schon als Kinder quasi permanent auf dem Sprung und hauen bei erster Gelegenheit ab in die große Welt. Die fängt bei uns in Münster oder Bochum an, je nach Richtung. Die, die bleiben, verinnerlichen schnell, dass im heimatlichen Kaff, allen Träumen und Ambitionen zum Trotze, höchstwahrscheinlich niemals etwas passieren wird, das irgendjemanden interessiert außer örtlichen Honoratioren und dem Redakteur des Lokalblättchens, der jeden Tag ein paar Seiten vollkriegen muss, und erwarten daher nicht viel. Und groß fragen tut man da auch nicht. Normalerweise ist das eine einigermaßen gesunde Einstellung, manchmal aber ist es ein Fehler.

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Dringendes Bedürfnis


Ich mag normalerweise die Form des Offenen Briefes nicht besonders. Sie kommt oft sehr klagend und moralinsauer daher. Außerdem ist ein Brief ein privates Medium, das mit breiter Öffentlichkeit nicht unbedingt immer kompatibel ist. Doch kann so ein Offener Brief, auch wenn er seine Adressaten höchstwahrscheinlich nie erreicht, durchaus der Selbstvergewisserung dienen und dem Dampfablassen. War dringend nötig nach den letzten Tagen.

Dienstag, 16. Dezember 2014

Sonntag, 14. Dezember 2014

Schlimme Verluste


Wenn mich nicht alles täuscht, war es Florian Illies, der uns das mit der 'Wetten dass...?'-Nostalgie eingebrockt hat. In seinem Bestseller 'Generation Golf' taucht zum ersten Mal die jetzt eingestellte Samstagabendsendung als unverzichtbarer Teil des Wochenendes jener bundesrepublikanischen Wohlstandskinder auf, die in den späten Siebzigern und frühen Achtzigern im Grundschulalter waren. Frisch gebadet, eingemummelt in den molligen Frotteebademantel, durfte man samstags länger aufbleiben, vielleicht sogar Chips essen, und mit den Eltern zusammen 'Wetten dass...?' gucken bis ganz zum Schluss. So schildert Illies die typische Idylle der damaligen Zeit, allen ward mit einem Mal ganz wehmütig und sie kauften das Buch, dass es nur so eine Art war. 

Freitag, 12. Dezember 2014

Demokratie kann man verlernen


Es ist bekannt, dass in diesem Land in puncto Infrastruktur mittlerweile ein ziemlicher Investitionsstau herrscht. Den zu beheben, kostet, klar, Geld. Geld, das der Staat nicht hat und an das er irgendwie kommen muss. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Man könnte zum Beispiel darüber nachdenken, den Spitzensteuersatz wieder ein wenig anzuheben, gleichzeitig die Progression ein wenig abzuflachen. Man könnte die Erbschaftssteuer wieder einführen oder eine Börsenumsatzsteuer. Man könnte die Sätze der Vermögens- und Körperschaftssteuer wieder anheben, eine Kapitalertragssteuer einführen, die diesen Namen auch verdient und so weiter und so fort. Mit anderen Worten: Man könnte bei denen nachschauen, die problemlos was abdrücken könnten und nicht wissen, wohin mit der Kohle.

Dienstag, 9. Dezember 2014

Im tiefen Tal der Superhonks


Ist es Zufall, dass man die Gegend um Dresden früher 'Tal der Ahnungslosen' nannte? Da sind sie jetzt mal wieder abends, hihi, ein wenig spazieren gegangen. Dieses Mal zu zehntausend. Muss man das ernst nehmen? Ja und nein.

Ich frage mich ja immer, was diesen Menschen eigentlich genau vorschwebt. Eine furzgemütliche, fast reindeutsche, rechtwinklig geharkte, gekehrwochte Gartenzwergwelt? Ein Lilalaunesuperland, in dem alles exakt so funktioniert, wie sie sich das wünschen? Ein Auenland, das natürlich auch weltoffen ist ein Stück weit, in das aber ausschließlich die hineindürfen, die Herr und Frau Pegida für würdig erachten? Also außer zahlenden und staunenden Touristen oder ein paar Leistungsträgern am besten niemand (die Verschärfung des ohnehin zu Tode verschärften Asylrechts ist nämlich eine ihrer wenigen konkreten Forderungen). Was glauben diese Leute eigentlich, wer und wie viele sie sind und was genau sie so alles zu bestimmen haben?

Sonntag, 7. Dezember 2014

Big Brother in nett


Machen wir uns nichts vor. Die Idee der Generali-Versicherung, Kunden, die gesund leben, regelmäßig Sport treiben und bereit sind, ihre diesbezüglichen Daten per App zu übermitteln, Boni zu gewähren, wird sich wahrscheinlich irgendwann innerhalb der nächsten Jahre durchsetzen. Weil sie haargenau in die Zeit passt und weil sie nicht wenige Menschen genau dort trifft, wo sie am empfänglichsten sind: Bei ihrer Eitelkeit und ihrem Drang, sich anderen überlegen zu fühlen. Bei ihrer Illusion, nichts zu verbergen zu haben. Und bei ihrer Naivität, die sie nicht sehen lässt, dass auch eine nett und freundlich daher kommende, mit Anreizen statt mit Strafen arbeitende Tyrannei letztlich eine Tyrannei ist.

Mittwoch, 3. Dezember 2014

Sie sind doch nur besorgt!


Nein, die Bezeichnung 'Wutbürger' würden sie sich vermutlich verbitten. Sie sind schließlich nur besorgt. Um Deutschland. Damit es endlich erwache aufwacht, das verschnarchte, unpatriotische Deutschland. Auch wegen der Kinder. Mit dem Hinweis auf die Kinder lässt sich ja bekanntlich jede Zumutung mehrheitstauglich machen. Politikern trauen sie nicht. Journalisten erst recht nicht. Wer Kritik übt an ihnen, gefährdet ihre Meinungsfreiheit. Zum Beispiel die zirka 6.000 Leute, die jetzt unter dem Namen 'Pegida' ('Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes‘) kundgebend durch Dresden getapert sind.

Sonntag, 30. November 2014

Sie tun es wieder!


Allem Antiamerikanismus zum Trotze, hat 'Star Wars' mich damals durch einen Teil meiner Kindheit und Jugend begleitet. Mehr noch: Eine Zeit lang beherrschte die Weltraumsaga förmlich meine Phantasie. Einmal ein edler Ritter sein wie Luke Skywalker! Dieses unter der Ägide weiser, gütiger Lehrer wie Obi-Wan Kenobi und Yoda vom jugendlichen Feuerkopf zum Zen-Meister gereifte Pilotenwunderkind. Einmal eine coole Sau und ein Draufgänger sein wie Han Solo, der noch auf dem Schafott mit der Schlinge um den Hals einen lockeren Spruch auf den Lippen hat und am Ende die Prinzessin bekommt, die ihr mönchischer Bruder nur ganz asexuell retten durfte.

Freitag, 28. November 2014

Kein Grund zur Arroganz


Vor etwa zwanzig Jahren war ich in vieler Hinsicht antiamerikanisch eingestellt. Klar, ich wusste einiges, was so über den Großen Teich kam, durchaus zu schätzen. Etliches an Filmen und Literatur hatte schon meinen Respekt, aber bei vielem anderen war ich doch sehr dünkelhaft. So hätte ich vor gut zwanzig Jahren bei der Nachricht, dass nicht zum ersten Mal ein schwarzen Jugendlicher von einem weißen Polizisten mal eben auf Verdacht erschossen wurde, nach der ersten Reaktion ("Oh Gott, der arme Kerl!") bloß verächtlich geschnaubt. Tsss, Amerikaner! Dieses Land konnte man einfach nicht ernst nehmen als Europäer. Solcher Hochmut rächt sich, das ist mir erst später klar geworden. Vielleicht auch eine Frage des Alters. Aber die Amis lieferten einfach jede Menge.

Dienstag, 25. November 2014

Freaky Friday


Ach, 'Freitag'! Ich hatte dich immer für einen kleinen Lichtblick gehalten im trüben Einerlei des hiesigen Qualitätspressewesens, in dem Qualität nicht selten von quälen kommt, und zwar den Leser. Eine Insel des Geistes, der Recherche und des kritischen Denkens. Wo Leser ernst genommen werden und Propaganda eher kritisch hinterfragt denn betrieben wird. Eine Art Einäugige unter den Fastblinden. Aber was muss ich denn da jetzt lesen?

Sonntag, 23. November 2014

Lauf der Dinge


Aus, vorbei. Die kleine Bäckereifiliale nebenan ist ziemlich überraschend geschlossen worden. Die nächste ist über einen Kilometer entfernt. Ursprünglich war sie an einen Discounter angeschlossen. Als der vor zwei Jahren umzog und sich kein Nachmieter fand, ging es wohl bergab. Funktioniert heute einfach nicht mehr, zu wenig Laufkundschaft. Und, klar, die Konkurrenz der Backstationen in den Supermärkten, in denen Teiglinge aufgebacken werden und ein Brötchen die Hälfte kostet, wird immer stärker. Wieder geht ein Stück Vertrautes, denn so lange ich da wohne, gab es diesen Laden. Tempi passati.

Samstag, 22. November 2014

Mr Pickup im Anmarsch


Es ist ein schwer auszurottendes Missverständnis, dass die Befreiung unserer Sexualität in die allgemeine, frisch-fromm-fröhliche freie Liebe geführt hat. Sie hat lediglich neue Zumutungen geschaffen, die es zuvor so nicht gegeben hat. Michel Houellebecq hat schon 1994 scharfsichtig erkannt, dass es sich mit einer weitgehend liberalisierten Sexualität in etwa so verhält wie mit einer weitgehend liberalisierten Wirtschaft: Sie schafft Gewinner und Verlierer. Gewinner profitieren von der Lockerung moralischer Standards, indem sie eine Menge Spaß und Abwechslung haben können, ohne deswegen gesellschaftlich geächtet zu sein. Verlierer bleiben auf der Strecke, manchmal ein Leben lang, und bekommen von einer Begehrten allenfalls das Kompliment zu hören, ein echt netter Kerl zu sein. So was kann auf Dauer frustrieren.

Mittwoch, 19. November 2014

Wutbürgerlicher Checker


Gestern referierte Ulrike Herrmann von der taz in der hiesigen evangelischen Akademie über TTIP und CETA. Der Eintritt war frei, man bat bloß um eine Spende. Also Hintern hoch und hin. Präsenz zeigen, informieren, gegebenenfalls eine weitere Petition zeichnen gegen die geplante globale Konzernokratie. Mag nicht viel sein so eine Veranstaltung, aber immer bloß Sesselfurzen und hinterher meckern bringt erst recht nichts. Außerdem schätze ich Frau Herrmanns Arbeit und ein voller Saal ist auch ein Zeichen der Wertschätzung. Zudem bei solchen Gelegenheiten möglicherweise was zu lernen gibt und man eventuell auf Gleichgesinnte trifft. Das Gefühl, nicht allein dazustehen, kann wärmen.

Montag, 17. November 2014

Geschichtsvergessenheit als Staatsraison


Normalerweise neige ich nicht dazu, der endlosen Amtszeit des ewigen Einheitskanzlers Kohl übermäßig hinterherzutrauern, dafür war der Fremdschamfaktor zuweilen einfach zu hoch. Dauernd schien bei dem mächtigen Pfälzer irgendwo ein Mantel der 'Gechichte' zu wehen. In einer Tour auf die historische Dimension von irgendwas zu verweisen, ist eine unter Historikern verbreitete Berufskrankheit, die normalerweise dazu führt, dass Gesprächspartner irgendwann genervt die Augen verdrehen. Immerhin musste man Kohl lassen, dass er immerhin noch über so was wie Gechichtsbewusstsein verfügte. Dass das andere Extrem nämlich keineswegs erfreulicher ist, offenbarte gestern Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen.

Freitag, 14. November 2014

Hört auf, meine Sachen zu verscherbeln!


Immer wenn öffentliche Haushalte aushungern, wird nach privaten Investoren gerufen, die frisches Kapital bringen sollen. Man wandelt ehemals staatliche Firmen in privatwirtschaftliche um, um sie dann zu verkaufen. Auch anderer öffentlicher Besitz wird privatisiert, zum Beispiel, indem man kommunale Grundstücke verkauft. Oder man verhökert gleich das Tafelsilber. So jetzt geschehen im Fall zweier Warhol-Bilder aus dem Aachener Casino der Westspiel GmbH, die sich im Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen befindet. Die Werke waren in den Siebzigern für 185.000 und 204.000 Mark zu Dekorationszwecken angeschafft worden. Inzwischen hat ihr Wert sich vervielfacht.

Dienstag, 11. November 2014

Da geht was!


Kartoffelchips meide ich normalerweise. Nicht, weil ich sie nicht mag, sondern weil ich sie zu sehr mag. Einmal angefangen, kann ich meist nicht aufhören und schwuppdiwupp ist die ganze Tüte leer. Ich bin weiß Gott kein manischer Kalorienzähler, aber so eine große Tüte Chips hat leider nun einmal einen Energiegehalt wie ein frischer Uranstab und man muss ja nicht alles übertreiben. So habe ich nur welche im Haus, wenn ich mal ein paar Leute einlade. Eine Ausnahme von der Regel gibt es: Wenn ich in einer Stadt bin, in der englische Lebensmittel zu haben sind, sehe ich zu, dass ich einen großen Sack Walker's bekomme. Am liebsten die heilige Dreieinigkeit der Klassiker: Salted, Cheese & Onion, Salt & Vinegar.

