Donnerstag, 23. Januar 2014

Investigativer Journalismus a'la ZDF


Wie Markus Lanz sich einmal als großer Verehrer Sahra Wagenknechts erwies

Die Zwangs-Haushaltsabgabe für öffentlich-rechtlichen Rundfunk muss ich bezahlen, ob ich will oder nicht. Mit dieser Abgabe, die einige Milliarden im Jahr einbringt, soll sichergestellt werden, dass die öffentlich-rechtlichen Sender auch in Zukunft ihren Bildungsauftrag wahr nehmen können. Demach zahle ich die Gehälter all jener mit, die irgendwie ihre Semmeln mit dem verdienen, was öffentlich-rechtlich so durch den Äther geht. Natürlich gefällt mir nicht alles davon. Im Gegenteil, das allermeiste gefällt mir nicht. Aber ich habe mich arrangiert. Ich kann im Großen und Ganzen damit leben, auch wenn ich mich schon zuweilen frage, was das alles soll, weil das deutsche Fernsehen mittlerweile zu einem unkreativen Hort des Verschnarchtseins degeneriert ist.

Es ist ja nichts Neues, dass Journalismus im 21. Jahrhundert mehr und mehr bedeutet, dem dummen Volk, also den 99 Prozent, die’s nicht so haben, irgendwie unterzujubeln, dass die ganzen Zumutungen auf ihre Kosten in Wahrheit dem großen Ganzen und einer herrlichen Zukunft dienen, dass es sich mal nicht so haben sollte, dass es uns doch noch gold ginge undsoweiter. Ein aktuelles Beispiel lieferte Robert Leicht in der ZEIT. Der fühlte sich bemüßigt, moppernden Minderleister-Banausen, die wieder mal alles falsch verstehen, die wahre Bedeutung jenes neoliberalen Freiheitsgeschwurbels zu erklären, das der Pastek aus dem Präsidialamt von sich gegeben hatte. Mag man ansonsten auch überhaupt nicht einverstanden sein mit Leichts Argumentation, so muss man ihm zugute halten, dass er sich überhaupt noch bemüht, zu argumentieren. Das verdient schon einen gewissen Respekt in diesen Zeiten.

Anders liegt der Fall bei Markus Lanz. Ich kann Markus Lanz nicht ausstehen. Ich bin da nicht objektiv und bemühe mich auch nicht, das zu sein. (Wer ein Problem damit hat, möge bitte nicht weiter lesen. Ist besser für den Blutdruck.) Seine ganze Art ist mir unsympathisch und er hat unter meiner sporadisch-zufälligen Zuschauerschaft noch niemals einen Auftritt hingelegt, den ich auch nur ansatzweise gelungen und sympathisch fand. Und dabei gucke ich seit vielen Jahren noch nicht mal mehr 'Wetten, dass…?' Ja, es haben sich in den letzten Tagen schon mehrere über ihn geäußert und es ist daher sicher nicht zwingend nötig, dass ich das auch noch tue. Nur geht der Knabe mir inzwischen so auf den Zeiger, dass ich mir das nicht verkneifen will.

Sobald in Lanzens Talkshow jemand auf dem Stühlchen sitzt, der auch nur leicht links von der Mittel zu verorten ist, macht er einen auf investigativ und schaltet in den Linkenfresser-Modus. Das heißt, er rückt dem Gesprächspartner ganz nah auf die Pelle, unterbricht ihn nach spätestens drei Worten und wendet seinen Lieblingstrick an: Er insistiert darauf zu erfahren, wie viel man denn so verdient als sozialistischer Abgeordneter/Minister etc. Subtext: Aha, seht ihr! Alle arm machen wollen, aber selbst Schampus saufen, Porsche fahren und Hummer fressen, hamwagerne! So geschehen auch letzte Woche beim viel diskutierten Auftritt Sahra Wagenknechts (die allerdings mit der Masche wohl schon vertraut war).

Man weiß es natürlich nicht, aber es ist durchaus denkbar, dass Lanz sich wirklich cool und witzig dabei vorkommt. Nur scheint ihm noch niemand beigebracht zu haben, dass Coolness und Witz nicht darin bestehen, coole und witzige Sprüche von Moderationskarten abzulesen, sondern zuvörderst und vor allem einmal eine Frage der Haltung sind. Wie sehr das der Fall ist, wird deutlich, wenn man sich anschaut, was passiert, wenn jemand wie Lanz mal auf eine wirklich coole Sau trifft. Ferner könnte man auf den Gedanken kommen, er hätte noch niemals davon gehört, dass es im Rahmen des journalistischen Handwerkszeugs so feines Besteck gibt wie das, einen Interviewpartner, der dummes Zeug redet, schlicht ins Leere laufen und ihn sich selbst um Kopf und Kragen reden zu lassen. Aber, was rede ich? Was soll man denn auch groß erwarten von einem Sender, bei dem Arnulf Baring als ernst zu nehmender Historiker durchgeht?

Zum Mitschreiben, Lanz: Es geht völlig in Ordnung für mich, dass Sie Frau Wagenknecht und die Linke, resp. deren Forderungen, zutiefst ablehnen. Ist okay, stehen Sie offen dazu. Sie dürfen das. That’s democracy. Wenn Sie inhaltlich ein Problem mit etwas haben, das Frau Wagenknecht gesagt hat bzw. sagt und Sie die besseren Argumente haben, dann diskutieren Sie das eben mit ihr auf inhaltlicher Ebene aus und gut. Ich habe nur absolut keinen Bock, einen sich maßlos überschätzenden Transferempfänger wie Sie mit meinen Zwangsabgaben durchzufüttern, der Journalismus verwechselt mit Propaganda, Gesprächsführung mit einem Verhör und der in seinem ganzen bisherigen verpfuschten Leben offenkundig nicht in der Lage gewesen ist, die Bedeutung des Wortes 'Moderator' in einem handelsüblichen Lexikon nachzuschlagen. Ich hasse es, wenn Mindeststandards unterschritten werden und erwarte für mein Geld verdammt noch mal ein Mindestmaß an Professionalität. Haben wir uns?

