Dienstag, 14. Januar 2014

Verbales und Unverbales


Das Wort 'Sozialtourismus' ist zweifellos ein würdiges Unwort des Jahres 2013. Weil Tourismus etwas ist, was man freiwillig tut, steckt die Perfidie im Verknüpfen von Elendsmigration, die aus purer Not geschieht, mit Tourismus, also mit etwas, das Spaß macht. Flüchtlingen, zu denen zum Beispiel auch Menschen gehören, die sich irgendwie nach Lampedusa hinüber retten, wird so mal eben unterstellt, sie täten das vor allem mal aus Langeweile. Nicht nur das. Auch den Deutschen wird wieder einmal das Märchen aufgetischt, es gäbe hierzulande Sozialleistungen, die so üppig und luxuriös sind, dass die halbe Welt sich förmlich die Finger danach leckt und kein höheres Ziel kennt, als dem deutschen SteuerzahlerTM auf der Tasche zu liegen. In der Tat, ein schöner Eintrag im Wörterbuch des Unmenschen.

Ich hätte da gleich schon einen Vorschlag für das Unwort, genauer: die Un-Formulierung des Jahres 2014: Ursula von der Leyens 'Familienfreundliche Bundeswehr'. Natürlich ist damit lediglich gemeint, dass es Angehörigen der Bundeswehr in Zukunft erleichtert werden soll, Beruf mit Familie zu verbinden. Nun hat nur ein kleinerer Teil all derer, die bei den Fleckgetarnten auf der Gehaltsliste stehen, eine Waffe am Mann bzw. an der Frau, gibt Feuerbefehle oder drückt auf Knöpfe, die Tod und Verderben auslösen. Es gibt auch viel an Logistik und Verwaltung. Diese Jobs unterscheiden sich von anderen in der Privatwirtschaft eigentlich nur dadurch, dass sie teils in Uniform erledigt werden.

Verräterischer aber ist von der Leyens Aussage, sie wolle die Bundeswehr zum attraktivsten Arbeitgeber Deutschlands machen. Das ist, gewollt oder ungewollt, nicht weniger als das Eingeständnis, dass das Militär nichts besonderes mehr ist, sondern die Armee ein Arbeitgeber wie jeder andere, der mit anderen im Wettbewerb um die besten Kandidaten steht. Dienst beim Militär ist also nichts Exponiertes mehr, keine ehrenvolle oder lästige Pflicht im Dienste des Vaterlandes, sondern eine Karriereoption wie alle anderen auch. Der Schritt zur staatlich finanzierten Söldnertruppe ist da nicht mehr weit. Die Briten wussten zu Zeiten ihres Weltreichs auch schon, dass das, was man 'globale Interessen' nennt, sich am besten mit Profis durchsetzten lässt.

Hey, was war noch gleich mit diesem FachkräftemangelTM?


Kommentare :

  1. Ach was! Nachdem man schon Schwule und Frauen an den Abzug lässt, ist die bessere Vereinbarkeit von Familie und Krieg nur der logisch nächste Schritt! Jetzt fehlen nur noch CO2-neutrale Sprengstoffe und biologisch abbaubare Granaten, und wir haben einen zivilisatorischen Gipfel erklommen...

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    1. Nicht zu vergessen: Veganes Bio-Essen beim Küchenbullen inklusive Latte Macchiato mit Sojamilch. Erst das würde den Laden so richtig auf den Stand der Zeit bringen...

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  2. Nun ja,ich finde es gar nicht so abwegig,die Bundeswehr familienfreundlicher zu machen.Wenn man weiß,dass dort die Scheidungsrate überdurchschnittlich hoch ist,sollte man auch mal dagegensteuern.Ich möchte eben nicht von ein paar einzelgängerischen,empathielosen Psychopathen(mal was überspitzt gesagt) verteidigt werden.Bundeswehr heißt Bürger in Uniform...und dazu gehört auch ein halbwegs intaktes Familien und Freundesleben.
    Mal ein Schwank aus meiner eigenen Kindheit:Vater Berufssoldat,.Mutter nur noch Hausfrau und Mutter(eine Berufsausübung war bei der ständigen Umzieherei eh nicht drin).Bei meiner Einschulung machte es meine Mutter nicht mehr mit.Entweder ein paar Jahre an einem Ort,oder die Scheidung.Mein Vater setzte weitere Versetzungen aus,allerdings damit auch seine weitere Karriere :( Trotzdem sahen wir Kinder den Vater nur am Wochenende.Was Gehälter angeht,in der freien Marktwirtschaft bekommt man mehr.Gesellschftliche Anerkennung,davon sprechen wir erst gar nicht.Sollte man sich nur für ein paar^^ Jahre verpflichtet haben,ist es noch viel lustiger,Wiedereingliederung ins Zivilleben ist ein trauriger Witz.

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    1. Schon ok, Ritick, ich will gar nicht bestreiten, dass so eine Armeekarriere Familien über Gebühr belasten kann. Dass mir das nicht so bewusst ist, mag daran liegen, dass in meinem Umfeld niemand, wenn überhaupt, länger beim Bund war als unbedingt nötig. Ich wollte eigentlich darauf hinaus, dass 'Armee' und 'familienfreundlich' semantisch schon ziemlich abenteuerlich rüberkommt, auf den ersten Blick.

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