Samstag, 8. November 2014

Opa Drachentöter


Es ist verbreitet und geht selbstverständlich völlig in Ordnung, ein Lebensthema zu haben und sich daran abzuarbeiten. Haben viele. Nur sollte man sich einen klaren Blick für die Dinge bewahren und nicht verkrampfen dabei. Bekommt man nämlich vor lauter Abarbeiten nicht mehr mit, dass die Welt sich weiterdreht, kann es überaus peinlich werden. Wie peinlich das werden kann, offenbarte Wolf Biermanns gestriger Auftritt vor dem Bundestag. Wer in den Achtzigern in Westdeutschland aufwuchs, erlebte Biermann als eine Art hauptberuflichen Ausgebürgerten, der sich vom Establishment als Paradeflüchtling herumreichen ließ. Sieh her, Bevölkerung der freien Welt! So geht man in dem Land, dessen Namen wir nicht nennen und das wir deswegen in Anführungsstriche setzen, mit Künstlern um.

Donnerstag, 6. November 2014

Schlechtes Timing


Den vorläufigen Niveaulimbo-Rekord in Bezug auf den GDL-Vorsitzenden Claus Weselsky haben zweifellos Springers Vierbuchstabenblatt ("Bahnsinniger") und die Info-Eliten-Fakten-Gazette FOCUS ("Streikführer") aufgestellt, indem sie seine private Telefonnummer* und Bilder seines Privathauses* veröffentlicht haben. In der Luxushütte versteckt sich das Schwein, das euch euer Menschenrecht auf Bahnfahren nimmt! Gebt ihm Saures! Man sollte sich diese beiden Stücke Qualitätsjournalismus ausdrucken und sie gut aufbewahren, um sie später einmal seinen Kindern zeigen zu können. Oder damit man sie immer dann hervorholen kann, wenn sich wieder einmal jemand fragt, warum die Menschen nicht mehr bereit seien zu bezahlen, für das, was mittlerweile so alles 'Inhalte' genannt wird.

Dienstag, 4. November 2014

Auch mal schön


Fünf eher uncharismatische, unaufgeregte Typen, alles versierte Musiker, machen gute zwei Stunden lang wundervoll melodischen, entspannten Progrock. Ja, schon klar, hoffnungslos altmodisches Zeug, gepflegte Langeweile für Nostalgiker, die musikalisch irgendwo in den Siebzigern stehen geblieben sind und überlange Säuselsongs voll uncoolem, nerdigem Gefrickel goutieren (wofür es in diesem Fall aber wenig Anlass gab). Jene Musik, gegen die einst Punk angetreten ist und... Was soll's, mir doch egal, bin ich eben ein langweiliger alter Sack. Ich find's von Zeit zu Zeit herzerwärmend und habe es genossen. Schee war's! Sollte ich öfter machen.

Montag, 3. November 2014

Rückwirkend zum Ersten


Diversen Schätzungen zufolge ernährt ein halbes bis ein gut Prozent der deutschen Bevölkerung sich vegan. Gemessen daran, ist es schon faszinierend, wie viel Medienpräsenz das Thema vegane Ernährung so genießt. Kaum ein Qualitätsmedium, das irgendwie auch in dem macht, was sich Lifestyle schimpft, kommt noch aus ohne eine vegane Rezeptecke oder Selbstoffenbarungen entsprechend Bekehrter. Die Betreffenden selbst nehmen diese Aufmerksamkeit gern als Beleg dafür, dass ihre Lebensweise in der Mitte der Gesellschaft ankommt oder dafür, dass eigentlich viel mehr Menschen auf alles Tierische verzichten würden, aber aus ihren Gewohnheiten einfach nicht herauskommen. Es könnte aber auch eine Rolle spielen, dass in Medien- und medienaffinen Kreisen überdurchschnittlich viele Vegetarier und Veganer sich tummeln oder damit, dass Minderheiten qua Status immer eine Art Exotenbonus haben.

Freitag, 31. Oktober 2014

Es mieft nach Kleinbürger


Woran erkennt man unter anderem einen miefigen Kleinbürger? Er hat grundsätzlich Angst und fühlt sich und seine kleine Gartenzwergwelt immer von irgendwas existenziell bedroht, woraufhin er nach Verbot und Durchgreifen schreit, wenn er nicht gleich selbst zur Gewalt greift. Ohne Angsthaben kann er einfach nicht, dauernd geht die Welt unter. Wer in Gegenwart solcher Leute äußert, sich selbst, Deutschland oder die Welt eben nicht permanent von irgendwas bedroht zu sehen und statt dessen meint, sicher, es gäbe schon Probleme, auch durchaus ernste, aber es werde nichts so heiß gegessen wie es gekocht werde, ist entweder Kölner oder verdächtig.

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Mündige Mehrheit


„Dumm sein und Arbeit haben, das ist das Glück.“ (Gottfried Benn)

Das Tarifeinheitsgesetz (Zumutungen verstecken sich gern hinter solchen bürokratischen Wortmonstern), dessen Verabschiedung durch das Kabinett Andrea Nahles gestern für den 3. Dezember verkündete - faszinierend, wie schnell sich was bewegt, wenn die richtigen Leute im Hintergrund Druck machen – läuft im Prinzip auf eine Einschränkung unseres eingeschränkten Streikrechts und auf eine Marginalisierung kleiner Spartengewerkschaften hinaus. In einem Land mit einem wachen Sinn für Gerechtigkeit und Sensibilität für soziale Schieflagen sowie einer Presse, die ihre Rolle als vierte Gewalt ernst nimmt, käme spätestens jetzt eine ernsthafte Debatte in Gang und die Leute würden auf die Straße gehen.

Sonntag, 26. Oktober 2014

Out of touch


Was im Deutschen 'realitätsfern' heißt, nennt der Englischsprachige, wie so oft platischer und cooler, out of touch. Nehmen wir den deutschen Sparkassen- und Giroverband und seinen Präsidenten Rudolf Fahrenschon. Der stellte letzten Donnerstag das alljährliche Vermögensbarometer seines Verbandes vor. Das offenbart Beunruhigendes - vor allem, wenn man ein Sparkassenverband ist: Immer weniger Deutsche sparen. Inzwischen geben 30 Prozent der Befragten an, finanziell nicht für die Zukunft vorzusorgen. Bei jungen Menschen zwischen 18 und 29 Jahren sieht es ganz finster aus: Von denen gibt jeder Zweite an, nichts zu sparen. Auch bei Menschen mit einem verfügbaren Einkommen unter 1.000 Euro pro Monat spart mehr als die Hälfte der Befragten nichts.

Freitag, 24. Oktober 2014

Schande, Schande!


Wenn ein in christlicher Hinsicht vorbildlich lebender Mensch (so das überhaupt möglich ist) mir etwas erzählen will über christliche Werte und alle, die das nicht hinbekämen, in Bausch und Bogen verdammt, dann mag das vielleicht ungeheuer nerven, ist aber legitim. Immerhin lebt dieser Mensch das, was er predigt und ist somit in der Position, so was zu tun, ohne sich in Bezug aus Glaubwürdigkeit komplett lächerlich zu machen. Hält mir aber jemand Vorträge über Moral, Sitte und eheliche Treue, von dem im Prinzip alle wissen, dass er nebenher ein notorischer Puffgänger und Seitenspringer ist, dann wird es lustig.

Dienstag, 21. Oktober 2014

Ratlos


Hm, ich komme nicht allzu häufig nach Frankfurt am Main. Aber vom letzten Mal hatte ich die Stadt der Bankentürme und des Ebbelwois noch ein wenig anders in Erinnerung. So war ich doch ein wenig geschockt, als am Wochenende mein Blick auf den Regionalteil der 'Frankfurter Rundschau' fiel. Wie sieht's denn da aus? Hat sich wirklich so viel geändert in letzter Zeit? Schrecken diese Islamisten denn vor nichts mehr zurück?

Sonntag, 19. Oktober 2014

Wer ist hier schamlos?


Manchmal, da komme ich einfach nicht mehr mit bei den ganzen Veränderungen um mich herum. Klar, man wird älter, die diesbezügliche Flexibilität mag ein wenig nachlassen, ist wohl so. So war mir zum Beispiel überhaupt nicht bewusst, was ein Amoklauf eigentlich ist. Ich hatte ja immer gedacht, ein Amoklauf sei eine furchtbare und tragische Sache, bei der ein armer Durchgeknallter (manchmal auch mehrere) sich bewaffnet und wahllos alle massakriert, die ihm zufällig über den Weg laufen. Dank der Chefetage der Deutschen Bahn, weiß ich jetzt, wie falsch ich gelegen habe all die Jahre. Ich musste lernen, dass ein Amoklauf ist, wenn Angestellte für mehr Lohn streiken. Und das nicht nur für sich, sondern solidarischerweise auch für andere Berufsgruppen im gleichen Unternehmen.

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Auf dünnem Eis


Über Sex-, Rass-, Fasch- und andere Ismen

Mit dem Sexismus ist das so eine Sache. Vor langer Zeit, es waren die Neunziger, jobbte ich als jungspundiger Student eine Zeit lang an einer Tankstelle. Eines Tages, es war Sommer, stand eine junge blonde Kundin vor mir, die mich auf der Stelle stockkatholisch werden ließ. Das wahrhaft gottlose Nichts von einem Oberteil, das sie anhatte, ließ nämlich nur einen Schluss zu: Dieser Oberkörper musste vom Leibhaftigen selbst erschaffen worden sein! Und zwar einzig und allein zu dem Zweck, mich in Versuchung zu führen.

Montag, 13. Oktober 2014

Carnivor, hardcore


Zu den schönsten Arbeiten des völlig zu Unrecht verstorbenen Loriot zählen seine Kochrezepte. Eine gelungene, nach wie vor aktuelle Parodie auf das Gehabe eines zu Wohlstand gekommenen, eitlen Spießbürgertums, dem es nicht um gutes Essen geht, sondern darum, sich mit immer extravaganteren und immer exotischeren Kreationen gegenseitig zu übertrumpfen. Zum Beispiel Nilpferd in Burgunder ("Nilpferd waschen und trocknen, in passendem [!] Schmortopf mit 2000 Litern Burgunder, 6 bis 8 Zwiebeln, 2 kleinen Mohrrüben und einigen Nelken 8 bis 14 Tage kochen, herausnehmen, abtropfen lassen und mit Petersilie servieren.").

Sonntag, 12. Oktober 2014

Augen auf im Straßenverkehr!


Über dämliche Aufkleber 

Wieder einmal eine dieser Situationen, bei denen man sich fragt: Geht's noch? Da gondele ich friedlich in meiner zwar überalterten, doch immer noch zuverlässig schnurrenden Karre durch den Stadtverkehr, um den wöchentlichen Einkauf zu tätigen und komme an eine rote Ampel. Kann passieren. Vor mir der Firmenwagen eines privaten Briefzustellers, der einst angetreten war, dem mächtigen gelben Riesen Konkurrenz zu machen. Neben dem Firmenlogo prangte noch eine weitere Aufschrift auf dem Heck. Die lautete: "Fahrstil o.k.?", plus einer gebührenfreien Telefonnummer, die man offenbar aufgefordert ist, zu wählen, sollte dies nicht der Fall sein.

Freitag, 10. Oktober 2014

Utopische Kontrafaktur


Kaum zu fassen, aber auch Historiker träumen manchmal, und zwar nicht nur von der Vergangenheit, sondern auch von der Zukunft. Manchmal träumt man von Büchern, die irgendwann einmal geschrieben werden, so uns alle bis dahin nicht Gevatter Ebola, der Böse RusseTM oder, schlimmer noch, der finstere Islamist hinweggerafft haben sollten, versteht sich. Oder so uns bis dahin unsere 365-Tage/24-Stunden-Vollvernetztheit nicht die letzten Reste des Denkens in komplexen Zusammenhängen abgewöhnt haben sollte. Alles nicht völlig unrealistische Szenarien. Am wenigsten unrealistisch erscheint mir davon das letztgenannte, aber das nur nebenbei.

Dienstag, 7. Oktober 2014

Uberfahren


Man kann weiß Gott nicht behaupten, dass im Taxigewerbe alles eitel Sonnenschein sei. Meine Erfahrungen waren durchaus gemischt: Meistens saßen unaufdringliche, souverän agierende Fachkräfte am Steuer am Steuer gepflegter Autos. Ich bin ich unter den Droschkenkutschern aber auch an komplett Ortsunkundige geraten, die mich andauernd nach dem Weg fragten, an welche, die der deutschen Sprache nicht mächtig waren, an nach dem letzten Döner bzw. der letzten Portion Pommes mit Majo Müffelnde oder, schlimmer noch, an Körperpflegeallergiker, die ein strenges Aroma von Schweiß und anderen Körpersäften verströmten. An von chronischem Sprechdurchfall Befallene oder an spätpubertäre Stuntfahrer, die auch nachts Sonnenbrille trugen, innerstädtische Hauptstraßen schon mal mit 120 Sachen nahmen und sich an meinem entsetzten Gesichtsausdruck weideten.