Und wenn Sie es, Lanz, das nächste Mal wagen sollten, zum Zwecke der Denunziation einen Ihnen nicht genehmen Politiker oder einen Arbeitslosen bzw. Hartz-IV-Empfänger in inquisitorischer Weise darüber auszuquetschen, wie viel an öffentlicher Kohle er monatlich so abzugreifen wagt, dann tun Sie uns bitte allen den Gefallen, mal in den Spiegel zu schauen und ganz scharf zu überlegen, woher wohl die Flocken kommen, die man Ihnen für Ihr schmerzfreies Getalke überweist. Kleiner Tipp: Sie wachsen nicht auf Bäumen. Kommen Sie, Lanz, Sie schaffen das!

Moment mal! Ich glaube, ich bin auf dem Holzweg. Wie so oft, sind die Dinge nicht das, was sie zu sein scheinen. In Wahrheit sind Lanz und sein nicht minder herumgeifernder Kampffiffi Hans-Ulrich Jörges Anhänger der Linken, glühende Verehrer Frau Wagenknechts und dazu noch wahre Gentlemen. Denn der wahre Kavalier kleidet sich in schwarz oder mausgrau, auf dass die Dame an seiner Seite in umso hellerem Lichte erstrahle. Dass die beiden sich in aller Öffentlichkeit freiwillig derart zum Horst gemacht haben, diente daher allein dem edlen Zweck, Werbung für die Linke zu machen und die Dame vor dem dunklen Hintergrund, den sie da boten, ganz uneigennützig zum Leuchten zu bringen. So erklärt sich dann auch, warum Sahra Wagenknecht mit der Veranstaltung hinterher ganz zufrieden gewesen sein soll.


Kommentare :

  1. Lanz ist wirklich widerlich. Eine aalglatte neoliberale Aufziehpuppe. Genau das, was unsere Herrschenden im TV sehen wollen. Und wir dürfen das auch noch bezahlen. Ich schaue nun seit einigen Jahren kein aktives Fernsehen mehr, sondern nur gezielt Serien und Filme auf DVD. Probiert´s mal aus. Es ist die pure Erholung, sich diesen Dreck nicht mehr reinziehen müssen.

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    1. Aalglatte Aufziehpuppe ist schön :) Ich finde, der sollte Nachrichtensprecher sein. Stimme, Artikulation und Mimik dafür hat er. Mit einem guten Texter an der Seite könnte das ganz gut werden. Wäre mir immer noch unsympathisch, aber gut, man kann nicht alles haben.

      Gottschalk hatte immerhin ein gewisses Maß an Sozialkompetenz und wusste, was "Moderator" bedeutet. Der hat sein Publikum und seine Gäste immer im Griff.

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  2. https://www.openpetition.de/petition/online/raus-mit-markus-lanz-aus-meiner-rundfunkgebuehr

    Und zur Zufriedenheit der Frau Wagenknecht mit der Veranstalltung:
    https://twitter.com/SWagenknecht/status/425327217304817664

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  3. Herr Rose,meinen Dank für Ihren ausgezeichneten Kommentar.Einfach wieder genial auf den Punkt gebracht.Herr Lanz hat sich mit seiner Sabbelei selbst ins All geschossen.Sollten Ihn je dort Ausserirdische finden,dann ist sicher,dass diese kein intelligentes Leben auf der Erde vermuten.Könnte natürlich auch sein,dass die Aliens den Lanz als Angriff auf ihre Zivilisation sehen und uns mal vorsichtshalber ausrotten^^@ Epikur:Ohne TV lebt es sich recht angenehm.Von solchen Deppenprogramm bekommt man nur Augenkrebs.Auch wenn ich trotzdem die Zwangsabgabe zahlen muss.

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  4. Das Systemmedium Ostsee-Zeitung versucht doch tatsächlich, von den Lesern Mitleid für Lanz, Quatschkopp und Linkenhasser, zu erheischen, mit dieser Schlagzeile:

    "Quotentief und Talkshow-Ärger - Lanz leidet"

    Hallo, dafür verlangt der Verlag Geld vom Leser!

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    1. Das scheint in der Tat das unter den selbsternannten Eliten und Leistungsträgern vorherrschende Denken zu sein: Wenn irgendein Geringverdiener Mist baut und entlassen wird, dann ist er selbst schuld, kann den Job eben nicht. Wenn aber ein millionenschwerer Moderator bzw. Promi seinen Job nicht kann und sein Rauswurf gefordert wird, dann heißt es: Wie unmenschlich, der arme Mann! Hat denn niemand Mitleid?

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    2. Auf dem Geringverdiener hackt aber auch nicht das ganze Land herum. Außer natürlich, wenn eine gewisse Tageszeitung auf ihn aufmerksam wird, dann kann es auch ein unfähiges Schichtgesicht aus Wolfsburg oder Rüsselsheim zu einem anständigen Shitstorm einschließlich lobender Erwähnung auf Seite 1 schaffen. Wenn dagegen irgendein armer Promi mal ein kleines harmloses Fehlerchen macht, was sage ich Fehlerchen, wenn er mal nicht ganz hundertachtzehnprozentig glänzt, dann drischt gleich die ganze Neidhammelnation auf ihn ein. So ist das, Ihr herzlosen Spötter ;)

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