Samstag, 4. Oktober 2014

Ein Hoch auf die Sinnlosigkeit


Wenn eines an den Engländern mir schon immer sympathisch war, dann ihr Hang und ihre Liebe zu seltsamen Freizeitaktivitäten. Zum Beispiel Trainspotting. Trainspotter sind eisenbahnbegeisterte Menschen, die quasi Zugsichtungen sammeln. Indem sie jede erdenkliche Lokomotiv-Zug-Kombination entweder fotografieren oder sonstwie dokumentieren und so mit der Zeit beträchtliche Sammlungen anlegen. Zwar gibt es so eine Szene auch bei uns, doch auf der Insel wurde das immer schon weit professioneller aufgezogen. Früher gab es angeblich sogar eigene Hefte zu kaufen, in denen das gesamte Rollmaterial von British Rail verzeichnet war, in die man seine Sichtungen bequem mit Datum, Ort und Uhrzeit eintragen konnte.

Dienstag, 30. September 2014

Fairness für die Büttel!


Dass Asylbewerber von Angestellten privater Sicherheitsfirmen misshandelt wurden, ist widerlich und es ist verständlich, aber auch sehr einfach, da Schaum vor dem Mund zu bekommen. Vielleicht ein wenig zu einfach und man sollte sich um äußerste Fairness bemühen. Allzuleicht ist man geneigt, in den empörten Chor einiger Verantwortlicher einzustimmen und die Wachmänner als brutale, verrohte Subjekte hinzustellen. Man sollte aber, ohne sie deswegen zu Unschuldsengeln machen zu wollen, nicht vergessen, dass sie letztlich nur Büttel sind, das letzte Glied eines zynischen Systems.

Sonntag, 28. September 2014

Ich glotz' TV!


Irgendwann muss es ja raus. Wir haben schließlich alle so unsere Spleens, Macken und schwachen Seiten. Außerdem sind öffentliche Geständnisse ja sehr angesagt seit einiger Zeit. Also könnte ich zur Abwechslung auch mal was öffentlich gestehen. Und weil Sonntag ist, mache ich sogar zwei Geständnisse.

Geständnis Nummer eins: Ich besitze einen Fernseher und gucke tatsächlich noch Fernsehen. Auf dem Sofa, wie früher. Nicht dauernd, aber durchaus gern. Ich habe die Kiste nicht abgeschafft und werde es auch nicht tun. Seinen Fernseher abgeschafft zu haben, oft gepaart mit missionarisch vorgetragener Pauschalablehnung des Mediums, gilt in gebildeten Ständen ja als Zeichen besonderen Gebildetseins. Ist natürlich Quatsch, denn so ein Gepluster ist kein Zeichen von Bildung, sondern von Dünkelhaftigkeit und dafür, es aus irgendwelchen Gründen gewaltig nötig zu haben.

Samstag, 27. September 2014

It's not a bug -- it's a feature


So ziemlich alles, was es zum Thema 'Faule Arbeitslose liegen allen auf der Tasche und wollen nicht arbeiten' zu sagen gibt:

Donnerstag, 25. September 2014

Geschockte Medien wollen Rache


Letzte Woche hat der französische Präsident Francois Hollande dem 'Islamischen Staat' (IS) offiziell den Krieg erklärt. Er hat ihn bekommen. Dummerweise kämpft der IS mit seinen eigenen Waffen und nach seinen eigenen Regeln. Jetzt haben IS-Kämpfer Hervé Gourdel, einen 55jährigen Bergführer aus Südfrankreich bei einer Wanderung in der Nähe von Algier entführt und enthauptet, nachdem die französische Regierung ihre Forderung abgelehnt hatte, die Angriffe einzustellen.

Die Grande Nátion, so heißt es, stehe seitdem "unter kollektivem Schock, geeint in Trauer, Empörung, Wut.", so der SPIEGEL. "Barbarei!" ('Le Figaro'), "Verbrechen" ('Le Parisien') oder "enthauptet, weil er Franzose war", entblödet sich sogar die linksliberale 'Liberation' nicht zu meinen.

Montag, 22. September 2014

Kein Verlust


Bei der 'Süddeutschen Zeitung' darf nicht mehr kommentiert werden. Na und? 

Nach dem stern hat auch die 'Süddeutsche Zeitung' vor einiger Zeit ihre Kommentarfunktion abgeschafft und man kann nur noch zu wenigen, ausgewählten Fragen Stellung nehmen. Ich finde das - ausgesprochen erholsam. Im Falle vieler besonders breitärschig und beleidigend auftretender Zeitgenossen kann ich mir, um ehrlich zu sein, auch eine gewisse Schadenfreude nicht verkneifen. Eine Zeitung ist ein asymmetrisches Medium mit nur minimaler Interaktivität. Man liest sie, bildet sich seine Meinung und fertig. Die Möglichkeit, mit einer Zeitung irgendwie in Dialog zu treten, gab es lange nur in Form von Leserbriefen, deren Auswahl und Kürzung die Redaktionen sich vorbehielten.

Samstag, 20. September 2014

Endlich. Shoppen. Können.


Seit ein paar Jahren gibt es in Dortmund ein Einkaufszentrum namens Thier-Galerie (der Name rührt daher, dass es auf dem Gelände der ehemaligen Thier-Brauerei steht). Dortmund hat gut eine halbe Million Einwohner, in der Galerie gibt es insgesamt 117 Geschäfte. Jetzt hat auch in meiner Heimatstadt nach gut zweijähriger Bauzeit ein nicht minder klotziger Konsumtempel eröffnet. Zum Vergleich: Mein Heimatstädtchen hat gut 115.000 Einwohner und in dem neuen Shoppingghetto befinden sich nicht weniger als 120 Geschäfte. Kawumm! Die umliegenden Städte können sich warm anziehen.

Mittwoch, 17. September 2014

Scotland The Brave


Die Sicht vieler Engländer auf ihre schottischen Nachbarn im Norden lässt sich in etwa so zusammenfassen: Liebenswerte, gleichzeitig ein wenig belächelte Hinterwäldler, mit deren skurrilen Trachten und Bräuchen man sich gern schmückt, deren Whisky man schätzt, in deren malerischer Landschaft sich nicht nur die Königin gern im Sommer erholt und deren sprichwörtliche Tapferkeit im Krieg ebenfalls immer wieder willkommen ist (noch im ersten Weltkrieg hatten die schottischen Regimenter von allen britischen Einheiten die höchsten Verluste).

Sonntag, 14. September 2014

Tölen und Trottel


Immer wieder reizend, was aus Menschen wird, die so von der Menschheit enttäuscht sind, dass sie sich in eine absurde Liebe zu Tieren hineinsteigern, zum Beispiel zu Hunden. Dabei habe ich mit Hunden in der Regel kein Problem und komme mit fast allen zurecht. Gut, als ich zehn Jahre alt war, hat mich einmal ein Schäferhund, der im Park unserem Fußball hinterherjagte, versehentlich am Bein erwischt, weil das kleine Mädchen am anderen Ende der Leine nicht in der Lage war, ihn noch zu kontrollieren. Danach begegnete ich größeren Hunden ein paar Jahre lang eher reserviert, aber das ist längst überwunden. Sicher war es verantwortungslos, ein Kind einen so starken und offenbar kaum erzogenen Hund führen zu lassen, aber auf die Idee, alle Hundebesitzer deswegen über einen Kamm zu scheren, bin ich schon damals nicht gekommen.

Mittwoch, 10. September 2014

Verapplet


Immer, wenn ein Laden namens Apple irgendwelche neuen, sensationellen Produkte vorstellt, schlägt die hiesige Qualitätspresse Purzelbäume und wird nicht müde, dieselben sogleich als 'Designikonen' und 'Revolutionen' zu befeiern (bekommen die eigentlich Geld für das devote Gehuste?). Jeder, der nicht sofort in den nächsten Apple Store rennt und sich ruiniert für so ein Teil, soll sich gefälligst vorkommen wie ein Troglodyt, der das Licht mit dem Hammer ausmacht, sich von rohem Mammutfleisch ernährt und noch mit Lagerfeuer und Pferdedecke telefoniert. Das nervt weiß Gott schon genug. Aber ich kann mich arrangieren. Man stumpft ab.

Montag, 8. September 2014

Scharia, Polizei!


Es mag vielleicht nerven, aber selbstverständlich ist es im Rahmen von Religions- und Meinungsfreiheit bis zu einem gewissen Maße erlaubt, im öffentlichen Raum anderen Leuten zu erzählen, wie sie zu leben haben, wenn sie nicht in der Hölle schmoren wollen. Machen die Zeugen Jehovas so, auch wenn sie in der Öffentlichkeit normalerweise eher den Mund halten und Druckwerk sprechen lassen. Haben auch schon diese äußerst verkrampft auf locker machenden 'Jesus Freaks' bei uns auf dem Marktplatz gemacht. Alle, die es nicht wissen wollten, wurden mit per Lautsprecher brülllaut vorgetragenen Anekdoten belästigt über ihre persönlichen Begegnungen mit dem voll coolen Jesus, die ihr Leben verändert haben.

Samstag, 6. September 2014

Es wird aufgerüstet


Ja, ich habe mich lange zurück gehalten zum Thema Ukraine und mich nicht oder nur sehr sporadisch dazu geäußert. Mich überforderte das alles. Ich wusste nicht, wem ich überhaupt noch irgendetwas glauben sollte. Ich hasse das Gefühl, zu etwas bloß eine Meinung zu haben und nicht den Schimmer einer Ahnung davon. Alles schien zu verschwimmen in einer einzigen Wolke aus winzigen Details, offenkundigen Lügen und Propaganda. Ich habe nicht den kleinsten Anhaltspunkt gesehen. Eines immerhin wusste ich ziemlich genau: Den guten Westen, der nur lautere Absichten verfolgt, gibt es ebensowenig wie den bösen Kriegstreiber Putin. Mit Präsident Gaucks Rede in Danzig anlässlich des 75. Jahrestages des deutschen Überfalls auf Polen aber ist mal Schluss mit schweigen.

Dienstag, 2. September 2014

Sorge vor der AfD? Nee!


Dass sich in Deutschland unter dem Deckmantel, eurokritisch zu sein, eine in Teilen rechtspopulistische Partei wohl endgültig zu etablieren beginnt, sollte nicht weiter überraschen. Musste irgendwann passieren. Zum einen, weil von wirtschaftlich schwierigen Zeiten kaum linke, sondern meist eher rechts stehende Bewegungen profitieren - auch der Aufstieg der so genannten rechtspopulistischen Parteien fällt zeitlich nicht zufällig zusammen mit dem des politischen Neoliberalismus und seiner verheerenden Folgen. Zum anderen, weil ein gesamteuropäischer Trend, der seit den Achtzigern mehr und mehr an Bedeutung gewinnt, mit Verzögerung jetzt auch in Deutschland angekommen ist. Man kann sich fragen, warum das so lange gedauert hat.

Sonntag, 31. August 2014

Zur Verteidigung des Trolleykoffers


Zum Abschluss der Urlaubssaison eine kleine Apologie

Rollkoffer, auch Trolleys genannt, haben einen schlechten Ruf. Die Teile sind während der letzten Jahre zum Standardaccessoire jener Schlips-, Kragen- und Kostümbratzen geworden, die die ICEs und Flugzeuge dieser Welt in Legionsstärke bevölkern und die Nerven ihrer Umwelt nicht selten mit ihrem penetranten Wichtigsein maximalst strapazieren. Auch das Geräusch, mit dem er verzweifelt Schlaf suchende Anwohner von selbigem abhält, wenn er nächtens von vom Wochenendtrip heimkehrenden Partytouristen über das Katzenkopfpflaster Berliner In-Kieze gezerrt wird, ist für den Leumund des Trolleys nicht gerade hilfreich. Wer mit Trolley unterwegs ist, gilt entweder als karrierefixierter Schweinekapitalist oder als asozialer Ruhestörer.

Donnerstag, 28. August 2014

Bekämpfen und beherbergen


Wie immer gilt es, schleunigst Deckung zu suchen, wenn Deutsche sich Gedanken darüber machen, wie mit Ausländern umzugehen ist. Ein noch tieferes Loch zum Verkriechen sollte man sich buddeln, wenn die hiesige Politik dem deutschen Michel mithilfe von Ausländern Angst machen will.

In den frühen Neunzigern begann man zunächst an Asylbewerbern das vorzuexerzieren, was man später auf die ganze Gesellschaft ausdehnte: Penibel zu unterscheiden zwischen nützlich und unnütz im Sinne wirtschaftlicher Wertschöpfung. Nützliche Ausländer sind zum Beispiel indische IT-Experten und andere Hochqualifizierte, die den Standort voranbringen und die man mit einer Art Greencard ins Land locken wollte. Am unteren Ende stehen so genannte Wirtschaftsflüchtlinge. Die kommen, heißt es, allein aus niederen Motiven angeschissen. Wollen bloß Stütze abgreifen und sich hier einen lauen Lenz machen. Von unseren Steuergeldern! Anstrengungsloser Wohlstand eben.

Dienstag, 26. August 2014

Promis on the rocks


Grundsätzlich ist es ja schön, wenn die Initiatoren einer Spendenkampagne neue und originelle Wege beschreiten, um an möglichst viel Geld zu kommen. Ein Beispiel ist die ALS Ice Bucket Challenge, die seit einiger Zeit durchs Netz geistert. Es sollen Spenden gesammelt werden für Erforschung und Bekämpfung der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS), einer irreversiblen Nervenerkrankung, die so gut wie nicht zu behandeln ist und in der Regel tödlich verläuft (prominentestes Todesopfer in Deutschland ist der 2007 verstorbene Maler Jörg Immendorff). Ein seriöser und guter Zweck, gar keine Frage.

Sonntag, 24. August 2014

Sendungsbewusst und von sich ergriffen


Gewiss, Typen, die vor Dummheit nur so stinken, die permanent auf Opiaten sein müssten, wenn Dummheit weh täte, weil sie sich sonst die ganze Zeit vor Schmerzen auf dem Boden wänden und sich auch keine Hemmungen auferlegen, die Welt daran teilhaben zu lassen, sind ärgerlich. Zwar gelten Jähzorn und Rachsucht als schwere Sünden, doch ist es selbstredend verzeihlich, wenn jemand Gewaltphantasien bekommt, der es mit einem dieser Intelligenz- und Empathieallergiker zusammentrifft - so lange es bei Phantasien bleibt, versteht sich. Doch so nervig solche Typen sein können, sie stechen vielleicht am unangenehmsten ins Auge, sind aber nicht das größte Problem. Man kann ja bekanntlich auf viele verschiedene Arten Unterschicht sein.

Donnerstag, 21. August 2014

Die ganze Wahrheit - jetzt rede ich!


Nach gängiger Auffassung könnte das Folgende für Minderjährige eventuell nicht geeignet sein. Darauf hinzuweisen, ist übrigens eine sehr sinnreiche Vorsichtsmaßnahme in Zeiten von Youporn et al., wie ich finde. Nettere Blogger, also weniger schlimme Finger als ich, würden hier auch eine Triggerwarnung platzieren, aber warum sollte ich? Unsere Qualitätspresse tut sich diesbezüglich schließlich auch keinen Zwang an. Trotzdem: Klicken Sie nur auf "Weiter lesen", wenn Sie sicher sind, dass Sie über 18, moralisch gefestigt und schwer zu schocken sind. Sollten Sie eine Frau sein, dann halten Sie sicherheitshalber einen Eimer Eiswasser bereit, um die Begierde, die Sie fast zwangsläufig überkommen wird, halbwegs im Zaume zu halten. Und legen Sie um Himmels Willen etwas Saugfähiges auf den Stuhl. Sie wurden gewarnt!

Mittwoch, 20. August 2014

Zu Risiken und Nebenwirkungen


Gut, das ist schon eine Weile her, aber ich war ja auch ein paar Tage raus aus dem Geschäft. Manchmal, da fragt man sich mit Max Uthoff tatsächlich, welche Medikamente eigentlich in gewissen Kreisen so gereicht werden. Oder bei bestimmten Parteien. Wenn ich mir zum Beispiel die Wirkung der Präparate anschaue, die man sich offenbar in der SPD-Zentrale einwirft, dann will ich unbedingt auch was davon. Einen solchen Katapultstart aus dem irdischen Jammertal und seinen unbequemen Realitäten in eine andere Umlaufbahn bekommt man normalerweise nämlich auch mit den hochprozentigsten Spirituosen nicht zustande.

Sonntag, 17. August 2014

Reiseimpressionen (2)


Dachau

Wer nach Dachau kommt, will meist zur KZ-Gedenkstätte. Damit haben die Bewohner der Stadt sich inzwischen arrangiert. Sie ist weiträumig ausgeschildert, wie es im Verkehrsfunk immer heißt. Vor knapp 25 Jahren war ich schon einmal dort. Ein ehemaliger Schulfreund studierte damals in München und als ich ihn dort besuchte, sind wir mit der S-Bahn da hin gefahren. Es war ein trüber Wintertag, der Wind pfiff über das verlassene, weitläufige, verschneite Areal, auf dem wir fast die einzigen Besucher waren und die Krähen krächzten dazu. Die erhaltenen Gebäude waren so grau wie der Himmel und die Farbe blätterte ab. Die Ausstellung im Haupthaus war bescheiden und sah aus, als sei sie seit den Sechzigern nicht mehr überarbeitet worden. Trotzdem, die stille, ein wenig unheimliche Atmosphäre hat sich mir nachhaltig eingeprägt.

Reiseimpressionen (1)


Salzburg

Markartsteg, Fußgängerbrücke über die Salzach. Beim Bau haben sie damals einen Riesenfehler gemacht und für das Geländer eine Art Maschendrahtzaun verwendet. Nun konnten die Planer damals auch nicht ahnen, dass die Kombination Brücke plus gemeinhin als romantisch geltendes Ambiente von verliebten jungen Menschen irgendwann dafür genutzt werden würde, ihrer Liebe Ausdruck zu verleihen, indem sie namentlich gravierte oder bemalte Vorhängeschlösser an Brückengeländer hängen und den Schlüssel in den Fluss werfen. In Paris ächzen viele Brücken mittlerweile derart unter dem tonnenschweren Ballast, dass die eine oder andere einzustürzen droht und die Stadtverwaltung an die Vernunft des über alle Ohren verliebten Jungvolks appelliert. Man kann nur viel Erfolg wünschen.

Samstag, 9. August 2014

Wenn alles Hochkultur wird


Heute: Bier und Fritten

Wein hin oder her, ein gutes Bier ist was Schönes. Leider haben viele deutsche Brauer unter dem Deckmäntelchen des Reinheitsgebotes viel zu lange alles dem Massengeschmack geopfert und die Märkte mit traurigen 08/15-Gesöffen überflutet. Von denen kann man nicht wenige nur mehr als leicht alkoholische Erfrischungsgetränke mit dezentem Bieraroma bezeichnen, will man Sensorik und Semantik nicht allzu viel Gewalt antun. Was meinen häuslichen Konsum angeht, unterstütze ich schon seit langem keine dieser Monsterbrauereien mehr, sondern habe Regionales aus einem Familienbetrieb da. Nichts Großartiges, aber ein ehrliches Helles, das nur 30 Kilometer entfernt gebraut wird und zudem deutlich günstiger ist als fast alles, das 'Premium' sich schimpft

Mittwoch, 6. August 2014

Wenn Schützen sich schützen


Angenommen, direkt vor den Toren einer Kleinstadt, sagen wir im Sauerland, soll ein großes Einkaufszentrum gebaut werden. Um Kaufkraft in die Region zu locken, wie es bei so was immer heißt. Nehmen wir weiter an, in der Innenstadt gäbe es noch zehn Einzelhändler. Bäcker, Metzger, Buchhandlung, Schreibwaren, Blumenladen und was es noch so gibt. Die sind mit den Plänen verständlicherweise nicht einverstanden und gründen einen Verein. Um auf ihre Bedenken aufmerksam zu machen, um gemeinsame Aktionen zu planen, nach außen mit einer Stimme zu sprechen und so weiter. Klar, dass das der Firma, die den Shoppingtempel bauen will, nicht passt. Kann schon unangenehm werden, so ein Verein. Besteht aus alt eingesessenen Bürgern und kann die Stimmung negativ beeinflussen.

Montag, 4. August 2014

Nur Bares ist Wahres


Ich liebe dieses visionäre Nerd-Gerede. Diese Typen, die irgendeine neue Technik im Gepäck haben und deshalb herumtönen, dieses oder jenes werde ob dieser genialen Erfindung definitiv demnächst aussterben. Gern erinnert man sich da zum Beispiel an die Prophezeihung, die Vernetzung von Computern würde unsere Büros ganz bald schon völlig papierlos machen. Selten so gelacht! Jetzt meint James Barrese, seines Zeichens Technologievorstand bei PayPal, in einem Interview, das Bargeld sei am Arsch und völlig zu recht auf dem Rückzug. Es sei unpraktisch und vor allem unhygienisch, bargeldlos sei viel bequemer. Sein Fazit: Nur Freaks halten noch am Bargeld fest.

Samstag, 2. August 2014

Meine Suppe ess' ich nicht!


Was für seltsame Leute manche Menschen doch um sich haben. Zumindest, was das Essen angeht. Berlin zum Beispiel scheint inzwischen bevölkert zu sein von Mimosen und Suppenkaspern, die Gastgeber und Restaurantbetreiber reihenweise mit ihren diversen Pingeligkeiten in den Wahnsinn treiben. Die Tagesspiegel-Kolumnistin Julia Prosinger jedenfalls scheint dem Wahnsinn inzwischen recht nahe:

Donnerstag, 31. Juli 2014

Heute vor hundert Jahren


Klar, am 1. August vor hundert Jahren ist der erste Weltkrieg ausgebrochen. Das ist bekannt. Am Vorabend des ersten Weltkrieges aber kam mit Louis de Funès auch einer der größten Komiker des letzten Jahrhunderts zur Welt. Was habe ich seine Filme früher geliebt! "Nein!" - "Doch!" - "Nnn!" war fester Bestandteil unseres Scherzrepertoires. Als mich seinerzeit die traurige Nachricht ereilte, dass er an einem Herzinfarkt gestorben sei, dachte ich nur: Klar, an was auch sonst?

Dienstag, 29. Juli 2014

Chronik einer Netzabstinenz (2)


Dienstag, 29. Juli

Am Ende ging es schneller als erwartet und ich will auch nicht unnötig langweilen. Nur froh, wieder online zu sein, tiefgründigeres alsbald wieder. Tja, sie haben es doch nicht geschafft. Die magische Marke von einer Woche Netzausfall haben sie um nur einen Tag gerissen. Wie der schon genannte Nachbar erzählte, waren heute zwei Techniker am äußeren Kabelschacht des Hauses zugange, weil der Anschluss, der ins Haus hineinführt, nicht richtig lag, fehlerhaft oder sonstwas war.

Sonntag, 27. Juli 2014

Chronik einer Netzabstinenz (1)


Aufmerksamen Lesern wird nicht entgangen sein, dass sich hier seit einigen Tagen nichts mehr getan hat und ich auch nicht auf freundliche Kommentare reagiert habe. Keine Sorge, es ist alles in Ordnung und mir geht es gut. Es liegt an meinem Internetprovider. Seit Mittwoch ist hier nämlich tote Hose. Weil die unendlichen Ressourcen des Netzes mir zurzeit nicht zur Verfügung stehen und ich von vielen Nachrichten abgeschnitten bin, fehlt es daher ein wenig an Aufhängern und Quellennachweisen für Postings zu aktuellen Themen. Interessant übrigens zu merken, wie sehr man mittlerweile am Netz hängt, wenn es mal nicht zur Verfügung steht, aber das ist ein anderes Kapitel.

Was ich tun kann, ist, den unterhaltsamen Gang der Ereignisse zu protokollieren, das ganze auf einem USB-Stick zu speichern und über andere Rechner ins Netz zu stellen. Mir ist klar, dass solche Chroniken meist selbstreferentielle Frustbewältigung sind. Wen so was nervt, soll's halt nicht lesen. Es ist ein Lebenszeichen.

Dienstag, 22. Juli 2014

Wo der Spaß mal aufhört


Ich habe einen Hals, und zwar von hier bis Wattenscheid. Kollegen haben bereits darauf hingewiesen. Was mittlerweile an so genannter 'Israelkritik' auf die Straßen getragen wird, überschreitet jegliches Maß. Ich möchte diese Parolen aus Geschmacksgründen hier nicht wiederholen, daher beschränke ich mich aufs Verlinken. Mal ehrlich, was hat das noch mit selbstverständlich legitimer Kritik an der Politik Israels zu tun? Was hat das überhaupt mit Kritik zu tun? Entschuldigung, so was sind keine politischen Positionen, sondern schlicht Volksverhetzung.

Wenn das jetzt legitimer politischer Diskurs sein soll, wenn das jetzt salonfähig ist und achselzuckend unter Meinungsfreiheit abgebucht wird und nicht unter Beleidigung und Volksverhetzung, dann können wir die gesamten letzten knapp siebzig Jahre Auseinandersetzung mit Antisemitismus, Entrechtung, Demütigung, Verfolgung von Juden und natürlich auch der Shoah in die Tonne treten, denn dann war alles umsonst.

Sonntag, 20. Juli 2014

Schranke hoch!


Meine örtliche Lokalzeitung, bei der ich gelegentlich mal online reinschaue, hat jetzt eine Bezahlschranke. Zehn Artikel im Monat kann man gratis lesen. Also jeden dritten Tag im Monat einen. Wow! Wer sich kostenlos registriert, bekommt noch fünf weitere oben drauf, kann also jeden zweiten Tag im Monat einen Artikel umsonst lesen. Doppelwow! Ab fünfzehn ist dann Schluss mit free lunch, mehr gibt’s nur noch für Abonnenten. Das war es wohl. Es hilft nichts, die Zeit der gedruckten Zeitung, des klassischen Zeitungshauses, neigt sich dem Ende. Es wird ein langsamer, schmerzvoller Niedergang werden und keiner weiß, was danach kommt. Ich freue mich nicht darüber. Aber es ist so. Ihnen fällt bloß ein, die Zeit zurückzudrehen, und das wird nicht funktionieren.

Mittwoch, 16. Juli 2014

Doch ein Nachklapp: Kirchen und Dörfer


Auch ich war Täter

Das kommt davon, wenn man immer alles groß und gigantomanisch haben will. Bis jetzt wurden Siegesfeiern des DFB grundsätzlich am Sitz des Verbandes in Frankfurt am Main zelebriert. Die siegreichen Helden präsentierten die errungene Trophäe auf dem Römerbalkon, ließen sich von den auf dem Römerberg versammelten Fans huldigen und feierten ein wenig mit ihnen. Dann ging es rein ins Rathaus, Eintrag ins goldene Buch, kurzes geselliges Beisammensein, Gläschen Sekt und aus die Maus. Draußen gab es Bratwurst, Bier und Ebbelwoi fürs Volk, eventuell noch ein wenig Partybeschallung. Gemessen an der Monstersause vom Montag, war das so rührend provinziell wie die alte westdeutsche Bundesrepublik eben war. Es gibt Momente, da sehnt man sich danach zurück.

Dienstag, 15. Juli 2014

Abschließendes zur WM


Stolz? Worauf?

Was der WM-Titel mit mir zu tun hat? Nichts. Ich habe nicht den geringsten Anteil daran, dass am Sonntag 14 von 23 Jungmillionären mit 1:0 gewonnen haben. Worauf sollte ich also stolz sein? Eine Nationalmannschaft ist streng genommen nichts weiter als ein Allstar-Team aus jenen, die in der Liga am besten gespielt haben, gerade fit sind und einen deutschen Pass haben. Während eines Turniers ist es die Mannschaft, die ich anfeuere, wenn sie schön spielt und vielleicht auch gewinnt und über die ich mich ärgere, wenn sie verliert bzw. sich mit unbeholfenem Gemauer zum Sieg wurstelt. Alles weitere, zum Beispiel jetzt auf die Idee zu kommen, stolz zu sein, weil die Kicker einen Bundesadler auf dem Leibchen haben, scheint mir absurd.

Samstag, 12. Juli 2014

Die geplatzte Blase


Fußballbegeisterte sind sich uneins, an welchem Tag der brasilianische Fußball starb, der einmal der Goldstandard für die Welt war. Der 8. Juli 2014 war es jedenfalls nicht. Jener Abend, an dem eine respektabel und diszipliniert, keineswegs entfesselt auftretende deutsche Mannschaft, die nach einer halben Stunde selbst nicht mehr wusste, wie ihr geschah, die Seleção im heimischen Stadion in ihre Einzelteile zerlegte, war bloß der traurige Endpunkt eines langen Siechtums. Sterbehilfe, vielleicht gar Leichenfledderei. Der Niedergang hatte viel früher eingesetzt. Man kann streiten, wann genau. Für die einen am 5. Juli 1982, an dem Paolo Rossi im letzten Spiel der Zwischenrunde der besten Mannschaft aller Zeiten drei Tore verpasste. Für die anderen, zu denen ich mich zähle, am 21. Juni 1986.

Freitag, 11. Juli 2014

Grenzerfahrungen in der Konsumgesellschaft (5)


Sondernummer: Ach, Karstadt!

Ist es bloß der Lauf der Dinge? Führt der Weg mich einmal zu Karstadt, dann denke ich ein wenig wehmütig daran, dass der Laden früher fast immer meine erste Anlaufstelle war, wenn ich irgendetwas brauchte und wie wenig das jetzt noch der Fall ist. Meine Besuche während der letzten zehn Jahre lassen sich fast an den Fingern einer Hand abzählen. Der Alternativen sind inzwischen viele: Allein auf dem Heimweg von der Arbeit komme ich auf gerade drei Kilometern an einem wohlsortierten Verbrauchermarkt, einem Baumarkt, meinem Leib-und-Magen-Asia-Laden und an drei Discounterfilialen vorbei. Da lassen sich fast alle Notwendigkeiten des Alltags besorgen, alle haben massig kostenlose Parkplätze direkt vor der Tür, keine Rolltreppen und sind übersichtlich aufgeteilt.

Dienstag, 8. Juli 2014

Neues aus Umverteilistan


Seit ein paar Jahren vermittelt ein findiges Unternehmen online Schüler und Studenten, die sich nach englisch-amerikanischem Vorbild als selbstständige Tütenpacker an Supermarktkassen verdingen. Allerdings ohne jeden Stundenlohn, nur gegen Trinkgeld. Der branchentypisch schwer von seinen Visionen euphorisierte Gründer erging sich seinerzeit im üblichen Glücksbärchi-Leistungssprech: Wie begeistert die jungen Menschen bei der Sache seien, dass sie bis zu rekordverdächtigen fünfzehn Euro pro Stunde verdienten und dass ein fester Stundenlohn nur die rechte Motivation zum Leistungbringen mindern würde.

Samstag, 5. Juli 2014

Der Fortschritt, eine Schnecke


Warum der Mindestlohn trotz allem eine gute Sache ist

Seit zirka zehn Jahren predigt der Kabarettist Volker Pispers in seinem Soloprogramm, die Frage eines flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohns sei keine wirtschaftliche, sondern eine des Anstandes. Leider ist Anstand eine moralische Kategorie, keine politische. Erst recht keine wirtschaftliche. Der diese Woche beschlossene Mindestlohn hat seine Fehler und Schwächen, er wird nicht das Paradies auf Erden schaffen im Land der Suppenküchen und Tafeln. Dafür ist er vor allem zu niedrig und zu löchrig. Das per Mindestlohn mit einer Vollzeitstelle zu erzielende Einkommen ist alles andere als üppig, im Gegenteil. In den meisten größeren Städten reicht gerade einmal, um eben so über die Runden zu kommen. Wenn überhaupt.

Mittwoch, 2. Juli 2014

Liberale Namenssuche


Man mag sie ja für tot erklärt haben, aber die FDP gibt es tatsächlich noch. Momentan kursieren im Lande Liberallala Überlegungen, sich eventuell einen neuen Namen zu verpassen, um gleichsam noch einmal neu durchzustarten. Zu Recht, ventiliert Roland Nelles, denn: "Viele Wähler sehnen sich nach einer starken liberalen Partei." Hm, tja, mag sein. Vielleicht sogar auch ich. Ein wenig schon. Käme halt unter anderem darauf an, wie man Liberalismus so definiert in diesen Zeiten anlassloser Totalüberwachung. Debatten über klassisch liberale Themen wie etwa Bürgerrechte und Freiheit des Einzelnen in Zeiten der totalen Digitalisierung des Lebens, des entfesselten Kapitalismus und der Globalisierung wären schon wünschenswert.

Montag, 30. Juni 2014

Unterwältigt und genervt


Selbst schuld, ich hätte es wissen können. Nein, wissen müssen hätte ich es. Schließlich habe ich die Erfahrung schon gemacht. Extraschicht bei schönem Wetter kann toll sein, Extraschicht bei schlechtem Wetter ist Mist, immer. Habe mich trotzdem breitschlagen lassen mal wieder. Bin weich geworden, weil es Menschen gibt, die einem, wenn man es wagt, abzusagen, ihnen somit seine Gesellschaft für den Abend zu verweigern, die tellergroßen, tränenumflorten Kuhaugen zeigen und menschlich ganz doll enttäuscht sind. Also dackelte ich mit durch den Nieselregen, der zum Glück irgendwann aufhörte. Weil mein Idol Albert Schweitzer ist und mein Hobby Gutes tun.

Samstag, 28. Juni 2014

Vorrundenbilanz und kleine Presseschau


So, die Gruppenphase, die mit bis zu vier Spielen pro Tag auch beim ärgsten Fußballfan gewisse Ermüdungserscheinungen hervorzurufen vermochte, wäre überstanden und die Achtelfinals stehen an. Jetzt geht’s also richtig los, ohne Punkterechnerei, hopp oder topp. Zeit also für eine erste Zwischenbilanz, zumal ich mich ja letztens ein wenig festgelegt habe.

Mittwoch, 25. Juni 2014

Leuchtturm der Bildungsrepublik


Der spanische Lehrer Pablo Pineda ist der erste Europäer mit Down-Syndrom, der einen Hochschulabschluss hat. Bekannt geworden ist er auch wegen seines schauspielerischen und komischen Talents durch den biografischen Film 'Mee too – wer will schon normal sein?', in dem er selbst die Hauptrolle spielte.

Nun gibt es Menschen, denen die Vorstellung, auch ihr Nachwuchs könnte eines Tages von einem Behinderten unterrichtet werden, ganz und gar nicht behagt. Einer von ihnen ist Thomas Hartung, pardon, so viel Zeit muss sein: Doktor Thomas Hartung (52), Diplom-Pädagoge, Dozent für Journalistik und Medienproduktion an der TU Dresden und rein zufällig noch Vizevorsitzender der sächsischen AfD, jener chronisch missverstandenen politischen Vereinigung, die schließlich nichts für ihre Anhänger und Sympathisanten kann. Via Twitter wrang Hartung zum Fall Pineda sich folgende Verlautbarungen aus der Runkel:

Montag, 23. Juni 2014

Leseempfehlungen


Zu viel Fußball und anderes im Augenblick. Daher nur ein Paar Lesetipps.

Eigentlich überflüssig zu sagen, dass ich nicht wirklich ein Anhänger von Peter Gauweiler (CSU) bin. Vieles von dem, was er vertritt und für das er eintritt, liegt alles andere als auf meiner Linie, bewegt sich sogar entgegengesetzt dazu. Unbedingt zu respektieren aber ist meiner Meinung nach seine für die politische Klasse eher unübliche Bereitschaft, Parteigrenzen Parteigrenzen sein zu lassen, wenn die Sache es erfordert. So schloss er sich zum Beispiel 2013 gemeinsam mit vier anderen Abgeordneten dem Antrag der Linken im Bundestag gegen die Privatisierung der Wasserversorgung an.

Freitag, 20. Juni 2014

Kabinenwanzen


2003 sind wir ja bekanntlich erstmals Weltmeister geworden. Genauer gesagt, die Fußball-Nationalmannschaft der Frauen. Ein kleiner Denkanstoß fürs Wochenende: Wie wären wohl die Reaktionen ausgefallen, was hätte der politische Gegner gesagt, wenn Kanzler Schröder sich damals in ähnlicher Weise zu den Damen in die Umkleide gedrängelt hätte wie das seine Nachfolgerin bei den Männern tut? Man weiß es natürlich nicht, aber ich vermute, der Vorwurf, er sei ein schlabbriger alter Saftsack, der sich nicht nur am Anblick junger, trainierter weiblicher Hardbodies ergehen, sondern das auch noch schamlos politisch ausnutzen wolle, dürfte hier und da zumindest im Raum gestanden sein. Das muss dieses berühmte Genderdings sein. Außerdem gab es damals noch so was wie einen politischen Gegner.

Mittwoch, 18. Juni 2014

Lord Helmchen on the road


Als es zu Beginn der Neunziger, kurz nach der Wiedervereinigung, zu einer Reihe rassistisch motivierter Gewalttaten kam, vornehmlich an Asylbewerbern und nicht selten mit Todesfolge, da bewies die 'Titanic', dass sie nicht nur Kuschelwitze a'la 'Zonen-Gabi' draufhatte. 'Endlich handelt Bonn – Helmpflicht für Ausländer', ätzten die Frankfurter und fingen damit das hilflose, unsensible Herumeiern der Bonner Politik besser ein als viele Druckseiten voll geschliffen geschriebener Essays. Zudem war das ein schöner Seitenhieb auf eine politische Klasse, die, anstatt etwas zu unternehmen, Schutzmaßnahmen lieber in die Verantwortung des Einzelnen stellt. Ist schließlich billiger.

Sonntag, 15. Juni 2014

Grenzerfahrungen in der Konsumgesellschaft (4)


Obwohl dem Fußball durchaus zugetan, frage ich mich bekanntlich schon des Längeren, was Leute dazu treibt, anlässlich von Fußball-Welt- und Europameisterschaften ihre Autos mit diesen über die Maßen albernen Devotionalien in Landesfarben zu behängen wie nicht gescheit. Eigentlich wollte ich mich zu dieser Unsitte ja nicht mehr weiter äußern, denn ich glaubte, alles Nötige gesagt zu haben. Überflüssig zu sagen, dass ich eher meine rechte Hand in einen mit Volldampf laufenden Häcksler hielte, als meinem Auto so was anzutun. Wie dem auch sei, seit gestern weiß ich, was Menschen so tief sinken lässt. Es ist nicht etwa Patriotismus, wie man vielleicht meinen sollte, weit gefehlt! Es ist vielmehr weibliche List und Tücke, es sind jene Waffen der Frauen, gegen die kein entsprechend veranlagter Mann mit einem schlagenden Herzen in der Brust etwas auszurichten vermag.

Donnerstag, 12. Juni 2014

Lasset das Ausblenden beginnen!


So, das Bier kaltgestellt, den Grill angeworfen, alle, die lächerliche Fanartikel am Körper tragen und auf einmal zu großen Fans mutieren, des Umfeldes verwiesen, das Gehabe der FIFA-Bonzen gnädig ignoriert - es geht lo-hos! Wie immer die große Frage: Wer wird es denn nun? Im festen Bewusstsein, dass Tipps eigentlich nie eintreten, lege ich mich dennoch mal ein wenig fest:

Dienstag, 10. Juni 2014

The Day After


Ein wenig Katastrophentourismus

Zugegeben, ich hatte mir bei dem ekelhaft schwülheißen Wetter gestern schon ein Gewitter herbeigewünscht, aber was dann kam, habe ich bestimmt nicht gewollt. Dagegen war Genosse Kyrill, der Anfang 2007 immerhin den Münsteraner Schlossplatz komplett abgeholzt hat, ein laues Lüftchen. Witzig ist das aber in der Tat nicht, sechs Tote sind bislang für NRW bestätigt worden, dazu etliche Leicht- und Schwerverletzte. Zum Glück konnte das Pfingst-Openair in Essen-Werden noch rechtzeitig evakuiert werden. Nicht auszudenken, wenn das nicht geklappt hätte.

Hier in der Stadt geht überhaupt nichts mehr. Keine Busse, keine Bahn und auf allen Straßen geht es zu wie auf der A7 am ersten Ferienwochenende. Trotz des Verkehrschaos tragen die Autofahrer es mit Fassung. Von ein paar Vollhonks abgesehen, verbreitet kaum jemand aggressive Stimmung. Ein Freund arbeitet bei der örtlichen Stadtreinigung. Jeder, der über zwei gesunde Hände verfügt, hat eine Kettensäge in die Hand gedrückt bekommen. Nicht zu beneiden, die Jungs. Ein gnädiges Schicksal hat dafür gesorgt, dass ich heute frei habe, also habe ich mich aufs Fahrrad geschwungen und ein paar der Schäden im unmittelbaren Umkreis per Handykamera dokumentiert.

Ganz wohl ist mir übrigens nicht dabei, das online zu stellen. Ich mache das einfach mal, frage mich aber schon, ob das nicht Voyeurismus bzw. Katastrophentourismus ist, vor allem beim Gedanken an die Toten und Verletzten in der Region. Andererseits vielleicht Chronistenpficht, denn so einen Flurschaden habe ich hier in der Gegend noch nie erlebt.

Samstag, 7. Juni 2014

Ausblenden ist alles


Mit dem Fußball ist es wie mit allen schönen Dingen, die irgendwann von Geschäftemachern zum Produkt geadelt werden, das es möglichst gewinnbringend zu verkaufen gilt. Es wird größer, härter, bunter, marktschreierischer und es zieht Korrupte an wie das Licht die Motten. Die FIFA war bis in die Achtziger eine größtenteils namenlose Ansammlung älterer Herren, die vielleicht käuflich waren, aber wenigstens nicht weiter störten. Man veranstaltete alle vier Jahre eine WM, schraubte gelegentlich ein wenig am Regelwerk herum und der Präsident saß beim Eröffnungs- und Endspiel auf der Ehrentribüne neben dem Staatsoberhaupt, um die Spiele für eröffnet zu erklären. Ansonsten begegnete einem der Verein noch in Sportgeschäften, wenn offizielle FIFA-Bälle feilgeboten wurden.

Mittwoch, 4. Juni 2014

Venedig sehen - nö!


Die Urlaubszeit dräut mal wieder, aber unabhängig von meinen finanziellen Möglichkeiten, steht für mich eines fest: Nach Venedig will ich nicht. Stimmt eigentlich nicht ganz, denn neugierig bin ich schon. Soll ja eine sehr schöne Stadt sein. Eine der schönsten überhaupt, sagt man. La Serenissima, Venedig sehen und sterben und so. Gut, das ist Geschmackssache, Mehrheitsmeinung. Außerdem würde ich gern noch ein wenig weiter leben. Aber was man so auf Bildern sehen kann, sieht schon recht reizvoll aus. Trotzdem mag ich nicht hin. Unter anderem, weil die Venezianer mir leid tun. Und weil ich im Urlaub besseres zu tun habe als mich durch Menschenmassen zu quälen.

Montag, 2. Juni 2014

Mittags. Pause am Rande des Ruhrpotts


Oder besser: Mein Problem mit Kantinen

Er nun wieder. Der Kiezneurotiker ist schuld, dieser Berliner Motzkopp. Hat mich auf den Trichter gebracht. Friederike Kroitzsch hat auf ihrem LandLebenBlog zu einer Blogparade eingeladen. Wer möchte, kann ihr bis zum 27. Juni ein Foto mailen (oder mehrere), das etwas darüber erzählt, wie man seine Mittagspause verbringt und ein paar Zeilen dazu schreiben. Schöne Idee, wie ich finde. Mache ich gern mit. Wer selbst einen Blog hat, ist eingeladen, etwas darüber zu schreiben, das dann bei ihr verlinkt wird. Auch eine schöne Idee. Da mache ich doch auch mit.

Ein Mittagesser bin ich schon lange nicht mehr. Zwar esse ich gern gut, aber dummerweise pflege ich nach einer ordentlichen Mahlzeit für längere Zeit in eine Art Fresskoma zu fallen. Muss ich nicht haben. Kann daran liegen, dass mein Organismus eher auf Nachteule gepolt ist. Wenn es im Sommer heiß ist, käme ich erst recht nicht auf die Idee, mir in der Mittagshitze noch etwas Warmes einzupfeifen. Normalerweise frühstücke ich solide, esse abends in aller Ruhe warm und rette mich mittags mit etwas Mitgebrachtem über den Tag. Mögen Ernährungsexperten meinetwegen rummoppern, aber so funktioniert's für mich nun einmal am besten.

Samstag, 31. Mai 2014

Neulich, im Asia-Laden


Vielleicht, Asiaten, seid ihr ja einfach cooler als wir Europäer. Vor allem wir Deutsche. Weniger verlogen. Schmerzfreier. Aufrichtiger. Der Gedanke befällt mich zuweilen, wenn ich im Asia-Markt meines Vertrauens Produkte wie diese sehe:

Donnerstag, 29. Mai 2014

Ein Luxusproblem?


Leser der Nachdenkseiten werden es zur Kenntnis genommen haben: Laut statistischem Bundesamt verzichtete 2012 zirka jeder fünfte Deutsche auf Urlaubsreisen, etwa ein Drittel musste größere Anschaffungen, wie etwa eine neue Wachmaschine, verschieben, weil das nötige Geld nicht da war. Nun kann man einwenden: Hey, wir haben schließlich Kapitalismus, pardon, marktkonforme Demokratie. Da kann halt nicht jeder gewinnen. Alles toll und normal. Es gibt eben kein Menschenrecht auf Luxus und damit auch nicht darauf, in Urlaub fahren zu können. Es ist doch nicht Aufgabe der Politik, dafür zu sorgen, nicht wahr?

Montag, 26. Mai 2014

Drei Fragen am Rande


Sagt mal, Politiker,

geht’s noch? Was ist denn in euch gefahren? Der Blitz beim Scheißen? Eigentlich hatte ich ja geglaubt, die Forderung, den morgendlichen Schulbeginn zu verschieben, wenn Deutschland bei der WM um 22:00 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit spielt, sei auf dem Mist dieser hysterischen Supereltern gewachsen. Also denen, die grundsätzlich hochbegabten Nachwuchs in die Welt setzen, stillend die Latte-Macchiato-Läden des Landes flächendeckend verstopfen und glauben, mit dem Zeitpunkt der Geburt ihrer Thronfolger habe das Universum sich gefälligst ausschließlich um sie und ihre überzogenen Ansinnen zu drehen.

Samstag, 24. Mai 2014

Ach, Europa!


Eigentlich gibt es in Europa vieles, das es zu einem sehr lebenswerten Fleckchen Erde machen könnte. Schöne Gegenden, eine Menge meist durchaus ansehnliches altes Gerümpel, Kunst, Musik, Literatur, Geschichte, gute Küche und in einigen Gegenden einen höchst sympathischen Hang zum guten Leben nebst einer grundsätzlichen Aufgeschlossenheit für all diese schönen Dinge. Es könnte also alles so nett sein, wenn man in Europa nicht zunehmend in alte Gewohnheiten zurückfallen würde. Eines nämlich war dieses Europa nur ganz selten: Jene Insel des Friedens und der Humanität, zu dem es im Moment wieder einmal besonders heftig beschworen wird.

Dienstag, 20. Mai 2014

Bullshit Bingo selbst gemacht


Heute: Rechtspopulismus


Bauanleitung: Man öffne ein beliebiges handelsübliches Textverarbeitungsprogramm und lege in einem leeren Dokument eine Tabelle mit vier Spalten und vier Zeilen an. Dann verteile man nach dem Zufallsprinzip folgende Wörter auf die Tabelle:

Sonntag, 18. Mai 2014

Machen Sie doch mal ein Praktikum


Es ist klar, dass es nicht ohne Folgen bleibt, wenn man mehreren Generationen von Jugendlichen über verschiedene Kanäle diverse Perfidien ins Hirn pflanzt. Zum Beispiel die, dass wir in einer Leistungsgesellschaft leben. Oder dass Erwerbsarbeit nicht etwa ein notwendiges Übel ist, das man halt auf sich nimmt, um an die nötigen Flocken für seinen Lebensunterhalt und eventuell ein paar Extras zu kommen, sondern eine Gnade, ein veritabler Lebensinhalt gar, für den man sich bis zum Anschlag zu verbiegen hat oder noch ein bisschen mehr. Oder dass Arbeitgeber nicht etwa Menschen sind, die mithilfe der Arbeit ihrer Angestellten Gewinne machen, sondern vielmehr große Wohltäter, die zu Nutz und Segen aller den Menschen 'Arbeit geben' und denen man deswegen jeden noch so absurden Wunsch zu erfüllen hat.

Freitag, 16. Mai 2014

Unter Säufern


Da haben wir's wieder einmal! Schwarz auf weiß. Die Deutschen sind unverbesserliche Saufnasen. Mehr als 11 Liter reinen Alkohols oder 500 Flaschen Bier kippt der mittelwertige Michel sich Jahr für Jahr hinter die Binde und damit doppelt so viel wie der weltweite Durchschnitt. So heißt es in einem im 'Stern'  wiedergegebenen Bericht der WHO. Es steht also wieder einmal schlimm um Deutschland.

Zunächst zum Offensichtlichen. Den weltweiten Durchschnitt als Referenzgröße anzugeben, ist nicht nur willkürlich, sondern auch ziemlich sinnlos. Schließlich gibt es bekanntlich ganze Teile der Welt, in denen große Teile der Bevölkerung, meist aus religiösen Gründen, kaum oder gar keinen Alkohol trinken. Und wenn doch, dann geschieht das meist heimlich. Überhaupt: Wie sind die Zahlen erhoben worden? Es ist ein Unterschied, ob man medizinische Daten auswertet oder ob man einfach nur die Leute fragt. Ärzte wissen, dass bei kaum etwas so dreist gelogen wird wie bei der Frage, wie viel man so trönke. Vermutlich wird im WHO-Report auf solche methodischen Frage eingegangen, in den Medien wird gern darauf verzichtet.

Mittwoch, 14. Mai 2014

Opfer der Globalisierung


Wenn der türkische Premier Erdogan angesichts der Katastrophe im Kohlebergwerk von Soma, bei der bislang über 200 Kumpel ihr Leben verloren haben, meint, solche Unglücke hätte es auch im 19. Jahrhundert in England gegeben, dann handelt es sich damit zwar um das steindümmste Nichtargument aller Dumpfkonservativen, aber der Mann hat im Prinzip recht. (Übrigens war das nicht nur England so, sondern überall, wo in Europa zu der Zeit Kohle abgebaut wurde. Das am Rande.) Was er verschweigt: Wenngleich es in einem nach wie vor gefährlichen Branche wie dem Bergbau niemals einhundertprozentige Sicherheit geben kann, müsste so was heute nicht mehr sein, wenn man auf moderne Technik setzt. Die aber kostet Geld. Und hebt damit den Preis für die Tonne Kohle. Wir haben schließlich Globalisierung.

Montag, 12. Mai 2014

Geräuschmuseen, sinnlich


Geht das? Werd ich es noch erleben, Sweetheart? Kriegt man das hin? In Deutschland einem Sonntagnachmittag verbringen zu können, ohne irgendwo was auf die Ohren zu bekommen? Leidet die Welt an einem kollektiven akustischen horror vacui? Als würde es nicht reichen, dass für diesen jung gebliebenen Besserverdiener aus der Gegend ein Sonntag offenbar kein Sonntag ist, wenn er nicht mindestens zwanzig Mal die Straße, an der ich wohne, mit seiner Harley rauf- und runterbollert, dass die Tassen im Schrank klappern, nein. Auch Museen, früher einmal Stätten der kontemplativen Ruhe, sind längst nicht mehr sicher vor den Geräuschemachern. Denn Radau gehört inzwischen immer öfter zum Konzept.

Samstag, 10. Mai 2014

¡Vamos, Conchita!


"It's now very common to hear people say, 'I'm rather offended by that.', as if that gives them certain rights. It's no more than a whine. It has no meaning; it has no purpose; it has no reason to be respected as a phrase. 'I'm offended by that.' Well, so fucking what?" (Stephen Fry)

Obwohl mir die Idee, einen ganzen Kontinent einen Abend lang in einem friedlichen musikalischen Wettstreit zu vereinen, grundsätzlich nicht unsympathisch ist, geht der Eurovision Song Contest mir normalerweise irgendwo vorbei. Das, was da mehrheitlich auf der Bühne veranstaltet wird, ist musikalisch nicht so meins. Sich an gröligem Partypatriotismus zu besaufen, bekanntlich noch weniger. Dennoch habe ich mich den letzten Jahren dann und wann überreden lassen, im Garten einer lieben Freundin an ESC-Grillpartys teilzunehmen. Habe da keine Berührungsängste. Außerdem wirkten die vorhandenen Speisen und Getränke eventuell aufkeimender Langeweile immer sehr effektiv entgegen. Dieses Jahr wird’s wohl nichts damit - das Wetter!

Mittwoch, 7. Mai 2014

1982 - der Sündenfall


Anfang der Achtziger war eine Mehrheit der europäischen Öffentlichkeit sich einig darüber, dass Krieg als Mittel der Politik ausgedient hatte. Die Friedensbewegung dominierte große Teile des politischen Diskurses. In Deutschland kamen die Grünen erstmals in den Bundestag, Kanzler Schmidt stürzte am Ende über den NATO-Doppelbeschluss. Es schien klar, dass der nächste Krieg im Zeitalter des aberwitzigen Rüstungswettlaufs der Supermächte und des nuklearen Overkills ein totaler und entgrenzter werden könnte, der das Ende der Menschheit bedeutet hätte. Überdies trugen die Amerikaner noch an ihrem Vietnam-Trauma, das sie zurückschrecken ließ, ihre Truppen in Kampfeinsätze zu schicken.

Sonntag, 4. Mai 2014

Zweischneidige Schwerter


Die überraschende Karriere der Jack Monroe

In diesem Land gäbe es keine Armut, heißt es. Kochbücher oder Rezeptsammlungen im Netz, die zeigen, wie man sich auch mit sehr wenig Geld, schlimmstenfalls dem Hartz-IV-Regelsatz, gesund und ausgewogen ernähren kann, können daher ein überaus zweischneidiges Schwert sein. Auf der einen Seite vermögen sie wirklich Ideen zu liefern, um Geld zu sparen. Es wird in der Tat zu vieles verschwendet und oft wird unnötig teuer eingekauft. Jede Hilfe ist da willkommen. Auf der anderen Seite bescheren sie denjenigen, die alles streng materiell sehen und meinen, Armut gäbe es überhaupt nicht und wenn doch, dann sei sie eben selbst verschuldet, einen gern genommenen Vorwand, um sagen zu können: Na siehste, geht doch. Niemand muss hungern, alles eine Frage von Köpfchen und etwas gutem Willen zur Sparsamkeit.

Mittwoch, 30. April 2014

Alles nur ein Menschenversuch?


Hmm, wenn man sich einige Zeitgenossen so ansieht... Warum ist man eigentlich noch nicht früher auf diese Möglichkeit gekommen?

Dienstag, 29. April 2014

Speis' nicht mit dem Schmuddelrussen!


Sicher, Gerhard Schröder hat Deutschland damals nicht aus dem Irakkrieg herausgehalten, wie die populäre Fama es gern darstellt. Dafür stellte man viel zu viel an Logistik, Überflugrechten und anderen Hilfsdiensten zur Verfügung. Es ging um etwas ganz anderes. Schröder wagte etwas, was bis dahin noch niemand in dieser Offenheit gewagt hatte: Dem Großen Bruder USA, der man doch ewig dankbar zu sein und daher unbedingte Waffenbrüderschaft zu leisten hatte, offen die Gefolgschaft zu verweigern. Abgesehen davon, dass wahlkampftaktische Überlegungen eine Rolle gespielt haben mögen, war er sich sicher, dass dieser Krieg mit einer mehr als großen Mehrheit der Deutschen nicht zu machen sein würde. Außerdem hielt er das ganze Unterfangen für kompletten Wahnsinn. Er sollte Recht behalten.

Sonntag, 27. April 2014

Sender sucht Quote


Autoerotiker dürfen sich freuen. Demnächst wird bei RTL ein neues Sendeformat namens 'Adam sucht Eva - gestrandet im Paradies' starten. Worum geht’s? Nun, jeweils ein Singlemann und eine Singlefrau werden auf einer einsamen Insel ausgesetzt (einsam, wenn man das ebenfalls anwesende Kamerateam mal außen vor lässt), aufeinander losgelassen und dann schaut man mal, was so geht. Der Clou der ganzen Sache ist, die Betreffenden sind komplett nackt. Man kann es durchaus bezeichnend finden, dass man das exakt bei dem Sender, der uns vor 25 Jahren 'Tutti Frutti' bescherte und mutig die deutsche Erstausstrahlung filmischer Meilensteine riskierte wie 'Lass' jucken, Kumpel!', 'Schulmädchen-Report' und 'Auf der Alm, da wird genudelt', im Jahr 2014 offenbar für ebenso krea- wie innovativ hält.

Donnerstag, 24. April 2014

Netter Versuch, die xte


Was regt man sich eigentlich noch auf? Bringt doch eh nix. Es gäbe zig Möglichkeiten, an die Flocken zu kommen, die nötig wären, die marode Infrastruktur in diesem, unserem Lande zu sanieren. Möglichkeiten zudem, die auch die, die die Flocken abdrücken müssten, erheblich stärker im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten zur Kasse bäten als Torsten Albigs (SPD) Idee einer einheitlichen Schlagloch-Abgabe in Höhe von 100 Euro pro Jahr für alle. Es gäbe da so Sachen wie einen erhöhten Spitzensteuersatz, eine Vermögensabgabe, eine Börsenumsatzsteuer, eine Erbschaftssteuer und so weiter. Alles Dinge übrigens, die es in der Amtszeit eines Erzsozialisten wie Helmut Kohl (CDU) mal gegeben hat.

Mittwoch, 23. April 2014

Gar nicht so kompliziert


Woran erkennt man Herrschaftswissen? Entweder daran, dass Wissen sich hinter einem Vorhang komplizierter Fachausdrücke und geschraubter Rhetorik versteckt oder dass einem gleich zu verstehen gegeben wird, dies und jenes sei viel zu kompliziert für jemanden, der das nicht lange Jahre studiert hätte. Nicht einmal hoch spezialisierte Experten verstünden das ganz. Auch Politiker, die zum Beispiel weitreichende Entscheidungen über unser aller Wohl und Wehe zu treffen hätten, seien auf Sachverstand von außen angewiesen. Vor allem das Feld der Ökonomie ist da prädestiniert.

Sonntag, 20. April 2014

Schöne Ostern


Eines muss man dem Religionsstifter lassen: Egal, ob seine Nagel- und anschließende "Ätsch, ich bin doch nicht tot"-Nummer nun stattgefunden hat oder nicht, sie hat uns ein konkurrenzlos langes freies Wochenende beschert. Zumindest all jenen, die nicht leider in Branchen tätig sind, in denen auch sonn- und feiertags geschafft werden muss. Und wenn dann noch das Wetter so gut passt wie heute, ist Laptop zu und raus aufs Fahrrad das Gebot der Stunde, am besten gemeinsam mit lieben Leuten, später, mal sehen, vielleicht noch irgendwo einkehren, wo es nett ist.

Donnerstag, 17. April 2014

Die Mär vom deutschen Billigesser


Zur Abwechslung ein wenig Statistik

Die Deutschen, heißt es immer mal wieder, gäben europaweit mit am wenigsten für Lebensmittel aus. Außerdem seien Lebensmittel hierzulande im internationalen Vergleich viel zu billig. Wir seien eine Nation von Schnäppchenjägern, kniepig und gnadenlos immer auf der Suche nach den paar Cent weniger. Auf Kosten der Wertschätzung von Lebensmitteln und des braven kleinen Einzelhändlers um die Ecke, zu gleichzeitigem Nutz und Frommen sinitstrer Billigheimer. In anderen Ländern, da sei das natürlich ganz anders: Dort verstehe man zu genießen, spiele gutes Essen eine ungleich größere Rolle als bei uns und daher gäben die Menschen dort auch größere Teile ihres Einkommens für Fressalien aus.

Montag, 14. April 2014

Der Soundtrack der Republik


"Downcasting people for their taste in music is close-minded. Except when their taste in music sucks."

Da ist man mal ein paar Tage nicht da (die etwas längere Sendepause in diesem Theater war übrigens einer mehrtägigen Fortbildung und einem gut gebuchten Wochenende geschuldet - sorry fürs Nichtankündigen), und schon kommen einem die lieben Kollegen zuvor. Bereits seit längerem brennt mir das Bedürfnis unter den Nägeln, ein paar Zeilen beizusteuern zu diesem gruseligen Trubel um Helene Fischer, der die Nation mehr und mehr im Würgegriff hat. Und, was passiert? Kommen einem gleich zwei Blogger mit derart wundervollen Beiträgen zum Thema um die Ecke, dass dem kaum etwas hinzuzufügen bleibt. Ein wenig Senf dazu mag ich mir allerdings dann doch nicht ganz verkneifen.

Dienstag, 8. April 2014

Lob der kleinen Form


edition-tiamat.de
Man kann sich vielleicht denken, dass mir Menschen, die gern und viel lesen, grundsätzlich sympathisch sind. Leider gibt es aber auch unter solchen Leuten welche, die das Leistungsprinzip so über alles zu stellen scheinen, dass sie es auch auf so schöne Dinge des Lebens wie das Lesen anwenden. Sie können einfach nicht anders. Ein Buch unter 500 Seiten würden sie gar nicht erst anpacken, denn nur dicke Schmöker, papierene Briketts sind für sie das Wahre, alles andere bloß Heftchen. Fliegen sie in Urlaub, dann müssen sie jedesmal teure Aufschläge fürs Zusatzgepäck berappen, denn unter 1.500 Seiten Lektüre pro Woche machen sie's nicht. Ein e-book-Reader käme ihnen nie ins Haus, weil sie das Haptische eines Buches brauchen, wie sie betonen.

Samstag, 5. April 2014

Musikalische Jubiläen (1)


Es gibt diese Knackpunkte im Leben. Diese Momente, in denen einem klar wird: Scheiße, das war's jetzt wohl mit der Kindheit, der Jugend, dem Jungsein, endgültig. Sie kommen plötzlich, gern unerwartet, und man hat das sichere Gefühl, dass das Leben soeben unwiederbringlich ein anderes geworden ist. Zum Beispiel, wenn die erste große Liebe in die Brüche gegangen ist. Oder später, wenn der Arzt einem zum ersten Mal ans Herz legt, es mal ein wenig ruhiger angehen zu lassen. Oder wenn man irgendwann feststellt, dass der Job einen so müde macht, dass man am Wochenende lieber seine Ruhe hat und ausschläft, um wieder Kraft zu tanken, anstatt auf die Piste zu gehen. Während gleichzeitig die verrenteten Eltern, die sich zum Glück bester Gesundheit erfreuen, es ordentlich krachen lassen und länger aufbleiben als man selbst.

Mittwoch, 2. April 2014

Der schiefe Elfenbeinturm von PISA


Wehe, wehe, die totale Bildungskatastrophe steht wieder einmal vor der Tür! Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Die neueste Runde des PISA-Tests hat nämlich unter anderem ergeben, dass ein Fünftel von Deutschlands Jugendlichen es nicht auf die Kette kriegt, Herausforderungen zu meistern wie die, ein Bahnticket zu kaufen oder eine Klimaanlage zu bedienen, deren Regler nicht beschriftet sind. Typisch, die Jugend von heute mal wieder! Zu blöd zum Milchholen, fällt hin und verbiegt das Kleingeld. Wahrlich, es steht schlimm um die Nation, und das, wo der Koreaner bekanntlich nicht schläft, niemals! Was finden die bloß als nächstes raus und wie sehen wohl die nächsten Schlagzeilen aus?

Sonntag, 30. März 2014

Alle nur neidisch


Die sind doch nur neidisch! - so pflegen neureiche Deppeneltern ihre verzogenen Bratzen zu trösten, wenn die mal wieder mit verbeulter Visage aus der Schule kommen, weil sie mit Mamas und Papas dickem Geldbeutel angegeben haben. Ohhh, mein armer Prinz! Schau mal, die anderen Kinder sind doch nur neidisch auf dich, weil die nicht so dicke Häuser und Autos haben und nicht so tolle Urlaube machen. Das kommt alles nur daher, weil Mama und Papa so irre viel arbeiten. Wir sind nämlich Leistungsträger, weißt du? Und die Mamas und Papas von den anderen sind eben faul und können sich nicht so schöne Sachen leisten. Das sind die selbst schuld. Und jetzt melden wir dich an dieser teuren Privatschule an, da passiert dir so was bestimmt nicht mehr.

Samstag, 29. März 2014

Embattled Democracy


"There is, let me assure you, nothing in nature more egocentric than embattled democracy. It soon becomes the victim of its own propaganda. It then tends to attach to its own cause an absolute value which distorts its own vision [...] Its enemy becomes the embodiment of all evil. Its own side is the centre of all virtue." (George F. Kennan)

Was im neoliberal gefärbten, wirtschaftsnahen Lager immer wieder fasziniert, ist die komplette Blauäugigkeit, in die etliche dort verfallen, sobald jemand fette Geschäfte in Aussicht stellt. Nehmen wir als Beispiel die ukrainische Jeanne d'Arc und Wannabe-Präsidentin Julia Timoschenko.  Dass ihre Inhaftierung unter dem Regime des Ex-Präsidenten Janukowitsch zu verurteilen ist, darüber sollte man nicht diskutieren müssen. Nur macht das nicht automatisch zu einer Heiligen. Der Ausgewogenheit halber kann man zum Beispiel auch darauf hinweisen, dass seine mutige Tat, die Spioniererei von NSA und GCHQ aufzudecken, Edward Snowden nicht zu einem Messias macht. Der Mann ist und bleibt ein libertärer Republikaner und Waffennarr mit einem nicht unproblematischen politischen Weltbild. Aber zurück zu Timoschenko.

Dienstag, 25. März 2014

Satire a'la Bourgeoisie


Ist es das Alter? Manchmal verstehe ich's einfach nicht mehr und fürchte, langsam zu einem humorlosen, moralinsauren Mucker zu werden, was ich nie im Leben wollte. Eine Weile hielt sich Kai Twilfers Buch 'Schantall, tu ma die Omma winken!' ziemlich weit oben auf den Bestsellerlisten. Weil mir Bestseller normalerweise so egal sind wie die Essgewohnheiten von Supermodels, bekomme ich so was immer nur am Rande mit. Registriert habe ich es, weil mehrere gleichaltrige Leute aus meinem Umfeld, darunter durchaus gebildete, intelligente und anständige Menschen, von dem Buch als einem der lustigsten schwärmten, das sie seit langem gelesen hätten. Zu Weihnachten bekam ich es von einer lieben alten Freundin geschenkt. Am Wochenende habe ich es endlich zur Hand genommen und fühle mich zur zweiten Buchrezension binnen einer Woche genötigt.

Sonntag, 23. März 2014

Wann ist ein Haus ein Hohes Haus?


Roger Willemsens Buch über den Deutschen Bundestag in Zeiten der Alternativlosigkeit

(S. Fischer Verlag)
Von zwei Ausnahmen abgesehen, bin ich bislang davon verschont geblieben, mit der Justiz in Kontakt zu geraten. (Für den Rest meiner Lebenszeit darf das übrigens gern dabei bleiben.) Vor über zwanzig Jahren war ich Beklagter in einem absurden Zivilverfahren, das aber günstig für mich ausging, weil die Klage abgewiesen wurde. Vor fünfzehn Jahren dann war ich aufgefordert, in einem Zivilprozess als Zeuge auszusagen. In beiden Fällen übrigens ging es um banale Streitwerte infolge von Fahrradunfällen. Im ersten Fall erinnere ich mich noch gut an meine Verblüffung über den banalen Alltag der Rechtspflege hierzulande. Über die tiefe Kluft zwischen medialer Außendarstellung - Rechtsstaat! Rechtsstaat! - und kümmerlicher Realität. War ich naiv damals? Aber sicher.

Dienstag, 18. März 2014

Auch mal Ausnahmen machen


Schon vergessen? Der Mindestlohn kommt! Anfang 2017. Satte 8,50 Euronen pro Stunde, drunter macht's die SPD nicht. Zieht sie jetzt knallhart durch. Für uns alle. Supi! In solch gechichchts-, Verzeihung, kleines Trauma aus der Jugend, ich meine: geschichtsträchtigen Momenten sollte man aber auch die nicht vergessen, die diese sozialistische Gleichmacherei an den Bettelstab bringen wird: Die Deutsche WirtschaftTM. Weil aber auch Sozis ein Herz haben, gehen noch knapp drei Jahre ins Land, bis der Mindestlohn dann wirklich eingeführt wird.

Nicht nur kann während dieser Zeit Tante Inflation ihr segensreiches Werk tun und schon mal ein wenig am Reallohn sägen. Nein, es bleibt auch massig Zeit, sich eine Menge schlauer Gedanken zu machen darüber, wer alles unbedingt vom Mindestlohn ausgenommen werden muss und warum, damit es am Ende nicht noch Arbeitsplätze kostet.

Montag, 17. März 2014

Langer Marsch in die Irrelevanz


Nachdem es im letzten Beitrag gelungen ist, den Schleier wenigstens einen Spalt breit zu lüften von dem Mysterium, wer zum Teufel eigentlich diese so gespenstischen wie teuren Künstlerpuppen kauft, wenden wir uns heute einer weiteren großen Frage der Gegenwart zu. Zunehmend frage ich mich, wer eigentlich noch die Grünen wählt. Beziehungsweise, warum sie überhaupt noch jemand wählen sollte. Ich gebe zu, das hat ein wenig was von einer enttäuschten Liebe, denn sie waren mir früher einmal wirklich sympathisch. Vielleicht auch, weil sie ein bisschen anti Establishment waren. Man muss es ja sagen: Daran, dass diese Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten bunter, freier und toleranter geworden ist, haben sie einen gewissen Anteil. Mittlerweile aber scheinen sie auf direktem Weg in die Bedeutungslosigkeit, wenn nicht ein Wunder passiert.

Samstag, 15. März 2014

In der Vinylgeisterbahn


Wichtiger Hinweis: Das Anklicken der mit einem * versehenen Links erfolgt auf eigene Gefahr!

Vor vielen Jahren bin ich einmal bei einem dieser Shoppingsender hängen geblieben. Es lief gerade eine Sendung*, in der ein gewisser Günther Winter auf seine ganz eigene Weise diese gruseligen 'Künstlerpuppen' feilbot. Ich erinnere mich noch gut an meine Reaktion, die sich am ehesten beschreiben lässt als äußerst schwer zu definierende Mischung aus Heiterkeit, Unglauben, Befremdetsein und Reihernwollen. Von Zeit zu Zeit, da kommt es auch vor, dass man auch über eine dieser Werbeanzeigen stolpert, in denen die Teile angepriesen werden. Vor allem bei der Lektüre der Begleittexte muss zu größter Vorsicht geraten werden. Kann leicht passieren, dass man hinterher zur Pediküre muss, weil sich einem die Zehennägel nach oben gekräuselt haben. Lässt sich dann in der Regel nur mit schwerem Gerät wieder beheben.

Mittwoch, 12. März 2014

Hoeneß ist unschuldig - noch*


Wer weiß, vielleicht werde ich diese Petition ja auch zeichnen, die dazu aufruft, Uli Hoeneß aus seinem Amt als Präsident des FC Bayern zu entfernen. Sinnvoll finde ich sie schon. Nur werde einen Teufel tun, sie jetzt schon zu zeichnen. Wieso? Weil das ein Gebot der Fairness und der Rechtsstaatlichkeit ist. Und weil ich es nicht leiden kann, wenn Leute, die die Moral auf ihrer Seite wähnen, glauben, das Recht nach ihrem Gusto auslegen zu können. Ich mag das auch dann nicht, wenn es Leute praktizieren, die ansonsten fast immer meine volle Sympathie haben. Leider passiert gerade genau so etwas in Form der erwähnten Petition auf den NachDenkSeiten.

Montag, 10. März 2014

Öl ins Feuer


"In der Ukraine sieht das so aus: Die Bösen wollen das Land für ihren Staat, und die Guten wollen den Markt für ihre Wirtschaft und ihre Medien. Die Bösen drohen mit Soldaten, und die Guten locken mit Geld. Ihre Soldaten schicken die Guten lieber nach Afrika, weil das, wie Gerd Müller von der CSU im 'Morgenmagazin' sagt, schließlich ein 'Chancen- und Wachstumskontingent' ist. Da ist noch was zu holen, dafür bringen wir die Freiheit." (Georg Seeßlen)

Man darf davon ausgehen, dass nur wenige wirklich einen Krieg des Westens, also der NATO, wegen der Krim wollen. Zu denen, die es wirklich drauf ankommen lassen würden, gehören: Pro-westliche, von westlichen Marktradikalinskis und von superreichen Oligarchen geförderte Kräfte in der Ukraine, angeführt von Profiteuren wie der Gasmillionärin Julia Timoschenko und dem ehemaligen Preisboxer Vitali Klitschko. Die schrecken auch nicht davor zurück, sich notfalls zu Antisemiten und Faschisten ins Bett zu legen, gegen die Putins gelenkte Oligarchen-Geheimdienst-Demokratur sich ausnimmt wie ein Kindergeburtstag.

Freitag, 7. März 2014

Frau L. und ihr Leiden an der Gegenwart


In der Kunst und damit auch in der Literatur ist so ziemlich alles erlaubt. Wenn zum Beispiel ein Romanautor das Innenleben eines psychopathischen Massenmörders aus der Ich-Perspektive rekonstruieren will, dann ist das selbstverständlich legitim, weil unterschieden werden muss zwischen Erzähler- und Autoren-Ich. Dass diese Grenze längst nicht immer eindeutig zu ziehen ist, versteht sich von selbst, weshalb im Zweifel für den Angeklagten zu entscheiden ist. So war seinerzeit der Freispruch Jonathan Meeses, bei allen Bauchschmerzen, die man aus guten Gründen deswegen haben kann, im Sinne der Kunstfreiheit letztlich berechtigt, weil bei seinen Performances, die man mögen kann oder nicht, niemals wirklich klar ist, wer da gerade spricht.

Dienstag, 4. März 2014

Wir Gelähmten


Ben Carson hat es geschafft. Er ist ein international renommierter Neurochirurg und dazu noch Millionär. Und alles nur, weil seine Mutter sich damals geweigert hat, Sozialhilfe in Anspruch zu nehmen. Erst das Aufwachsen in bitterster Armut habe Carson mit jenem Willen ausgestattet, reich und berühmt zu werden. Moral von der Geschicht': Nur Armut macht am Ende reich, Sozialleistungen lassen die Armen arm bleiben. So jedenfalls wenn man Torsten Krauel glaubt, der uns mithilfe dieses gewiss repräsentativen Beispiels vor Augen führen will, wie sehr Deutschland mit seinen Verständnis von Sozialleistungen am Arsch ist.

Samstag, 1. März 2014

Mein Volksbegehren


Ein sonderlicher Partylöwe war ich nie. Und erst recht kein 'Clubgänger', wie die jungen Leute das heute ja nennen. Meine bisherigen Besuche in solchen Etablissements lassen sich an den Fingern einer Hand abzählen. Was daran so toll sein soll, nach einer Gesichtskontrolle in finsterster Nacht in ein finsteres Verlies voller Aufgedonnerter eingelassen zu werden oder auch nicht, dort jene Nacht zum Tage zu machen, indem man grotesk zu endlosem, presslufthammerlautem Umz!-Umz!-Umz!-Gewummse herumzappelt oder betont lässig mit einem zu teuren Drink in der Hand an der Bar lehnt, dabei andauernd auf seine Lässigkeit zu achten und gleichzeitig abzuchecken hat, was so geht, war mir von jeher ein Rätsel. Muss ich auch nicht verstehen, so was. Und so lange solche Geisterbahnen in sorgsam verschlossenen Räumen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit veranstaltet werden, soll's mir herzlich egal sein.

Freitag, 28. Februar 2014

Grenzerfahrungen in der Konsumgesellschaft (3)


Es ist schon eine Weile her, da sind hier zwei Beiträge (1, 2) erschienen, in denen ich meiner Fassungslosigkeit Ausdruck verlieh, in die einige Erscheinungen der modernen Konsumgesellschaft auch den diesbezüglich schon recht abgestumpften Zeitgenossen noch zu stürzen vermögen. Das funktioniert aber auch von der anderen Seite her. Man könnte sagen, wer die Menschen derart schamlos für dumm verkaufe und sie derart plump um ihr Bares ankobere, bekomme am Ende auch die Kunden, die er verdiene. Nicht vergessen werden sollte aber auch, dass es leider das in der Regel schlecht entlohnte Verkaufspersonal ist, das diesen Schlamassel am Ende nicht selten ausbaden muss, obwohl es am wenigsten dafür kann.

Gemeinhin heißt es ja, Männer, bei denen der liebe Gott bei weniger als einem Meter siebzig das Wachstum für beendet erklärt hat, hätten es oft ganz besonders nötig. Vor ein paar Wochen begegnete ich so einer Zierde unseres Geschlechts, als ich in der hiesigen Filiale eines großen Multimediaverramschers einen jungfräulichen USB-Stick besorgen wollte. Dann kam er, eine um einen Kopf größere weibliche Begleitung am Händchen wie an der Leine hinter sich herschleifend. Ob sie wohl schon ihr Häufchen gemacht hatte?